Jan war ja drei Wochen in Deutschland, Hans und ich blieben in Bulgarien. Als Jan Mitte September zurück nah Sofia flog, starteten wir direkt vom Flughafen in die Berge. Nach dem ganzen Mist in Deutschland (siehe Blogbeitrag „Allein mit Hans“) stand uns beiden der Sinn nach Bergen und Gleichgesinnten. Wir fuhren nach Bansko.

Ich war ja schon ohne Jan in Bansko, dem bulgarischen „Digital Nomad Hub“: ein Bergort und Skiresort, in dem rund 100 Digitalnomaden rund um drei Coworking Spaces arbeiten. Menschen wie wir, die online ihre Reise finanzieren. Nomaden wie wir, die keinen festen Wohnsitz haben. Polyglotte wie wir, denen es egal ist, welche Sprache am Tisch gesprochen wird. Kosmopoliten wie wir, die auf der ganzen Welt zuhause sind. Wer neu in Bansko ist, darf einen ganzen Tag kostenlos einen Arbeitsplatz nutzen und dort Bulgariens Highspeed-Internet genießen. Das mobile Internet in Bulgarien ist schon schneller, als der Deutsche es kennt, aber die Leitung, an die das Coworking Space angeschlossen ist, hat Lichtgeschwindigkeit. So macht effektives Arbeiten richtig Spaß!

Abends wurde im Garten gegrillt. Jeden Abend finden solche „social events“ statt, bei denen man auch mit den Digitalnomaden in Kontakt kommt, die in den anderen beiden Coworking Spaces oder im gemieteten Apartment arbeiten. Hauptsächlich saßen wir aber mit dem deutschen Pärchen zusammen, mit denen wir im Juli in Sofia schon essen waren und die ich in meiner Zeit allein mit Hans in Bansko wieder getroffen hatte. Die beiden wollten am nächsten Tag, ein Sonntag, zu einem besonderen Baum laufen: einer 1300 Jahre alten Kiefer!

Die Schlangenhaut-Kiefer wächst nur an wenigen Standorten, zum Beispiel im Piringebirge rund um Bansko. Ihre Borke hat schuppenartige, glänzende Platten und daher wirkt es wirklich wie mit Schlangenhaut umwickelt! Der uralte Baum steht inmitten eines lichten Schlangenhaut-Kiefernwaldes und ist gar nicht sooo majestätisch, wie man sich einen 1300 Jahre alten Baum vorstellt. Wikipedia gibt die Maße mit 2,20m Durchmesser, 7,80m Umfang und 26m Höhe an. Nicht klein, aber auch nicht riesig. Dafür aber unglaublich alt. Nach einer Bohnensuppe in der Berghütte fuhren wir zurück nach Bansko, wo eine Oldtimer-Rallye Halt machte.

Komisch, wenn Fahrzeuge, die eigentlich Alltag sind (insbesondere in den von uns bereisten Ländern) plötzlich völlig herausgeputzt als Oldtimer präsentiert werden! Autos gelten als Oldtimer, wenn sie mindestens 30 Jahre alt sind. Unser Passat Hans wird im Januar auch 30 Jahre alt und wird seit fast 33 Jahren gebaut. Wir hätten also auch mitfahren können! Naja, nach einem Besuch in der Waschanlage vielleicht. Und die meisten Fahrzeuge waren wirklich das, was wir so unter “echte” Oldtimer verstehen: Schmuckstücke aus wirklich lang vergangenen Zeiten. Wir fuhren mit unserem Oldtimer weiter Richtung Melnik.

Melnik ist mit nur 200 Einwohnern die kleinste Stadt Bulgariens und bekannt für Wein, da ein berühmtes bulgarisches Weingut dort in der Nähe liegt und eine Traubensorte nach Melnik benannt ist. Dies und viele weitere, kleinere (auch bio!) Weingüter kann man rund um Melnik besichtigen. Wir sind keine Weintrinker, deswegen kurvten wir direkt weiter zum Kloster.

