
Nachdem wir Ende Mai aus Zypern zurück nach Bulgarien gekommen sind, hat sich die Welt ein bisschen schnell gedreht. Wir waren nochmal kurz für ein langes Wochenende in Deutschland, hatten Besuch von vielen lieben Freunden und haben ganz viele liebe bulgarische Ärzte besucht. Weil man hier in Bulgarien dann einen Termin beim Facharzt bekommt, wenn man ihn braucht, sind wir in rund sechs Wochen hier durch alle nötigen Abteilungen gelaufen und nun wieder „fit for travel“. Manchmal muss man nicht nur das Fahrzeug, sondern auch den eigenen Körper zum Service bringen. Vorsorge ist so sehr wichtig! Insgesamt 24 Monate Westafrika haben deutlich Spuren hinterlassen…

Das mit dem Service am Fahrzeug kommt jetzt erst: meine Honda CRF300L steht ja immer noch mit Motorschaden in Kamerun. Ein Grund, weswegen wir nach Bulgarien zurück sind, war nicht nur die Regenzeit in Afrika, sondern auch der wesentlich einfachere EU-Zoll für die Motorenteile für die Honda aus Thailand. Auch, wenn die Zollformalitäten der EU mittlerweile völlig absurd sind, ist es immer noch einfacher, als in Kamerun potentiell Schmiergeld zu zahlen und tagelang herum zu diskutieren. Dachten wir. Aber dann wurde es mit der EU und dem Zoll doch nicht ganz so trivial…

Beispiel EU-Absurdität gefällig? Ich musste für zwei original Honda Schrauben für den Import in die EU mit meinem Namen und Unterschrift persönlich dafür bürgen, dass Honda in Japan diese Schrauben nicht aus russischem Stahl gefertigt hat. Hmmmm….? Noch ein Beispiel: Jans neue Kreditkarte aus Georgien musste auch kostenpflichtig (17 €) zolltechnisch abgewickelt und mit 3,50€ sogar verzollt (!) werden. Noch ein Beispiel? Der bulgarische Personalausweis eines Freundes, den er in den USA vergessen hatte, musste ebenfalls lang und kompliziert durch den Zoll. Hat zwei Wochen gedauert und 27€ gekostet, weil der Umschlag aus den USA kam. Noch eins? Der Zoll in Leipzig hat mich verdächtigt, Händler zu sein, weil ich die Ware bezahlt habe, aber an die Adresse meines Vaters schicken lassen habe. Es ging um ein 23€ Teil aus Thailand nach Deutschland. Das alles innerhalb weniger Wochen macht einen nicht gerade fröhlich. Die EU erstickt in Bürokratie und keiner merkt es. Dagegen ist Afrika vielleicht doch Kindergarten…

Warum wir nicht beim örtlichen Honda-Händler eingekauft haben, sondern aus Thailand importiert haben? Ganz einfach: weil Honda in Europa de Kunden vergackeiert und die Europäer sich mit Wonne vergackeiern lassen. Schaut Euch die Liste an: der tailändische Honda-Händler ruft ähnliche Preise auf wie seine Kollegen in den USA oder Australien, aber die Europäer das bis zu Neunfache dieser Preise. Und wenn Ihr genauer schaut sehr Ihr, dass die Europäer zwischen Februar und Mai einfach mal die Preise um 2,5% erhöht haben. In Europa hätte uns der Karton Teile 5700€ gekostet (bei einem Motorrad, welches neu 6000€ kostet), aus Thailand haben wir inklusive Porto und Einfuhrzoll rund 1200€ bezahlt. Dafür unterschreibt man dann doch gerne, dass Honda keinen russischen Stahl für explizit zwei Schrauben verwendet…

