Mit dem eigenen Fahrzeug nach China

Seitdem wir die ersten Fotos von Kittymobil, unserem VW Bus, und uns aus China, später Tibet, gepostet haben, werden wir von Fragen überrannt, die wir hoffen, in diesem Beitrag alle beantworten zu können. Unsere „China FAQ“:

Darf man mit dem eigenen Fahrzeug nach China einreisen?

Unsere Fotos zeigen es bereits: ja, das darf man. Aber das ist nicht so einfach, wie in andere Länder mit dem eigenen Fahrzeug einzureisen. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, dass alles schlimm, kompliziert und teuer sei, doch ganz so furchtbar ist es nicht.

Kann man das alles allein organisieren?

Nein, das kann man nicht allein organisieren, man braucht eine chinesische Agentur vor Ort, die den Papierkram für die Einreise des eigenen Fahrzeuges organisiert. Es gibt sehr viele solcher Agenturen und wer auf Englisch googelt oder in Facebookgruppen wie „China Transit for Overlanders“ angemeldet ist, wird schnell eine große Auswahl an Agenturen zusammen haben.

Muss man in einer Gruppe reisen?

Nein, man braucht absolut keine Reisegruppe, man kann auch nur mit einem einzigen eigenen Fahrzeug nach China reisen – so wie wir. Was man in jedem Fall braucht, ist jedoch ein Guide und eine chinesische Agentur. Um sich diese Kosten zu teilen, bilden sich meist Reisegruppen als Zweckgemeinschaften. Hat man im eigenen Fahrzeug Platz für den Guide, spart das schon enorm Kosten.

Braucht man unbedingt einen Guide?

Ja. Das mag zwar sehr nervig sein, aber es ist auch sehr sinnvoll. China, insbesondere in Xinjian und Tibet, ist übersäht mit militärischen und polizeilichen Checkpoints. Dort spricht grundsätzlich niemand Englisch und es gibt immer einiges zu regeln, zum Beispiel weitere Permits ausstellen zu lassen, Laufzettel abzuholen oder Stempel einzusammeln. Natürlich ist so ein Guide auch ein wenig „Aufpasser“, aber sobald das Tagesziel erreicht ist, ist man frei.

Welche Papiere braucht man, um mit dem eigenen Fahrzeug nach China zu reisen?

Die meisten Reisenden bleiben kürzer als 7 Tage in China, da meist nur Transit von/nach Pakistan/Kirgistan geplant ist. Dann ist der Papierkram weniger aufwändig, insbesondere chinesische Zulassung und chinesisches Nummernschild laufen als Liste für die gesamte „Reise-Zweckgemeinschaft“. Diese Zweckgemeinschaften formen sich über Facebook-Gruppen oder die Agenturen selbst. Grundsätzlich läuft es auf folgende Papiere hinaus:

  • Visum für China
  • Chinesischer Führerschein
  • Chinesische Zulassung
  • Chinesische KFZ Versicherung

Was braucht man für das China Visum?

Dazu ändern sich die Bestimmungen immer relativ schnell, bitte informiert Euch dazu bei Visaagenturen oder dem chinesischen Konsulat. Bei uns hieß es plötzlich: Antrag erst frühestens 5 Wochen vor Anreise und nur im Heimatland. Da China nicht gerade um die Ecke unseres Heimatlandes liegt, ist das fast ein Witz, aber man darf ja mehrere Pässe haben, wie wir in unseren „Abmeldung aus Deutschland FAQ“ erklärt haben. Ist man in Deutschland abgemeldet, stellt jede deutsche Botschaft zu normalen Kosten einen zusätzlichen Pass aus. Bei uns war das in Dubai.

Braucht man unbedingt eine deutsche Visaagentur?