Nach einem Picknick besichtigten wir das Kloster Roshen, welches seit dem Mittelalter dort auf einem Bergvorsprung thront und bestens erhalten ist. Im Innenhof befindet sich eine im Vergleich mit dem Rila Kloster winzige Kirche mit Fresken und typischen Holzschnitzereien.

Hinter dem Kloster geht der Wanderweg nach Melnik los. Die Wege sind nicht geeignet für Menschen mit Höhenangst und man sollte trittfest sein, aber es lohnt sich absolut! Man läuft inmitten der „Erdpyramiden von Melnik“: unzählige kegelförmige Erosionsformen, die im warmen Licht kurz vor Sonnenuntergang besonders schön leuchten!

Unser Glück mit Hans ist ja, dass wir solch tolle Orte nicht verlassen müssen, um uns von den Steinmauern einer festen Unterkunft den Blick verbauen zu lassen. Wir parkten Hans auf einer Wiese direkt zu Fuße der Erdpyramiden und in Sichtweite des Klosters, sodass wir beides mit den ersten Sonnenstrahlen zu Sonnenaufgang bewundern durften. Für faule Männer (nur einer anwesend 😊 ) direkt aus dem Bett, während ich jeden Morgen zu Sonnenaufgang wild durch die Natur springe, um den besten Platz für den schönsten Blick auf das schönste Spektakel des Tages zu finden. Und so sitze ich dann allmorgendlich irgendwo draußen und beobachte, wie die Sonne hervorkommt, wie alles zu glitzern beginnt, höre den Vögeln zu und wenn ich Glück habe, finde ich dabei sogar Obst fürs Frühstück. Im Nachthemd natürlich. Denn wir stehen nachts so versteckt, dass keiner weiß, dass wir da sind.

Die ganze Nacht regnete es Sternschnuppen herab, wir lagen im Bett und beobachteten das staunend durch das Heckfenster. Was ein Luxus, jede Nacht draußen schlafen zu können!

Normalerweise duschen wir ja mit unserem 20l Wassersack, doch ein Bad in See, Fluss oder Quelle ist immer besser. Ganz am Anfang unserer Reise, im Mai 2018, waren wir schonmal in den heißen Quellen von Rupite. Damals hatten wir neben den flachen natürlichen Becken gezeltet und zu Sonnenaufgang im heißen Wasser gebadet. Diesmal fuhren wir nur schnell zum Duschen hin.

Wir fanden eine geeignete Stelle und kippten uns mit meinem 1l Teebecher (die Verkäuferin auf dem Markt in Riga sagte doch tatsächlich „Topf“ dazu!) das Wasser über. Das Wasser war so heiß, dass ich nach ausgiebiger heißer Dusche mit Haarewaschen krebsrote Füße hatte! Trotzdem: die beste Outdoor-Dusche in 4,5 Monaten Bulgarien!

Nicht nur das Wasser war heiß: der September neigte sich dem Ende zu und es war immer noch um die 40 Grad in der Ebene nahe der griechischen Grenze. Also ab zum Schlafen in die Berge! Wir fanden einen Platz oberhalb von Kovatchevitsa, einem malerischen Bergdorf. Offensichtlich waren wir nicht ganz so versteckt, wie wir glaubten: am nächsten Morgen waren unsere vor der Schlafzimmertür abgestellten Schuhe weg. Jan ist überzeugt: durchgelatschte Flipflops und miefige Decathlon-Sandalen klaut kein Mensch, den Geruch muss ein Tier toll gefunden haben!

Wo auch immer unsere Schuhe sind: am nächsten Morgen genossen wir im Dörfchen hausgemachten Quittensaft zum Frühstück bei wunderschöner Aussicht auf Dorf und Berge. Kovatchevitsa besteht noch komplett aus Häusern in traditioneller Holzgeflecht – Lehm – Baumweise und jedes Haus ist mit flachen Steinplatten gedeckt. Unglaublich schön!

