Es ist über 1,5 Monate her, dass Ihr an dieser Stelle von uns gehört habt. Es geht uns gut und es hat sich nicht viel getan. Oder doch: in die falsche Richtung: Kasachstan, wo unser VW Bus Kittymobil steht, hat in der Zwischenzeit die Visapflicht wieder eingeführt und das Visum gibt’s nur in Deutschland. Aber der Reihe nach.

Wir sind seit Mitte März sesshaft in unserer netten Plattenbauwohnung in Taschkent. Der Lockdown in Usbekistan, wie zuvor schon hier beschrieben, war im Vergleich zu Deutschland „echt“: nur wer einen Hund zum Gassigehen hatte, durfte sich bis zu 100m (keine Null vergessen) von der Meldeadresse entfernen. Damit da auch keiner schummeln kann, saß ein Polizist vorm Haus und hat aufgepasst. Weil keiner geschummelt hat, hat der arme Mann sich ziemlich gelangweilt.

An der Zufahrtsstraße zu unserem Wohnviertel gab es auch eine improvisierte Polizeiwache (Schreibtisch unter Party-Pavillon), wo darauf geachtet wurde, dass alle sich an die Regeln halten. Denn auch der Verkehr war extrem eingeschränkt: Privatleute durften weder Auto noch Fahrrad etc. fahren und nur wer unbedingt musste (wegen Behinderung zum Beispiel) bekam eine Sondergenehmigung. Wer die nicht hatte und trotzdem fuhr, “durfte” sein Auto kostenpflichtig auf dem Polizeigelände parken.

Wir durften das Haus nur zum Einkaufen auf dem nahen Bazar oder Supermarkt verlassen oder in die Apotheke gehen. So haben wir von Mitte März bis zum 11.5. zwei Monate lang gelebt und es war gar nicht schlimm. DAS war wirklich „Lockdown“ und „Ausgangssperre“! Hier gilt bis heute ganz strikt: wer seine eigenen vier Wände verlässt, trägt Maske! Wer sie nicht trägt, kommt nicht weit, ohne 110$ Strafe zu zahlen. Auch, wenn wir Deutsche sind, haben wir niemals das Gefühl gehabt, man hätte uns irgendwelcher Grundrechte beraubt. Und wir waren im Vergleich zu Deutschland wohl wirklich „eingesperrt“.

Was haben wir die ganze Zeit gemacht, werdet Ihr Euch fragen. Nun: was habt Ihr die ganze Zeit gemacht? Bei uns war es nicht viel anders: morgens aufstehen, leckere frische Erdbeeren mit Müsli frühstücken (o.k., die schmecken bei Euch nicht so gut, also war es doch ein wenig anders hier), dann den PC hochfahren und fleißig sein. Abends kochen und dann war der Tag auch schon wieder vorbei. Was wir am PC gemacht haben (und immer noch machen)?

Ich habe wieder angefangen, ganz normal zu arbeiten und die Reisekasse aufzufüllen. Durch das hohe Reisetempo bedingt durch kurze Visafristen und viele Kilometer der letzten Monate konnte ich nur kleine Sachen machen, sodass es sich für mich richtig gut anfühlt, wieder schön Zeit für den Job zu haben. Ja, Arbeit kann auch Spaß machen! Jan hat die Zeit genutzt, das Videomaterial unserer 4 Wochen Handgepäckreise durch Usbekistan zu sichten, sortieren und zu einem schönen Video zusammenzuschneiden:

Außerdem war viel „Bürokram“ angelaufen, der natürlich auch auf Reisen fällig ist: die deutsche Steuererklärung, einen neuen Pass beantragen (und die Papiere dafür von deutschen Amtsschimmeln organisieren), neue Kreditkarten ausstellen lassen (beide Karten der Santander hatten einen Chipfehler und wurden funktionslos, dank der Curve Kreditkarte aber in Zukunft kein Problem mehr [Rabattcode: NVYGGZON]), meinen vier (ja, 4!) Sozialversicherungsnummern in Deutschland hinterher rennen, den für Juni mit der Familie in Georgien geplanten 4×4 Urlaub stornieren, Fotos sortieren, das TIP (temporary import permit) für Jans Motorrad in der eurasischen Zollunion verlängern (das Motorrad steht ja noch in Armenien und eigentlich wären wir jetzt dort), hinter Amazon her rennen (unser EISREISE Buch ist dort gelistet), das Handy reparieren lassen, …

Und wenn Jan die Nase voll hatte von Telefonaten mit Service-Hotlines von Banken, Ämtern, Versicherungen und sonstigen Anbietern, hat er ein Buch nach dem anderen auf seinem kindle gelesen. Den Fernseher hatten wir nur ein einziges Mal an: nachdem wir gelesen hatten, dass Usbekistan in einer amerikanischen Studie zum Thema „Fernunterricht im Lockdown“ den ersten Platz belegt hat, wollten wir uns das preisgekrönte Schulfernsehen anschauen. Dem Englischunterricht konnten wir folgen, für Biologie war unser Usbekisch dann doch zu schlecht, aber wir waren schwer beindruckt, was die Usbeken innerhalb kürzester Zeit (in der Studie hieß es: eine Woche!) für ein tolles Schulfernsehen auf die Beine gestellt haben!

