Nachdem unser letzter Blogpost „Durch Coronaviris gefangen?“ online ging, wurde es ziemlich hektisch und die Ereignisse überschlugen sich. Unsere Ausgangssituation letztes Wochenende beschrieben wir im Blog so:

„(…) ein Franzose brachte den Coronavirus in die Mongolei. Zwei Kasachen importierten ihn aus Berlin nach Almaty. Da war dann das Fass hier übervoll und nun haben wir ein Problem, denn wir haben einen deutschen Pass und Deutsche (und viele andere Europäer) will kein Land mehr einreisen lassen. Unser VW Bus Kittymobil steht aber in Almaty, all unser Hab und Gut ist auch dort in Kasachstan und Deutsche dürfen nicht mehr nach Kasachstan einreisen. (…) In Usbekistan, wo wir gerade sind, läuft unser Visum nächste Woche aus und wir müssen das Land verlassen. Doch wohin, wenn Deutsche überall Einreisesperren haben? Wie kommen wir zurück zu Kittymobil nach Kasachstan?“

Wir verließen das Fergana Tal, um uns dieser Herausforderung zu stellen. Doch die Ereignisse überschlugen sich. Letzten Sonntag kam der Coronavirus an Bord eines Fliegers im Körper eines Usbeken nach Usbekistan. Das Land reagierte sofort und – zack! – waren alle Grenzen zu. In beide Richtungen. Ausnahmeregelungen sollte es geben, aber welche? So fuhren wir am Montag zuerst zur kasachischen Botschaft um zu erfahren, ob wir noch eine Chance haben, nach Kasachstan einzureisen. „Nein!“. Also mussten wir zusehen, dass unser Visum verlängert wird, denn das war nur noch 5 Tage gültig. Auf der Behörde stapelten sich die Ausländer, aber es gab keine wirkliche Lösung. Die deutsche Botschaft ließ Deutsche gar nicht in die Botschaft rein, sondern ließ einen Bundespolizisten den Publikumsverkehr abwickeln, der uns riet, die Einreise nach Kasachstan doch einfach mal zu versuchen.

Das taten wir dann am Dienstag. Die Usbeken ließen uns tatsächlich ausreisen, aber nur 20m weiter war die Reise zu Ende: die Kasachen hatten mittlerweile wegen 9 Infizierten (Kasachen, eingereist aus Berlin) den Notstand ausgerufen und jegliche Ein- und Ausreise verboten, sowie Almaty und Nur Sultan komplett unter Quarantäne und den Rest des Landes unter Ausgangssperre gestellt. Im Nachhinein war es also gut, nicht nach Kasachstan gekommen zu sein, denn dort hätten wir es niemals zu Kittymobil geschafft und wenn, hätte uns das auch nichts genützt. Doch in Usbekistan lief unser Visum aus!

Als wir zurück im usbekischen Netz waren, erfuhren wir die nächste Hiobsbotschaft: das deutsche Auswärtige Amt hatte eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und somit wurde unsere Krankenversicherung ungültig! Und die von abertausenden anderen Deutschen auch. Andere Länder, z.B. Österreich, haben zwar auch Reisewarnungen wegen Corona, dort aber die Länder explizit aufgezählt (Deutschland, Iran, China,…), sodass der Krankenversicherungsschutz auch nur für diese Länder erlöschen würde. Wir dürfen ja nicht mehr Deutschland kritisieren, also heben wir positiv hervor: die Kündigung wurde erst 14 Tage nach Reisewarnung wirksam, und unser Außenminister holt ja alle Deutschen aus dem Ausland zurück.

Theoretisch. Wenn man dort ist, wo Touristen sind. Der Server der Online-Registrierung für Deutsche im Ausland, ELEFAND, war schon seit Tagen down (Neuland, jaja…), die deutsche Botschaft kommuniziert über ihren netten Polizisten an der Pforte und wir zweifelten, ob diese „Luftbrücke“ nicht das Chaos in Deutschland noch verschlimmert. Wir setzten uns gegenüber der deutschen Botschaft in ein türkisches Café, beobachteten, wie ein Deutscher nach dem anderen nach dem Besuch beim Pförtner ratlos stehen blieb und langsam ins Café getrottet kam. Tja: keine Krankenversicherung, Flughafen Taschkent geschlossen, Grenzen rundum auch dicht, Visum läuft ab. Was tun? Ein Grenzer hatte gesagt, wir sollten uns ans Außenministerium wenden. Und dort fuhren wir am Mittwoch dann auch hin.

Das Gute bei den usbekischen Behörden ist ja: obwohl dort „Halligalli“ ist, weil alle Ausländer mittlerweile mit derselben Frage nach der Verlängerung des Visas in Taschkent angekommen waren, herrscht überall absolute Freundlichkeit. Nur einen wirklichen Plan hatte erstmal keiner. Die Visastelle vom Außenministerium war umgezogen. Ein Mitarbeiter einer japanischen Handelsorganisation wurde auch weitergeschickt und nahm uns mit. Dort waren wir aber auch falsch, aber der Fahrer des britischen Botschafters nahm uns zum nächsten Amt mit. Und da waren wir richtig: die Usbeken hatten mittlerweile entschieden, ganz unkompliziert allen Ausländern automatisch und kostenlos den Aufenthalt bis zum 10.4. zu verlängern. So hatten wir dann nur noch das Problem „Krankenkasse“. Aber da gibt es genügend internationale Alternativen auf dem Versicherungsparkett!

