Irak FAQ

Falls Ihr Euch mit einem Buchstaben „vertan“ habt und Euch eigentlich über das Nachbarland Iran (mit „n“ hinten) informieren wolltet, findet Ihr hier was Ihr sucht: Iran FAQ. Wenn Ihr Euch für den Irak interessiert (mit „k“ hinten), seid Ihr hier richtig. 😊 Seitdem wir in den Irak eingereist sind, fragt Ihr uns Löcher in den Bauch. Und das ist gut so, denn es zeigt uns, dass Ihr verstanden habt, dass man lieber Dinge selbst anschaut, statt sich auf die Medienlandschaft zu verlassen. Wir haben Eure Fragen gesammelt und fassen sie hier als FAQ zusammen. Ist Eure Frage nicht dabei, schreibt uns, wir melden uns!

Ist es im Irak gefährlich?

Das ist die häufigste Frage, auch gerne als Vorwurf formuliert. Es kommt darauf an, wo im Irak man ist und was gerade so los ist. Als wir in den Irak eingereist sind (Juli 2021) war der Nordirak, die autonome Region Kurdistan (RKI), relativ sicher. Falls Ihr lieber Eurer (deutschen) Regierung glaubt als uns „dahergelaufenen Abenteurern“: auch seitens des Auswärtigen Amtes bestand zu dem Zeitpunkt keine Reisewarnung für die Region Kurdistan-Irak (RKI). Also echte Reisewarnung im Sinne von „Gefahr für Leib und Leben“ und nicht „Achtung, die sagenumwobene deutsche Kennziffer „Inzidenz“ ist in Land X zu hoch“…  Wer sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, kennt die Abstufungen, die das AA in den Formulierungen hat. “gewarnt” = Reisewarnung mit rechtlichen Konsequenzen, “dringend abgeraten” = kurz vor Reisewarnung, “abgeraten” = “wenn was passiert, haben wir es Euch ja gleich gesagt, aber macht doch, was Ihr wollt”. Um zur türkisch-irakischen Grenze zu kommen, muss man übrigens durch ein Gebiet, von dem das AA “dringend abgeraten” hat. Der Weg zur Grenze durch die Türkei ist also laut AA gefährlicher als der Aufenthalt auf der anderen Seite der Grenze. Vertraut Ihr Eurer (deutschen) Regierung und deren Reisewarnungen, schaut vor Einreise in den Irak dort nach und macht mit der Info das, was für Euer Bauchgefühl passt.

Wir haben uns in der RKI immer und jederzeit absolut sicher gefühlt. Wir hatten auch keine „Bauchschmerzen“ damit, unser Auto irgendwo zu parken und erst am nächsten Tag wieder zurückzukommen. Und das, obwohl wir die Alarmanlage deaktiviert haben und das Schloss der Heckklappe defekt ist. 😊 Die Iraker (und die Iraner auch) wissen, was im Ausland über sie kolportiert wird und freuen sich extrem über Besucher aus dem Ausland! Wir haben es tagtäglich gezeigt bekommen, wie willkommen wir sind: da wird der Einkauf im Supermarkt vom Kunden vor einem bezahlt, an der roten Ampel vom Nachbarauto aus ein „Willkommen“ zugerufen, beim Überholvorgang fotografiert und gewunken, an der Tankstelle wandert plötzlich Eis oder eine Tüte voll kalter Getränke durchs Fenster, die Leute strahlen einen nonstop an, laden nach Hause ein und eigentlich Fremde erkundigen sich fast täglich per WhatsApp, ob man Hilfe braucht. Wer schonmal im Iran unterwegs war, kennt das. Wir haben uns allerdings nur im Nordirak aufgehalten, in der Region Kurdistan-Irak. Warum, das erfahrt Ihr in der nächsten Frage:

Braucht man ein Visum für den Irak?

