Papierkram für die Weltreise

Wenn wir erzählen, wo wir schon waren – und das auch noch mit eigenem Fahrzeug – kommt als zweite Frage (nach dem Dauerbrenner nach der Finanzierung): „ist das nicht unglaublich kompliziert? Diese ganzen Papiere und dann auch noch fürs Fahrzeug?“ Nö. Wenn man weiß, wie. Und das erklären wir Dir gerne. Wir zählen einfach mal auf, was man für eine Reise, ob mit oder ohne Fahrzeug, so an „Papierkram“ braucht.

Pass

So viele, wie möglich und mit so vielen Seiten wie möglich. Wir haben derzeit DREI gültige Pässe (davon zwei „dicke“) auf einmal. Warum? Weil sich die Fristen für manche Visa überschneiden, man manche Visa nur im Heimatland bekommt und man den Pass dafür auf Weltreise schicken muss, während man sich im Reiseland weiter ausweisen können muss und auch weil manche Visa bei anderen Staaten nicht so gut ankommen. Ja, man darf mehrere Pässe haben, man muss nur schriftlich begründen, warum man die wirklich braucht. Das weiß das „Fräulein vom Amt“ nicht immer, aber Du kannst mit gutem Gewissen darauf bestehen. Wenn sich das Fräulein immer noch weigert, zeig ihr den weiter unten verlinkten Text und bitte sie, den auch richtig zu lesen denn da steht: „Nach der rechtswissenschaftlichen Literatur liegt ein berechtigtes Interesse in diesem Sinne etwa auch dann vor, wenn viel reisende Passbewerber ihren Pass häufig zur Erteilung von Sichtvermerken abgeben müssen und zwischenzeitlich weitere Reisen unternehmen wollen.“ Da das auf Reisen Alltag ist, darfst Du mehrere Pässe haben. Hier der Link fürs „Fräulein vom Amt“: Voraussetzungen für die Ausstellung eines zweiten Passes

Auch wichtig: der Pass muss noch mindestens 6 (sechs!) Monate gültig sein! Je nach Land bezieht sich diese Zeitspanne auf „ab Einreise“ oder auch „während des gesamten Aufenthaltes“. Genau fragen hilft, Probleme zu vermeiden! Ein Pass, der keine freien Doppelseiten hat ist ähnlich nutzlos wie ein Pass, der nur noch drei Monate gültig ist. Um Visa zu beantragen, braucht man immer eine Doppelseite. Ist der Pass so ungünstig gestempelt, dass nur noch Einzelseiten frei sind, muss er neu, denn selbst bei Ländern mit „Visa on Arrival“ kann einem sogar das Boarding verweigert werden, wenn der Pass keine Doppelseite mehr hat. Und dann sitzt man fest. „The Terminal Guy“ oder so. Beide Anforderungen sind dem Personal deutscher Botschaften unserer Erfahrung nach leider nicht bekannt. Jan hat daher in Taschkent keinen neuen Pass bekommen, als dieser nur noch vier Monate gültig war und ich habe in Sofia keinen neuen Pass bekommen, als darin nur noch drei Einzelseiten frei waren. Wer das Land (und somit die zuständige Botschaft) nicht einfach wechseln kann (bei mir war der neue Pass in Bukarest kein Problem), erreicht vielleicht sein Ziel mit einer Klage beim Verwaltungsgericht, beziehungsweise mit einer Kopie der Klageschrift per Briefpost an den Botschafter, bevor man diese beim zuständigen Amtsgericht in Berlin einreicht. Damit hat es nach 7 Wochen (!) Diskussion für Jan in Taschkent geklappt, den ablaufenden Reisepass zu ersetzen. Er konnte nämlich in kein Nachbarland reisen und der Pass war bei Annahme des Passantrages letztendlich nur noch 2,5 Monate gültig… Wer unterwegs einen neuen Pass beantragen muss, sollte das von langer Hand planen, denn jede Botschaft hat andere Bestimmungen, welche Papiere dazu nötig sind. Schaut daher unbedingt auf der Seite der jeweiligen Botschaft nach und rechnet viele Wochen Vorlauf mit ein, um alle nötigen Papiere in Deutschland ausstellen und ins Reiseland transportieren zu lassen! In Sofia braucht man beispielsweise diesen Stapel Unterlagen: Papiere Passantrag

Abmeldebescheinigung

Um unterwegs auf Botschaften ablaufende oder voll gestempelte Pässe ersetzen zu können, braucht man eine Abmeldebescheinigung vom letzten Wohnsitz. Ja, in den allermeisten Fällen muss man sich abmelden, wenn man auf längere Reise geht. Das haben wir hier ausführlich mit allen Links zu Quellen und Gesetzen erklärt: Abmeldung Deutschland FAQ. Achte unbedingt darauf, dass auf dem Zettel vom Amt auch „Abmeldebescheinigung“ steht und nicht bloß „Meldebescheinigung Wegzug ins unbekannte Ausland“. Letztere wurde von der Botschaft in Sofia nicht als Abmeldebescheinigung akzeptiert. In dem Fall ist die Botschaft nicht zuständig und knöpft Dir 60€ Gebühren extra ab, um einen Pass auszustellen.

