Georgien ist toll. Toll voll. Ein wunderschönes Land, das gerade einen Tourismus-Boom erlebt. Doch trotzdem ist es möglich, einen ganzen Nationalpark für sich alleine zu haben! Doch zunächst waren wir ja noch in Aserbaidschan und wollten eigentlich nur zwei Nächte in Sheki bleiben.

Sheki liegt etwa 150km östlich des nördlichen Grenzübergangs zu Georgien und ist bekannt für den Schahpalast, seine Karawanserei und: Haselnüsse! Ich glaube, wir haben im ganzen Jahr nicht so viel Zucker gegessen wie in Sheki! Die Haselnüsse werden zu diversen süßen Leckereien verarbeitet, mal in einer Art Nougatmasse, dann mit knackigem Krokant zu Häppchen zu Tee gereicht, wie gebrannte Mandeln in Zucker gehüllt, zu Halva verarbeitet,… und alles so lecker!

Unsere Unterkunft war ein Volltreffer, weswegen aus 2 Nächten 6 wurden. Unser Gastgeber, Ruslan, war aus vollem Herzen gastfreundlich und unsere anfängliche Skepsis verflog schnell, als wir merkten, wie ernst er es meint mit seiner Gastfreundschaft. Zur Begrüßung gab es Tee, er teilte seine Vorräte, frische Milch, Eier, Käse und Sirup vom Bauern und lud uns 2x abends ein, mit ihm auszugehen.

An unserem 2. Abend charterte er einen kleinen Bus (ein Mercedes „Bremer“, cooles Teil!) für alle seine Gäste, lud unterwegs noch ein paar Freunde ein und wir fuhren steil bergauf in den die Stadt umgebenden Haselnusswald. Dort gab es inmitten der Bäume ein Teehaus und wir tranken Tee zusammen, bzw. bekamen erklärt, wie man das in Sheki macht: man nimmt entweder einen mit Rosengeschmack und viel rosa Farbe „verfeinerten“ Zuckerwürfel zwischen die Zähne oder etwas Rosenmarmelade in den Mund und lässt dann in kleinen Schlucken den heißen Tee dazu fließen. Sehr süß, aber gar nicht so schlecht, wie es klingt mit den Rosen im Mund!

An einem anderen Abend hatte Ruslan Geburtstag, aber es hatte so sehr geregnet, dass Stromausfall war und es nur in einem Restaurant, etwas weiter entfernt, Strom gab. Also stopften wir uns zu viert auf die Rückbank des Autos vom stellvertretenden Polizeichef der Stadt und fuhren in einer wilden Fahrt zum Restaurant. Dort gab es etwa 3 ½ Stunden Essen, Tee, Süßkram, Kuchen, Vodka und viel „praktische Landeskunde“, zum Beispiel gab es Käse, der ein Jahr lang in einem Schafledersack reift. Leckerst! Oder es gab Chutney aus Kornelkirschen (sauer!), ein Bohnengericht mit Ei und viel Knoblauch und – natürlich – viel Haselnuss-Süßkram.

Aber wir waren ja nicht zum Schlemmen in Sheki, sondern wegen der Karawanserei, die wir abends ganz für uns hatten und wegen des Palastes, den wir trotz der riesigen Menschenmassen ganz für uns alleine hatten! Man kommt nämlich nur zu einem persönlichen Termin in das Innere, kann dabei zwischen Guide und Gruppe wählen. Wir wählten Guide und so stiefelten wir mit einem älteren Herrn von Raum zu Raum. Die einzelnen Guides achteten darauf, dass immer nur eine Gruppe im Raum war, sodass die Illusion entstand, den Palast ganz allein zu entdecken. Leider durfte man nicht fotografieren, die Wände sind mit Fresken bemalt, mit Holzschnitzereien verkleidet und die bunten Fenster geben so ein schönes, warmes Licht…

Nachdem wir uns die Karawanserei angeschaut hatten, wollte ich die lokale Spezialität „Pitti“ probieren, die nicht nur im Reiseführer stand, sondern auch von unserem Gastgeber Ruslan empfohlen wurde. Nun… mir ist unverständlich, warum im Nachbarland Georgien jedes Essen in Gewürzen und Kräutern geradezu ertränkt wird, diese in Aserbaidschan aber grundsätzlich nie im Essen landen…

