Jetzt haben wir ein Haus gekauft, sind pleite und werden sesshaft. Denkt Ihr. Falsch gedacht! Wir haben sogar zwei Häuser gekauft und reisen trotzdem weiter. Sesshaft ist für später, wir haben eine Base gekauft und keine Fessel. Und weil wir in Bulgarien gekauft haben und trotz Reise arbeiten, sind wir natürlich auch nicht pleite. Doch eins nach dem anderen:

Jan und ich 2015 in Bulgarien: auf dem Turm des “UFOs” 🙂

Ich (Silke) komme seit 9 Jahren jeden Sommer 6-8 Wochen nach Bulgarien. Immer mit Kittymobil, unserem VW Bus, und einem Motorrad darin. Jan verliebte sich 2015 in Bulgarien, aber es brauchte meine ganze Überredungskunst und nächtliche Tränen, um ihn davon zu überzeugen, dass gewisse Menschen in seinem sozialen Umfeld nur durch Bulgarien durch gerast waren und ihm nur daher voller Überzeugung erzählt hatten: „Bulgarien ist nur Beton, hässliche verlassene Dörfer, Zigeuner und schlechte Straßen“. Jan investierte damals mir zuliebe 50€ in ein WizzAir Ticket für 5 Tage Bulgarien. Wahrscheinlich nur, damit ich die Heulerei aufhöre. Nach 5 Tagen in Bulgarien war Jan komplett überzeugt und kaufte sofort ein „Balkanmotorrad“ (Oskar, der leider gerade in Armenien steht), um immer wieder für ein längeres Wochenende nach Bulgarien kommen zu können. Er war verliebt wie ich, denn er war nicht durchgerast, sondern hat sich von mir zeigen lassen, warum ich Bulgarien mag. Seit 2015 sind wir also beide gerne in Bulgarien.

Irgendwann in den darauffolgenden Jahren keimte der Gedanke, nicht Monat für Monat Parkgebühr für zwei Motorräder in Bulgarien zu zahlen, sondern das Geld in ein eigenes Haus zu investieren und dort die Motorräder zu parken. Doch wir waren nie lange genug da, um das Land richtig kennenzulernen, uns wirklich zu entscheiden, dann die richtige Region und das richtige Dorf und letztendlich auch das richtige Haus zu finden.

Als wir im Juli 2020 nach Bulgarien kamen, war der Plan, mit unserem Passat Hans so lange durch Bulgarien zu reisen, bis Georgien/Armenien die Grenzen wieder öffnet und wir Jans Motorrad und unsere gesamte Ausrüstung dort abholen können. Das könnt Ihr hier nochmal nachlesen: Warum Bulgarien? Bis heute sind die Grenzen zu, doch das gab uns Zeit, Bulgarien richtig kennenzulernen. So gut, dass wir abschätzen konnten, dass es für uns wirklich Sinn macht, in Bulgarien etwas zu kaufen und wir genug Wissen und Ortskenntnis angesammelt hatten, um eine definitive Entscheidung über die Region treffen zu können: Veliko Tarnovo.

Straßenansicht unseres “Anwesens”: rechts das kleine gelbe Haus, links das große weiße Haus.

Wann immer wir ein interessantes Objekt entdeckten, schauten wir es uns an, aber es war nie das dabei, was wir suchten: es sollte günstig sein, in traditionell bulgarischer Bauweise, mit etwas Grundstück „drumherum“, Platz für Motorräder und in einem „guten Dorf“. „Gut“ bedeutet Ausschluss gewisser Ethnien und auch gewisser Nationalitäten. Insbesondere nördlich von Veliko Tarnovo gibt es Dörfer, in denen massenweise Briten sich tagtäglich zusammen besaufen und nur deshalb in Bulgarien sind, weil hier das Bier so billig ist und sie in der Heimat auch nichts auf die Reihe bekommen haben. Nicht unser Umgang und nicht das, was wir im Dorf haben wollten. Unter Expats gibt es sogar die Warnung für alle Bulgarien-Neulinge: „Stay away from Brits!“ Deswegen sollte das Dorf fest in bulgarischer Hand sein und nicht in britischer. 😊

Wir waren monatelang der Meinung: wir geben kein Geld für Makler aus! Das können wir allein! Doch im Januar lernten wir Magdalena kennen. Und Magdalena versprach: ich finde euer Haus! Wir ließen es darauf ankommen und hatten das Gefühl: sie weiß genau, was wir suchen. So war es auch. Nach drei Tagen führte sie uns nach Kereka zu „unserem“ Haus. Wir waren uns immer einig: wenn ein Haus zu uns „spricht“ und das Dorf stimmt, dann kaufen wir! Im „Märchenhaus“ (siehe Blogbeitrag von Oktober: “kurz vor sesshaft”) stimmte nur das Haus, aber nicht das Dorf. Und dieses Haus sprach zu uns. Ursprünglich sollte es 18.000€ kosten und Jan gab ein Gebot von 15.500€ ab. Mir war das peinlich, denn das Dorf ist absolut edle Wohnlage und mir schien, die Verkäufer hatten keine Ahnung. Jetzt hieß es abwarten.

