Unsere zweite Woche in Botswana hat uns genauso begeistert wie die erste. Nach Namibia taumeln wir gefühlt von einem zum anderen Highlight – und das, obwohl wir schon 30 (Silke) beziehungsweise 40 (Jan) Länder Afrikas bereist haben! Vielleicht aber auch, weil wir erst in Botswana realisiert haben, wie sehr uns Namibia genervt hat.

Nach einem ewigen, aber elefantenreichen, 600km langen Fahrtag waren wir in Kasane angekommen, wo wir nach zwei Tagen Fahrt und insgesamt 1000km Strecke eigentlich einen Tag Pause machen wollten. Doch ein Blick auf den Wetterbericht ließ uns diesen Plan ganz schnell verwerfen und schon direkt am Tag nach Ankunft die erste „Aktivität“ (activity), wie es hier so heißt, machen: eine Bootsfahrt auf dem Chobe Fluss!

Der Chobe entspringt als „Cuando“ in Angola, heißt dann Linyanti und hier jetzt Chobe. Er bildet die Grenze zwischen Botswana und Namibia und die nördliche Grenze des Chobe Nationalparks, wegen dem wir nach Kasane gekommen waren. Wie überall in Botswana sind Nationalparks nicht eingezäunt und dass wir bei der Herfahrt schon so viele Elefanten gesehen hatten, ist ein Resultat dessen, denn in der Region gibt es ca. 120.000 Elefanten!

Im angeblich ach so teuren Botswana bestiegen wir nun für wahnsinnige 23€ ein Boot für eine Safari. Ein kleines Boot, das wir uns 3,5 Stunden lang nur mit einer holländischen Familie teilten. Der Eintritt in den Nationalpark von 12€ war auch nicht gerade das, was wir teuer nennen würden, aber diejenigen, die behaupten, Botswana sei so teuer haben sicherlich andere Budgets – oder höchstwahrscheinlich keine Ahnung.

Meine Erwartungen nach so, so vielen Safaris waren trotzdem noch hoch: ich wollte vom Wasser aus sehen, wie ein Elefant trinkt und ich wollte ein Nilpferd auf einer Insel herumlaufen sehen. Das mit dem Elefanten war nach 15 Minuten schon abgehakt. Und zwar gleich mehrmals: ich kann gar nicht so weit zählen, wie viele Elefanten am Flussufer standen und ihre Rüssel ins Wasser tauchten, um sich dann das Wasser ins Mail zu gießen! Bilderbuch-schön!

Und weil die Elefanten halt schonmal da waren, konnten sie auch gleich baden gehen. Eine ganze Truppe lief ins Wasser, um sich gegenseitig zu bespritzen, mit den Füßen zu plantschen und auf Tauchstation zu gehen. Man sah richtig, wie viel Spaß sie alle dabei hatten! Manche so viel, dass sie, kaum zurück am Ufer, nach ein paar Metern gleich wieder in den Fluss gingen, um dort eine große Bugwelle schiebend, wieder ins Wasser einzutauchen.

Die Wunscherfüllung mit dem Nilpferd dauerte noch eine halbe Stunde, denn zunächst beobachteten wir eine Nilpferd-Mama mit ihrem Baby, die im seichten Wasser „lauf-schwammen“: das Baby schwamm fleißig, Mama Nilpferd lief geduldig nebenher und stupste das Kleine behutsam mit der Schnauze in die richtige Richtung. Es ist gerade „Kindergartenzeit“ im Tierreich und wir sahen bei allen Tierarten sehr viele Jungtiere.

Ein bisschen später sah ich dann nicht nur ein Nilpferd auf einer Insel, sondern ganz viele, auch mit Nachwuchs. Mütter mit Kindern, Jungbullen beim Streiten, ältere Tiere beim Grasen oder ins Wasser marschieren und dort herumgrunzen und was Nilpferde sonst so im Wasser machen (Fäkalien mit dem Schwanz verwirbeln z.B.). Beide „Wünsche des Tages“ innerhalb nicht mal einer Stunde erlebt! Wow!