Nicht unbedingt, aber wir empfehlen das, sodass man am Ende zwei Agenturen beschäftigt: Die chinesische Agentur erstellt eine Reiseroute. Manchmal, je nach Route, erstellt diese Agentur auch zwei Reiserouten. Eine, die wirklich gefahren wird und eine, die für den Visumsantrag benötigt wird. Und diese schickt man, zusammen mit dem eigenhändig unterschriebenen (logistische Aufgabe aus dem Ausland) Visumsantrag an die deutsche Visaagentur. Damit das Visum auch dann noch gültig ist, wenn ein Teil der Reisegruppe / Zweckgemeinschaft nicht auftaucht oder man plötzlich ohne Fahrzeug nach China einreist, sollte es sich beim Visum NICHT um ein Gruppenvisum handeln! Bei mir kam es zu Rückfragen, wegen meiner vielen Türkei-Stempel im Pass ( Danke an Turkish Airlines, die mich 3x hat in Istanbul sitzen lassen und so für 6 Stempel gesorgt hat) und aufgrund meiner ebenso vielen UAE Stempel musste ich eine lange Liste aller seit 2015 bereisten Länder außerhalb der EU mit genauen Daten anfertigen. Dank der deutschen Agentur hat aber alles geklappt!

Was braucht man für die chinesische Zulassung?

Wir wurden um eine ganze Menge Papiere gebeten, die es lohnt, langfristig zu organisieren, um dann rechtzeitig alles zur Hand zu haben. Wir brauchten: Fotos von allen 4 Seiten des Fahrzeuges, mit deutlich lesbaren Nummernschildern. Den letzten TÜV Bericht als hochauflösenden Scan. Den Kaufvertrag zur Feststellung der Höhe der an der Grenze von der chinesischen Agentur hinterlegten Kaution als Scan. Die Motornummer (viel Spaß beim Suchen…), die Fahrgestellnummer und Scans vom Fahrzeugschein. Wer unter 7 Tage bleibt, bekommt kein Nummernschild, sondern wird nur auf einer Liste geführt. Wer länger bleibt, muss zur Zulassungsstelle. Darum kümmert sich aber die chinesische Agentur vor Ort und alles geht schneller, als man es von deutschen Zulassungsstellen gewohnt ist. Ein echtes Kennzeichen aus Metall bekommt man übrigens nicht. Das „Kennzeichen“ ist ein Papierschild in Kennzeichenform, was hinter der Scheibe liegen muss und auf der Rückseite alle Fahrzeugdaten auf Chinesisch auflistet. Da dieses Papierstück mehrmals täglich kontrolliert wird, macht eine Klarsichthülle Sinn.

Braucht man chinesischen TÜV?

Auch davon hatten wir gehört. Da Kittymobil ein halbes Jahr vor Einreise nach China frischen deutschen TÜV bekommen hat, waren wir da recht unbesorgt, aber hätten uns gar keine Gedanken machen brauchen. Auf dem Hof der Zulassungsstelle wurde nur die Fahrgestellnummer abgerubbelt.

Was braucht man für den chinesischen Führerschein?

Wer nur im Transit unterwegs ist, bekommt keinen richtigen chinesischen Führerschein ausgehändigt, sondern wird nur in einer Liste für die gesamte Gruppe geführt. Wer länger als 7 Tage in China ein Fahrzeug führen möchte, bekommt einen temporären chinesischen Führerschein. Dazu braucht die Agentur Scans des deutschen Führerscheins und man muss vor Ort in China zum Gesundheitscheck und zur Führerscheinstelle. Der Gesundheitscheck ist anders, als man denkt, wie wir im Blog beschrieben haben: Einreise nach China und der Führerschein ist auch schnell ausgestellt, sofern alle Papiere vorliegen. Auch darum kümmert sich die chinesische Agentur vor Ort.

Braucht man spezielle Permits?

Das kommt ganz auf die Reiseroute an und ist pauschal nicht zu beantworten. Wir reisen durch Xinjiang und Tibet, sodass wir einen 3cm hohen Stapel an Permits brauchen. Jedes dieser Permits kostet natürlich Geld, da die Agentur das erledigen muss. Daher sind auch Preise nie pauschal zu nennen, da diese immer extrem von der Route und den dafür benötigten Permits abhängen!