Ja. Aber da gibt es einen großen Unterschied zwischen „Irak“ und „autonome Republik Kurdistan“, bzw. „Region Kurdistan-Irak“ (RKI). Wer in die RKI einreisen möchte, bekommt ein „Visa on arrival“, also kann bei Ankunft das Visum direkt an der Grenze erwerben. Das gilt für alle, die einen Pass aus einem Land dieser langen Liste haben: Visa on arrival. Das Visum hat uns an der türkischen Grenze 70US$/Person gekostet, zahlbar in cash Dollar. Man kann das Visum auf 2x 45 Tage verlängern. Wir haben das aber nicht ausprobiert.

Um in den Rest des Landes Irak reisen zu dürfen, braucht man ein anderes Visum. Das bekommt man NICHT „on arrival“, sondern nur im Voraus auf der irakischen Botschaft. Unter anderem braucht man Einkommensnachweis und Einladungsschreiben. Alle Infos dazu gibt’s direkt bei der irakischen Botschaft, z.B. in Berlin: Botschaft des Irak in Berlin. Eine Visa-Agentur kann sicher helfen, wir haben damit aber keine Erfahrung.

Kann man mit dem eigenen Auto einreisen?

Ja, kann man. Und das betrifft die RKI und den Rest des Landes. Aber es gibt große Unterschiede im „Papierkram“. Dazu in der folgenden Frage mehr:

Braucht mein Fahrzeug ein Carnet de Passage?

Das kommt darauf an. Wer in die RKI einreist, braucht kein Carnet de Passage (CdP). Wer nicht nur in der RKI herumfahren möchte, braucht es. Wir waren nur in der RKI unterwegs und hatten daher kein CdP, wohl aber im Iran. Wenn Euch das Carnet interessiert, findet Ihr hier mehr dazu: Carnet de Passage

 

Um in die RKI einreisen zu dürfen, gibt es einen kleinen „Haken“: der Pass desjenigen, auf den das Fahrzeug „läuft“, muss als Garantie für die Wiederausreise des Fahrzeugs am Zoll hinterlegt werden. Das muss nicht der Fahrzeughalter sein, das entscheidet Ihr selbst. Der Passat, mit dem wir im Irak waren, ist auf keinen von uns zugelassen, sondern auf einen Freund in Bulgarien. Mit Vollmacht ist auch das möglich. Der Pass bleibt also als „Pfand“ beim Zoll und Ihr bekommt ein „Ersatzdokument“ ausgestellt. Der Zoll behauptet, dieses Dokument ersetze den Pass komplett. Unserer Erfahrung nach ist das nicht ganz so, denn es fängt schonmal damit an, dass dieses Papier ausschließlich auf Kurdisch ausgestellt ist und nicht jeder im Irak Kurdisch lesen kann. 😊

Eine Ausnahme von der Regelung ist laut iOverlander möglich, wenn Ihr ein Anschlussvisum für ein Nachbarland habt, also glaubhaft nachweisen könnt, dass Ihr nicht am selben Grenzübergang wieder ausreisen könnt und den Pass daher braucht. Wir sind zusammen mit Kurden mit britischen KFZ in die RKI eingereist und auch die mussten ihre Pässe als Pfand hinterlegen. Pro Fahrzeug ein Pass. Die KFZ-Abfertigung an der Grenze kostet 30US$ in cash.

Muss ich mein KFZ versichern?

Es besteht im Irak keine Versicherungspflicht für KFZ. Aber wir raten dazu, trotzdem eine KFZ-Versicherung abzuschließen, denn wir haben Erfahrung mit „Unfall mit Personenschaden“ und erlebt, wie viel Wunder nur das Winken mit einer lokalen Versicherungspolice bewirken kann. Die ganze Geschichte hierzu da: Verkehrsunfall in Russland. Außerdem gibt es Länder, in denen Unfallbeteiligte ohne Versicherung so lange in Haft kommen oder an der Ausreise gehindert werden, bis die Schuldfrage eindeutig geklärt ist. Und das kann Monate dauern. In meinem Fall wären das 10 Monate gewesen. Überlegt es Euch, ob es das Risiko wert ist.