Außer diesen „Wunschmomenten“ sahen wir natürlich noch so viel mehr: ein faules großes Krokodil, einige, sich in Zeitlupe bewegende Warane, Büffel, noch mehr Elefanten, Kudus, Impalas, Paviane, diverse Wasservögel, Adler, Nashornvögel, Gänse und mehr Getier. Unvorstellbar, wie viele Tiere wir auf so kleinem Raum beobachten konnten! Die gesamte Bootsfahrt führte eigentlich nur ungefähr 3-4km flussaufwärts um eine Insel herum und wieder zurück nach Kasane. Und all das ganz ohne Zaun, Tierpark, Zoo oder „game lodge“!

Auf der anderen Seite des Flusses liegt Namibia, aber dort ist das identische Ökosystem kein Nationalpark, sondern darf für Fischerei und Landwirtschaft genutzt und Zäune gezogen werden. Die Fischer (und Lodges) sahen wir vom Boot aus – die Tiere bevorzugen daher die Seite Botswanas, Elefanten, Nilpferde, Büffel etc. sind schließlich gute Schwimmer. Die Frage der Grenzziehung zwischen beiden Ländern beschäftigte übrigens schon den internationalen Gerichtshof in Den Haag: Namibia wollte die große Insel landwirtschaftlich nutzen, Botswana in den Nationalpark integrieren. Botswana gewann den Gerichtsstreit.

Die Sonne ging langsam unter und wir schipperten zurück nach Kasane. So eine schöne Bootssafari! Auf dem Fluss waren natürlich zu Sonnenuntergang einige Boote unterwegs, die meisten davon jedoch recht groß und schwerfällig. Unser Boot war klein und wendig und wir froh, nicht auf einem großen Kahn unterwegs gewesen zu sein, und so viel besser auf Tiersichtungen reagieren und auch in kleine Buchten hineinfahren konnten, um Tiere zu beobachten.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 5 Uhr früh. Wir hatten eine „Sonnenaufgang-Safari“ gebucht. Wieder „unglaublich teuer“ für 23€ und wieder zusammen mit der holländischen Familie mit ihren 2 und 4 Jahre alten Töchtern. Schon auf dem Weg zum Eintrittskartenhäuschen trafen wir eine große Herde Elefanten beim Morgenspaziergang. Im Park wurde es nicht weniger: Elefanten überall! Wir sind uns nun nicht mehr ganz so sicher, ob wir in Botswana oder der Zentralafrikanischen Republik mehr Elefanten gesehen haben…

Mein Wunsch des Tages: Katzen! Und damit war ich nicht alleine: auch die holländische Familie vom Vorabend wollte Großkatzen sehen. Doch zunächst sahen wir eine Herde Impalas, Nilpferde, einen Schakal, alle meine Entchen, noch mehr Elefanten – und Katzentatzen-Spuren im Sand!

Unser Guide und Fahrer verfolgte die Spur, die praktischerweise direkt auf der Sandpiste verlief. Warum sollte auch die Katze durchs Gestrüpp laufen, wenn sie mit ihren „zarten Pfötchen“ auch einfach einen weichen Sandweg entlang spazieren kann? Auch andere Safariautos nahmen die Fährte auf und wurden fündig: drei Löwen lagen faul im Gras und dösten.

Es machte den drei Tieren nichts aus, dass fünf Autos um sie herumfuhren. Jedes Auto nur eine Minute, aber trotzdem: mir waren das zu viele Autos zu nah an den Tieren. Jede Hauskatze wäre völlig genervt aufgestanden und von dannen gezogen oder hätte mal kurz die Krallen ausgefahren, um ihre Meinung zu verdeutlichen. Nicht so die drei faulen Jäger. Ob sie mit Safariautos aufgewachsen sind und es ihnen deshalb so egal ist?