Pitti ist ein Kirchererbseneintopf, der im Tontopf serviert wird und eigentlich aus 2 Gängen besteht. Zunächst rupft man Brot in Brocken in einen Suppenteller und gießt die Flüssigkeit aus dem Eintopf darüber. Schmeckt halt wie Fleischbrühe mit Brot. Langweilig. Dann kippt man die Kichererbsen samt Fleisch und einem dicken Fettbrocken in einen zweiten Suppenteller und zermatscht alles mit der Gabel. Und das schmeckt dann halt wie ungewürzte Kichererbsen mit Lammfett. Da sind die Haselnuss-Leckereien millionenfach besser!

Nach einer Woche bei Ruslan und seinem Doppelbett für 3,50€/Person schafften wir den Absprung. Eigentlich hatten wir noch 3 Tage im Visum übrig, aber da im Internet wilde Gerüchte über die angeblich verbotene Einreise in den Iran mit „großen“ Motorrädern gestreut wurden, beschlossen wir, zurück nach Georgien zu fahren und dort die Berge zu erkunden. Mittlerweile hat sich wohl diese wilde Gerüchteküche als „Verwirrungstat“ eines einzelnen (deutschen) Reisenden heraus gestellt, aber wir halten die Ohren offen und verfolgen Erfahrungsberichte anderer Reisender, die problemlos in den Iran einreisen.

Unser Ziel war Lagodheki, nur 5km von Aserbaidschan entfernt. Wir fanden ein Paradies als Unterkunft: ein älteres Ehepaar vermietet in seinem wunderschönen Haus in einem wunderschönen Garten liebevoll gestaltete Zimmer und die Dame des Hauses kocht so wunderbar zum Frühstück und Abendessen, dass man dort nie mehr weg kann. Zunächst nicht, weil alles so toll ist und dann, weil man so viel gegessen hat, dass man sich nicht mehr bewegen kann.

Doch wir waren wegen des Nationalparkes da. Unser Gastgeber war früher Direktor des Schutzgebietes und hat 28 Jahre im Park gearbeitet. Er spricht Deutsch als Fremdsprache, allerdings nicht wirklich gut. So verstanden wir, zum kleinen Wasserfall seien es nur 2,5km Spaziergang. Es dauerte allerdings schon 2,5km, bis wir den Eingang des Parks erreichten. Und die Dame dort erklärte in fließendem Deutsch, die Wanderung sei 10km lang und ab dem Fluss brauche man alpine Ausrüstung. Ich hatte Turnschuhe an, Jan Jeans, wir hatten keinen Rucksack dabei und auch keinen Proviant. Nur eine leere Wasserflasche. Egal, los, umdrehen können wir immer!

Wir drehten nicht um, denn es war wunderschön! Der Wanderpfad führt zunächst durch Urwald zu einem Fluss und dann entlang des Flusses in der Steilwand auf engen, steilen Pfaden zum Wasserfall. Wir tranken das klare Flusswasser und freuten uns an der Schönheit der Natur.

Nur der Rückweg machte uns Sorgen: was es so steil hoch ging, ging es natürlich auch wieder herunter – und das mit meinen 5 Jahre alten Turnschuhen ohne Profil? Wir sahen ein paar Wanderer im Flussbett verschwinden, warteten etwa 20 Minuten, ob sie zurück kamen und starteten dann hinterher. Und das war so viel besser als ein Wanderweg! Wir kletterten und kraxelten über Steine, Geröll, über Baumstämme, Treibgut und querten mindestens 20 Mal den Fluss, der teils tief und strömend war, sodass ich oft froh um Jan als „Fels in der Mitte der Strömung“ war, an dem ich mich festhalten konnte.