Jan reist ohne mich nach Kamerun
Während Ihr das hier lest, sind diese zwei Schrauben hoffentlich bereits in Kamerun an meiner Honda montiert – und ich bin immer noch in Bulgarien. Warum? Das ist ein wenig verzwickt… Es ist immer noch Regenzeit in Afrika und in den letzten zwei Jahren sind wir immer erst im Herbst nach Westafrika zurückgekehrt, um ohne Regen und auf dann wieder passierbaren Straßen reisen zu können. Dieses Jahr ist das anders, denn wir brauchen den Regen für ein Abenteuer, von dem wir schon lange träumen: wir möchten den Kongo Fluss mit einem Schlepper herunterschippern. Und da wir an einem Nebenfluss einsteigen, braucht dieser einen hohen Wasserstand, um schiffbar zu sein. Das ist nur gegen Ende der Regenzeit der Fall, weswegen wir jetzt schon Anfang August zurückkehren. Und warum Jan erst alleine und ich später als Nachzügler?

Start: 5. August. Die Zeit tickt!
Unsere Visa für die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo und Gabun sind auf genau dieses „Abenteuer“ zugeschnitten und terminiert und die Daten unverrückbar. Das Ende dieser afrikanischen Etappe ist leider auch schon vorprogrammiert und auch anders als sonst. Eigentlich würden wir wie die letzten Jahre auch, erst zu Beginn des europäischen Sommers Afrika verlassen, weil dann in Afrika die Regenzeit einsetzt – oder im südlichen Afrika der Winter beginnt. Allerdings läuft Ende Februar unser auf fünf Jahre befristeter bulgarischer Aufenthaltstitel ab und wenn wir diesen in einer Frist von zwei Wochen um das Ablaufdatum verlängern, haben wir die Chance, unbegrenztes Aufenthaltsrecht zu haben. Bulgarien ist zwar seit diesem Jahr volles Schengen-Mitglied, aber die Pandemie hat uns gelehrt, wie nutzlos der deutsche Pass und wie schnell man damit ausgesperrt werden kann. Nicht mehr ins eigene Zuhause zurückzukommen, weil man den falschen Pass hat, soll uns in Zukunft nicht passieren können. Deswegen müssen wir im Februar 2026 zurück nach Bulgarien. Dies, die Wetterbedingungen für den Wasserstand und die darum herum geplanten Visafristen geben uns für die nächsten sieben Monate einen ziemlich festen Zeitrahmen vor, in dem alles klappen muss.

Die neue Wand ermöglicht ein Badezimmer.
Im Februar zurück nach Bulgarien zu kommen bedeutet aber auch, dass wir nicht wie bisher unser romantisches Gartenbad nutzen können, da die Wasserleitungen bei Minusgraden (und hier gibt es richtig Winter!) natürlich im Garten nicht nutzbar sind. Unser neues Badezimmer im Haus ist allerdings noch nicht fertig und die Handwerker haben darauf bestanden, dass einer von uns anwesend ist, während das Bad fertiggestellt wird. Leider sind gute Handwerker auch in Bulgarien auf lange Sicht ausgebucht und so konnten wir erst für Anfang August einen Termin ergattern, obwohl wir da eigentlich abreisen müssen. Deswegen haben wir uns nun aufgeteilt: Jan ist schon in Kamerun, ich koche Kaffee für die Handwerker und beantworte schwierige Fragen nach Wasseranschlüssen für Toilette und Waschmaschine oder Boden.

Die Zeit tickt und wir rennen ihr wie immer ein wenig hinterher. Die letzten Wochen waren teilweise stressig und wir haben viele weiße Kittel gesehen, aber auch im guten Sinne: wir sind nun gegen Dengue und auch M-Pox („Affenpocken“) geimpft. Letzteres war nicht einfach. Wir reisen zwar ins Epidemie Gebiet, doch in Europa bekommt man die Impfung nur als Mann, der mit anderen Männern „schöne Dinge“ macht. Wir haben dieses Jahr endlich in Hamburg einen weißen Kittel gefunden, der das gegen Geld „übersieht“. Warum wir uns nicht vor Ort impfen lassen? Machen wir ja auch sonst, oder? Tja… in Afrika gibt es die Impfung nur im Epidemie Gebiet selbst und da man für den Impfschutz zwei Impfungen im Abstand von mindestens einem Monat braucht, ist das für uns nicht durchführbar. Aber wir wissen ja, wie man Wege zum Ziel findet! Offensichtlich auch in Deutschland.