Meine „Freizeit“ (obwohl „Arbeit“ sich für mich selten wie „Arbeit“ anfühlt) habe ich mit Russischunterricht via Zoom verbracht. Und in der Küche. Wir haben gelesen, dass in Deutschland Tiefkühlpizza und anderer Industriefraß reißenden Absatz fand. Den gibt es hier gar nicht. Noch nicht mal Tomatensauce im Glas. Will man hier „richtig“ kochen, so braucht das Zeit. Mal eben ein Glas Apfelmus zu Reibekuchen aufmachen ist nicht. Ich habe zwischendurch auf einer anderen Blogplattform einen Text zum „Coronakochen“ veröffentlicht und einige Gerichte, die bei uns auf den Teller kamen abfotografiert: Kochen im Lockdown in Usbekistan 

Dann kam Ostern. Usbekistan ist ein zu 80% muslimisches Land und der Muezzin ruft mehrmals täglich durch die geöffneten Fenster in unsere Wohnung hinein. Die wenigen Christen im Land sind orthodoxe Christen und deren Ostern fand eine Woche später statt. Also feierten wir „auf einsamer Flur“ (wir hätten ja eh nicht weiter als auf den Flur gekonnt) und weil es auch keine Eierfarben gibt (die eh nur Chemie sind, die bei uns nicht auf den Tisch kommt), habe ich mit Kohl, Kurkuma, Zwiebeln und rote Bete gefärbt. Unsere muslimischen Vermieter haben mal zwei Jahre in der Schweiz gewohnt und wussten, dass Ostern ist und brachten frisch gebackene Apfeltaschen! Sie wohnen im selben Viertel und haben einen Hund, daher ging das immer 😊

Wir hatten auch Haustiere, aber nicht so nette wie der Hund unserer Vermieter: Kakerlaken. Weil Kammerjäger nicht systemrelevant sind, kam keiner und wir mussten selbst auf Jagd gehen: nach zwei Wochen sprühen, räumen, Köderbrei auslegen und Ritzen schließen waren wir die Plage los. Langweilig war’s nicht! Und als die „Haustiere“ weg waren, war das Wasser auch weg: Wasserrohrbruch im Kindergarten und weil der seit Mitte März zu hat, dauerte es etwas, bis man rausgefunden hatte, wo. Ich sagte ja: langweilig war’s nicht. 😉

Andere jammerten unter den „Kontaktbeschränkungen“, uns brachte das Coronavirus mit vielen Menschen zusammen. Da wir ja in der Wohnung dauerhaft stabiles W-Lan haben, kann man uns ganz normal über WhatsApp anrufen oder videotelefonieren. Und über Videokonferenzen konnte ich sogar nach vielen Jahren wieder am Fernweh-Stammtisch in Karlsruhe (!) teilnehmen! Wir haben auch unsere eigenen „Zoom Partys“ organisiert, zum Beispiel an Ostersamstag ein „virtuelles Osterfeuer“, an dem wir mit Freunden und Bekannten stundenlang zusammensaßen und von Usbekistan über Uganda und Georgien bis Deutschland alle über Zoom miteinander verbunden waren.

Weil das so gut klappte, haben wir dann gewagt, unsere EISREISE über Zoom zu zeigen. Statt einen Saal zu mieten, haben wir alle mit Zoom vor ihre Fernseher, PCs, Tablets oder Laptops geholt und ihnen unsere eiskalte Hochzeitsreise ins Wohnzimmer „serviert“. Eine ganz andere, spannende Erfahrung bei der auch der „Büchertisch“ virtuell war und wir hinterher nicht zusammen noch „was trinken“ gehen konnten, sondern auf dem Sofa sitzen blieben. Das Schöne: wir konnten natürlich keine Eintrittskarten verkaufen, aber im Durchschnitt hat doch jeder Zuschauer auf freiwilliger Basis seinen Beitrag geleistet. Danke!