Und wir hatten so einen Spaß! Viel besser als „normal“ wandern! Und wir wollten mehr. Mehr von diesem tollen Nationalpark, mehr von dem Urwald, mehr von der unberührten Natur einer Schutzzone, die seit über 100 Jahren strengsten Schutz genießt, in der der Wald und die Natur sich selbst belassen wird, keine Menschen leben und keine Tiere weiden dürfen. Wir buchten die 3 Tage Trekkingtour mit Guide und Pferden. Die Pferde sollten unser Gepäck tragen und auch uns, sofern es nicht zu steil sei, hieß es. Wir kauften für 3 Tage Essen, packten Zelt und Campingküche in unsere Ortlieb Rackpacks und standen am übernächsten Tag bereit.

Unsere Pferde waren wunderschön, kräftig und gepflegt, unser Guide Resol hatte liebe Augen und ein großes Herz, aber keinerlei Fremdsprachenkenntnisse – noch nicht mal Russisch! Es gibt in Georgien eine Generation, in der die Leute nur Georgisch können, denn nach dem Zerfall der UDSSR wurde kein Russisch mehr an den Schulen gelehrt – aber auch noch kein Englisch. So half ein Mitarbeiter des Nationalparks schnell bei den letzten Fragen und erklärte, dass es noch keine Karten oder Höhenprofile für das Trekking gäbe, er uns aber vorwarne, dass es am letzten Tag 2500 Höhenmeter wieder bergab ginge. Oha! Mir fiel plötzlich ein, dass ich vor 3 Monaten eine Meniskus-Operation hatte, die Wanderstöcke in Krefeld in der Garage standen und die dicken Wanderschuhe verkauft waren. Zu spät! Wir stiegen auf und es ging los!

Wir mussten einen Fluss queren und die Stute unseres Guides rutschte auf den runden, handballgroßen Steinen aus und lag im Wasser. Sie tat mir so leid, aber es schien sie nicht groß zu stören, denn sie lief danach weiter, als passiere ihr das öfter. Im Laufe des Trekkings stürzte sie noch weitere 2 Mal, denn das Gelände war teils eher für Steinböcke und Ziegen als für Pferde gemacht. Wir ritten durch urwaldähnlichen, unberührten Wald bergauf und staunten darüber, wie schön Wald sein kann, wenn kein Förster darin herum wirtschaftet und man die Natur sich selbst überlässt.

Ich bin ja vor 9 Jahren schonmal 5 Tage mit Pferd durch die Anden, allerdings bin ich da die meiste Zeit gelaufen, da das Gelände zu unwegsam für das Pferd sei. Daher wollte ich bei einigen Passagen absteigen, doch unser Guide verstand das nicht. Und es lag nicht an Sprachproblemen, sondern daran, dass er die Tiere kannte und wusste, dass sie wie Bergziegen klettern können – mit Reiter drauf! Ich war schwer beeindruckt, hatte aber auch etwas Sorge um Jan, denn es ging schon etwas zur Sache und Jan saß zuletzt in der 4. Grundschulklasse bei der Klassenfahrt auf einem Pferd – das von einem Erwachsenen geführt wurde. Doch auch Jan hatte Spaß und vertraute seinem Pferd immer mehr – und sich selbst auch, sodass er einmal voll Elan beim Aufsteigen über sein Pferd drüber fiel vor lauter Schwung…

Wir erreichten nach etwa vier Stunden die Baumgrenze und kamen durch bunte Blumenwiesen, die verwunschen in den tief hängenden Wolken romantische Stille ausstrahlten. Keine Ziege, kein Schaf, keine Kuh hatte dort über 100 Jahre den Boden gedüngt oder die Blumen gefressen, sodass ich eine Bergwiese sah, wie ich sie aus der Theorie im Botanikstudium kannte, jedoch selbst noch nie gesehen hatte.

Am späten Nachmittag hatten wir 1500 Höhenmeter bezwungen und kamen in der ersten Schutzhütte an. Eigentlich hatten wir Zeltübernachtung bezahlt, aber der Hüttenwirt bestand darauf, dass wir in der Hütte schliefen. Ohne Aufpreis, denn es sei schlimmer Regen angesagt. Die Hütte selbst war sehr spartanisch, der einzige Tisch stand draußen im Nebel, Wasser gab es in 300m Entfernung in Eiswürfelqualität aus einer Quelle. Das Plumpsklo war schon länger nicht mehr „versorgt“ worden. Außer uns waren noch zwei holländische Paare und ein georgisches Pärchen auf der Strecke unterwegs. Wir waren die einzigen, die Pferde für das Gepäck gemietet hatten und die Holländer waren ganz schön neidisch auf uns. Ein Pferd kostet übrigens 16€ pro Tag, man kann also auch am falschen Ende sparen…