Das Dörfchen Dolen, ein Bergtal weiter, ist genauso gut erhalten, jedoch ganz ohne Infrastruktur: kein Café, kein Dorfladen, kein Mensch. Nur Häuser und Gassen wie aus dem Bilderbuch – und eine Kirche mit riesigem Wow-Effekt! Von außen nichts Besonderes. Die Tür war zu, das Dorf schien komplett ausgestorben, doch ich sah im Inneren Kerzenschein. Sollten wir uns trauen, die Tür zu öffnen?

Wir wurden für den Mut belohnt! Das kleine Kirchlein war innen so bunt, wie ich es noch nie in einer bulgarischen Kirche gesehen hatte! Jeder Quadratzentimeter Fläche war entweder bunt bemalt oder bestand aus kunstvoller Holzschnitzerei. Die Einwohner des Dorfes hatten bunte Ikonen aufgestellt und mit Spitzendeckchen dekoriert. Der Boden war mit bunt gewebten Teppichen ausgelegt. Wir waren sprachlos. Was für eine Überraschung in diesem so verlassen wirkenden Dorf! Wir haben den Opferkasten gut bestückt und jeder ein Kerzlein angezündet. Ein ganz besonders magischer Ort!

Wir schlossen vorsichtig die Kirchentür, die ihr Geheimnis fast vor uns verwahrt hätte. Auch der Wachhund bellte nicht mehr, als wir durch den Kirchgarten liefen. Das Dorf schlief friedlich vor sich hin und es tat uns leid, die Stille des Dorfes zu unterbrechen, als wir den Motor von Hans zur Weiterfahrt starteten.

Wir kehrten unterwegs in einem winzigen Restaurant auf einem Felsen ein, ließen uns von einem alten Opa herrlich ungeschickt mit Bohnensuppe und Salat bewirten und genossen von Oma hausgemachtes Apfelgebäck und Kirschsaft zum Nachtisch. Die bulgarische Küche ist so traumhaft lecker! Der Durchreisende glaubt ja, in Bulgarien esse man nur Grillfleisch. In Wirklichkeit ist es aber nur das, was der Tourist auf der Speisekarte erkennt und bestellt. Dass „Bob“ (Bohnen in allen Varianten), „Satsch“ (Geschmortes Fleisch oder Gemüse auf einer heißen Tonplatte), „Guvech“ (Eintopf), „Patatnik“ (Kartoffelrösti mit Minze und Käse), „Kavarma“ (eine Art Gulasch) etc. viel häufiger auf den Tisch kommen als Grillfleisch, weiß man nur, wenn man sich traut, Gerichte zu bestellen, die man nicht kennt. Und plötzlich sieht man sie überall wieder! Wer gerne griechisch, türkisch oder georgisch isst, wird sich in Bulgarien kugelrund futtern können, denn die bulgarische Küche ist ein kulinarischer Mix aus diesen Kulturen.

Wir waren im August schonmal in der Trigrad Schlucht, hatten aber dabei nicht bedacht, dass damals Sonntag und der Parkplatz der „Devil’s throat cave“ dadurch völlig überfüllt war. Wir wollten an einem Wochentag wiederkommen. Und das taten wir Ende September. Die „Teufelsrachen-Höhle“ hat eine tiefe Bedeutung in der griechischen Mythologie. Dazu muss man die griechische Sage rund um Orpheus und Eurydike kennen:

Orpheus war in Wirklichkeit ein thrakischer König und lebte als solcher in den Rhodopen. In der griechischen Mythologie war er ein Dichter und Sänger, der so schön sang, dass er damit wilde Tiere besänftigen konnte. Seine Frau hieß Eurydike und um die beiden entstand die griechische Variante von „Romeo und Julia“: Eurydike trat auf eine Schlange, wurde von ihr gebissen und starb. In der griechischen Mythologie ist der Hades, die Unterwelt, das Reich der Toten, bewacht vom Höllenhund Cerberus. Orpheus folgte Eurydike in die Unterwelt, besänftigte Cerberus mit seinem Gesang und bat die Götter, seine Eurydike aus dem Hades zu entlassen und ihr damit ein zweites Leben zu schenken. Sein Gesang brachte die Götter dazu, ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Allerdings unter einer Bedingung: beim Aufstieg aus dem Hades durfte sich Orpheus nicht nach Eurydike umdrehen, sonst würde sie für immer in der Unterwelt verschwinden. Eurydike lief jedoch so leichtfüßig, dass Orpheus ihre Schritte nicht hörte. Orpheus drehte sich nach ihr um und Eurydike wurde vom Götterboten Hermes für immer zurück in den Hades gezogen.