Nicht nur wir haben Zoom entdeckt, auch viele andere Menschen weltweit! Wir waren mit vielen interessanten bis dahin (wenn überhaupt) nur digital bekannten Menschen plötzlich „von Angesicht zu Angesicht“ in Kontakt. Daraus haben sich schöne Dinge ergeben, zum Beispiel unsere Teilnahme an der virtuellen Talkshow „Traveller Lounge“ zum Thema „Gefangen im Urlaubsparadies?“, wo wir mit anderen Reisenden über „Heimreise oder nicht“ gesprochen haben.

Oder unser Interview mit dem „Weltenbummbla“ Reisepodcast, in dem wir eine Stunde lang über unsere Reise mit Kittymobil im Winter durch die Mongolei erzählen. Von der Magie des „echten Winters“, von den Rentiernomaden und warum im Winter das Wort „Thron“ statt „Plumpsklo“ treffender ist. Hört mal rein: Weltenbummbla Reisepodcast

Das Thema „Heimreise oder nicht“ scheint viele Menschen zu beschäftigen und so wurden wir mit 11 anderen Reisenden zu dem Thema befragt, was in einem Beitrag mit dem reißerischen Titel „12 thrilling stories of overlanders affected by Covid-19“ zusammengefasst wurde. Und weil wir auch gefragt wurden, ob wir für solche Sachen Geld bekommen: NEIN. Diese Blogs, der Podcast und die “Talkshow” sind alles private Projekte anderer Reisender, die sich genauso wie wir über Leser, Abonnenten und Menschen freuen, die sie mit diesen Geschichten motivieren und inspirieren können. Auch von den folgenden Freunden erhalten wir keine Provision dafür, dass wir Euch erzählen, was sie für tolle Sachen machen und wie sie durch Corona ein wenig “kämpfen”. Wir Reisenden helfen uns untereinander einfach!

Unser Reisefreund Jochen brachte sein neues Buch „Ferner Osten auf der Überholspur“ heraus und da ja Lesungen „in echt“ nicht möglich sind, hat er online zu seiner Buchvorstellung eingeladen. Das Buch beschreibt seine Reise mit einem 28 Jahre alten Wohnmobil von Wuppertal bis Kambodscha. Vielleicht erinnert Ihr Euch? Wir waren in China zwei Tage zusammen mit ihm unterwegs. Sein Buch ist nicht nur für Reisebegeisterte interessant, sondern auch für alle, die sich für China und einen etwas anderen Blickwinkel auf dieses riesige Land interessieren. Das Buch gibt’s z.B. hier.

Unsere Freunde Martina und Dylan konnten ihren inspirierenden Film „Am Ende der Straße“ auch nicht wie ursprünglich geplant vor großem Publikum live uraufführen und auch da half Zoom ihnen, um mit den Zuschauern einen schönen Abend zu verbringen. Wir waren natürlich auch dabei und können Euch den Film wärmstens ans Herz legen. Den kann man überall schauen, wo es Video on Demand gibt, zum Beispiel hier.

Natürlich haben wir in der langen Zeit in der Wohnung die Natur vermisst. Wenn man zuvor fast zwei Jahre lang in der Natur geschlafen hat, dann ist es nicht ganz so einfach, jeden Morgen am selben Ort aufzuwachen. Aber da wir wirklich schön grün und ruhig wohnen und ein Fluss am Schlafzimmerfenster vorbeifließt, haben uns die Kröten das Einschlafen mit ihrem Konzert sehr versüßt. Wenn man die Augen schließt, könnte man denken, wir lägen weit weg in der Natur im Kittymobil oder Zelt… hört mal:

In der Zwischenzeit hatte ich auch Geburtstag. Mehr als drei Leute (immerhin!) dürfen hier immer noch nicht zusammen sein, also fiel die Party aus. Wir haben uns einen gemütlichen Tag mit vielen Erdbeeren gemacht, die hier fast schwarz vor lauter Sonne sind und so unvorstellbar süß, saftig und aromatisch sind, wie ich es nur von „Balkan südostwärts“ kenne. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was für ein besonderer Genuss es ist, dann daraus einen Erdbeerkuchen zu schlemmen! Überhaupt genießen wir seit Bulgarien das sonnengereifte, hocharomatische Obst und Gemüse, von dem man in Mitteleuropa noch nicht mal träumt, weil man sich nicht vorstellen kann, wie viel besser eine Erdbeere (oder Aprikose, Erbse oder Kirsche) schmecken kann…

Schaut Euch die Erdbeeren an!