Wir kochten Nudeln und verzogen uns recht bald ins Bett, denn der vom Hüttenwart angekündigte Regen kam tatsächlich und war auch genauso heftig, wie von ihm vorhergesagt. Wir waren froh um unser Bett in der Hütte und schliefen in unsere Schlafsäcke gekuschelt schön aus. Der zweite Tag sollte nur 1000 Höhenmeter bringen und diese sollten weniger steil sein.

So war es auch, es ging in langem Zickzack durch Blumenwiesen bergauf, immer wieder öffneten sich herrliche Ausblicke in die 2km und tiefer unter uns liegende Ebene in Aserbaidschan und Georgien. Doch je höher wir kamen, desto weniger sahen wir – bis wir schließlich auf 2700m zunächst im dicken Nebel liefen und später im Regen. Wir konnten auf dem Pferd sitzend gerade die Plüschohren des eigenen Pferdes erkennen, mehr nicht. Da war es gut, einen Guide zu haben, der nicht nur Himbeeren und Brombeeren pflückte, Pilze sammelte und alle Fotostopps kannte, sondern auch blind den Weg fand.

Gegen 13 Uhr kamen wir an einem Militärposten vorbei, an dem man sich ein Dokument ausstellen lassen muss, welches einen dazu berechtigt, 4 Wochen in der Grenzregion zwischen Georgien, Aserbaidschan und Dagestan (Russland) unterwegs zu sein. Das dauerte vielleicht 10 Minuten und nicht wie in Aserbaidschan 3 Wochen! Wir durften unsere nassen Ponchos zum Trocknen aufhängen und uns am Dieselofen wärmen. Das Wetter wurde nicht besser, sondern schlechter. Es fing an, zu hageln.

Mit unseren Guide saßen wir da und warteten ab, unsere Pferde standen in der nassen, kalten Nebelsuppe herum und ließen sich die guten Bergkräuter der Wiese schmecken. Das Wetter wurde nur noch schlimmer, es zog kräftiger Wind auf und es begann, zu donnern. Wir wurden von Menschen aufgenommen, bekamen in Bett, heißen Tee und Decken, um die Nacht nicht irgendwo in den Bergen im Zelt verbringen zu müssen.

Und das war gut so! Eigentlich hätten wir an dem Tag noch zur zweiten Schutzhütte laufen sollen, doch ein Unwetter auf 2750m ist kein Spaß und so erlebten wir die Naturgewalten, die stundenlang herum tobten, dass das Bett wackelte. Es war richtig heftig, wie wir es selbst noch nie erlebt haben, die Welt schien unter zu gehen und draußen peitschte ein grollender Sturm Regen und Hagel über die Hochebene, dass wir wieder froh waren, nicht im eigenen Zelt zu schlafen.

Als wir morgens aufwachten, saß unser Guide missmutig am Feuer und machte uns klar, dass das Wetter den ganzen Tag nicht besser werden würde. Wir hatten nur 3 Tage gebucht und er hielt es verständlicherweise nicht fpr sinnvoll, das Trekking nach Plan durch zu ziehen. Wir beruhigten ihn mit Händen und Füßen, dass wir noch Zeit für einen vierten Trekkingtag hatten und ihm den vierten Tag auch zahlen würden. Seine Laune besserte sich und wir durften auch bei den Leuten bleiben, die uns mit einem herzhaften Nudel-Käse Frühstück versorgten.

Was macht man den ganzen Tag, wenn man ohne gemeinsame Sprache in den Bergen hockt? Heißen Kakao trinken, Domino spielen und… Adriano Cellentano Schinken schauen! Da Jan und ich den Film kannten, war auch die georgische Synchronisation kein Hindernis. Gegen Abend wurden die Nachrichten im Fernsehen angeschaltet und wir sahen Bilder von weg gerissenen Brücken, unterspülten Straßen und voll gelaufenen Kellern. In Lagodheki! Da, wo Pet und Oskar auf uns warteten! Das Unwetter, in welchem wir ausharrten, hatte 2500m unter uns für heftige Überschwemmungen gesorgt!