Die Devil’s throat cave ist der Hades der griechischen Mythologie. Man steigt vom Eingang aus in eine riesige unterirdische Halle hinab, in der man sich gut vorstellen kann, wie dort die griechischen Götter getagt und über Orpheus‘ Anliegen debattiert haben. In die Höhle fällt ein 150m tiefer Wasserfall hinab und an dessen Seite beginnt der Aufstieg aus dem Hades. Natürlich hatten wir die Hinweise gelesen, dass die Höhle nur von körperlich gesunden Menschen ohne Herz- oder Lungenleiden besucht werden darf. Jetzt wussten wir, warum: Gefühlte 3000 glitschige Stufen führen aus der Höhle hinaus ans Tageslicht. Der Aufstieg aus der Unterwelt, dem Hades. Am Ende kommt man einige Höhenmeter oberhalb des Eingangs wieder an die frische Luft. Eurydike muss ganz schön fit gewesen sein, wenn Orpheus weder ihre Schritte noch ihren Atmen bei diesem Aufstieg gehört hat!

Die Sage um Orpheus und Eurydike ist in den südlichen Rhodopen omnipräsent, denn für die Bulgaren war Orpheus als Thraker geradezu ein Vorfahre. In deutschen Schulen wird er nur als Sänger der griechischen Mythologie gelehrt, jedoch nicht als thrakischer König, der real existiert hat! Wir entdeckten coole Streetart mit 3D-Effekt, die – wen wohl? – auch Orpheus und Eurydike zeigte. (siehe Bild weiter oben)

Der Fluss Arda schlängelt sich in unendlich vielen malerischen Mäandern von West nach Ost durch die Rhodopen und wir hatten die Idee, dem Fluss von der Quelle bis zum Grenzübertritt in die Türkei zu folgen. An die Quelle kamen wir nicht ganz heran – jedoch an die griechisch-bulgarische Grenze. Mitten im Wald, doch für Fahrzeuge unpassierbar. Wegen COVID-19 hat Griechenland zu Bulgarien nur eine einzige Grenze geöffnet: bei Kulata. Alle anderen Grenzübergänge sind geschlossen oder verbarrikadiert. Als Fußgänger hätten wir aber über den Graben hüpfen können – und haben es natürlich auch ein paar Mal gemacht: Bulgarien – Griechenland – Bulgarien…

Entlang der Arda gibt es so viele tolle Foto- und Wanderstopps, wir kamen kaum vorwärts. Mussten wir aber auch nicht: das Wetter war herrlich, die Wälder färbten sich langsam schön bunt und was gibt es da Schöneres, als hier die Aussicht zu genießen, dort über eine Hängebrücke zu laufen, da in den Felsen herumzuklettern oder Anglern zuzuschauen.

Wenn man auf kleinsten, nein: allerkleinsten Straßen unterwegs ist, so sind diese oft nicht asphaltiert. Grundsätzlich macht uns das gar nichts, denn unser VW Bus Kittymobil hat richtig Bodenfreiheit und wir sind bisher überall durchgekommen (Ausnahme: Flussbett in der Wüste Gobi). Hans mit seinem GT Fahrwerk (tief und hart, sportliche Variante des Passats) und Alufelgen war da eher nicht so geeignet, aber wenn man dem Hans das nicht sagt, macht er das auch alles ordentlich. Der Hans, der kann’s! Gut, bei einer Wasserdurchfahrt ist die Schürze aus der Halterung gesprungen, aber sonst hat er einfach alles gemeistert. Bis wir den „gemeinen Flankenbeißer“ trafen: ein scharfkantiger Stein, der die Reifenflanke durchstach, als Hans sich vorsichtig einen grobsteinigen Hang hocharbeitete. Pffft! Weil unser LPG Gastank in der Reserveradmulde sitzt, haben wir mit Hans keinen Ersatzreifen dabei. Aber es gibt immer eine Lösung!

