
Seit knapp einer Woche sind wir jetzt mit einem Auto unterwegs. Mit dem billigsten Mietwagen, den wir in Windhoek bekommen konnten. Und wir werden mit der kleinen Kiste bis zum 17. Januar unterwegs sein. Soooo lange? Ja, aber nicht freiwillig.
Wir waren in Windhoek, um an unseren Motorrädern großen Service zu machen. Was man halt so macht, inklusive Ventilspielkontrolle. In Windhoek gibt es zum ersten Mal entlang der gesamten Westküste Infrastruktur mit Motorradhändlern etc. sodass wir uns das ganz entspannt vorgestellt hatten. Wäre es auch gewesen, wenn uns Weihnachten nicht in die Quere gekommen wäre.

Jan hat bei der Ventilspielkontrolle an seiner KTM festgestellt, dass das Ventilspiel größer statt kleiner geworden ist. Das kam uns sehr komisch vor, denn das haben wir beide noch nie erlebt und so gingen wir auf die Suche nach der Ursache. Und wurden fündig: die Schlepphebel waren eingelaufen, beziehungsweise die Beschichtung abgearbeitet und das kleine Rollenlager zur Nockenwelle hin rollte nicht mehr, sodass auch die Nockenwelle schon in Mitleidenschaft gezogen worden war. Das passiert bei den EXC500 Motoren schonmal und ist an sich kein Ding und in wenigen Minuten repariert. Der im Kongo sich selbst zersetzte Luftfilter könnte das Problem noch verstärkt haben, zumindest vermutet ChatGPT, dass bei solchen „Aktionen“ mikroskopisch feiner Staub durch den Ölfilter wandert und wie Schleifmittel wirkt. Wie auch immer: normalerweise kauft man einfach Schlepphebel und Nockenwelle, tauscht beides schnell aus und fährt einfach weiter. Nur nicht an Weihnachten.

Die Teile hatte weder im südlichen Afrika noch in Deutschland ein Händler auf Lager, aber bei KTM in Österreich sind sie lieferbar. Nur nicht an Weihnachten. Und auch nicht an Silvester. Und auch nicht in der Woche danach. Und auch nicht an Heilige drei Könige. Das KTM-Werk in Mattighofen macht einfach bis zum 7.1.2026 zu und kein Händler weltweit kommt an Teile. Das muss man sich leisten können als Motorradhersteller: fast drei Wochen Betriebsferien! Macht das Werk dann in der Wochenmitte wieder auf, werden alle in den rund drei Wochen eingegangenen Bestellungen weltweit von oben nach unten abgearbeitet. Wo in der langen Liste Jans Bestellung ist, wissen wir nicht. Wir hoffen, nicht zu weit unten. Denn kaum öffnet KTM wieder die Werkstore, ist eigentlich auch schon wieder Wochenende und kein KTM-Händler rechnet mit einem Versand vor dem 12.1.2026. Und dann ist der Weg von Europa nach Namibia weit…

So lange wollten wir nicht in Windhoek bleiben und können wir im Prinzip auch nicht, denn wir haben für die Einlagerung der Motorräder in Kapstadt schon alles terminlich fixiert und auch das Namibia Visum reicht nicht lange genug aus, um bis Februar mit den Motorrädern hier zu reisen. Zu zweit auf der Honda weiter zu fahren ist sinnlos, das Ding ist zu klein für uns beide. Das haben wir von zuhause bis Sofia ausprobiert und uns nach nur 250km geschworen, das nie, nie wieder zu tun. Auch nicht für viel Geld. So viel Geld braucht man hier allerdings gar nicht, um einen klitzekleinen Mietwagen zu mieten: 38€ pro Tag und schon waren wir wieder mobil! Ich war sowieso genervt von den langen, langweiligen Strecken geradeaus in Namibia (und Angola), sodass Weihnachten und die Betriebsferien doch noch für irgendwas gut sind.

Am Montag holten wir dann unseren Toyota Starlet ab: ein schon ziemlich abgerockter Kleinwagen, fast drei Jahre und viele Kilometer alt. Aber was schon kaputt ist, kann bei uns nicht mehr kaputt gehen und für 38€ am Tag all inclusive darf man nicht zu genau schauen. Auch, wenn es Hertz ist. Noch schnell etwas einkaufen, schon düsten wir gen Süden und bogen vom Asphalt ab. Wir wollten den angeblich steilsten Pass des südlichen Afrikas, den Streetshogde Pass unter die Räder nehmen.