Wir wurden eine weitere Nacht aufgenommen und rundum verköstigt und am vierten Tag unserer Tour hörte der Regen auf, sodass wir weiter konnten. Unser eigentlicher Plan war, nicht mehr zur zweiten Schutzhütte zu gehen und die „Runde“ voll zu machen und auch den „Black Stone Lake“ auszulassen, aber nachdem wir etwa 50 Höhenmeter weiter oben waren, klarte es etwas auf und wir entschieden spontan, den längeren Rückweg zu nehmen, um den See doch noch zu sehen.

Und der See war den langen Weg wert! Ich hatte ihn mir größer vorgestellt, denn die Grenze zwischen Georgien und Dagestan verläuft genau in der Mitte. Es sieht aus, als würde er am russischen Ufer hinter den Horizont auslaufen, Wolken waberten über das Wasser, dicke, schwarze Kaulquappen schwammen im Wasser, das klarer war als die Luft. Es war so schön, fast mystisch! Seit 2 Tagen waren außer uns keine anderen Besucher im Nationalpark unterwegs, wir hatten das gesamte Schutzgebiet nur für uns. Und als das Wetter immer mehr aufklarte, war es ein so großartiges Gefühl, ganz allein in dieser unendlichen Schönheit der Natur zu sein, dass auch „mein“ Pferd Nischa voll Energie über die Hochebene flog.

Über uns kreisten riesige Raubvögel mit großen Spannweiten und endlich, endlich sah ich auch Steinböcke! Ein weiteres Argument außer dem Gepäcktransport für die Pferde war auch, dass man mit Pferden mehr wilde Tiere sieht, da die Pferde den Menschengeruch verdecken. Doch wir glauben, dass alle Tiere 5m neben uns im Nebel saßen und uns ausgelacht haben. Umso toller war es, als unser Guide zwei Steinböcke entdeckte, die wie schwerelos in einer senkrechten Felswand herum sprangen.

Leider wurde es ab da auch für uns senkrecht. Wir hatten 2500 Höhenmeter abwärts vor uns – oder eigentlich mehr, denn es ging in stetigem bergauf und steilem bergab gen Talsohle. Es war so steil, dass das Pferd unseres Guides manchmal verweigerte und Jan irgendwann raus hatte, mit welchem Schmatzlaut er hinter dem Pferd stehen musste, damit es doch dem Zug am Zügel unseres Guides in die Tiefe folgte. „Mein“ Pferd Nischa und Jans Barzan tänzelten fast gelangweilt in die Tiefe, dass ich mich fragte, ob die beiden sich vielleicht für Steinböcke hielten und nicht wussten, dass sie Pferde sind?

Für uns war der Abstieg schwerer, denn durch den Dauerregen war es glitschig und rutschig, mir war komischerweise kein neues Profil unter die Schuhsohlen gewachsen und die gewohnten Wanderstöcke standen ja in Krefeld in der Garage. Auch unser Guide schlitterte öfter gefährlich herum, doch der Abstieg über die andere Seite des Gebirgszuges war unmöglich geworden, weil der zu querende Fluss zu viel Wasser führte. Das war der Fluss, den wir im Fernsehen gesehen hatten…

Unsere Oberschenkel brannten und zitterten, 2500 Höhenmeter im freien Fall bergab war eine Belastung, die wir bisher nicht kannten. Für die letzten etwa 500 Höhenmeter durfte ich aufsitzen. Und auch nicht wieder absitzen, denn unser Guide verstand nicht, dass ich meinen eigenen zwei Füßen mehr traute als mehr als 2m über dem Boden vier Pferdehufen zu vertrauen. Doch Nischa tänzelte wie eine Ballerina dem Tal entgegen und bald saßen wir alle drei wieder im Sattel und vertrauten unseren tierischen Freunden.