Auch diese eine Minute fand ich persönlich kritisch, aber was soll man dann machen, wenn vier andere Autos Schlange stehen, um auch eine Minute „Katzen gucken“ zu können? Die Katzen selbst sahen das ganz offensichtlich total entspannt und vielleicht war ich alleine mit meinen Gedanken.

Wir fuhren weiter und sahen viele, viele andere Tiere: Giraffen zum Beispiel, wie sie genüsslich ihr Frühstück mümmelten. Oder eine Pavianfamilie mit Neugeborenem. Es gibt im Chobe Nationalpark so unendlich viele Tiere auf engstem Raum zu sehen, dass man sich wundert: wie geht das gut? Wie kann es sein, dass 500m neben den verschlafenen Löwen eine Herde Impalas grast? Wie kann es sein, dass man wirklich hinter jeder Ecke eine Menge Tiere sieht, obwohl der Nationalpark keine Zäune hat?

Im Etosha Nationalpark haben wir für das doppelte Geld in dreifacher Zeit weniger Tiere gesehen – obwohl der Nationalpark ein eingezäunter Zoo ist. Wir können es immer weniger verstehen, warum deutsche Urlauber so auf Namibia schwören. Und warum Leute, die noch nie in Botswana waren, genau wissen, wie teuer es da ist. Für uns war Botswana wesentlich billiger: günstigere Unterkünfte, günstigere Safaris, günstigere Touren und insgesamt freundlicher. Nicht falsch verstehen: in Namibia sind alle Leute extrem freundlich und es ist eine reine Wohltat im Vergleich zu Deutschland (vielleicht daher die Begeisterung der Deutschen für Namibia?), aber in Namibia haben wir uns oft abgezockt gefühlt: ein Campingplatz für 46€ um im Zelt auf einem Schotterparkplatz zu schlafen und extrem abgerockte sanitäre Einrichtungen nutzen zu dürfen? Das haben wir in Botswana nicht erlebt.

Unser Safariguide stoppte das Auto und bat uns auszusteigen. Im Nationalpark, nur kurz nachdem wir Löwen gesehen hatten. Er breitete eine Tischdecke auf der Motorhaube aus und deckte ein Picknick ein: Kekse, Kaffee, Tee,… Nach unserer Safari im Etosha Nationalpark in Namibia, während der wir wie Gefangene die gesamten neun Stunden angeschnallt auf dem Auto sitzen bleiben mussten und nur in wenigen, mit Zäunen gesicherten Camps auf Toilette gehen oder essen durften, waren wir erst unsicher. Echt jetzt? Dann fiel uns ein: ach ja, in Botswana sind die Tiere ja frei und wir sind auf der Autofahrt durchs Land auch völlig selbstverständlich in die Büsche.

Natürlich wurden weder wir noch die Holländer von Löwen gefressen und kein Tier hat sich am Picknicktisch bedient. Sechs Wochen Namibia haben unser Hirn nur voll Verbote und Gefahren umprogrammiert. In ganz West– und Zentralafrika waren wir ständig ohne Zäune und leben trotzdem noch. Die Safari war toll, auch wenn es für uns teilweise ein bisschen zu voll war. Aber auch asiatische Reisegruppen wissen schließlich, wo man gut Tiere gucken kann und wir wissen: 5 Autos bedeutet gar nichts. In Ostafrika ist ein Vielfaches davon mit Touristen auf „Tierjagd“ mit Kameras…

Robert, ein 70jähriger kanadischer Motorradreisender hatte uns vor zwei Wochen Bilder von den Viktoriafällen gezeigt. Wegen der ungewöhnlich frühen und heftigen Regenfälle seit Dezember sind die Wasserfälle dieses Jahr schon im Januar bei dem Wasservolumen, das sie sonst im März/April haben. Jan war schonmal im November dort und da war so wenig Wasser, dass der Besuch nicht ganz so toll war. Also beschlossen wir spontan, zu den Viktoriafällen zu fahren, denn schließlich muss man Gelegenheiten nutzen, wenn sie da sind!