Es gibt Unterschiede in der Deckung. Manche KFZ-Versicherungen bieten Policen, die nur in der RKI gelten, andere sind im gesamten Irak gültig. Wir haben für 30 Tage Haftpflichtversicherung für das gesamte irakische Staatsgebiet bei der Dilnia Versicherung 40$ gezahlt. Die Versicherungspolice ist auch auf Englisch, das gesamte Personal der Versicherung spricht auch Englisch.

Wie ist das mit der Krankenversicherung?

Deutsche Krankenversicherungen jedweder Art versichern in der Regel nur dort, wo KEINE Reisewarnung des deutschen Auswärtigen Amtes bestehen. Das betrifft auch sogenannte „Langzeitreise-Krankenversicherungen“. Und da für das irakische Staatsgebiet eine Teilreisewarnung ausgesprochen war, als wir dort waren, wäre eine deutsche Versicherung unnütz gewesen. Da das Theater mit Krankenversicherungen und deutschen Reisewarnungen während der COVID-19 Pandemie völlig ad absurdum lief, sind wir schon sehr lange nicht mehr deutsch versichert, sondern bei der Safetywing. Eine amerikanische Versicherung, die sogar in Afghanistan etc. Deckung verspricht. Man ist dort etwas objektiver, scheint uns… Mehr zum Thema Reise-Krankenversicherung hier: Krankenversicherung auf Weltreise.

Gibt es viele Militärkontrollen?

Das ist Ansichtssache. Ab und zu, insbesondere an Zufahrtstraßen zu großen Städten oder wenn man innerhalb der RKI regionale Grenzen überschreitet, wird kontrolliert. Ein Fahrzeug mit ausländischen Kennzeichen wird meist freundlich durchgewunken. Also schön Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten, damit der „Kontrolleur“ das Kennzeichen auch gut sehen kann. 😊 Wir haben diese Kontrollposten nie als störend empfunden. Auch dann nicht, wenn wir tatsächlich anhalten mussten. Weil es mal Verständigungsprobleme gab, haben sich die „Jungs“ bei uns sogar mit zwei Portionen kaltem Wasser für die (wirklich kurze) Wartezeit entschuldigt! Also: ja, es gibt Kontrollen, aber man wird meist durchgewunken. Und wenn man doch anhalten muss, ist das auch kein Problem, sondern gehört eher ins Kapitel „nette Begegnung“.

Gibt es jeden Treibstoff?

Eigentlich eine komische Frage, wenn man bedenkt, dass der Irak einer der größten Öllieferanten der Welt ist. Wahrscheinlich sitzt hier der Teufel wieder im Detail, dem letzten Buchstaben des Landes, und Ihr verwechselt Irak wieder mit Iran. Im Iran ist das mit dem Diesel anders als in anderen Ländern (nachzulesen in unseren Iran FAQ), im Irak jedoch kann man alle Kraftstoffarten ganz normal bekommen. Allerdings sind sie nicht mit Oktanzahlen beschriftet, sondern haben Namen und die sind nicht in unseren Buchstaben geschrieben. 🙂 Es fängt bei 80 Oktan an. Wir haben immer “the best quality” verlangt und wurden vom Tankwart dann an die entsprechende Zapfsäule geleitet. Unser Passat fährt mit LPG und die Möglichkeiten, LPG zu tanken, sind ähnlich wie in Deutschland. Für uns „Osteuropäer“ (der Passat und wir sind in Bulgarien angemeldet) ist das ein etwas „dünnes LPG Tankstellennetz“, für Deutsche wird es sich völlig normal anfühlen. Benzin und Diesel gibt es überall zu Preisen, bei denen das Tanken Spaß macht. 1l LPG hat im Juli 2021 nur 0,20 € gekostet.

Wie sind die Straßen im Irak?