Für manche Permits muss man tatsächlich eine Reisegruppe mit einer gewissen Mindestteilnehmerzahl sein. Für Tibet sind das fünf Personen. Von diesen Personen müssen einige persönliche Daten (Passnummer etc.) angegeben werden. Ist das Permit einmal ausgestellt, kann es aber dann auch wieder auf eine kleinere Gruppengröße neu ausgestellt werden. So wie bei uns.

Wie lange dauert der Papierkram?

Das kommt ganz darauf an, wie gut man selbst vorbereitet ist (also alle Papiere schnell zur Hand hat) und wie effektiv die chinesische Agentur und die deutsche Visaagentur arbeiten. Aufgrund der Rückfragen zu meinen Stempeln im Pass hat das Visum etwa 10 Tage gebraucht. Und aufgrund fehlender Informationen anderer Fahrzeuge unserer ursprünglich geplanten Reisegruppe hat es auch in China länger gedauert. Wer gut vorbereitet ist, sollte Fahrzeugpapiere und Führerschein in 2 Wochen Vorarbeit und 2 Tagen ab Eintreffen an der Grenze erledigt haben.

Wer mit dem eigenen Fahrzeug in Permit-pflichtige Regionen möchte, zum Beispiel Xinjiang, Tibet, Mount Kalesh, Mount Everest Basecamp etc., der sollte mindestens 3 Wochen Zeit vor Einreise in diese Gebiete einplanen, damit die Agentur in China alle Permits beantragen kann. Manche Permits werden dann, ebenfalls über die Agentur, bei den örtlichen Behörden während der Reise beantragt. Damit hat man als Reisender jedoch nichts zu tun, das erledigt der Guide.

Ist die Einreise nach China mit eigenem Fahrzeug kompliziert?

Wir haben ganz fürchterliche Horrorgeschichten gehört und können uns nicht erklären, wie es dazu kommt. Vielleicht hat sich die Welt zum Positiven verändert, vielleicht ist sie aber auch gar nicht so schlimm, wie kolportiert wird. Unsere Erfahrung zeigt: unsere eigene Einreise nach China verlief sehr strukturiert und entspannt. Wir sind über den Torugart Pass gekommen und auch die 13 Motorradfahrer, die einen Tag zuvor über Irkeschtam eingereist sind, konnten nur Positives berichten. Die exakt nach uns am selben Tag am selben Grenzübergang mit denselben Beamten einreisenden 13 deutschen Motorradfahrer einer geführten Tour empfanden genau dasselbe Prozedere jedoch extrem anders. Wer genau wissen will, wie wir es erlebt haben, kann es ganz ausführlich hier nachlesen: Einreise nach China

Wird man mit Spionage-Software kontrolliert?

Sogar große deutsche Nachrichtenmagazine haben berichtet: bei der Einreise nach China werden Laptops und Handys mit einer Spionagesoftware ausgestattet. Wir haben das natürlich geglaubt, unsere Laptops „bereinigt“ und uns schon in Armenien ein 50€ Alibi-Handy gekauft und präpariert. Blöd nur, dass das genau 3 Tage vor der Einreise nach China kaputt ging. Panik? Nein. Mittlerweile hatten wir andere Reisende getroffen, die mit Apple Geräten reisen und berichteten: die Spionagesoftware läuft angeblich nicht auf iOs, auf ihre Geräte wurde gar nichts aufgespielt. Wir haben an der Grenze offen mit unseren Handys hantiert (weil der Guide zunächst nicht auftauchte) und unsere Laptops (Windows) lagen bei jeder Fahrzeugkontrolle frei sichtbar auf dem Küchenschrank. Es hat an keinem der drei Grenzposten auch nur irgendjemanden interessiert. Ist die Welt nach unserem Auftauchen urplötzlich besser geworden oder sollten wir die westliche Presse etwas kritischer konsumieren? Entscheidet selbst!

Wird das Gepäck kontrolliert und werden Dinge konfisziert?