Weil unser Mietwagen nicht nach Simbabwe oder Sambia darf (diese beiden Länder teilen sich die Wasserfälle), mussten wir eine Tour buchen. Aber weil ja Botswana nicht das teure Land ist, von dem alle, die noch nie da waren und lieber nach Namibia fahren immer erzählen, hat diese Tagestour auch nur 37€ gekostet. Dafür wurden wir frühmorgens abgeholt und bekamen einen persönlichen Fahrer und Guide, der uns als erstes zur Grenze brachte, wo wir aus Botswana aus- und nach Simbabwe einreisten. Theoretisch mein 119. Land, aber weil wir nur ein paar Stunden da waren, zähle ich das erst, wenn wir richtig dort waren. Unser 120. Land wird nämlich ganz Besonders und ist schon geplant.

Der Grenzübergang war wie auch bei der Einreise nach Botswana so einfach wie nirgends. Da ist es schwerer, in die Schweiz oder von der Schweiz nach Deutschland zu fahren! Alle Grenzbeamten hatten ausnahmslos helle, wache Augen und wir hatten zum zweiten Mal in Afrika das Gefühl, mit Grenzern auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Reisen im südlichen Afrika ist so entspannt und anfängertauglich, dass wir uns wirklich wie im Urlaub fühlen!

Na? Besser als Island!

Unser Fahrer brachte uns zunächst zu einem Café, das an der schönsten Stelle für den besten Blick auf eine spektakuläre Flussschleife des Sambesi gebaut wurde. Der Kaffee dort ist mit 4$ kein Schnäppchen, aber wenn man das als 4$ „Eintrittsgeld mit inkludiertem Heißgetränk“ sieht, ist es günstig. Zumindest würde ein solcher Blick, ein solcher Canyon, in Island mindestens 10€ nur fürs Parken kosten. Und dann tat sich vor uns ein Blick auf, der wirklich, wirklich atemberaubend und noch viel teurere Getränke wert ist – und den es so in Island auch nirgends so spektakulär gibt.

Nach dem „günstigen Eintrittsgeld mit inkludiertem Heißgetränk“ brachte uns der Fahrer zum Eingang der Viktoriafälle. Wir hatten, als wir die Kalandula Fälle in Angola ganz für uns alleine hatten, Bedenken, dass es bei den Viktoriafällen in Massentourismus ausartet. Aber weil ja keiner so spontan reisen kann wie wir, haben die Chance des „Hochwassers“ auch nur verhältnismäßig wenige andere Touristen genutzt. Die meisten Gruppenreisen und Busladungen voll Besucher kommen erst im März und April, wenn der Wasserfall verlässlich tosend und donnernd ist.

Die Viktoriafälle heißen in der Lokalsprache „Donnernder Rauch“ (thundering smoke) und wenn die Wasserverhältnisse so sind wie derzeit, ist das gut nachvollziehbar: die Gischt ist so intensiv, dass sie wie Rauch in der Luft hängt und schon aus der Ferne zu sehen ist – wie uns unser Fahrer eindrucksvoll zeigte. Ist man vor Ort, wird man nass, denn der „donnernde Rauch“ fällt natürlich vom Himmel und wenn es windet, kommt der „Rauch“ auch waagrecht.

Der Sprühnebel ist an manchen Stellen so intensiv, dass man wirklich im Nebel steht und wenig bis gar nichts vom Wasserfall sieht. Aber da sich die Viktoriafälle über eine Breite von 1,7km ziehen, hat man genug Möglichkeiten, auch etwas zu sehen. Für die wahnsinnigen 50$ Eintrittsgeld bekommt man immerhin befestigte Wege, aber unleserliche Wegweiser und Landkarten, die vor 15 Jahren, als Jan schonmal da war, allerdings noch lesbar waren.