Unser Gartenbett.
Hinter uns liegen ein paar Wochen Traumsommer in Bulgarien: für Mitteleuropäer zu heiß, für „uns Afrikaner“ traumhaft, weil vergleichsweise immer noch kühl und trocken. Wir haben unser Bett im Garten aufgeschlagen und jede Nacht im Paradies genossen. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir uns von den Strapazen der zurückliegenden Monate erholt hatten: die fünf Wochen in Nigeria und anfangs Kamerun haben uns körperlich zugesetzt: Hitze ohne Entkommen (weil kein Strom für Ventilator etc. und Betonbauten statt luftigen Lehmhütten), schlechte Ernährung (1,5 Monate ausschließlich Reis mit etwas Huhn oder Blättern in Palmöl oder Instantnudeln mit Ei. Kein Obst, kein Gemüse) und schwierige zwischenmenschliche Begegnungen, dazu noch eine Fischvergiftung, der Motorschaden der Honda und die Durchquerung eines Kriegsgebietes – wir waren beide ziemlich ausgelaugt. So ausgelaugt, dass man das auch schwarz auf weiß beim großen medizinischen Checkup sehen konnte. Zum ersten Mal hat das Reisen tatsächlich körperliche Spuren hinterlassen. Wer Afrika in wenigen Monaten durchreist, merkt das nicht, doch wir sind nun 24 Monate unterwegs auf dem Kontinent und noch viele weitere liegen vor uns.

Doch Bulgarien ist immer wieder gut für uns: beste Lebensmittelqualität, reine Natur, viel Platz und wenig Städte, wenige und sehr freundliche Menschen, viele gleichgesinnte Freunde und Bekannte, inspirierende Treffen und Festivals, bestes Wetter, gute Infrastruktur, heilende Ruhe und gesundes Essen. Beste Medizin für Körper und Seele und der Abschied fällt wie immer sehr schwer Wir wissen, die nächsten vier Länder werden nochmal ziemlich anspruchsvoll und es warten einige Strapazen auf uns, aber wir fühlen uns wieder fit genug, um das gefühlt „letzte Abenteuer“ zu wagen. Denn südlich Angola wird es richtig einfach und ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich will. Kommt Zeit, kommt Rat. Und erstmal kommt eine weitere „Winterpause“, um darüber nachzudenken.

Hans, unser Overlander Passat
Denn wenn wir im Februar oder Anfang März unsere unbefristete Aufenthaltserlaubnis für Bulgarien in der Tasche und nochmal ein paar Ärzte abgeklappert haben, ist es zu spät, um zurück ins südliche Afrika zu fliegen, denn dort kommt dann schon bald der Winter und damit Kälte und Regen – nicht das, was wir unter „Moppedwetter“ verstehen. Deswegen wechseln wir mal wieder Fahrzeuge und Himmelsrichtung und fahren ab März bis zum darauffolgenden Herbst 2026 mit Hans, unserem dann 35 Jahre alten „Overlander Passat“ Hans los in eine Ecke der Welt, die uns schon sehr lange lockt, aber bisher noch schwieriger bereisbar war als derzeit. Doch dazu dann erst mehr, wenn wir wirklich unterwegs sind und auch die nötigen Visa dafür ergattert haben!