Namibia ist sehr gut im Marketing und so wird ein mit 14% Steigung für Europäer ganz normaler Pass zu einer hoch gefährlichen Straße stilisiert, auf der LKW, Wohnmobile und Anhänger verboten sind. Weil angeblich „unbefestigt“ (Pflastersteine), solle man auch besser mit einem Allradfahrzeug kommen. Nun ja. Wir sind Europäer, haben dieses Jahr auf Zypern schon deutlich steilere und engere Pässe mit dem Mietwagen erklommen und vor ein paar Jahren mit unserem VW T4 Kittymobil in Slowenien 18% und in der Schweiz die steilste Postbusstraße Europas mit 28% befahren. Was konnte da schief gehen? Genau: nichts.

Wir merkten es nicht mal, so kurz und klein ist der sagenumwobene Pass. Wir sind ihn 3x gefahren. Das erste Mal, weil wir nicht richtig mitbekommen haben, dass wir schon drüber waren, das zweite Mal, um zu fotografieren und das dritte Mal, um 2x anzuhalten und die Aussicht zu genießen und auf einen Campingplatz mit ebenso toller Aussicht zu fahren.

Es war unser erster Campingplatz in Namibia, weil wir sonst fürs gleiche oder weniger Geld ein Zimmer nehmen, aber in den „Bergen“ gibt es das selten und wenn, zu unverschämten Touristenpreisen. Aber wir hatten uns einen guten Platz ausgesucht: für 29€ bekamen wir eine Betonplattform fürs Zelt mit Sonnendach, einen Grill und sehr saubere sanitäre Anlagen. Natürlich auch Nachbarn und weil wir sonst nie auf Campingplätze gehen, war das für uns ungewohnt. Nachts wach zu werden, weil die Nachbarn klappernd Geschirr spülen ist einer der Gründe, warum wir weltweit Campingplätze meiden und lieber in Freiheit schlafen.

Diese Freiheit gibt es aber in Namibia nicht: alles ist eingezäunt. Das ganze Land. Man fährt den ganzen Tag, jeden Tag, Tag ein, Tag aus, zwischen Zäunen. Auf der einen Seite des Zauns die „wilden“ Tiere (afrikanische „Wildtiere“ oder Nutzvieh), auf der anderen Seite des Zauns wir Menschen, ausgesperrt aus der Natur, limitiert auf die (Schotter-) Straßen geradeaus. Wir sahen Giraffen rechts und links der Straße, die sich über die Zäune anschauten, aber nicht zueinander konnten, ein verwirrtes Gnu, das auf der Straße stand und nicht mehr auf die andere Seite des Zauns zurückfand, ausgebüxte Pferde vor einem verschlossenen Gatter auf der Straße, Straußenfamilien zu beiden Seiten der Straße, die nicht zueinander konnten und fühlten uns selbst ziemlich „ausgesperrt“.

Oder eingesperrt, je nach dem, auf welcher Seite des Zaunes man sein möchte. Auf einem Campingplatz ist man eher „eingesperrt“ mit dem (falschen) Gefühl für Sicherheit, aber leider ist in Namibia nichts anderes möglich. Unser Nachbar kochte um 5:30 morgens Kaffee und so packten wir dann auch ein und fuhren weiter. Noch einmal den ach so aufregenden Pass hinunter. Unser Plan: in Solitaire den berühmten Apfelkuchen essen!

Ich hatte ja schon geunkt, dafür müsse man sicher anstehen und das sei eine Massenveranstaltung, wurde aber von allen Namibia-Fans korrigiert: nein, natürlich nicht! Ich vermute, diese Leute waren wie Jan zuletzt vor 15 Jahren da, als es den Apfelkuchen noch vom Blech über eine Holztheke gab und man ihn dann unter einem Baum auf Holzbänken aß. Heute ist Solitaire ein riesiger Parkplatz um eine moderne Bäckerei mit Glastresen, Terrasse mit Sonnenschutz und, natürlich, langer Schlange. Wir mussten zwei Runden über den Parkplatz drehen, um bei all den Allradcampern, Reisebussen und Abenteuerfahrzeugen unseren Kleinwagen noch parken zu können. Unter einem Baum, unter den nur wir passten, weil alle anderen Fahrzeuge dank Dachzelt zu hoch waren.

Als wir in der Bäckerei die lange Schlange und Jan die geschrumpfte Portion Apfelkuchen für einen gewachsenen Preis sah, verging uns der Appetit und wir stellten uns lieber an der Tankstelle an. Es war die reinste Massenveranstaltung. Nicht schön und das trug nicht dazu bei, die Laune zu heben. Wir fühlten aus „aus Namibia herausgewachsen“ und konnten das ganze „Bohei“ um Apfelkuchen, Düne und „offroad“ nicht nachvollziehen.