Geburtstagsfoto von Hans hinter unserem jetzigen Haus, damals im Januar 🙂

Währenddessen erkundeten wir das Dorf Kereka mit rund 500 Einwohnern: deutlich gehobenere Bausubstanz als in allen anderen Dörfern, wunderschön restaurierte traditionelle Häuser, junge Menschen, kleine Kinder auf den Straßen, zwei Dorflädchen, zwei Pensionen, eine Kneipe, ein Restaurant, Bibliothek, Post, Kulturverein, Fahrradclub, Tanzgruppe und angeblich nur 3 britische Haushalte. Hans feierte zufällig an diesem Tag seinen 30. Geburtstag und war damit das auffällig älteste Fahrzeug des ganzen Dorfes: wer hier keinen Edelschlitten, kein SUV oder Neuwagen fährt, fällt auf. Insbesondere mit Kennzeichen aus der Hauptstadt. Wir hatten gesehen, was wir sehen wollten: das Dorf war perfekt. Später erfuhren wir noch: es gibt Glasfaser-Internet, Kanalisation und einen engagierten Bürgermeister. Besser ging es wirklich nicht!

Außerdem ist jetzt der beste Zeitpunkt zur Investition in Bulgarien: 2024 kommt der Euro und Bulgarien wird irgendwann auch Schengen Mitglied. Die Preise steigen garantiert. Das bedeutet: selbst wenn wir uns später nicht mehr vorstellen können, in Bulgarien zu wohnen: ein Verlust wird es nicht sein. Ganz im großen Gegenteil!

Und das Haus? Es waren in Wirklichkeit zwei Häuser: ein großes weißes Haus mit 5 Zimmern und großer Diele im Obergeschoss und ein kleines gelbes  Haus mit nur drei Zimmern. In Bulgarien war es üblich, dass die älteste Generation der Familie in den „Alterssitz“ zieht: ein kleines, ebenerdiges Haus auf dem Gelände des großen Haupthauses. Das große Haupthaus ist mindestens 200 Jahre alt und in musealem Bestzustand, das kleine Haus ist „erst“ 80 Jahre alt aber ebenfalls lehmverputzt und sehr süß. Dazu ein Holzschuppen, ein Hühnerstall, ein Geräteschuppen, ein Werkstattschuppen und eine riesige Scheune auf über 2000qm Grundstück. Die Verkäufer boten 16.500€, die Würfel waren gefallen! Wir unterschrieben einen Vorvertrag und zahlten 500€ an. Die Maklerin bekam am Ende übrigens rund 480€ Provision. Dass wir anfangs so gegen einen Makler waren, war schlicht “dumm-deutsch” nach dem Motto “geiz ist geil”. Warum nicht jemanden dafür bezahlen, dass er tut, was er viel besser kann als man selbst? Magdalena hat uns nicht nur das perfekte Haus gesucht, sie steht uns auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite, indem Sie uns z.B. die Telefonnummer eines Gärtners gegeben hat, der unseren “Dschungel” mit der Kettensäge “zähmen” wird.

Wir unterschreiben den Vorvertrag

Jetzt wurde es kompliziert: das Haus gehörte einer jungen Bulgarin in Sofia und deren Vater, der aber in England arbeitet und wegen der Pandemie nicht zum Notartermin nach Bulgarien kommen konnte. Also musste er seiner Tochter eine Vollmacht ausstellen lassen. Währenddessen beauftragten wir unseren Anwalt, die Papiere des Hauses ganz genau unter die Lupe zu nehmen: gab es vielleicht noch weitere Erben? War eine Grundschuld auf dem Haus eingetragen? Lagen dort andere „Leichen im Keller“? In Bulgarien ist der Notar, anders als in Deutschland, nicht zu solchen Überprüfungen verpflichtet, das macht hier ein Anwalt. Für so kleines Geld (280€), dass man daran besser nicht sparen sollte. Und unser Anwalt ist top, denn als die Vollmacht aus England eintraf und der Notartermin bereits stand, rief er uns an: er habe etwas gefunden, weswegen wir besser nicht unterschreiben sollten!

Es stellte sich heraus, dass der Verkäufer-Vater die Vollmacht bei einem „solicitor“ hatte ausstellen lassen und nicht bei einem Notar. Innerhalb Englands ist das kein Problem, international jedoch schon. Die Vollmacht war ungültig, die Verkäufer in Rage. Nochmal alle Papiere ausstellen lassen? 400 Pfund Extrakosten! Sie wollten vor lauter Wut den Vorvertrag aufkündigen und uns unsere Anzahlung zurückerstatten. Wir boten 50% der Notarkosten und hielten sonst die Füße still, denn der Vertrag galt noch bis zum 25.3. und wir waren sowieso erstmal bei der Fenix Rallye in Tunesien. Wir waren uns sicher: auch zukünftige Käufer würden eine notarielle Vollmacht brauchen, denn die Reisefreiheit aus England würde auch in Zukunft eingeschränkt bleiben. Noch vor dem 25.3. lenkten die Verkäufer ein, eine neue, nun notarielle Vollmacht, war auf dem Postweg. Am 12.4.2021 unterschrieben wir den Kaufvertrag.