Wichtig also: besorge eine wasserdichte Abmeldebescheinigung, um 60€ pro Person zu sparen. Alle weiteren Papiere (Auszug aus dem Geburtsregister, Kopie Eheurkunde etc.), die man zur Beantragung eines neuen Reisepasses auf einer deutschen Auslandsvertretung braucht, haben eine maximale Gültigkeit von sechs Monaten und es lohnt daher nicht, diese auf Reisen mitzuschleppen. Der Kram muss von unterwegs beim heimischen Amt beantragt werden. Leider. Und das dauert. Digitalisierung und so. Du weißt schon (oder merkst es dann) … Mein Auszug aus der Geburtsurkunde dauerte drei Wochen – und wurde auch noch mit einem regionalen Postdienstleister nach Berlin versendet, der die Wartezeit nochmal um sechs Tage verlängerte… Man kann, sofern die Botschaft mitspielt, vereinbaren, diese Behördenpost über das Auswärtige Amt in Berlin direkt an die Botschaft schicken zu lassen. Damit spart man Kosten für DHL Dokumentenexpress und vereinfacht die Sache enorm. Leider spielen da aber nicht alle Botschaften mit, frag vorher!

Personalausweis

Außerhalb der EU ist der „Perso“ ziemlich nutzlos. Wir haben ihn die letzten vier Jahre eigentlich nie auch nur angefasst. Wichtig: lass Dir die Abmeldung aus Deutschland mit einem Sticker auf der Rückseite unbedingt bestätigen! Verschusselst Du die Abmeldebescheinigung unterwegs (oder hast sie gerade nicht griffbereit), kann dieser Sticker Botschaftsmitarbeiter überzeugen, doch für Dich zuständig zu sein. Wir mussten auf der Fahrt ins Ausland noch in Deutschland leider zur Polizei und da war es auch gut, den Papierkram im Reinen zu haben. Läuft der Perso unterwegs ab, kann man den auch auf der Botschaft neu ausstellen lassen. Falls man ihn unterwegs meint zu brauchen. Aufpassen: in manche Länder (Türkei z.B.) kann man zwar mit einem Personalausweis einreisen, jedoch nur noch in die EU wieder raus! Und wer mit Fahrzeug reist: die Fahrzeugdaten müssen bei der Einreise mit dem Pass verknüpft werden und wenn Du keinen dabeihast, darf der Grenzer Dir die Einreise verweigern. Daher geh auf „Nummer sicher“: immer den Reisepass zeigen, auch dann, wenn Du glaubst (oder gehört hast), dass der Perso reicht. Steck das Ding einfach ganz weit weg und lass ihn da auch stecken, dann vermeidest Du solche Probleme von vornherein. Den brauchst Du nur im Notfall und dann ist er „nice to have“.

Achtung, Ablaufdatum!

Führerschein

Nicht nur für Reisende mit eigenem Fahrzeug, auch wichtig für alle, die unterwegs ein Fahrzeug mieten möchten! Bevor Du abreist, tausche Deinen nationalen Führerschein in den neuesten Kartenführerschein um. Ja, auch dann, wenn Du schon so eine Plastikkarte hast! In Deutschland werden die Führerscheindaten erst seit 2017 digital erfasst und so können alle Führerscheine, die vor 2017 ausgegeben wurden, nicht ohne Dein persönliches Erscheinen auf dem Amt neu ausgestellt werden. Geht der Führerschein unterwegs verloren, kann ein nach 2017 ausgestellter Führerschein neu ausgestellt und von einer Vertrauensperson mit Vollmacht auf dem Amt in Deutschland abgeholt werden, ohne dass Du persönlich vorsprechen (und unterschreiben) musst. Haben wir aus Usbekistan heraus ausprobieren müssen. Funktioniert wirklich. Kleiner Haken an der Sache: die neueste Variante des Kartenführerscheins hat Ablaufdaten, also genau die Rückseite studieren!

Internationaler Führerschein

Es gibt Länder, die verlangen offiziell den internationalen Führerschein. Dieser muss in Deinem Heimatland ausgestellt werden und ist nur in Kombination mit dem nationalen Führerschein gültig. Den deutschen (Karten-) Führerschein daher bitte unbedingt auch mitnehmen! Es gibt leider zwei verschiedene Abkommen (von 1926 und 1968) internationaler Führerscheine und nicht jedes Land ist jedem Abkommen beigetreten. Das bedeutet, der deutsche internationale Führerschein wird nicht überall akzeptiert, zum Beispiel in Thailand. Deutschland stellt nämlich internationale Führerscheine nach dem Abkommen von 1926 aus, Thailand (und andere Länder weltweit) ist aber dem Abkommen von 1968 beigetreten und akzeptiert daher keine Dokumente eines anderen Abkommens (es gibt da noch ein Zwischending aus Genf von 1949). Eine Lösung können wir Dir nicht anbieten. Der internationale Führerschein ist leider nur für drei Jahre gültig, kann nirgendwo außer auf der heimischen Führerscheinstelle neu ausgestellt werden und jedes Reiseland darf darüber hinaus eigene Regeln festschreiben.

In vielen Ländern, die keinem dieser Abkommen beigetreten sind, braucht man einen nationalen Führerschein zum Führen jeglicher KFZ (China z.B.) und oft muss man bei längeren Aufenthalten (meist ab 3 Monate) den nationalen Führerschein beantragen (Thailand z.B.).