Aber dann wurde die Landschaft doch noch abwechslungsreich. Nicht außergewöhnlich, aber doch schön. Die ganzen Jammereien der Einheimischen über schlechte und ungepflegte Pisten, die durch die Touristen zerstört und von der Regierung nicht repariert würden, können wir nicht nachvollziehen. Wenn man mit einem ausgelutschten Kleinwagen mit 100km/h darüber gleitet, kann der Zustand nicht schlimm sein! Aber Namibia war ja mal deutsch und Deutsche sind Weltmeister im Jammern auf hohem Niveau.

Wir fuhren weiter, kamen in einen Regen und damit in Matsch und Glitsch, aber unser Mietwagen ist schließlich ein Toyota und alle Toyotas sind Geländewagen, oder nicht? Der kleine Starlet kann natürlich auch das und wir wundern uns bis heute darüber, was die Südafrikaner alle in ihren Anhängern transportieren: sie fahren mit den teuersten Geländewagen herum, hinter denen einfachste Starrachsen-Anhänger hin und her hopsen und die gesamte Fuhre bewegen. Manche fahren darin ihre Küche (kein Witz!) spazieren, andere ihre Hartschalenkoffer und wieder andere den gesamten Hausstand, weil Campingplätze hier weder Tische noch Stühle bieten.

Wir machten Stippvisite in Maltahöhe und Helmeringhausen und düsten insgesamt 390 Pistenkilometer, bis wir entschieden: Feierabend! Natürlich kann man wegen der Zäune nicht wie im Rest der Welt einfach rechts oder links in die Natur abbiegen (nein, noch nicht mal für Pipi, das macht man auch in den Straßengraben!), man muss einen Campingplatz finden. Und weil Namibia voll mit Touristen ist, war es der Campingplatz natürlich auch (die Mietwagenfirmen verkaufen die Autos mit vorreservierter Reiseroute und Stellplätzen), aber die deutsche Farmerin, die den Campingplatz betrieb, gab uns den Schlüssel zu Bad und Küche einer Hütte, hinter der wir unser Zelt aufbauen durften.

Weil es so windig war, entschieden wir, das Zelt im Kofferraum zu lassen und unsere Isomatten auf dem Küchenfußboden auszubreiten. Wir waren müde und schliefen schnell ein: kein spülender Campingnachbar und auch keine Küchenaktivitäten um 5:30 Uhr! Die Söhne der Farm fuhren Motorrad und wir kamen ins Gespräch. So nett, dass uns der Farmer sein Auto holte, damit wir unbedingt noch eine Runde über die Farm fahren können, unser Toyota könne ja nicht so gut im Sand.

Es war zwar nicht sandig, aber dennoch waren wir um die Bodenfreiheit der alten Familienkutsche von 1992 dankbar. Und darüber, das Angebot angenommen zu haben, denn das Gelände der Farm war tatsächlich schöner als das meiste an Landschaft, was wir bisher in Namibia zu sehen bekommen hatten! Richtig schön!

Wir tauschten wieder Autos und düsten mit dem Starlet weiter nach Aus, wo wir nach 600 Pistenkilometern wieder Asphalt unter die Räder bekamen. Wir kehrten im (heute sillgelegten) Bahnhof ein, denn wir hatten seit Windhoek nichts mehr richtig gegessen: eigene Fehlplanung (Müsli, aber keine Milch im Gepäck) und chronische Unlust, in Touristenfallen ein Vermögen für Durchschnitt zu zahlen. An Tag drei war der Hunger dann aber doch größer als die Vernunft und wir bestellten Spätzle im Bahnhof. Klarer Tipp: nicht nachmachen.

Es ging weiter geradeaus durch die Wüste, die sich hier „Sperrgebiet“ nennt, nach Lüderitz. Das Sperrgebiet erstreckt sich von der Grenze zu Südafrika bis nach Swakopmund entlang der Küste, weil dort bis heute Konzessionen für Diamanten laufen und man nur mit Permit die Straße verlassen kann. Ausnahmsweise meist kein Zaun, aber trotzdem verboten.