Natürlich wird kontrolliert, wie bei jeder anderen Grenzkontrolle auch. Aber andere Grenzkontrollen (zum Beispiel Schweiz oder Aserbaidschan) waren deutlich intensiver und unangenehmer. Hat man Gepäck in einer Reisetasche oder Koffer, so wird dieses wie am Flughafen gescannt und per Hand etwas „nachkontrolliert“. Wir hatten kein klassisches Reisegepäck, da im VW Bus alles in den Möbeln verstaut ist. Das war kein Problem, denn schließlich wird das gesamte Fahrzeug geröntgt. Natürlich haben die Beamten auch persönlich „mit Anfassen“ kontrolliert und sorgfältig und wirklich vorsichtig alle Schränke geöffnet und den Inhalt begutachtet.

Obwohl es heißt, Milchprodukte, Dosengemüse und Honigprodukte seien verboten und Messer würden konfisziert, sind wir mit unserer deutschen Biomilch, tschechischen Honigkeksen, armenischem Milchpulver, Linseneintopf in Dosen und Tomatensauce im Glas eingereist. Unser größeres Küchenmesser, Honigkekse und Tomatensauce waren zwar einer kurzen Diskussion mit dem Guide würdig, aber wir durften alles mit einführen. Auch Satellitentelefon, unser Funkgerät und die Drohne waren kein Problem. Das lag alles offen zugänglich im mit Handschuhen inspizierten Handschuhfach. Unterwegs möchten manche Beamte an Checkpoints auch gerne einen Blick ins Auto werfen. Dabei sind sie jedoch immer freundlich und behutsam gewesen und es gab nie ein Problem. Überhaupt sind immer alle nett gewesen, man kann mit Polizisten auch Buttertee trinken!

Silke met Millionen in Equador

Was kostet das alles?

Die häufigste aller Fragen bezüglich unserer Einreise mit dem eigenen Fahrzeug nach China. Und die einzige Frage, die man nicht pauschal beantworten kann. Wer bis hier den ganzen Text aufmerksam gelesen hat, der weiß: die Kosten variieren extrem und hängen von Faktoren wie: Aufenthaltsdauer, Route, Permits, Unterkünfte, Agentur, Fahrzeugart (Motorrad = zusätzliches Fahrzeug für den Guide) etc. ab. Grundsätzlich gilt: der teuerste Part sind die Papiere. Und die braucht man für 5 Tage Transit genauso wie für knapp 2 Monate Rundreise. Je länger man also bleibt, desto billiger wird es theoretisch. Das war für uns der ausschlaggebende Grund, deutlich länger als nur 5 Tage zu bleiben. Ein paar Hutnummern: der fünftägige Transit von/nach Kirgistan/Pakistan kostet bei einer Gruppe von +/- 10 Fahrzeugen 800-900€. Bleibt man länger, so zahlt man ähnliche Beträge, allerdings dann pro Woche und nicht pro 5 Tage und „all inclusive“ (außer Sprit etc.). Fährt man in Regionen, in denen man viele Permits braucht und mag man kein Camping oder bevorzugt mit Sternen dekorierte Hotels, so ist natürlich viel Spielraum “nach oben”.

Ist China ein „schwieriges“ Reiseland?

Schwer zu beantworten. Manche finden Frankreich schon schwierig, weil dort niemand Englisch spricht. In China sind viele Dinge anders, als man es aus der Heimat kennt. Manches ist dort auch schon viel weiter uns besser als in Deutschland. Man muss (und kann) aber nicht immer alles verstehen. Um zum Beispiel eine Simkarte zu haben, braucht man eine abgestempelte Übersetzung des Reisepasses und eine bereits vorhandene chinesische Telefonnummer. Da beißt sich die Katze in den Schwanz… Wer sich aber auf China einlässt, wird insbesondere mit dem eigenen Fahrzeug in Regionen kommen, die Touristen mit dem ÖPNV nicht so erleben können. Bei uns war das insbesondere der extreme Westen entlang der indisch-pakistanischen Grenze. Und dafür lohnt sich jeder Aufwand garantiert! Und wie Ihr nun wisst: es ist alles weniger kompliziert, als man denkt!

Diese FAQ sind sicher nicht vollständig. Schreibt uns gerne mit weiteren Fragen an und wir nehmen Eure Fragen in die Liste mit auf!

 

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