In der RKI vergleichbar mit Deutschland, die Autobahnen sind besser, manche Schlaglöcher in Städten haben „Krefelder Qualität“ und auf dem Land sind auch kleine Straßen ordentlich geteert. An manchen Stellen ist durch die Sommerhitze der Straßenbelag etwas wellig oder es haben sich durch LKW Spurrillen gebildet, aber mit unserem VW Passat GT (das ist das etwas tiefer gelegte sportliche Modell) hatten wir nie ein Problem. Bei ganz normaler Fahrweise. In den allerkleinsten Dörfchen sind die Straßen manchmal unbefestigt. Solange es nicht regnet (und das tut es in der Wüste echt selten) ist auch das kein Problem.

Ihr braucht keinen 4×4 und auch kein Expeditionsfahrzeug. Im Irak werden Luxuskarossen wie Mustang, Dodge Charger, Chevrolet Impala, Toyota Camry, BMW 430, Mercedes CL300 etc. ohne Probleme bewegt. Ein VW Passat Limousine ist hier recht häufig vertreten, ältere Fahrzeuge sind hauptsächlich Opel Omega und wir haben sogar einen Opel Meriva gesehen, der es aus Osnabrück bis in den Irak geschafft hat! Macht Euch keine Gedanken über das Fahrzeug. Nehmt, was Ihr habt und fahrt los!

Wie ist das mit dem Internet und Handy?

Gut. In Unterkünften ist das Internet meist schnell und zuverlässig. Das mobile Internet ist auch gut, es gibt auch LTE-Empfang. Die drei Mobilfunkanbieter heißen Asiacell, Korek und Zain. Je nach Region ist das eine oder andere Netz besser abgedeckt. In der Regel kaufen wir immer von zwei verschiedenen Anbietern lokale Simkarten, diesmal hat das nicht geklappt, denn um eine Simkarte zu kaufen, wird der Pass samt Visumsstempel verlangt. Und der von Jan lag ja im Zoll als Pfand für Hans, unseren Passat. Es ist aber möglich, auf einen Pass mehrere Mobilfunknummern zu registrieren. Das haben wir erfolgreich ausprobiert. Wir haben für 30 Tage und 20Gb nur 11€ gezahlt. VPN sind verboten, wir haben auch keinen gebraucht.

Welche Apps sind empfehlenswert?

Im Irak ist es völlig normal, auch als Unternehmen einen Instagram– und Facebook Account zu haben und dort alle Infos zu Preisen, Speisekarte, Angebote, Live-Chat etc. aktuell zu halten. Webseiten sind weniger üblich. Um sich zu informieren und mit neuen Bekanntschaften weiter verbunden zu bleiben, ist Instagram sehr weit verbreitet. Als Messenger App wird WhatsApp genutzt. Legt Euch in allen drei Apps vor der Abfahrt daheim schon einen Account an Ihr werdet merken, dass das nämlich nicht nur im Irak so ist. 😊 Tripadvisor wird im Irak viel genutzt, jedoch sind die Bewertungen und Kommentare dort von Irakern und deren Erwartungen an Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Aktivitäten entsprechen oft nicht denen eines Mitteleuropäers.

Auf Facebook gibt es eine hilfreiche Gruppe: Kurdistan Region Travel in der Reisende und Einheimische aktiv sind und alle Fragen rund um Eure Reise in die RKI beantworten können. Für Einsteiger gibt es dort auch sehr nützliche Tipps zur Vorbereitung.

Welchen Reiseführer hattet Ihr?

Keinen. Der aktuelle „Lonely Planet Middle East“ klammert den Irak aus. Eine uralte Ausgabe von ca. 2007, die bei uns noch „herumdümpelte“, zählt immerhin die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf. Wir haben uns zusätzlich dazu im Vorfeld über diverse Reiseblogs und Instagram-Accounts anderer Irak-Reisender aus jüngster Zeit informiert und von Tripadvisor, Wikipedia und iOverlander zusätzliche Ideen bekommen. Wer bei Amazon sucht, wird feststellen, dass der aktuellste deutschsprachige Reiseführer von ca. 2008 und der sonst für ungewöhnliche Reiseziele bekannte „Bradt Guide“ von 2015 ausverkauft ist. Vielleicht habt Ihr wie wir das Glück, einen gebrauchten älteren Reiseführer zu bekommen, um wenigsten eine Route grob planen zu können.