Es war der 24.12. und ein riesiger Trubel im und am Spar Supermarkt. Wir kauften nur schnell das Nötigste ein, machten ein Zimmer im Hostel klar und fuhren auf die Haifischinsel. Die Haifischinsel ist keine Insel, sondern ein langgezogener Felsen in der Lüderitzbucht, auf dem die Deutschen damals ihr erstes Konzentrationslager errichtet hatten, um dort Nama und Herero zu internieren. Obwohl dort mindestens 1600 Menschen starben, wurde dort bis vor rund drei Monaten ein Campingplatz betrieben. Erst jetzt bekamen die Hinterbliebenen das Recht, die Haifischinsel als Gedenkstätte nutzen zu können.

Hoch über der Stadt thront auf einem Hügel die „Felsenkirche“. Wir fuhren zur Kirche, von der aus man einen schönen Blick auf Bucht und Stadt hat. Vor der verschlossenen Kirchentür stand ein Mann, der mich auf Deutsch ansprach, ob ich Lust hätte, die Kirche von innen zu sehen. Ja, klar! Er schloss die Tür auf, schaltete die Beleuchtung am Weihnachtsbaum an und lud uns ein, am Abend in den deutschsprachigen Weihnachtsgottesdienst zu kommen. Wir nahmen die Einladung an.

Der Gottesdienst war gar kein richtiger Gottesdienst, weil die 15 deutschsprachigen evangelischen Gemeinden im Land nur fünf Pfarrer haben und es in Lüderitz nur einen Laienprediger gibt, aber es war trotzdem schön: eine Frau spielte die Orgel, die kleine Gemeinde (etwa 30 Mitglieder plus insgesamt vier Touristen, inklusive uns) sang Weihnachtslieder auf Deutsch und Englisch, ein Quartett sang Gänsehaut-schön und die Weihnachtsgeschichte wurde in beiden Sprachen vorgelesen. Dann durften die Kinder endlich los, zuhause Geschenke auspacken und wir fuhren zum Portugiesen, wo wir einen Tisch reserviert hatten. Fröhliche Weihnachten!

Nach dem etwas „verunglückten“ Weihnachtsfest letztes Jahr in Benin (mieses Weihnachtsessen, brüllender Pfarrer, laute Musik) war dieses richtig schön. Es war komisch, das kurz nach der Sommersonnenwende an einem der längsten Tage des Jahres zu feiern (warum ist es hell, wenn man abends aus dem Weihnachtsgottesdienst kommt?), aber ein Sturm heulte um Kirche und Haus, sodass wir zumindest akustisch „Weihnachtswetter“ hatten.

Unser traditioneller Weihnachtsspaziergang am 25.12. war ein sehr einsamer, denn die ganze Stadt war wie leergefegt: keine Menschen, keine Autos, alles geschlossen. Nicht Mal Katzen, Hunde oder ein Pinguin am Hafen. Wir schienen die einzigen Überlebenden der Stadt nach Heiligabend zu sein.

Lüderitz hat als ehemalige deutsche Stadt natürlich auch ganz viele deutsche Gebäude, allerdings wesentlich weniger gut erhalten als in anderen Städten Namibias. Das liegt daran, dass die Arbeitslosigkeit in Lüderitz mit 60% sehr hoch ist: der größte Arbeitgeber, die Diamantenmine „Elisabethbucht“ im Sperrgebiet wurde 2023 geschlossen und weil Lüderitz wie eine Insel mehrere hundert Kilometer von der nächsten Stadt entfernt liegt, gibt es auch keine Alternativen, um Arbeit zu finden.

Und das merkt man deutlich, wenn man durch die Straßen schlendert. Was auch auffällt: die Stadt ist „gut gemischt“. Es gibt keine deutlich gelebte Apartheid wie in Swakopmund, es gibt wenig dementsprechenden Schilder, für uns fühlte es sich mehr afrikanisch als deutsch an. Und es gibt in Lüderitz auch nur 64 deutsche Einwohner.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag fuhren wir in die „Geisterstadt“ Kolmanskuppe: die dekadente Diamantengräberstadt mitten in der Wüste. Weil Weihnachten war, ging es nicht schon um 9:30 los, sondern erst um 10 Uhr und weil wir mit Massen rechneten, waren wir schon um 9 Uhr da und hatten so eine ganze Stunde die gesamte Stadt für uns. Pünktlich um zehn war die Turnhalle voll mit Besuchern, wir waren, zum Erstaunen unseres Guides, die einzigen deutschsprachigen Touristen, sodass Helmuth mit uns eine ausgedehnte Weihnachtsführung machte.

Er selbst war in fünfter Generation „Buchter“, wie sich die Einwohner aus Lüderitz nennen, und erzählte uns nicht nur alles zum Diamantenrausch in Namibia und rund um Kolmanskuppe, sondern im Anschluss an die Führung nahm er sich noch Zeit, um mit uns über das Leben in Namibia und Lüderitz zu plauschen.