Während wir also brav im echten Lockdown ausharrten, drehte sich die Welt weiter. Unser Kittymobil steht immer noch in der Tiefgarage (und da steht es absolut sicher!) der Lackiererei in Almaty, um neu lackiert zu werden. Almaty gehört leider zu den Städten, in denen die Bevölkerung nicht ganz so brav ist wie in anderen Teilen des Landes und so sind dort die Lockerungen noch nicht so weit: KFZ-Betriebe dürfen zwar eingeschränkt wieder arbeiten, aber Geschäfte für Farben und Lacke noch nicht. Das hilft uns also erstmal nicht wirklich.

Macht auch erstmal nix, wir kommen sowieso nicht nach Kasachstan. Die Länder Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan stehen im engen Austausch und haben alle am 11.5. den Notstand beendet und in ein „Quarantäne-Regime“ umgewandelt. Damit wurden dann die ersten Lockerungen möglich gemacht, aber die Landesgrenzen bleiben weiterhin geschlossen. Und Kasachstan hat die allgemeine Visapflicht wieder eingeführt. Eigentlich nicht schlimm, aber blöd, dass man dieses Visum nur im Heimatland beantragen darf und nur mit einem „Corona-Freibrief“, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Und das ist logistisch schwierig für uns.

Aber auch da wird es eine Lösung geben, wir wissen nur noch nicht, welche! Seitdem der Notstand aufgehoben wurde, hat man in Usbekistan das Land in Farben aufgeteilt, je nach Infektionszahlen: „grün“ sind Regionen, in denen nie Coronavirus auftrat (hier gibt es viele Wüstengebiete und Berge), „gelb“ sind Regionen, in denen es mindestens zwei Wochen keine Neuinfektionen gab und „rot“ sind die Städte und Gebiete, in denen es immer noch neue Infizierte gibt. Sobald sich etwas ändert, wird der Region eine andere Farbe zugeteilt. Samarkand wurde zum Beispiel über Nacht von „gelb“ zu „rot“ und alle Lockerungen rückgängig gemacht. Wir haben Glück: Taschkent ist „gelb“ und so kommen wir in den „Genuss“ von schrittweisen Lockerungen.

Zuerst durften wir im Wohnviertel spazieren gehen, nun dürfen wir uns ganz frei bewegen, allerdings nur in „gelben“ Gebieten. Mittlerweile fahren auch wieder Taxis (erst maximal eine Person, jetzt schon zwei und mit Plastiktrennwand vor der Rücksitzbank) und auch Privatleute dürfen wieder Auto (oder Fahrrad etc.) fahren. Die allermeisten Geschäfte haben wieder auf, wenn auch mit Hygienevorschriften: um einen Laden betreten zu können, muss man die Hände desinfizieren. Sobald man durch die Tür tritt, rennt also das Personal los und sprüht die Hände tropfnass. Um eine Mall zu betreten, läuft man durch „Desinfektionstunnel“, wie man sie aus dem Fernsehen aus China kennt: Luft anhalten und feucht sprühen lassen. Natürlich dazu noch Hände desinfizieren, Maskenpflicht ab Verlassen der Wohnung und ab und zu Fiebermessen.

Desinfektion wird hier wirklich großgeschrieben. Manche Geldautomaten haben mittlerweile eine beeindruckende Patina aus angetrockneter Desinfektionslösung (es gibt auch Spender mit Handdesinfektion neben manchen Geldautomaten) und öffentliche Orte wie zu Beispiel der Basar werden regelmäßig desinfiziert. Ob es hilft? Fakt ist, die Zahlen sind beeindruckend niedrig geblieben (Stand 19. Mai: 2791 Infizierte, 13 Tote bei 33 Mio. Einwohnern!)) und die WHO „Aufpasser“, die ins Land kamen, hatten nichts zu beanstanden. Wir fühlen uns hier auch weiterhin extrem gut aufgehoben: die Regierung kommuniziert transparent und mit leicht verständlichen Regeln über ihren Telegram Kanal mit den Bürgern, die Konsequenzen bei Nichtbeachtung sind unmissverständlich und werden durchgesetzt und der Staat freut sich über zusätzliche Einnahmen von „Sündern“.

Der Polizist vor der Haustür regelt jetzt, nachdem der Lockdown beendet ist, den wieder vorhandenen Verkehr, es fühlt sich fast an, als wäre es „wie früher“. Aber nur fast. Restaurants dürfen immer noch nur per Lieferservice arbeiten oder ihre Speisen aus dem Fenster heraus verkaufen. Cafés haben in der Eingangstür einen „Bestelltresen“, an dem es dann Kaffee und Torte „to go“ gibt. Der ÖPNV läuft erst langsam wieder an: die U-Bahn fährt noch nicht und die Busse fahren auf zusätzlichen Strecken, aber nur mit der Hälfte der Fahrgäste. Der Zug- und Busverkehr läuft wieder, aber es darf sich nur innerhalb der Farben bewegt werden. Man kann also nicht aus Samarkand (rot) nach Taschkent (gelb) fahren.