Krankenversicherung

Dieses Thema ist so komplex, dass wir dazu einen eigenen Beitrag gemacht haben. Fakt ist: mit einer Langzeitreise-Auslandskrankenversicherung spart man Geld und man muss diese auch für einige Visa nachweisen können. Bitte lies Dir alles Wissenswerte zu diesem Thema hier an: Krankenversicherung auf Weltreise

Kreditkarten

Hier gilt wie bei Reisepässen: je mehr, desto besser. Wir haben insgesamt zehn Stück. Wichtig ist, dass man mindestens eine Mastercard und mindestens eine Visacard hat, denn es gibt immer noch Situationen und Länder, wo man mit der einen oder anderen Variante mittellos dasteht. Irak zum Beispiel ist ein „Mastercard-Land“, in dem wir mit unseren Visakarten schwer Geld aus dem Automaten ziehen konnten. Wichtig ist auch, dass es sich um mindestens eine echte Kreditkarte (im Gegensatz zur Debitkarte) handelt. Die meisten Banken inkludieren heutzutage nur noch kostenlose Debitkarten und lügen dem Bankkunden das Blaue vom Himmel herunter, wie sinnvoll eine Debitkarte sei. Fakt ist: die meisten Anbieter von Mietwagen und anderen Portalen, wo eine Kaution hinterlegt werden muss (Ferienwohnungen etc.) akzeptieren keine Debitkarten. Auch nicht, wenn „Visa“ oder „Master“ drauf steht. Achte also darauf, dass Du mindestens eine (besser zwei) vollwertige Kreditkarte(n) dabei hast. Achte auch darauf, dass der gewährte Kreditrahmen so hoch wie möglich ist, denn wenn gerade ein höherer Betrag durch z.B. eine Kaution geblockt ist und Du brauchst, z.B. bei Unfall oder Krankheit, plötzlich eine größere Summe Geld, muss das der Kreditrahmen noch hergeben.

Je mehr Bankkonten Du hast, desto besser. Denn wird Dein Bankkonto wegen irgendeinem Blödsinn (zu oft falsche Log-Ins eingetippt, Zugriff aus sanktioniertem Staat (Iran, ist uns passiert weil VPN vergessen!), staatlicher Zugriff (das deutsche Finanzamt z.B. darf da ran) etc.) gesperrt, hast Du noch eine Ausweichmöglichkeit, ohne die Du im Ernstfall irgendwo im Ausland auf dem Trockenen sitzen würdest.

Sinnvoll ist auch, solche Kreditkarten zu wählen, die im außereuropäischen Ausland mit geringen oder gar keinen Kosten einhergehen. Automatengebühren, miese Wechselkurse, Fremdeinsatzentgelte etc. sind Beispiele dafür, wie aus 100€ Abhebungsbetrag tatsächlich abgebuchte 115€ werden können. Und das summiert sich! Wir nutzen deswegen einen Trick: die Curve Karte. Die Curve ist eine Mastercard, die mittels einer App allen weiteren vorhandenen Kredit- und Debitkarten vorgeschaltet ist. Man muss kein neues Konto eröffnen, sondern man verknüpft die Curve selbst mit den anderen eigenen Karten. Bezahlt man mit der Curve Karte, wird dann in Wirklichkeit die Karte belastet, die man in der App für diese Transaktion ausgewählt hat. Die Curve ermöglicht kostenloses Abheben an weltweiten Geldautomaten und kostenloses bargeldloses Bezahlen. Auch dann, wenn die tatsächlich belastete Karte dafür Geld verlangt hätte. Je nach Variante der Curve Karte gibt es ein monatliches Limit dieser kostenfreien Vorgänge, aber wir als Paar sind mit jeweils einer kostenlosen Curve Karte damit bis jetzt jahrelang kostenfrei durch die Welt gekommen. Und was, wenn die Kreditkarte kaputt geht? Wenn eine Karte gesperrt ist? Was, wenn die Karte abläuft und die Ersatz- oder Folgekarte in Deutschland liegt? Ganz schön doof? Nicht doof, denn es gibt „Curve„ und die funktioniert, ohne dass die jeweilige Karte physisch vorhanden ist… Die ist wirklich die Lösung für alle unterwegs erst auftretenden Kartenprobleme!

Impfausweis

Schon bevor es das sagenhafte „digitale EU Impfzertifikat“ während der Pandemie gab, waren manche Impfungen nötig, um Visa zu bekommen oder in gewisse Länder einreisen zu dürfen. Das ist auch heute noch so und betrifft hauptsächlich Gelbfieber. Auch andere Impfungen (zum Beispiel Wundstarrkrampf) sind nützlich nachweisen zu können. Als Jan in Bulgarien mit einer dreckigen Wunde in der Notaufnahme erschien, hatten wir keine Ahnung über seinen Impfstatus und er bekam prophylaktisch die Tetanusimpfung verpasst. Mit dem Impfausweis hätten wir zeigen können: gerade drei Jahre her!

Wer in Länder reist, die eine Gelbfieberimpfung vorschreiben, sollte Folgendes wissen: die Gelbfieberimpfung ist neuerdings lebenslang gültig, wie die WHO empfiehlt. Dies ist aber eine EMPFEHLUNG der WHO, die aber nicht die GESETZE der Länder (z.B. Elfenbeinküste) außer Kraft setzt, die zur Einreise oder Visumserteilung eine Impfung verlangen, die maximal 10 Jahre alt ist. In der EU wird die Empfehlung der WHO jedoch als Gesetz verstanden und es war uns weder in Deutschland noch in Bulgarien möglich, eine neue Impfung zu bekommen oder die alte Impfung mit neuem Datum versehen neu eingetragen zu bekommen. Einziger Erfolg: die Impfung wurde mit „Duplikat“ und „Livetime“ gekennzeichnet und mit dem alten Datum nutzlos neu eingetragen. Tjoa. War ein Versuch, nützt aber nix, wenn der Grenzer oder Botschaftsmitarbeiter auf „maximal 10 Jahre“ besteht, weil das Landesgesetzt das so vorschreibt.