Wie sieht es mit Unterkünften aus?

Schwierig. Die Iraker können nur schlecht ins Ausland reisen, also reisen sie im eigenen Land wie die Weltmeister. Ist dann noch Feiertag oder Wochenende oder Ferien, wird es ganz schön eng. Wir haben in Duhok und Erbil ernsthafte Schwierigkeiten gehabt, ein Bett zu bekommen. Wir waren irgendwann sogar bereit, Mondpreise zu zahlen. Für uns sind 50$ schon ein Mondpreis und das haben wir dann auch zahlen müssen. In gängigen Buchungsportalen wie booking.com oder Airbnb sind nur sehr wenige Unterkünfte vertreten und die Auswahl geht gegen Null, wenn Wochenende, Feiertag, … Die Übernachtungspreise sind recht hoch, unter 35$ gibt es so gut wie nirgends ein (klitzekleines) Doppelzimmer (und da auch nur direkt und nicht über Buchungsportale), Frühstück nicht immer inklusive.

Auch, wenn Kritiker Anderes behaupten: Couchsurfing ist nicht „tot“ und es gibt angeblich über 40.000 Hosts im Irak. Wir haben es nicht ausprobiert (unser Account ist nach Änderung der AGB nicht mehr aktiv), können uns aber vorstellen, dass das im Irak genauso super klappt, wie im Nachbarland Iran.

Kann man wild campen / freistehen?

Man kann, aber sollte sich darüber im Voraus klar sein, dass insbesondere die RKI eine stark besiedelte Region ist und es so gut wie keine „Deckung“ in Form von Bäumen, Büschen, Hecken etc. gibt. Man ist also auf Kilometer sichtbar und darf sich ganz sicher auf nett gemeinten Besuch freuen. „Keine Deckung“ bedeutet auch: „kein Schatten“. Und das ist je nach Jahreszeit die zweite Herausforderung. Wo Bäume sind, handelt es sich meist um eine „Touristic Area“ mit Feuerstellen und Picknicktischen, die von Einheimischen für den „Ausflug ins Grüne“ genutzt wird. Unter der Woche kann man da meist in Ruhe stehen, rund um Feiertage und an Wochenenden ist man dann Teil der großen Party.

Wie sieht es mit Geld aus?

Dollar, Dollar, Dollar. Alle großen Ausgaben wie Visagebühren, PCR Test, KFZ-Versicherung, Hotels etc. werden in US$ cash bezahlt. Man kann natürlich auch in Landeswährung zahlen, verliert aber dann ggf. Geld durch ungünstige Wechselkurse. Bringt also genug US$ in kleinen Scheinen (5$, 10$, 20$ etc.) mit. Euros sind so ziemlich nutzlos! Woher gibt‘s Landeswährung? Schwierig. An der Grenze schonmal nicht.

Es gibt nur wenige Geldautomaten und die meisten davon akzeptieren nur Mastercard. Die Geldautomaten stehen in Malls und wir haben in ganz Duhok keinen einzigen Automaten gefunden, der Visacard akzeptiert. In Erbil waren es nur zwei Automaten. Doch bis dahin muss man erstmal kommen, wenn man keine Mastercard hat – und dann muss der Automat auch funktionieren, es darf keine Verbindungsstörung durch z.B. häufige Stromausfälle geben und es muss noch genug Geld im Automaten sein (an Wochenenden, Feiertagen etc. nicht wirklich immer der Fall) etc.