Er hat früher mit Touristen Wüstenfahrten ins Sperrgebiet zu den anderen deutschen Diamantenminen wie Pomona, Elisabethbucht, Bogenfels, Grasplatz, Idatal etc. unternommen, doch weil nun die Beantragung der dafür nötigen Permits fünf Tage dauert und pro Person 300€ pro Tag kostet, komme das nicht mehr vor. Überhaupt war er, wie die meisten weißen Namibier, mit der Regierung seit der Unabhängigkeit des Landes nicht zufrieden.

Heute kommen Touristen hauptsächlich als Tagesgäste von Kreuzfahrtschiffen wie der AIDA nach Lüderitz, die nach der Pandemie eingeführten horrenden Preise für Permits haben dazu geführt, dass Touristen mit mehr Zeit und Interesse wie wir, auch wegbleiben. Die Stadt ist derzeit voll mit Touristenautos, aber außer Kolmanskuppe gibt es nicht viel und so bleiben alle nur eine Nacht und ziehen weiter.

Der sinkende Tourismus und die Schließung der Mine führen zum weiteren Niedergang der Stadt. Es soll nun eine Mall und (noch) ein Viersternehotel gebaut werden, aber wer dort einkaufen und übernachten soll, wusste Helmuth auch nicht.

Wir erkundeten die „Geisterstadt“, staunten über noch gut erhaltene Wandbemalung und Tapeten, enzschieden, in welches Haus wir einziehen würden (wegen bester Aussicht und wenig Renovierungsaufwand), freuten uns an der im Neuzustand (und noch betriebene) Kegelbahn und Turnhalle, wunderten uns über die 240 Betten des Krankenhauses in einem Ort mit maximal 400 Einwohnern und spielten Kaufmannsladen und Wursttheke.

Kolmanskuppe war so dekadent, dass man nicht zu Fuß in den zwei Straßen entfernten Laden lief, sondern sich von der per Telefon bestellten und von Maultieren gezogenen Straßenbahn an der Haustür abholen ließ. Es gab nicht nur fließend Wasser, nein sogar Warmwasser und auch das Freibad war natürlich beheizt, denn sonst wäre es ja zu kalt zum Baden!

Weil die Commerzbank in Lüderitz nicht genug Bargeld hatte, wurde in Rohdiamanten gezahlt: was kostet die Welt? Die Woermann Linie lieferte aus Deutschland, was man so in der Wüste brauchte: Seidenstrümpfe und deutsche Konserven, selbst das Trinkwasser wurde per Schiff aus Deutschland, später aus Kapstadt in die Minenstädte gekarrt, bis eine Meerwasserentsalzungsanlage gebaut wurde.

Heute sind alle Minen geschlossen, die Diamanten werden offshore mit Schiffen vom Meeresgrund abgesaugt. Dafür braucht man wenig Arbeiter und die Minenstandorte, auch die modernen wie Elisabethbucht, verfallen. Das Sperrgebiet ist ein riesiges Naturschutzgebiet und weil es dort wenig Zäune gibt, hat das zumindest für die dort lebenden Tiere Vorteile: ein Leben in Freiheit, wie im Rest des Landes unmöglich.

Es gibt dort übrigens Wildpferde, beziehungsweise Pferde, die in dieser Freiheit leben. In Wirklichkeit sind das Pferde, die aus deutschen Zügeln ausgerissen sind und sich selbst in den letzten 120 Jahren ausgewildert und sich an das raue Wüstenklima angepasst haben.

Wir fahren in den nächsten Tagen weiter mit unserem kleinen Einkaufswägelchen und lassen uns treiben. Wo wir 2025 ausklingen lassen und Silvester feiern werden – und ob wir überhaupt Silvester feiern – wissen wir heute noch nicht. So wie wir letztes Wochenende auch noch nicht wussten, wo und wie Weihnachten sein wird. Und Weihnachten wurde gut, richtig gemütlich und ein bisschen traditionell. Ich hoffe, Eures war auch schön und ihr genießt gerade die Zeit „zwischen den Jahren“. Ihr lest erst nächstes Jahr wieder an dieser Stelle von uns. Wir wünschen Euch einen guten Rutsch und für 2026, dass Ihr Eure Träume und Wünsche umsetzt und lebt…
Nehmt Euch eine Tasse Tee (oder Glühwein), ein paar Weihnachtsplätzchen oder eine Scheibe Christstollen und schaut, wie wir vor drei Wochen durch die Wüste Namib in Angola gefahren sind: wunderschön!
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