Eine Boosterimpfung für Gelbfieber (die man sowieso selbst zahlen muss!) oder ein frisches Datum zu verweigern könnte man „westliche Arroganz“ nennen, bringt einen aber auch nicht weiter. Unsere Lösung war, die EU zu verlassen und uns in der Türkei neu gegen Gelbfieber impfen zu lassen. Die dortige Impfärztin kannte das Dilemma. Mittlerweile hat die WHO ihre Empfehlung dahingehend geändert, dass auch in der EU (die hier die WHO- Empfehlung quasi zum Gesetz macht) eine zweite Gelbfieberimpfung möglich ist. Hätte uns aber auch nichts gebracht, da wir die auch vor über 10 Jahren schon hatten und wir eine dritte brauchten, um die 10 Jahres-Frist nicht zu überschreiten. Hast Du erst eine Gelbfieberimpfung und möchtest in ein Land mit „10-Jahres-Regel“, so hast Du Glück. Hast Du schon zwei gehabt und diese liegen beide mehr als 10 Jahre in der Vergangenheit, musst Du kreativ werden. Leider.

Passbilder

Je nach Kontinent braucht man gefühlt ständig Passbilder: für Visa, Ausweise, Permits und mehr. Wir haben deshalb immer ein Tütchen mit Passbildern diverser Varianten dabei. Beachte hierbei, dass manche Länder zur Beantragung eines Visums spezielle Vorschriften an die Größe des Fotos oder andere Dinge, z.B. Kopfbedeckung, Hintergrundfarbe etc. stellen. Mit dem Stapel 08-15-Passfotos kommst Du in der Regel weit, aber nicht überall hin.

Haftpflichtversicherung

Wer keinen Hausstand mehr hat, weil er reist, braucht keine Hausratversicherung. Auch andere Versicherungen machen unterwegs nicht immer Sinn. Eine Versicherung jedoch halten wir für unglaublich wichtig: die Haftpflichtversicherung. Schnell ist was Dummes passiert: Die Kerze kippt um und steckt das Hostel in Brand? Die Zigarettenkippe entzündet das Strohdach? In die berühmte chinesische Porzellan Vase gestolpert? Egal was, eine Haftpflichtversicherung hilft. Allerdings pass genau auf: manche Versicherungsgesellschaften verlangen entweder zum Zeitpunkt des Abschlusses oder sogar für die gesamte Laufzeit des Vertrages einen deutschen Wohnsitz. Und letzteres ist leider meistens nicht möglich. Das liest Du hier nach: Abmeldung aus Deutschland FAQ Es gibt aber auch Versicherungen, die noch maximal fünf Jahre nach Abmeldung aus Deutschland den Versicherungsschutz gewähren. Lass Dir das bitte schriftlich bestätigen! Wer länger als fünf Jahre reist, kann Spezialprodukte für Expats abschließen. Wir sind über Doktor Walter haftpflichtversichert. Ganz wichtig: schaut unbedingt, ob all Eure Versicherungen auch dann zahlen, wenn für das Land, in dem Ihr Euch zum Schadensfall aufhaltet, eine Reisewarnung ausgesprochen wurde! Seit der Pandemie werden diese Reisewarnungen nicht mehr mit Sinn und Verstand (für Kriegsgebiete z.B.) ausgesprochen, sondern sind eher politisch motiviert. Ihr glaubt nicht, welche Versicherungen einen (meist nicht gegebenen, aber durch AGB definierten)  Zusammenhang zwischen Reisewarnung und Deckung sehen!

Kopien aller Papiere

Alle hier aufgeführten Papiere und Unterlagen können natürlich unterwegs verloren gehen oder beschädigt werden. Daher ist es wichtig, diese als Scans digital zu speichern. Wir haben die super sichere Variante: alle unsere Daten sind auf zwei unterschiedlichen Clouds gespeichert. Eine Cloud ist kommerziell (OneDrive), die zweite Cloud ist selbst gebaut im Keller und zur Sicherheit als Backup nochmal in der Garage eines Freundes. Wir können vom Handy aus auf die Cloud zugreifen und haben so auch unterwegs Unterlagen zur Hand, wenn man es nicht erwartet, diese zu brauchen. Zum Beispiel brauchten wir auf der Hauptpost in Isfahan eine Passkopie, um die Weihnachtsgeschenke nach Deutschland schicken zu können. Die Pässe lagen weit entfernt im Hostel, aber der Copyshop gegenüber der Post hat unsere Scans aus der Cloud direkt vom Handy als E-Mail bekommen und schnell ausgedruckt.

Deutsche Simkarte

Bitte kauf Dir keinesfalls einen „weltweit-Tarif“, damit schmeißt Du nur unnötig Geld zum Fenster raus! Eine Simkarte für mobile Daten im Ausland zu besorgen ist in der Regel schneller und unkomplizierter erledigt, als Du denkst. Deutschland ist da einfach nur ein unendlich kompliziertes Negativbeispiel für. Es ist aber trotzdem wichtig, die deutsche Simkarte zu behalten, denn Du kannst Dir gar nicht vorstellen, für wie viele Dinge man plötzlich eine SMS auf die „hinterlegte Mobilfunknummer“ bekommt. Amazon findet, dass Du eine verdächtige IP-Adresse (weil im Ausland) hast und möchte sich per SMS versichern, dass Du selbst gerade shoppen möchtest. Deine Bank macht gerade ein Softwareupdate der Banking-App und setzt dabei versehentlich die TAN auf „mobile Tan“ zurück. Deine Kreditkarte ist sich bei den vielen Auslandseinsätzen auch plötzlich nicht mehr sicher, mit wem sie es zu tun hat und schickt Dir einen Autorisierungscode per SMS. Gefühlt „ständig“ kommen wir in die Situation, eine SMS auf unsere deutsche Handynummer empfangen zu müssen, weil irgendwer irgendeinen Quatsch macht. Bitte behalte daher Deine deutsche Simkarte! McSim, Aldi Talk & Co bieten Tarife, die 0€ Grundgebühr kosten und bei denen nur dann etwas berechnet wird, wenn man die Simkarte auch nutzt. Eine SMS fürs Reaktivieren des Onlinebankings kostet dann mal 69cent, aber insgesamt ist das billiger, als den normalen Vertrag weiterlaufen zu lassen. Wer noch kein Dualsim-Handy hat, nutzt die deutsche Simkarte einfach in einem uralt-Telefon. Der Klassiker ist nämlich folgende Situation: Du bist mit der Simkarte des Reiselandes im mobilen Internet und der gerade genutzte Onlinedienst (Bank, Onlineshop etc.) möchte Dir eine Bestätigungs-SMS schicken. Die kann aber nicht ankommen, da ja die ausländische Simkarte im Handy steckt. Wechselst Du die Simkarten, braucht die deutsche Karte länger, um sich ins Netz einzubuchen, als der SMS Code gültig ist. Und wenn Du die SMS dann endlich empfangen hast, kannst Du sie nicht eingeben, weil Du ja nicht mehr online bist. Die Lösung ist das Antik-Telefon, dessen Akku immer noch fast eine Woche hält. Dadurch kommt die SMS sofort an, da sich das Handy ja schon im Netz eingebucht hat und Du bleibst mit der lokalen Simkarte weiter online. Mittlerweile gibt es für viele „Klassik-Telefone“ auch USB-Ladekabel!