Besorgt Euch vor der Abfahrt in den Irak also unbedingt eine Mastercard! Bietet Eure Bank keine Mastercard an (und auch sonst für alle anderen Reisen!), legen wir Euch die Curve ans Herz: das ist eine kostenlose Mastercard, die Ihr über die App mit Eurer „normalen“ Kreditkarte verknüpft, im Euro-Ausland jedoch zu besten Curve Konditionen nutzt, während über die „eigentliche“ Kreditkarte abgebucht wird. Klingt kompliziert, ist aber wie ein „VPN für die Kreditkarte“. Wir stimmen dem Zitat zu: “Curve is one of those inventions that once you use it, you wonder why the hell you didn’t have it sooner.” Schaut es Euch hier mal an: Curve

Wenn Ihr keine Curve nutzt, informiert besser vor Abreise in den Irak Eure Bank über Euer Reiseziel, denn für Deutsche ist eine Buchung aus dem Irak „verdächtig“ und ein übereifriger Bankangestellter oder ein von einem ebensolchen vorurteilsbelasteten Mitarbeiter programmierter Algorithmus könnte Eure Kreditkarte „zu Eurer eigenen Sicherheit“ sperren. Und dann steht Ihr da…

Es ist nur ganz selten möglich, mit der Kreditkarte direkt zu zahlen. Und wenn, dann kommen 10% pauschale Gebühr obendrauf, die nicht an den Laden oder das Hotel fließen, sondern für die Abwicklung zwischen den Banken „aufgefressen“ werden. Bringt also eine Mastercard für lokale Währung und für alles andere US$ mit!

Wie viel Geld braucht man?

Viel. Leider. Der Irak ist kein billiges Reiseland. Weil man schon für die Einreise viel Geld auf den Tisch legt, lohnt es sich aber, wenn man einmal da ist, die Zeit dort auch zu nutzen. Eintrittspreise für Museen kosten nur 1-2 € und man bekommt in einer „Klitsche“ für 2€ auch etwas Essbares, aber Unterkünfte und „Nebenausgaben“ schlagen unglaublich zu Buche: Ein winziges Zimmerchen ohne Luxus: 35$, einmal Kaffee trinken in Erbil an der Zitadelle: 9€. Eine Dose Cola im Supermarkt: bis zu 1€. 8 Stück Baklava beim Bäcker: 3€. Frühstück in der Frühstücksbude: 4€ Da es keine ausländischen Touristen gibt, existieren weder Abzocke noch „Touristenpreise“ oder „Verkaufsgespräche“. Man wird auch nicht wie in beliebten nordafrikanischen Reiseländern nonstop angesprochen. Das passiert nur bei Massentourismus. Und der findet definitiv im Irak nicht statt. 😊 Es ist ein sehr angenehmes Reisen! Auch für blonde, blauäugige Frauen…

Braucht man Adapterstecker?

Ja, und zwar die britischen Adapter. Wer die Geschichte des Irak kennt, weiß warum. Wir waren zu blöd, da eine Verbindung zu sehen und haben uns erst im Land einen Adapter gekauft. War mit unter 2€ zwar billig, aber halt umständlich.

Es gibt regelmäßig Stromausfälle. Große (teure) Hotels, Geschäfte und Restaurants haben Notstromaggregate (dementsprechend ist der Lautstärkepegel in der Stadt bei Stromausfall), kleinere Unterkünfte und die meisten Privathaushalte etc. haben das nicht und so sitzt man dann im Dunkeln oder mit Notstrombeleuchtung. Für Leute, die eine Klimaanlage für überlebenswichtig halten: die funktioniert dann auch nicht mehr. Packt Euch eine Powerbank für Laptop und Handy (mit Taschenlampe) ein, dann seid Ihr unabhängig.

Muss ich auf spezielle Bekleidung achten?

Iraker legen sehr viel Wert auf ihr Äußeres. Sie sind immer sauber und korrekt gekleidet, babypopoglatt rasiert und haben die Haare fein frisiert. Es hat etwas mit Respekt zu tun, den Gastgebern genauso entgegenzutreten: sauber und gepflegt. Männer tragen niemals kurze Hosen und niemals schulterfrei. Auch im Hochsommer. Wir waren im Juli / August da und wissen es wirklich. Also seid respektvoll und kleidet Euch genauso, inklusive ordentliche Körperbehaarung.