Exakt 3 Monate später unterschreiben wir den Kaufvertrag

Was dann passierte war ein Beispiel höchster Effizienz: Montagnachmittag unterschrieben wir den Kaufvertrag, machten Schlüsselübergabe, notierten Zählerstände, schlossen Wasser und Strom wieder an und hätten schon am folgenden Nachmittag die Papiere samt Grundbucheintrag abholen können. Nur 24 Stunden später. Wir holten die Papiere aber erst am Mittwoch, 36 Stunden später, ab und kümmerten uns gleich um den restlichen Papierkram: uns auf dem Amt unter der Adresse anmelden, Wasser und Strom auf unseren Namen ummelden, Internet beauftragen, eine (gebrauchte) Waschmaschine kaufen, einen großen Müllcontainer bestellen, unsere auf dem Aufenthaltstitel falsch geschriebenen Namen ändern lassen und einen Schornsteinfeger organisieren. Das Haus stand mindestens 5 Jahre leer und wir wollten vor dem ersten Anheizen sicher gehen, dass kein Tier im Schornstein nistet.

12 Stunden nach Auftrag bekommen wie Glasfaser-Internet!

Am nächsten Morgen kam zuerst der Müllcontainer. 15 Minuten früher als vereinbart. Dann kam der Mann vom Internetanbieter, um unseren Glasfaser-Internetanschluss anzuschließen (100Mb/s). Der Stromanbieter erschien, um den Zählerstand zu dokumentieren, der Bürgermeister schaute vorbei, um sich bei uns vorzustellen und zwei ältere Damen aus der Nachbarschaft stellten sich vor. Eine davon hatte den angeblichen Zweitschlüssel des Hauses. Es war streng genommen der Erstschlüssel, denn wir hatten bei der Schlüsselübergabe nur Schlüssel für ein Vorhängeschloss bekommen, da der echte Schlüssel verloren gegangen und die Tür anders gesichert worden war. Nun hatten wir auch tatsächlich einen Schlüssel für unser Haus!

Der Schornsteinfeger putzt das Nest aus dem Kamin.

Freitag früh kam dann der Schornsteinfeger. Fünf Tage hatte ich im Haus gefroren, aber wir waren konsequent: erst der Schornsteinfeger, dann der Ofen! Und das war so richtig: der Schornsteinfeger fand ein Nest im Schornstein! Da hätten wir nur sehr kurz Freude an unserem Haus gehabt…

Der Zustand der Küche bei Kauf: voll PET Flaschen!

Die Waschmaschine wurde auch geliefert, es lief wie am Schnürchen. Und wir hatten eine Hand voll Arbeit: beide Häuser waren bis zur Decke voll mit Kram, Müll und Schätzen. Die Vorbesitzer hatten zur eigenen Weinabfüllung massenweise PET Flaschen gesammelt, die in jedem Raum von der Decke hingen: insgesamt haben wir bis jetzt 7 große Müllsäcke nun platt getretener PET Flaschen gesammelt! Die bekommt ein alter Mann, der damit beim Wertstoffhof seine Rente aufbessert.

Außerdem massenhaft vorhanden: Einmachgläser! Mittlerweile haben wir mindestens 25 Obstkisten voll Einmachgläser verschenkt. Ebenso Regentonnen, davon waren es bis jetzt 15 Stück, in denen allerdings kein Wasser, sondern Wein gelagert worden war. Der erste Müllcontainer war nach 2,5 Tagen voll. Wir hatten im Dorf ein schottisches Ehepaar kennengelernt, die ein paar Stunden mithalfen, den Weinkeller auszuräumen, im Tausch gegen ein paar Emaille Töpfe und Plastikplanen für ihr undichtes Steindach.

Nach genau einer Woche hatten wir das beim Kauf völlig zugemüllte kleine Haus bewohnbar gemacht: Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und dritter Raum. Unser Plan, uns eine Base zu schaffen, zu der wir jederzeit zurückkönnen und in der wir alles haben, was wir brauchen (Internet, Strom, Küche, Wasser, Heizung), war aufgegangen! Mehr soll das Haus auch (erstmal) nicht sein: ein Rückzugsort für Reisepausen und langfristig, ganz langfristig, wenn wir bereit für Sesshaft sind, eine Bleibe. Auch, wenn das den lieben Omis im Dorf schwer zu vermitteln ist: wir bleiben nicht, wir schlafen sogar weiterhin im Passat!

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