Es war ruhig im Blog seit Ende Mai, aber das lag daran, dass wir wenig freizeitlich online waren, sondern nur, um das Konto zu füllen und Dinge zu organisieren. Wir haben so viel erledigt! Nicht nur die Papiere (Visa, Carnets, Fahrzeugpapiere etc.) für die Weiterreise, auch ein Teil der Papiere für die Folgereise (Vollmacht notariell beglaubigt übersetzen lassen, Versicherung etc.) ist schon „im Kasten“. Da wir im März mit Hans losfahren, mussten wir uns auch um ihn kümmern: er hat ein neues Fahrwerk, einen Unterfahrschutz aus Metall und endlich eine echte Matratze bekommen! Nach 5 Jahren zu zweit auf einem 70cm Matratzentopper, ergänzt mit Sofakissen und „Zuglufthund“, haben wir uns nun tatsächlich eine richtige, 120cm breite Matratze gegönnt! Dazu auch noch „Vorhänge“, um etwas privater als sonst auf Trucktops und Stellplätzen zu übernachten. Ein echter Upgrade für den bald 35 Jahre alten Hans!

Die neue Matratze haben wir an unserem 9. Hochzeitstag auf einem unserer liebsten Übernachtungsplätze Bulgariens eingeweiht: ungewohnter Luxus, nun auf der vollen Breite schlafen zu können! Aber natürlich sehr bequem. Seitdem wir das Gartenbett haben, wissen wir abends nie genau, wo wir schlafen möchten: in Hans mit Reh und Fuchs zu Sonnenaufgang oder im Gartenbett mit Dachsgequietsche am Abend und Eichhörnen am Morgen? Die Qual der Wahl im Paradies. Drinnen schlafen werden wir in Afrika noch oft genug – da sind einfach viel zu viele Menschen zum Wildcamping.

Das Leben feiern, solange man es hat.
Die Lagerfeuerromantik, die viele Overlander so „instagrammable“ pflegen, machen wir im eigenen Garten: da brennen wir niemandem das Holz weg, riskieren keinen Waldbrand, müssen uns nicht verstecken und haben auch nur Gäste, die wir persönlich eingeladen haben. Wenn man in Afrika ständig als „Außerirdischer“ im Mittelpunkt steht und mittlerweile auf Millionen Selfies verewigt wurde, tut Qualitätszeit mit Freunden oder nur zu zweit richtig gut.

Nur war es gefühlt nicht genug Ruhe, weil wir doch lange to-do Listen abgehakt und einige Kilometer gefressen haben: wir waren oft in Sofia, einmal in Varna, ich in Plovdiv. Wir mussten zum Flughafen, zu Ärzten, zur Botschaft, zum Automobilclub,… Das Gute daran ist aber, dass wir uns hier wohlfühlen. Dass sich jeder Tag, in egal welcher Stadt, am Ende des Tages nach Urlaub anfühlt: nach einem langen Tag in Varna am Meer Fisch essen oder in Sofia Freunde treffen oder über ein Festival schlendern. Auch volle Tage fühlen sich für uns in Bulgarien immer noch entspannt an: kein Stau, keine Muffel, kein negativer Stress. Sogar Züge sind pünktlich! Aber das ist ja auch nicht schwer…

Honda – Puzzle
Jetzt muss erstmal wieder die Honda in Kamerun repariert werden, um die vier in den vergangenen Wochen beantragten Visa nutzen zu können. Insgesamt haben wir für die vier Stempel im Pass 1200€ ausgegeben. Pro Person. Wer wie wir keine (teils kostenlosen) Kurz- oder Transitvisa nutzt, weil wir die Länder be- und nicht durch-reisen wollen, muss tief in die Tasche greifen. Da hilft der deutsche Pass nämlich gar nichts. Im Gegenteil. Es macht es extra teuer. Aber wir freuen uns schon auf die Länder, die vor uns liegen und ganz besonders auf das gefühlt „letzte Abenteuer“. Es wird nochmal rau, authentisch, strapaziös und ganz, ganz besonders. Wir freuen uns. Mama Afrika, wir kommen zurück, diesmal tief in Deinen Schoß!
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