Was man für die vielen Dollar nicht bekommt, sind Geländer. Man kann auf den grundsätzlich immer nassen, rutschigen und glitschigen Steinen und Matsch überall herumklettern – bis zur Kante oder auch darüber. Und das machen die Leute auch. Dieses Jahr (ja, 2026, also noch keine zwei Wochen!) sind schon drei Menschen an den Viktoriafällen gestorben. Mindestens. Diese drei zumindest wurden vermisst gemeldet und auch gefunden. Wie viele es tatsächlich jedes Jahr sind, weiß man nicht, denn das Areal ist recht weitläufig, oft im Nebel und wer alleine unterwegs ist, wird auch erstmal nicht vermisst.

Man kann auf beiden Seiten, von Simbabwe und von Sambia aus, die Wasserfälle anschauen, wir haben uns nur für Simbabwe entschieden. Erstens ist man da näher dran, zweitens finden wir, dass es reicht nur einmal Eintritt pro Wasserfall zu zahlen und drittens ist es für uns rausgeworfenes Geld, für „1x Wasserfall gucken“ noch ein zweites Visum zu kaufen. Wir haben nun wirklich schon viele Wasserfälle dieser Erde gesehen und das ist definitiv der teuerste. Da muss man das nicht auch noch übertreiben.

Übertreiben tun es andere: den ganzen Tag schwirren Hubschrauber über dem Wasser. Was man bei all dem Sprühnebel sieht, ist fraglich. Man kann auch von der Grenzbrücke Bungee springen, sich über die Kante der Klippe abseilen, angeseilt im Wasserfall selbst auf der Kante sitzen oder im „Teufelspool“, einer Art Gumpe direkt an der Kante, baden. Manchmal, so unser Fahrer, rutscht das am Fußgelenk befestigte Seil der Badenden ab und upps… Er wundert sich, warum das noch nicht verboten wurde, aber wahrscheinlich ist mit Haftungsausschluss der Touristen alles möglich. Für uns definitiv zu viel Rummel.

Was man aber völlig kostenlos machen kann: durch die Grenzstation von Simbabwe durchlaufen, sich einen Zettel geben lassen und dann auf die Brücke im Niemandsland laufen, die den Sambesi überspannt und von der aus man einen ganz anderen Blick auf die Fälle bekommt. Das haben wir natürlich auch gemacht. Man muss dazu eine ganze Strecke laufen und zum Ärger aller Taxifahrer (only one Dollar!) funktionieren unsere Füße total super. Unser Fahrer war später auch ganz überrascht, dass wir das schon zu Fuß gemacht hatten. Wir sind wohl komische Touristen.

Und das war unser Ausflug nach Simbabwe. Oder besser gesagt: zu den breitesten Wasserfällen der Welt und den größten Afrikas. War es das wert? Oh ja! Wir haben ja intern so eine Redewendung: „Wasserfallsyndrom“. Das benutzen wir, wenn uns jemand voll Begeisterung von etwas erzählt, was im weltweiten Vergleich maximal Mittelklasse ist, aber trotzdem irgendwie „nett“. Denn jeder Wasserfall ist schließlich irgendwie „nett“ und wenn man die „Champions League“ der Wasserfälle schon gesehen hat, sind die meisten anderen Wasserfälle halt einfach nur nett, reißen uns aber nicht zu den Begeisterungsstürmen hin, die andere dort vom Zaun brechen. Die Redewendung passt auf alles: Wasserfälle, Canyons, Städte, Moscheen,… was auch immer.

Iguazú 1996

Was sind nun unsere „schönsten Wasserfälle der Welt“? Für Jan sind es nun nach dem zweiten Besuch tatsächlich die Viktoriafälle. Er war aber noch nicht am Angel Fall in Venezuela, dem mit 979m höchsten Wasserfall der Welt, der auch nach zweimaligem Besuch meine persönliche Nummer eins ist. Jans Nummer zwei ist meine Nummer drei: Iguazú in Brasilien. Meine Nummer zwei sind nun die Viktoriafälle und lösen damit Iguazú ab. Außerdem toll auf unsere beiden Plätze vier und fünf: Saala und Kambadaga in Guinea. Und was hat Jan zu Island gesagt? „Dritte Liga“. Und zwar allesamt. Wasserfallsyndrom eben.