Seit Montag ist der Flughafen Taschkent (und viele andere in der Region!) geschlossen

Abends im Hostel war für uns klar: wir sitzen das hier in Usbekistan aus. Darauf hoffen, dass uns ein (übrigens kostenpflichtiger!) Flieger nach Deutschland bringt, macht keinen Sinn, denn in Deutschland ist die Lage völlig außer Kontrolle (glaubt Ihr immer noch: “Deutschland hätte nichts anders machen können”?) und wir würden unsere eigene Gesundheit und die unserer Eltern nur unnötig dumm aufs Spiel setzen, wenn wir in einen deutschen Virenflieger einsteigen, um über einen deutschen, virusverseuchten Großflughafen einzureisen (auf dem noch diese Woche hunderte Iraner gelandet sind!), dann in die virenverseuchte Deutsche Bahn steigen, um dann die Viren zur Begrüßung unseren Eltern entgegen zu strecken? Ganz blöde Idee. Das mit den Fliegern aus dem Iran glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht für deutsche Ohren bestimmt, der Beitrag von dieser Woche, heute ist Noruz:

Eine eigene Wohnung in Deutschland haben wir nicht und Hotels dürfen in Deutschland ja auch niemanden aufnehmen. Säßen wir in einem, so bekämen wir nicht mal etwas zu essen, denn endlich ist Deutschland auch auf den Trichter gekommen, Restaurants zu schließen – so wie in vielen Ländern weltweit schon lange alles dicht ist. Auffanglager für „gerettete“ Deutsche ohne Wohnsitz gibt es keine. Außerdem gehöre ich, Silke, zur Risikogruppe (ohne Milz), sodass wir uns ganz ganz sicher sind: Deutschland kommt für uns nicht in Frage! In Usbekistan (und anderen umliegenden Ländern) fühlen wir uns sehr sicher und sehr gut aufgehoben, da wir hier seit Ende Januar die Maßnahmen beobachten, die zum Schutz eines solchen Ausbruchs wie in Deutschland getroffen wurden, während in Deutschland der Karneval tobte. Wir fanden die Maßnahmen hier auch anfangs übertrieben, haben dann aber recht schnell verstanden: nur so geht’s! Als wir damals und in den letzten Wochen immer wieder kritisiert haben, dass Deutschland pennt, haben wir übrigens von Euch ganz schön Kritik bekommen… Erinnert Ihr Euch?

Am Mittwoch machten wir also Nägel mit Köpfen und mieteten über Airbnb (34€ Gutschein für Neukunden!) für einen ganzen Monat im Voraus eine möblierte Wohnung. Dort zogen wir dann am Donnerstag ein und fühlen uns seitdem nicht nur wohl in der Wohnung, sondern auch sehr wohl mit unserer Entscheidung, uns weiterhin von Deutschland fern zu halten. Nach einem Monat Backpacking durch Usbekistan ist Pause sowieso keine schlechte Idee. Und Toilettenpapier gibt’s hier auch genug. 🙂 Schaut mal, hier würdet Ihr Euch bestimmt auch wohl fühlen, oder?

Die Wohnung liegt in einem netten Viertel mit kleinem Fluss und viel Grün, wir schlafen bei offenem Fenster und hören so viele Vögel zwitschern, dass es sich fast so anfühlt, als schliefen wir in Kittymobil irgendwo am Waldrand. Ein kleiner Basar ist in der Nähe, ein gut sortierter größerer Supermarkt um die Ecke und in der Wohnung sind genug gemütliche Lümmelplätze, um die nächsten Wochen ganz entspannt zu verbringen. Wir haben 52 ungelesene Bücher auf dem kindle, gute Internetverbindung und noch genug „Bürokram“ zu tun, sodass keine Langeweile aufkommt. Ich (Silke) nutze die Zeit, online Russischunterricht zu nehmen, denn das, was ich im letzten Jahrtausend mal gelernt habe, ist mir nicht genug. Meine Lehrerin ist Kasachin und in Almaty unter Ausgangssperre. Die Welt rückt digital zusammen.

Unsere Krankenversicherung hat sich am Freitag endlich gemeldet und verkündet, dass der Versicherungsschutz trotz Reisewarnung nicht erlischt. Das ist Service! Wir können nun wirklich rundum entspannen und erholsamen „5***** Urlaub in Taschkent“ machen. Falls die Grenzen noch länger dicht sind, verlängern wir das Visum und den Mietvertrag einfach nochmal. Und wenn Ihr vernünftig seid, bleibt Ihr in Euren eigenen vier Wänden. Bleibt gesund und steckt niemanden an!

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