VPN

Ein VPN verschleiert Deine Herkunft (IP-Adresse) und gaukelt den besuchten Webseiten vor, dass Du ganz wo anders bist. Wozu man das braucht? Da gibt es viele Anwendungsbeispiele! Manche Länder sperren manche Internetseiten. Zum Beispiel gibt es in der Türkei theoretisch kein Booking.com, praktisch aber schon, wenn man einen VPN nutzt. Manche Webseiten (zum Beispiel deutsche Fernsehsender oder Nachrichtenseiten) stellen ihre Videos nur deutschen IP-Adressen zur Verfügung. Andere Services, zum Beispiel Online-Shops oder Nachrichtenportale zeigen gewisse Dinge / Artikel auch nur an User mit deutscher oder anderslautender IP-Adresse. Und die kann man sich mit einem VPN generieren. Davon haben wir sogar zwei. Wir nutzen meist den von Astrill und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Er läuft ständig im Hintergrund auf Laptop und Handy und wir können nur ganz selten eine Beeinträchtigung der Geschwindigkeit feststellen. Und weil für manche Länder, z.B. im Iran, ein VPN allein nicht immer reicht, haben wir noch ExpressVPN am Start. (30 Tage Express VPN gratis mit Klick hier: Hier gibt’s 30 Tage VPN gratis!) Das war auch der einzige VPN, der in China funktioniert hat. Beide VPN Tunnel gibt es auch als App für iOS und Android. Was der VPN Tunnel überhaupt ist, bekommst Du hier (mit deutschem Untertitel) erklärt:

Für Reisende mit eigenem Fahrzeug

Internationaler Fahrzeugschein

Hier verhält es sich wie beim internationalen Führerschein. Es gibt mehrere Abkommen und nicht jedes Land ist beigetreten. Die Länder, die nicht beigetreten sind, dürfen von Euch eine nationale Zulassung verlangen. Wir hatten daher schon chinesische und lybische Kennzeichen und die meisten Touristenahrzeuge im Iran fahren mit iranischen Kennzeichen (Motorräder nicht). Wir sind 2018 mit deutschen internationalen Fahrzeugpapieren losgereist, die nach dem Abkommen von 1926 ausgestellt werden. 2022 haben wir unsere neuen Reisefahrzeuge in Bulgarien zugelassen und dazu die internationalen Fahrzeugpapiere des Abkommens von 1968 bekommen. Im direkten Vergleich sind die Papiere von 1968 moderner, ihnen fehlt jedoch der Anhang der Papiere von 1926, in dem Grenzer herumstempeln dürfen. Und Grenzer stempeln gerne! Insbesondere in Ländern, die dem Carnet de Passage Abkommen nicht beigetreten sind, freut es Grenzer, wenn sie trotzdem Fahrzeugpapiere zum Stempeln haben! Der internationale Fahrzeugschein ist nur ein Jahr gültig (das hat versicherungstechnische Gründe) und kann nur neu ausgestellt, nicht verlängert werden. In Deutschland ist dafür die Zulassungsstelle zuständig, die nicht mit sich reden lässt. In Bulgarien macht das der Automobilclub und die haben uns (allerdings mündlich) zugesichert, die Papiere auch ohne unser persönliches Erscheinen gegen Vollmacht an eine Vertrauensperson neu auszustellen. Wir sind gespannt!

Nationaler Fahrzeugschein

An der Grenze wird man gerne nach „car passport“ oder „moto passport“ gefragt. Gemeint ist damit der Fahrzeugschein oder „Teil 1 der Zulassungsbescheinigung“. Schlaumeier, die meinen, zur Kostenersparnis mit einem abgemeldeten Fahrzeug und einer Kopie des Fahrzeugscheines oder eines ungültigen Dokuments zu reisen, unterschätzen das Wissen der Grenzer in der Ferne. Selbst ein kasachischer Polizist wusste, wo auf einem deutschen Fahrzeugschein der TÜV-Stempel sein kann! Die wissen also sehr genau, ob Du denen eine Fälschung oder Kopie vorlegst oder nicht. Wir möchten nicht dabei sein, wenn ein Grenzer oder Polizist irgendwo auf der Welt von einem deutschen Geizhals mit ungültigen Papieren für dumm verkauft wird…