Der „Angel Fall“ in Venezuela 2009

Und dann begann das, was sich nach „Arbeit“ anfühlt: 2600km geradeaus durch Namibia fahren, um nach Südafrika zu kommen und in Kapstadt, beziehungsweise am Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents einen Schlussstrich zu setzen. Auf diesen 2600km erwartet uns: nichts. Jeden Morgen aufstehen, den Zündschlüssel umdrehen und einen ganzen Arbeitstag stumpf geradeaus fahren. Jeden Tag. Und damit fingen wir Anfang der Woche an.

Zuerst fuhren wir noch 70km durch Botswana und wurden von so vielen Elefanten verabschiedet, dass es uns noch mehr leidtat, das Land zu verlassen. Botswana hat uns sehr gut gefallen. Es hat sich für uns so richtig schön nach Urlaub angefühlt: nur nette Menschen mit hellen, wachen Augen, mit denen man wie z.B. in unserem Homestay in Maun, abendfüllende Gespräche führen kann, keine überzogenen Touristenpreise, wunderschöne Natur, günstige Unterkünfte, in denen alles funktioniert, sehr leckeres Essen „von Muttern“ (wir haben hauptsächlich bei Privatleuten genächtigt), gute touristische Infrastruktur (Touren, Guides, Agenturen,…) und bis auf zwei Nächte, immer gutes Wetter.

In Botswana sind alle Lebewesen frei und Warzenschweine gehen schon mal zu Spar einkaufen.

Botswana hat sich für uns nicht nur nach „Sommerferien“ angefühlt, sondern auch nach Freiheit, nach ein bisschen Afrika, ein bisschen Europa, wir haben es sehr genossen, so viele Wildtiere ganz selbstverständlich neben und auf der Straße zu sehen (Elefanten, Strauße, Schakale, Füchse, Impalas,…) und in Nationalparks unterwegs zu sein. Aufgrund des Mietwagens waren wir ein bisschen zügig unterwegs und wären gerne an der einen oder anderen „Ecke“ etwas länger geblieben, aber das Gute ist: Botswana liegt mitten im südlichen Afrika und weil wir uns dort noch länger herumtreiben werden, können wir auch wieder zurück.

Mr. Livingston, der 1855 die Viktoriafälle „entdeckt“ hat.

Nach einem weiteren extrem einfachen und entspannten Grenzübergang (so langsam verstehe ich nicht mehr, warum Reisende im südlichen Afrika über Grenzen jammern) waren wir zurück in Namibia. Und da gibt es ja nur geradeaus. Wir fuhren den gesamten „Caprivizipfel“ entlang, der ein peinlicher Beweis dessen ist, dass Deutschland nicht immer so smart ist, wie man es verkauft bekommt: Der Caprivizipfel ist 500km lang und maximal 100km, meist nur 30km breit und erstreckt sich zwischen Botswana im Süden und Sambia und Angola im Norden. 1890 dachten sich die Deutschen, die ganz offensichtlich im Erdkundeunterricht nicht aufgepasst hatten, dass es schlau sei, von ihrer Kolonie Deutsch-Südwest (heute Namibia) bis zu ihrer Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) eine schiffbare Landverbindung zu haben. Doch das Gebiet zwischen den deutschen Kolonien gehörte den Engländern, die aber besser in der Schule aufgepasst hatten und den Deutschen einen Deal anboten: „Ihr bekommt Zugang zum Sambesi Fluss, wir bekommen Sansibar und tauschen gegen Helgoland“. Gesagt, getan, Deutschland unterschrieb – und die Engländer lachten sich schlapp: Deutschland hatte zwar einen Zugang zum Sambesi bekommen, konnte damit aber nie etwas anfangen, weil… die Viktoriafälle Schifffahrt auf dem Sambesi unmöglich machen! Die Viktoriafälle waren 1890 schon 45 Jahre lang bekannt, aber nur denen, die mal auf die Karte gucken, Berater fragen oder in der Schule aufpassen konnten. Die Deutschen gehörten da nicht dazu. Seitdem gibt es diesen nutzlosen Zipfel Land, der heute zu Namibia gehört und bis in die 1960er Jahre nicht mal mit Straßen an den Rest des Landes angebunden war, weil es dort sumpfig und malariaverseucht ist. Und seitdem gehört Deutschland ein nahezu nackter Felsen in der Nordsee namens Helgoland statt eine tropische Gewürzinsel mit Traumstränden. Dümmer ging’s nimmer.