Frauen müssen sich nicht verschleiern oder „verkleiden“, aber es gilt hier wie bei den Männern: zeigt bitte Respekt! Nackte Beine sind ein absolutes No-Go, ebenso nackte Schultern oder tiefe Dekolletees. Ja, auch bei rund 50°C schaffen es die Irakerinnen, sich züchtig zu kleiden und dabei nicht zu „erschwitzen“. Täglich, Jahr für Jahr. Da schafft Ihr das in der kurzen Zeit, in der Ihr da seid, ganz sicher auch! Ich habe mir vor der Einreise eine weite, dünne Schlabberhose (eine Art Hosenrock) gekauft und später im Land selbst nochmal einen luftigen, knöchellangen Rock. Fühlt sich an wie nackte Beine, ist aber respektvoll gekleidet. Ihr müsst kein Kopftuch tragen und T-Shirts sind o.k., ebenso muss der Popo nicht bedeckt werden. Im Nachbarland Iran ist das anders, das könnt Ihr in den Iran FAQ nachlesen.

Welche Jahreszeit ist die Beste?

Wir sind „zufällig falsch abgebogen“ und „plötzlich“ mitten im Juli in den Irak eingereist, Mit einem schwarzen Auto. So ist das, wenn man „frei Schnauze“ reist und spontan ist. Und wisst Ihr was? Es hat uns nicht umgebracht. Die rund 50°C fühlen sich nicht so unangenehm „klebrig“ an wie schon 35°C im deutschen Extremsommer. Die Luft im Irak, auch im „feuchten Norden“ ist sehr trocken und es geht eine leichte Brise. Beides macht die hohen Temperaturen absolut erträglich. Uns ist die Haut an Lippen, Füßen und in der Nase vor lauter Trockenheit aufgesprungen. Die Hitze hat nichts mit „deutscher Sommerhitze“ zu tun!

Wir haben gelesen, dass Herbst (Oktober) und Frühling (März/April) gute Reisebedingungen bieten, können das aber nur vom Hörensagen weitergeben, da wir ja nur den absoluten Hochsommer im Irak kennengelernt haben.

Welche Sprachen werden gesprochen?

Arabisch und Kurdisch, je nach Region. Oder beides. Dazu noch Minderheitensprachen. Die jüngere Generation im Irak lernt Englisch in der Schule und es gibt keinerlei Kommunikationsprobleme. Personen ab ca. 40 Jahren können kein Englisch. Der durchschnittliche Iraker ist aber unter 20 (Quelle: Wikipedia), sodass man meist jemanden findet, der helfen kann. Wir hatten an der Grenze die Telefonnummer eines englischsprachigen „Tourismusbeauftragten“ als „Telefonjoker“ bekommen, ihn aber nie als solchen eingesetzt.

Darf ich im Irak Drohne fliegen?

Wir wissen es nicht und haben es auch nicht ausprobiert. Wie in jedem Land weltweit ist es sicherlich auch im Irak „nicht sinnvoll“, das auszuprobieren, ohne verlässliche Informationen zu haben. Unser gesunder Menschenverstand verbietet uns solche Experimente einfach und wir hoffen, Ihr seid genauso schlau. Das bezieht sich auch auf das Zücken des Handys (mit dem man fotografieren kann) in der Nähe von Polizei- oder Militärkontrollen, Flughäfen und sonstigen Einrichtungen (Raffinerien, Kasernen, Türme, …) von denen es im Irak viele gibt. Wir haben auch keine Dashcam und hätten diese, sofern vorhanden (unser VW Bus „Kittymobil“ hat z.B. eine Dashcam) unbedingt vor der Einreise demontiert. Besser ist das.

Habt Ihr noch Fragen?

Wir hoffen, Eure wirklich häufigsten Fragen mit diesen FAQ beantwortet zu haben. War Eure Frage nicht dabei, stellt sie uns gerne, wir versuchen, aus unserem Erfahrungsschatz eine Antwort zu finden!