KFZ-Versicherung

Wer sich nur in der EU bewegt, braucht sich wenig Gedanken zu machen und nur die „Grüne Karte“ einpacken. Wer die EU verlässt, muss genau schauen, denn nicht alle Länder Europas (z.B. Kosovo) sind über die Grüne Karte mitversichert und jede Versicherung hat eine eigene Liste der Länder, in denen die Versicherung gilt. Manchmal ist z.B. Marokko oder Tunesien noch inkludiert, manchmal auch nicht. Und manchmal ist ein Land (z.B. Georgien) inkludiert, dieses Land erkennt diese Versicherung jedoch nicht an und verlangt, dass dort eine landeseigene Versicherung abgeschlossen wird. Erkundige Dich bitte genau, in vielen Fällen kann das auch ohne Unfall durch hohe Strafen bei Ausreise oder Kontrolle zu einem teuren Vergnügen werden (z.B. in Georgien). In der Regel kann bei der Einreise in ein Land, welches nicht auf der Grünen Versicherungskarte aufgeführt ist, direkt an der Grenze eine Versicherung für das jeweilige Land abgeschlossen werden. Gibt es kein Versicherungsbüro an der Grenze, gibt es das in der nächsten Stadt. Im Zweifel schau bei iOverlander, da wirst Du bestimmt fündig!

Auch wichtig zu wissen: die Türkei und Russland haben jeweils einen europäischen und einen asiatischen Teil. Ist das Land auf Eurer Grünen Karte als abgedeckt markiert, bedeutet das nicht, dass Du auch im asiatischen Teil des Landes versichert bist! Lass Dir das vor Einreise unbedingt schriftlich (!) von Deiner Versicherung geben und versichere Dich ggf. zusätzlich vor Ort.

Und: viele Länder haben zwar eine Versicherungspflicht für KFZ, kontrollieren diese aber nicht bei der Einreise. Iran z.B. Passiert jedoch ein Unfall und Du bist nicht versichert, kommst Du so lange in Gewahrsam, bis die Schuldfrage eindeutig geklärt ist und Du als Unschuldige/r weiterdarfst. Bist Du schuldig… musst Du dann selbst wissen, ob es so schlau war, ohne Versicherung zu reisen. Natürlich sind die Versicherungssummen solcher lokalen Versicherungen aus europäischer Sicht ein Witz, aber sie schützt Dich vor unangenehmen staatlichen All-Inclusive-Aufenthalten. Wir hatten in Russland einen Unfall und waren mehr als froh, zusätzlich zur gültigen Green Card eine russische KFZ-Versicherung abgeschlossen zu haben…

Es gibt manchmal auch die Möglichkeit, im Heimatland eine „weltweit gültige“ KFZ-Versicherung abzuschließen. Diese ist in der Regel unglaublich teuer und deckt nur Haftpflicht ab. Und genau das gibt’s im Reiseland für wesentlich kleineres Geld. Preisbeispiel? Monatsbeitrag im Iran: 5€. In Kasachstan konnten wir eine KFZ-Versicherung abschließen, die auch für Kirgistan gültig war, da die Versicherung in beiden Ländern arbeitet. Sowas ist natürlich praktisch, aber nicht die Regel.

Heimische KFZ-Versicherung

Damit ein Fahrzeug eine deutsche Zulassung bekommt, braucht es eine deutsche Haftpflichtversicherung. Zulassungsstelle und Versicherung tauschen ihre Daten aus. Das bedeutet: Schlaumeier, die denken, sie können ihre deutsche KFZ-Versicherung während der Reise wegen Aufenthalt außerhalb des Gültigkeitsbereiches dieser Versicherung kündigen oder ruhen lassen, verlieren damit automatisch die deutsche Zulassung. Und damit ist eine Rückkehr in die EU schwierig bis unmöglich. Wir haben ein solch „schlau-sparsames“ deutsches Pärchen getroffen, die uns ihr selbst verursachtes Leid geklagt haben. Nicht immer ist geiz so geil, wie viele denken! Stuf Deine KFZ-Versicherung auf Haftpflicht herunter und verrate denen bitte nicht, dass Du das nur machst, weil Du Dich samt Fahrzeug langfristig außerhalb des deutschen Versicherungsbereiches aufhalten wirst. Das widerspricht vielen AGB und die Versicherung darf Dir dann kündigen. Und dann gibt’s auch keine Versicherung mehr bei anderen Gesellschaften und somit erlischt die deutsche Zulassung. Für immer. Ende, aus die Maus. Am falschen Ende gespart!

Maut

In vielen Länder fällt Maut an. Manchmal wird diese als „road tax“ pauschal an der Grenze kassiert (z.B. Namibia), in anderen Ländern nach gefahrenen Kilometern digital abgerechnet (z.B. Türkei) oder, ganz klassisch, an Zahlstellen bezahlt (Westeuropa) oder mit einem Aufkleber beglichen. Je nach Land unterscheiden sich die Mautregeln und oft sind auch „normale“ Landstraßen mautpflichtig (z.B. Bulgarien). Oft sind Vignetten digital (Ungarn, Rumänien, Bulgarien etc.) online im Voraus möglich, sodass man an der Grenze nirgendwo für einen Aufkleber (den es oft immer noch gibt) anstehen muss. Wer ohne Vignette oder Road Tax einreist, hat manchmal eine Karenzfrist, in der man die Maut noch nachbezahlen kann. In Bulgarien ist es „innerhalb des Kalendertages der Einreise“, in der Türkei „bis zu 7 Tage nach Erfassung der Kennzeichen“. Es ist überall anders und auch für jede Fahrzeugkategorie anders, manchmal entfällt die Maut für manche Fahrzeugklassen (Motorräder in der Türkei zum Beispiel) oder ist nicht online oder mit Aufklebern machbar. Siehe LKW auf deutschen Straßen… Wer einen großen LKW fährt, muss sich darüber wirklich Gedanken machen, denn das ist nicht ganz so einfach wie mit PKW!