Und so fuhren wir diesen nutzlosen Zipfel Land entlang, bis es Abend wurde, wir ein Zimmer nahmen und nach einem Fast Food Abendessen ins Bett fielen. Am nächsten Tag wiederholte sich die Prozedur: aufstehen, Zündschlüssel umdrehen, geradeausfahren, bis der Tag sich dem Ende neigt, ein Zimmer nehmen und schlafen. Am nächsten Morgen wieder aufstehen, den Zündschlüssel umdrehen und geradeausfahren – bis wir in Windhoek waren. Erste Etappe in drei Tagen geschafft! In Windhoek holten wir bei einer Landrover Werkstatt eine CDI ab, die wir bis nach Kapstadt und dann Europa transportieren werden, wo sie repariert wird: Franzosen waren mit ihrem Defender in Namibia gestrandet und hatten nach „Overlander Mules“ gesucht: Reisenden wie uns, die auf ihrer Route für andere Reisende Teile transportieren.

Bei dem Bild dachten unsere Nachbarn in Bulgarien, wir seien schon zurück. Das nennt sich „deutscher Sommer“ und ist Namibia.

Und dann endete auch endlich das „Drama Ersatzteile“: Beim großen Service in Windhoek hatten wir ja Mitte Dezember festgestellt, dass Jan zwei Teile für seine KTM brauchte. Eigentlich kein Ding, aber weil die Teile bei keinem KTM-Händler auf Lager waren, mussten sie aus dem Werk in Österreich bestellt werden. Eigentlich auch eine Sache von nur 24 Stunden – aber nur eigentlich. Denn in der Woche vor Weihnachten kann man in Österreich keinen Finger mehr krumm machen. Und dann ist Weihnachten. Und dann Silvester. Und Neujahr. Und dann auch noch Heilige Drei Könige. Und erst dann wurde bei KTM das Fabriktor wieder geöffnet und dem KTM-Händler in Deutschland Jans Teile geliefert. Drei Wochen Betriebsferien, während auf der Südhalbkugel Sommer und Hochsaison ist, muss man sich leisten können. Und genau deswegen waren wir ja mit dem Mietwagen unterwegs: 6500km in drei Wochen. Das hätten wir sowieso mit den Motorrädern nie gemacht, also hatte das auch etwas Gutes. Nicht so gut war allerdings, dass der KTM-Händler nicht lesen und auch nicht verstehen kann, dass das extra bestellte „DHL Express“ nicht „Postpaket“ ist. Und dass „Postpaket“ bedeutet: lange Postlaufzeiten und Ewigkeiten im Zoll. Lieschen Müller (die in Wirklichkeit An-ders heißt) hat eben einen Horizont bis zum Rhein und nicht bis zum Atlantik und wenn der Kunde schriftlich „DHL Express“ fordert, muss man das weder lesen noch ausführen. Und so fuhren dann Jans Ersatzteile mit der Schneckenpost von Deutschland nach Namibia. Und wir sprangen im Quadrat, denn „Postpaket“ bedeutet, dass in Namibia die „Nampost“ zuständig ist, die wegen Weihnachten (das kommt auch hier immer so plötzlich!) einen Rückstau an Paketen im Zolllager bis November hat. Bis Jans Paket also auf normalem Weg durch den Zoll gelangt sein würde, wäre unser Visum abgelaufen. Wir holten uns technischen Rat vom Rallye-Dakar Mechaniker: die Rallyefamilie hilft immer! Er riet davon ab, ohne Austausch der beiden Teile weiter zu fahren, um größere Schäden zu vermeiden und schlug vor: „die Silke kann Dich doch auch abschleppen, in Namibia geht es ja eh nur geradeaus!“. Das war der Plan: 1500km Jan an den Haken nehmen und nach Südafrika ziehen, wo wir die Motorräder parken und zolltechnisch gut betreut einlagern werden. Parallel zu diesem Plan setzte Jan alle Hebel des Landes in Bewegung, um dann, wenn das Paket mit der Schneckenpost ankommt, es gleich aus dem Zoll zu bekommen, so wie das bei DHL Express der Fall ist. Und er fand eine sehr nette Dame von Nampost, die sich tatsächlich persönlich gekümmert und dieses eine Paket durch den Zoll geschleust hat, sodass Jan seine Ersatzteile doch noch rechtzeitig bekommen konnte! DAS wäre in Deutschland niemals möglich gewesen. Wie gesagt: Namibia ist wie Deutschland, aber mit netteren Menschen und besserem Wetter. Das „bin ich nicht zuständig“ oder „kann ich nicht, will ich nicht, mach ich nicht“, gehört hier nicht zum Vokabular.

