Jan

Man sollte meinen, es wäre einfach, für einen normalgewichtigen Mann die perfekte Motorrad-Weltreiseklamotte finden, die weder gelb-schwarz, noch Warnwestenfarben oder unterste Qualität ist. Doch auch Jan musste länger suchen und improvisieren, um seine perfekte Kombination aus Jacke und Hose zu finden, beziehungsweise zu basteln.

Für uns steht die Sicherheit an alleroberster Stelle. Und dazu gehören nun mal Motocross-Stiefel, die den bestmöglichen Schutz für Füße, Fußgelenke und Unterschenkel bieten. Wir können nicht nachvollziehen, wie so manche Motorradreisende mit Wanderstiefeln unterwegs sind, um für den Fall, dass sie laufen müssen, bestens zu Fuß zu sein. Nochmal schnell nachdenken: laufen oder fahren wir mehr? Richtig, wir fahren. Jan schwört auf den Alpinestars Tech 7 Stiefel, die er seit Jahren auch im Rallyesport einsetzt. Neidisch ist Jan aber auf die Innenschuhe von Silke, die es viel einfacher machen, den Stiefel olfaktorisch zu pflegen. Bei der Hitze unterwegs ist das Öffnen der Stiefel am Abend immer wieder eine Überraschung. Deshalb warten zu Hause schon die Alpinestars Tech 10 Stiefel, die auch Innenschuhe haben und Jan im Januar 2019 austauscht.

Die Entscheidung, nur mit MX Stiefeln zu reisen, bringt ein Hosenproblem: keine weltreisetaugliche Motorradhose im Handel ist am unteren Bein weit genug geschnitten, um über die MX Stiefel zu reichen oder schmal genug geschnitten, um sie ohne Falten und Druckstellen im Stiefel zu tragen! Im Offroadsport sind solche Rallye- oder Baggy-Style Hosen aber völlig normal, sodass Jan irgendwann die Suche aufgab und sich seine KTM Rallyehose zur Weltreisehose umfunktionierte. Ein Reststück elastischer Netzstoff vom Kittymobil-Ausbau und ein fachkundiger Schneider ergaben passgenaue Protektorentaschen für SAS-Tech Protektoren an den Knien. Die KTM Rallyehose ist gut belüftet, aus extrem robustem Stoff gefertigt, mit Stretcheinsätzen an den richtigen Stellen, mit Gürtel und großflächigen Ledereinsätzen für optimale Haltbarkeit ausgestattet.

Vor Regen und Kälte schützt eine US Army GoreTex Regenhose, die auch mit Stiefeln schnell übergezogen ist und auch über MX Stiefel reicht. Darüber hinaus ist das Obermaterial sehr robust, sodass ein Kontakt mit Büschen oder Steinen nicht sofort zu Löchern oder Rissen führt, wie sonst bei „normalen“ Regenhosen üblich. Außerdem sind „entscheidende Stellen“ wie Knie und Hintern doppelt verstärkt.

Jacke Jan

Für die Jacke hat Jan das durch den „Hosenupgrade“ gesparte Geld gleich wieder ausgegeben. Die Jacke Alpinestars Revenant ist aus GoreTex Dreilagenlaminat gefertigt (gibt’s leider nicht in Damen-Motorradjacken). Besser geht’s nicht! Zwar ist der Oberstoff damit nicht luftdurchlässig, aber die vielen, vielen Belüftungsmöglichkeiten lassen den Fahrtwind direkt auf den Körper strömen! Das Dreilagenlaminat ist wesentlich steifer als Z-Liner Systeme, jedoch hat Alpinestars aus GoreTex Stretchmaterial an genau den richtigen Stellen Stretcheinsätze eingenäht, sodass die Jacke trotz des steifen Materials äußerst bequem ist. Außerdem freut sich Jan über die Möglichkeit, einen Trinkrucksack einzusetzen, der einen zusätzlichen Rucksack erübrigt. Jan hat sich für eine 1,5l Blase von Hydrapack entschieden. Darüber hinaus sieht die Jacke nicht nach „Paradiesvogel“ aus, sondern ist in schlichtem schwarz, welches nicht nur elegant wirkt, sondern auch schmutzunempfindlich ist. Auch in puncto Sicherheit überzeugt die Jacke: zusätzlich zu den üblichen Protektoren an Ellbogen, Schulter und Rücken hat sie sogar Brustprotektoren eingebaut! Wobei die Rücken- und Brustprotektoren separat gekauft werden müssen. Auch ein Airbag kann nachgerüstet werden, darauf hat Jan aber verzichtet. Die Jacke hat kein Steppfutter, aber da eine North Face Hypridjacke und eine Daunenjacke sowieso im Reisegepäck sind und diese unter die Motorradjacke passen, sorgt das nicht für Unmut, sondern für besonders effektiv genutztes Reisegepäck. Apropos Gepäck: mit 8 Taschen ist die Jacke schon fast als Gepäckstück zu bezeichnen, so viel kann darin verstaut (und gesucht) werden! Die große Rückentasche unter dem Trinkrucksack lässt sich mit einem Reißverschluss vergrößern und abtrennen und dann tatsächlich als separates Gepäckstück nutzen!