Carnet de Passage verlängern

Carnet de Passage

Für manche Länder braucht man ein Carnet de Passage für’s Fahrzeug. Schon bei der Erwähnung dieser drei Worte sträuben sich vielen Reisenden die Haare und sie werfen die Flinte ins Korn oder versuchen, auf unkoschere Wege an ähnliche oder gefälschte Papiere zu gelangen. Wir können diese Phobien und Machenschaften nicht nachvollziehen. Wir hatten schon insgesamt sechs Carnets de Passage (CdP) und wissen aus eigener Erfahrung, dass alle Horrorstories, die sich im Internet rasend schnell durch Deppentum verbreiten, auf dem Fehlverhalten der Reisenden begründen. Ein Carnet de Passage wird vom heimischen, der FIA angeschlossenen Automobilclub ausgestellt. Das CdP ist ein internationales Zolldokument, das garantiert, dass wenn der flüchtige Tourist sein Fahrzeug nicht wieder aus dem Land ausführt, die Kosten für die dann anfallende Verzollung gedeckt sind. Dazu hinterlegt man beim heimischen Automobilclub eine Kaution. „Kaution“ bedeutet: das Geld gibt’s garantiert wieder zurück, wenn man das Fahrzeug wieder aus einem CdP-pflichtigen Land ausführt und das CdP richtig gestempelt dem Automobilclub zurückgibt. Klassisches Beispiel: Einreise Iran mit CdP, Ausreise Iran mit CdP. Abgabe CdP an ADAC, Rücküberweisung der Kaution. Geht super fix, hat bei uns 10 Tage gedauert und man muss dazu das Fahrzeug NICHT zurück ins Heimatland bringen. Man muss nur durch die richtigen Stempel nachweisen können, dass sich das Fahrzeug in keinem „CdP Land“ befindet. Mehr ist es nicht.

Weil die Zollgebühren abhängig vom Fahrzeugwert sind, ist die zu hinterlegende Kaution ebenfalls nach Fahrzeugwert gestaffelt. Wer ein teures Reisefahrzeug hat, zahlt mehr Kaution als jemand, der ein günstiges Reisefahrzeug gewählt hat. Weil das aber die meisten Reisenden bei der Budgetierung der Reise und Wahl des Reisefahrzeuges vergessen und dann bei der Wertangabe des Fahrzeuges in der Vergangenheit oft heftig betrogen wurde, verlangt der ADAC (und andere) neuerdings bei größeren Fahrzeugen ein Wertgutachten, für das man natürlich selbst zahlen muss. Und weil viele Reisende sich ihre CdP selbst gebastelt (sprich: gefälscht) haben, verlangen nun manche Staaten (z.B. Ägypten) eine zusätzliche Gebühr (Ägypten 20$) und Wartezeit, um die Echtheit des CdP an der Grenze zu überprüfen. Musst Du ein Wertgutachten liefern oder diese Gebühren zahlen, kannst Du Dich bei all den tollen Reisenden bedanken, die sich in der Vergangenheit für superschlau hielten…

Liest Du im Internet Gruselgeschichten darüber, dass die Kaution nicht zurückgezahlt wurde, dann ist in 99,9% aller Fälle der Reisende selbst schuld. Ist das CdP falsch gestempelt, das Fahrzeug nicht ausgeführt (ja, auch als Wrack, wir hatten Motoraschaden im Iran und können ein Lied davon singen!) oder das CdP verloren oder nicht beim Automilclub eingegangen (beim Postversand gespart?), dann kann keine Kaution zurückgezahlt werden. Die Regeln sind einfach verständlich und so ist uns das ganze Theater, was um das Carnet gemacht wird, völlig unverständlich. Der ADAC hat hier einen sehr einfach verständlichen „Erklärbär-Text“ zum Thema: Der Reisepass für Ihr Fahrzeug

Ein Carnet de Passage ist für ein Jahr gültig. Je nach Automobilclub läuft dieses Jahr entweder (ADAC) ab Datum der Ausstellung oder (UAB) ab einem Wunschtermin in der Zukunft. Wer schlau ist, lässt sich das Dokument (mit DHL Dokumentenexpress, nicht mit der Schneckenpost) an eine Adresse unterwegs schicken, um diese Zeitspanne maximal nutzen zu können. Man kann sich unterwegs auch ein neues CdP ausstellen und zuschicken lassen oder (und das haben wir gemacht und hier erklärt: Carnet de Passage verlängern) das CdP im Reiseland selbst verlängern lassen. Es ist alles überhaupt nicht kompliziert und es gibt keinen Grund, zu fälschen und zu betrügen. Wer das Geld für die Kaution in der Budgetierung vergessen oder das Reisefahrzeug unnötig groß und teuer gewählt hat, fährt dann halt weiterhin nach Portugal statt in den Iran.

Das armenische TIP ist auch gleichzeitig das TIP für die gesamte Eurasische Zollunion!

Temporary Import Permit

Das Temporary Import Permit (TIP) ist kein Dokument, was Du von daheim mitbringen kannst. Und es ist auch nicht immer ein tatsächliches Dokument, manchmal ist es auch ein Stempel im Pass, ein Stempel auf dem Carnet de Passage oder ein Gesetz, welches man auch ohne Zettel oder Stempel kennen und befolgen muss. Das handhabt jedes Land anders.