Etwa einen Kilometer zuvor hatten wir ein Wasserwerk gesehen. Ich lief zurück und traf dort auf den Techniker. Der hatte ein altes Motorrad und ruckelte damit und mit mir auf dem Sozius wieder zurück zu Hans. Jan hatte in der Zwischenzeit das Rad demontiert. Der Techniker rief einen Freund an, der mit einem Renault Espace anrückte und mich ins nächste Dorf fuhr. Der ganze Espace war voll mit Paprika. Eigentlich hätten wir dem Mann für seine Hilfe etwas schenken müssen, doch er überhäufte uns mit Paprika. Im Dorf wartete der Vater des Technikers auf mich. Es war Feiertag, eigentlich hatte alles zu. Doch der Vater hatte einen Reifendienst ausfindig gemacht, der trotzdem arbeitete. Der war 15km entfernt. Er brachte mich samt Reifen in die Reifenwerkstatt. Dort gab es natürlich keinen Reifen in der richtigen Dimension, aber ähnlich (etwas kleiner). Kein Problem, montieren wir hinten! Auf dem Rückweg zu Hans kam uns ein LKW auf unserer Fahrbahn entgegen. Der LKW Fahrer erschrak sich so sehr, dass er den LKW in die Begrenzungsmauer setzte. Außer viel Gelächter bei meinem Chauffeur und mir und einigem Blechschaden am LKW ist nichts passiert.

Mit dem etwas kleineren Reifen hinten links sind wir noch gute 5000km gefahren. Das war übrigens in 2,5 Jahren Reise der allererste Platten, bei dem wir ein Reserverad gebraucht hätten. Und auch in 26 Reisejahren der erste solche Platten überhaupt. Auch Kittymobil hatte noch nie solch einen Platten, der ein Reserverad erfordert hätte. Trotz so vieler tausender Kilometer auf unbefestigten Wegen. Immerhin hat Kittymobil ein Ersatzrad. Ob wir es jemals brauchen würden?

Eine Nacht wurden wir heftig in Hans durchgeschüttelt. Der Wind zog und zerrte an unserem kleinen Haus auf Rädern und peitschte uns die Türen entgegen. Die Wettervorhersage wusste: Unwetterwarnung! Nicht die beste Idee, da draußen in den Bergen zu übernachten… Wir fanden morgens ein 4 Sterne Hotel zum Schnäppchenpreis von 20€ und zogen mit den ersten fetten Regentropfen in unsere Suite mit großer Terrasse, großzügigem Wohnzimmer, Flur und luxuriösem Bad. Die Rezeptionistin sprach etwas Deutsch und schleuste sogar unsere Dreckwäsche unter der Hand mit der Hotelwäsche durch die Wäscherei. Kostenlos versteht sich. Wenn man im Auto wohnt, muss man nicht bei Hagel und Sturm in den Bergen ausharren und im Matsch herum springen, nur weil man halt im Fahrzeug wohnt. Man kann auch einfach ein paar Mark in die Hand nehmen, sich etwas gönnen und dabei die leidige Frage mit der Wäsche auch klären.

Am nächsten Tag schien die Sonne wieder und nach einem Frühstück mit Banitsa (bulgarisches Frühstücksgebäck aus Blätterteig und Käse, an kleinen Straßenständen nur morgens serviert mit Boza: Getreidedrink) fuhren wir los, die Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu erkunden. Orlovi Skali zum Beispiel: ein großer Felsen mitten im Wald, in den Nischen geschlagen wurden. Die Thraker hatten keine Schrift, sodass wenig bekannt ist von ihren Kulten und Riten. Dass es Grabnischen waren, scheint ausgeschlossen. Doch was war es dann für ein Kultplatz? Man weiß es nicht.