Unsere Motorräder hatten dreieinhalb Wochen beim KTM-Händler geparkt und als wir sie dort abholen wollten, traf uns fast der Schlag: unsere eigentlich cremefarbenen, durchsichtigen Tanks waren dunkelbraun verfärbt! Schock! Was war passiert? Nichts war passiert: die anderen Motorräder, mit denen unsere beiden in einer Reihe standen, sahen alle so aus: das Benzin in Namibia ist dafür verantwortlich. „Das Benzin gerbt“, nannte es der KTM-Händler, während er mit blutendem Herzen ein Neufahrzeug mit namibischem Benzin betankte. Unglaublich! Da haben wir mit Acerbis Tanks die meisten unserer fast 120 Länder bereist und in Namibia passiert sowas. Wir sind super wütend und der KTM-Händler sagte „alle meine Kunden kotzen deswegen“: die Tanks werden verhunzt, das Zeug greift Dichtungen und Benzinpumpen an. Bloß weg von hier! Wir waren bedient. Ab jetzt haben wir keine Ahnung mehr, wie viel Benzin wir noch haben oder nicht – bei großen Tanks stimmt nämlich die Tankanzeige nicht mehr und deswegen macht es ja so Sinn, dass diese Tanks transparent sind. Warum Dein Tank nicht verfärbt ist? Easy: weil Du nur durch Namibia durchgefahren bist. In unseren Tanks schwappt seit Ende November namibischer Sprit. Bisschen länger als Dein Tank in Namibia war, oder?

Mit genug Wut im Bauch verlassen wir nun Namibia so schnell wie möglich. Die Ersatzteile waren schnell eingebaut und jetzt geht es nur noch darum, weiter Kilometer zu fressen. Immer geradeaus. So, wie schon drei Tage zuvor werden wir ab Montag weiter daran arbeiten, dieses Reisekapitel abzuschießen: früh aufstehen, Zündschlüssel umdrehen und so lange stumpf geradeaus fahren, bis der Tag vorbei ist und man am nächsten Tag… Noch 1690km bis Kap Agulhas. Dann schließen wir dieses Kapitel und beginnen ein neues. Eins, worauf wir uns beide schon sehr freuen.

Bis dahin könnt Ihr ja mal schauen, wie es im Etosha Nationalpark in Namibia war und das mit dem vergleichen, was wir Euch von Botswana erzählt haben:

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