Die Grenzen sind noch zu. Die Behörden in Usbekistan und Kasachstan arbeiten wieder auch offline (man konnte hier in Usbekistan übrigens während des Notstandes sogar online Ehen schließen!), nur die kasachische Botschaft wartet noch auf einen „Brief“ aus Kasachstan, in dem steht, dass sie ihre konsularischen Tätigkeiten wieder aufnehmen dürfen. Wir hatten wochenlang erfolglos versucht, mit der Botschaft auf “herkömmliche Art und Weise” Kontakt aufzunehmen, bis Jan einen Zettel am Zaun entdeckte auf dem stand, man solle die Botschaft bitte über Facebook oder Instagram kontaktieren. Unvorstellbar für Deutsche, aber es hat sofort funktioniert! Es war 20:30, als mein Telefon klingelte und mich ein Mitarbeiter der kasachischen Botschaft mit Frau Konsul verband. Frau Konsul spricht leider keine der von uns angebotenen 6 Sprachen, aber sie ließ mir die Sache mit dem Brief ausrichten. Abends um 20:30. Seitdem „wuppt“ die Kommunikation bestens über Facebook Messenger. Andere Länder, andere Sitten!

Wir sind oft gefragt worden, ob es hier Anfeindungen gegen Ausländer gibt. Da der Virus ja in sehr viele Länder (auch nach Usbekistan) aus Europa eingeschleppt wurde, gibt es tatsächlich Regionen auf diesem Planeten, wo man als Mensch mit europäischem Aussehen Feindschaft spürt. Nicht in Usbekistan. Die Menschen hier sind gastfreundlich und hilfsbereit wie eh und je, wir sind gern gesehene Stammkunden beim Bäcker, im Nachbarschäftslädchen, beim Gewürzhändler und der Erdbeerfrau. Auf dem Basar kennt man uns „Nemislar“ schon und wir fühlen uns hier willkommen. Auch sonst sind wir mit unserer Entscheidung, hier zu bleiben, immer noch extrem zufrieden. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgehoben und sicher und ausnahmslos wohl.

Die Zwangspause tut sogar richtig gut. Endlich haben wir Ruhe und Zeit, Dinge „abzuarbeiten“ und durchzuatmen, ohne von Visafrist zu Visafrist zu hetzen. Nach zwei Jahren Unterwegssein sind solche Phasen wichtig. Auch dann, wenn man so extrem langsam reist wie wir. Im Gespräch mit anderen Reisenden, die ähnlich lange wie wir unterwegs sind, hören wir das immer wieder: man kann fast dankbar für die Pause sein. Endlich keine tickenden Ausreisedaten mehr im Nacken, Zeit, in einem Land „anzukommen“, Zeit für sich selbst! Zuletzt hatten wir diese „Zeit zum Ankommen“ im Iran, wo wir insgesamt sechs Monate verbringen durften. Seitdem hetzen wir mehr oder weniger von 4 Wochen Visum zu 4 Wochen Visum.

Mehr Gepäck haben wir nicht!

Es gibt hier noch kein Datum, wann die Grenzen öffnen. Aber das macht nichts. Uns ist es lieber, die Lockerungen erfolgen langsam und bedächtig, als dass irgendetwas überstürzt wird und wir wegen einer zweiten Welle irgendwo festsitzen, wo es nicht so angenehm ist wie hier. Mittlerweile sind wir über drei Monate mit unserem Handgepäck hier und haben gelernt, dass unser von vielen als sehr minimalistisch bewertete normale Reisegepäck schon „zu viel“ war. Das, was uns fehlt, bzw. ersetzt werden musste, haben wir gekauft: je eine Unterhose, insgesamt 3 Paar durchgelaufene Socken, eine zerrissene Jeans und eine Leggings. Diese Erfahrung nehmen wir aus der „Coronazeit“ sicherlich für uns mit: auch extrem wenig ist luxuriös viel!

Vielleicht habt Ihr auch etwas für Euch aus dieser Zeit gelernt – und sei es nur, wie man Hefeteig macht! 😊 Wir sind guter Dinge, gesund und munter, herrlich entspannt und trotzdem so langsam wieder bereit für die Weiterreise. Wann und wohin, das steht aber noch in den Sternen.

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