Genauso wenig weiß man über den Kultplatz „Harman Kaya“. Auf einem Bergplateau sind Nischen und Treppenstufen in Felsen geschlagen, konzentrische Kreise wie ein Spinnennetz in den felsigen Boden geritzt und drei „Wannen“, zwei kreisrund und eine rechteckig, in den Felsboden gearbeitet. Die Thraker waren’s, doch warum? Tja… da fehlt wohl Geld für die Forschung – oder es wird für immer ein Geheimnis bleiben…

Und dann natürlich wieder Orpheus. Der Thrakerkönig war natürlich nur in der griechischen Mythologie aus der Totenwelt wieder aufgestiegen. In Realität wurde er bei Tatul in einem Felsengrab auf einem Berg beigesetzt. Es ist nicht ganz gesichert, wessen Grab es wirklich war, doch Entstehungszeit und Ort deuten eigentlich nur auf einen thrakischen König hin: Orpheus. Sein Grab hat eine herrliche Aussicht über die Rhodopen. Ein sehr ungewöhnliches Grab für Thraker, die üblicherweise in Hügelgräbern bestattet wurden.

Ein solches Hügelgrab wurde an der griechischen Grenze entdeckt. Schon auf dem Weg dorthin wurden wir zwei Mal vom Grenzschutz kontrolliert und konnten beobachten, wie ein Fahrradreisender von der Grenzpolizei aus dem Wald heraus eskortiert wurde. Die „grüne Grenze“ ist dort alles andere als durchlässig! Wir wollten ja zum Thrakergrab, das war kein Problem; der Grenzschutz wendete auf dem Besucherparkplatz. Im Grab wurden sehr viele Gegenstände aus Gold gefunden, die natürlich nicht im bulgarisch-griechischen Grenzwald aufbewahrt werden, sondern in einem Museum in Sofia. Damit man sich im Grab selbst aber eine Vorstellung von den Schätzen machen kann, hängen an den Wänden des Grabes Hologramme, die in 3D die Gegenstände „greifbar“ machten. Eine wirklich coole Installation!

Okay, noch ein letztes Mal zurück zu Orpheus. So ein Thrakerkönig braucht einen Palast. Und eine Stadt. Und ein Heiligtum. Hatte Orpheus alles: Perperikon, das „Macchu Picchu Europas“! Wir waren im Hochsommer am heißesten Tag des Jahres laut bulgarischem Wetterdienst schonmal da, hatten uns damals aber gegen die Besichtigung entschieden, weil die Ruinenstadt riesig groß und ohne Schatten auf einem Bergrücken liegt. Jetzt, Ende September, war das Wetter perfekt.

Perperikon wurde vor rund 5000 Jahren gegründet und über Jahrtausende (!) als Heiligtum und später Großstadt von Römern, Goten, Byzantinern und Bulgaren (bis 1362) genutzt. Zur Zeit der Thraker war Perperikon die heilige Hauptstadt des Orpheuskult mit Palast der thrakischen Könige. In der Antike war das „Orakel von Perperikon“ genauso bekannt wie das von Delphi. Auch der Haupttempel des Dionysos-Kults stand in Perperikon. Uns hat die riesige Felsenstadt an Macchu Picchu in Peru und an Lhasa in Tibet erinnert. Wenn man sich mit der damaligen Bedeutung über Jahrtausende beschäftigt, ist es wirklich unverständlich, warum (fast) nur Bulgaren wissen, dass in den Ostrhodopen ein solch gigantisches Zeugnis europäischer Geschichte thront!

Genug von Orpheus und den Thrakern. Versprochen. Ich mag ihn, aber das ist „frühkindliche Prägung“ und für Euch vielleicht nur „irgend so ein Typ mit Laute“. Das war’s mit Orpheus, den Rhodopen und den Thrakern. Wir folgten der Arda bis zur griechischen Grenze in der Nähe der Türkei. Wir aßen am (Maritza) Fluss mit Blick auf die Türkei zu Abend und kamen auf eine Idee…

Doch dazu im nächsten Blogpost!

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