Das TIP beschreibt die Zeit, die Dein Fahrzeug ohne Zahlung von Einfuhrzöllen etc. im Land verbleiben darf. Und selbst wenn Du diese maximale Aufenthaltsdauer kennst, heißt das nicht, dass Du sie auch bekommst! In der Eurasischen Zollunion hast Du z.B. theoretisch 12 Monate TIP, aber da die Grenzer sich oft nicht vorstellen können, was man so lange da will, stempeln sie auch gerne mal kürzere Perioden, z.B. 3 Monate. Blöd, wenn Du eigentlich vorhattest, das Fahrzeug im Land zu parken, um Deine Reise zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Im Iran sind es zum Beispiel nur 90 Tage TIP und selbst wenn Dein CdP noch gültig ist, bedeutet das nicht, dass Dein Fahrzeug länger als die 90 Tage bleiben darf. In Georgien darfst Du selbst 12 Monate bleiben, Dein Fahrzeug aber nur 90 Tage. So ziemlich jedes Land ist anders. Mach Dich unbedingt vor der Einreise schlau, denn zwischen Gültigkeit von Visum oder Aufenthaltsgenehmigung für Dich selbst und TIP liegen oft riesige Welten!

Vollmacht

Reist Du nicht alleine, sondern zu zweit mit einem Fahrzeug, welches nur auf einen von Euch zugelassen ist, braucht Ihr eine Vollmacht. Unser Auto ist auf Jan zugelassen und unser VW Bus auf Silke. Möchte oder muss aus irgendeinem Grund (Krankheit, Unfall, Heimaturlaub etc.) derjenige das Fahrzeug alleine führen, der nicht in den Papieren steht (zum Beispiel Jan ist auf Heimaturlaub und Silke fährt mit dem Auto alleine in der Weltgeschichte herum), muss dazu eine Vollmacht vorliegen. Und die übersetzt in mindestens Englisch und weitere Sprachen, die in den Reiseländern gesprochen werden. Wir wären wegen fehlender Übersetzung fast nicht in die Türkei gekommen! Unsere Vollmacht ist daher jetzt auf Bulgarisch, Englisch und Russisch. Die Vollmacht sollte allumfassend sein, sodass derjenige, der nicht Eigentümer des Fahrzeuges ist, im Ernstfall auch Verkauf, Verschrottung und Verzollung des Fahrzeuges veranlassen darf. Stellt Euch vor, das Fahrzeug verbleibt nach einem Unfall im Reiseland, der Fahrzeughalter liegt im Krankenhaus des Heimatlandes und das Fahrzeug muss außer Landes gebracht oder verschrottet werden… Ohne Vollmacht nicht machbar. Lasst die Vollmacht notariell beglaubigen und stempeln. Stempel sind wichtig und werden überall extrem gerne gesehen!

Schutzbrief

Manche Versicherungen bieten den Schutzbrief mit an und es gibt diverse Automobilclubs mit ähnlichen oder sehr viel besseren Leistungen. Ein detaillierter Vergleich der Leistungen ist wichtig! Nicht alle Schutzbriefe decken auch Fahrzeuge mit LKW Zulassung ab (unser VW Bus hat LKW Zulassung), nicht alle Verträge inkludieren Fahrzeuge über 3,5t unabhängig von der Fahrzeugkategorie, nicht alle Gesellschaften decken die ganze Welt ab. Wir hatten bei Abfahrt eine Partner-Plus-Mitgliedschaft beim ADAC. Nach dem Motorschaden im Iran wurde diese Mitgliedschaft vom ADAC gekündigt, da wir „zu viele Leistungen in Anspruch genommen“ hätten. Naja: Leistungen, die seitens des ADAC am Telefon angeboten wurden und für die wir 19 Jahre Mitgliedsbeitrag gezahlt haben. Das Dümmste war: nur Silke hat Leistung in Anspruch genommen, Jan nicht, aber weil wir beide in der Partner-Mitgliedschaft versichert waren, wurden wir beide „herausgekickt“ und dürfen nun beide keine ADAC Plus-Mitgliedschaft mehr abschließen. Gruppenhaft! Wir haben daraus gelernt, grundsätzlich zwei Mitgliedschaften abzuschließen. Für jeden eine. Wird dann einer von uns wieder gekündigt, ist der andere immer noch versichert. Wir haben uns für Mobil in Deutschland entschieden, da der Jahresbeitrag von 58€/Person exakt die Hälfte des ADAC ist – bei gleicher Leistung. Wir hatten schon eine kleine Panne, die über Mobil in Deutschland abgewickelt wurde und es lief ähnlich zäh wie beim ADAC…

Was man NICHT braucht:

TÜV

Der deutsche TÜV ist eine deutsche Angelegenheit, die im Rest der Welt nicht bemängelt werden darf. Du musst auch nicht wegen abgelaufenem TÜV zurück nach Deutschland kommen! Der ADAC hat das hier gut erklärt: ohne TÜV im Ausland Das bedeutet aber nicht, dass Du mit einem Fahrzeug unterwegs sein darfst, welches keinen TÜV bekommen würde. Du bist auch ohne TÜV für die Verkehrssicherheit Deines Fahrzeuges verantwortlich. Als wir den Verkehrsunfall in Russland hatten, wurde unser VW-Bus vom dortigen Polizei-Gutachter auf Herz und Nieren geprüft um auszuschließen, dass ein technischer Mangel für den Unfall verantwortlich sein könnte. Auch versicherungstechnisch ist das wichtig. Die Versicherung erlischt entgegen anderslautender Aussagen von Besserwissern nicht automatisch, wenn der TÜV abläuft. Ist der Unfall jedoch auf einen Mangel zurückzuführen, der beim TÜV aufgefallen wäre, dann haftet die Versicherung „nur“ nicht oder nicht in vollem Umfang.

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