Die letzten 2 Kilometer des Wanderweges waren identisch mit dem Weg zum Wasserfall, den wir jedoch nicht wieder erkannten: der Fluss war ein wütend brausender Strom geworden, der Baumstämme wie Mikado in die Landschaft dekoriert hatte, der Wanderweg war nun ein Bach, in dem wir bergab trotteten. Und mein Knie? Sagt gar nix dazu, weil es wie neu ist. Ich hatte echt vergessen, dass da was war!

Nach vier Tagen mit Nischa tat der Abschied mir wirklich weh, noch nie habe ich so viel Vertrauen in ein Tier gelegt, noch nie habe ich eine solche Leistung bei einem Pferd gesehen – und das obwohl ich mit Pferd schon durch die Anden bin!

Zurück in unsere paradiesischen Unterkunft wartete das rührige Ehepaar schon mit viel leckerem Essen auf uns. Sie hatten während des Unwetters Pet und Oskar mit Plastik abgedeckt und waren ganz in Sorge, ob wir auch bleiben würden, denn seit dem Unwetter gab es kein Wasser im Ort. Wir blieben. Und wir blieben noch einen weiteren Tag, ließen uns verwöhnen und versuchten, unseren höllischen Muskelkater ausheilen zu lassen.

Jan sagt, der Muskelkater sei so schlimm wie nach einem Marathonlauf. Da ich noch keinen Marathon gelaufen bin, kann ich nur sagen: so lange hatte ich noch nie so schlimm Muskelkater! Und zwar nicht vom Reiten, sondern vom 2,5km Höhendifferenz in 5 Stunden rutschigem Marsch in freiem Fall. Auch wenn wir heute noch Treppen meiden und es auch nach 4 Tagen immer noch zwickt in den Beinen, so sind wir mehr als glücklich darüber, das alles erlebt zu haben! Aus 3 Tagen Trekking wurden 4 Tage Abenteuer, wir erlebten die unberührte Natur in völliger Einsamkeit, denn teilten wir an den ersten Tagen uns den Nationalpark mit 6 weiteren Wanderern, so hatten wir das Schutzgebiet um Schluss ganz für uns allein.

Wir wissen, dass die anderen Bergregionen Georgiens vergleichsweise überbevölkert sind und sind nun etwas ratlos, wohin wir fahren sollen. Nachdem wir die Berge Aserbaidschans ohne Touristen genießen konnten und denselben Luxus im Lagodheki Nationalpark erlebten, zögern wir nun, andere Bergregionen Georgien anzusteuern. Kann es da auch so schön sein, wie wir es erleben durften? Seid gespannt, wohin wir Pet und Oskar morgen steuern – wir selbst wissen es auch noch nicht!

Falls Ihr Euch noch an unser Offroad-Abenteuer in den Bergen Aserbaidschans erinnert… Jan hat ein tolles Video dazu geschnitten, schaut es Euch an:

Hier im Blog sind wir nur etwa alle 2 Wochen aktiv und schaffen es auch nicht, immer alles aktuell zu halten, denn schließlich liegt das Reisen im Vordergrund. Ihr dürft aber gerne unseren Kanal bei YouTube abonnieren, dann gibt’s die Videos immer „frisch“ für Euch. Unser Aserbaidschan Fotoalbum ist auch fertig. Wir suchen immer noch nach einer Möglichkeit, die Fotos mit wenig Zeitaufwand genauso gut und mit Kommentarfunktion, Ortsangabe etc. wie auf Facebook irgendwie auf unsere Webseite zu integrieren. Bis dahin gibt es die Alben nur auf Facebook mit Bildbeschreibung und Ortsangabe: Aserbaidschanfotos auf Facebook und für alle, die kein Facebook nutzen wollen, hier: Fotodurcheinander aus Aserbaidschan

Da es immer ein großer (Zeit-) Aufwand ist, hier im Blog einen Beitrag zu verfassen, es aber easy ist, unterwegs schnell vom Handy ein paar Fotos oder bewegte Bilder auf Facebook zu teilen, folgt uns doch unter traveLove auf Facebook für kleine Appetithäppchen zwischendurch. Und für das eine oder andere Fotoalbum, welches es nur dort gibt.

Die Fotos zur Pferdetour sind im Facebookalbum als neuer Upload erkennbar, im anderen Album in der Cloud müsst Ihr halt suchen, evtl. am Ende des Albums?