Jan musste sich leider Anfang 2019 – unter großer Trauer – von seiner tollen Alpinestars Revenant Jacke trennen. Der Reißverschluss-Schlitten zerbrach im Herbst 2018. Da es sich um einen speziellen, wasserdichten Reißverschluss handelt, der nicht beim „iranischen Schneider um die Ecke“ repariert werden kann, hat Jan die Jacke direkt zu Alpinestars nach Italien geschickt. Dort versprach man, den Reißverschluss zu reparieren.

Leider ersetzten die „Helden des Kundenservices“ dort den wasserdichten Spezialreißverschluss durch einen stinknormalen, groben und luftig-wasserdurchlässigen Jackenzipper, sodass der Sinn einer 3-Lagen-Laminatjacke nun völlig dahin ist. Die Jacke gibt es nur noch auf dem US Markt und nicht mehr in Europa, sodass Alpinestars für seine verpfuschte Reparatur noch nichtmal eine neue Jacke liefern konnte.

Alpinestars entschuldigte sich zwar für die verpfuschte Reparatur und Jan hofft nun, die 850€ Anschaffungspreis von FC Moto zurück zu bekommen, da die Jacke nun zum 2. Mal in wenigen Wochen nach Italien geschickt wurde, aber unterm Strich nützen Entschuldigungen nichts, wenn man trotzdem ohne Jacke dasteht.

Alpinestars schickte in allerletzter Sekunde die Alpinestars Yaguara Jacke als Ersatz. Jan hat zwar nun eine Jacke zum Anziehen, aber so gut wie seine ursprüngliche Motorradjacke ist sie nicht. Kein GoreTex, kein Trinkrucksack, dünneres Material, weniger Taschen, weniger Belüftungsöffnungen…

Da ich mit meiner Held Carese II GoreTex Über-/Unterjacke eine „stadtfeine“ Regenjacke dabei habe, musste Jan bei Regen mit der meist staubigen Motorradjacke als Wetterschutz durch die Stadt laufen. Das war doof und so hat er in Deutschland seine ultra kleine mini Fahrrad-Regenjacke aus dem Kittymobil gekramt. Die gab’s Mal bei ALDI und bewährt sich seit vielen Jahren. Es muss nicht immer teuer sein – denn im Outdoorladen sind diese ultraleichten Teile auch ultrateuer.

Auch Jan hat bei Held die passenden Handschuhe gefunden: Modell „Sambia“: Rind- und Känguruleder schützen Jans Pfoten bei Stürzen in Kombination mit Knöchelschale und Materialverstärkungen. Der Handschuh ist ungefüttert, aber Jan hat ja Saito Heizgriffe verbaut. Falls ihm Lederhandschuhe zu warm sind, kann Jan noch auf seine Thor Spectrum Cross Handschuh ausweichen, die er normalerweise auf seiner KTM EXC fuhr.

Eigentlich wollte Jan mit seinem „fast neuem“ Crosshelm los fahren, aber als wir Ende Januar 2018 in Friedrichshafen auf der Messe „Motorradwelt Bodensee“ waren, musste doch ein neuer Helm her. Es war Liebe auf den ersten Blick: die Kombination aus Crosshelm, Integralhelm und Klapphelm zu einem Preis, zu dem es bei anderen Marken nur ein müdes Lächeln gibt. Der Scorpion ADX-1 Anima kann alles und hat sogar Details wie Sonnenblende und Pinlock Visier, die es sonst nur in der obersten Preisklasse inklusive gibt.

Und ist es noch so warm, erinnert sich Jan immer wieder daran was sein Fahrlehrer vor über zwanzig Jahren zum Thema Nierengurt gesagt hat…. ohne fehlt irgendwie etwas. Seitdem ist auch der klassische Held Nierengurt irgendwie immer dabei, egal ob Afrika oder Nordkap im Winter!

Auch wenn es scheint, als wäre das hier Werbung: Jan hat jedes Teil selbst gezahlt und somit für seine persönliche Sicherheit mehr ausgegeben, als sein Motorrad Oskar in der Anschaffung gekostet hat. Ersatzteile für das Motorrad gibt es immer, für den Körper nicht!