Warum wir an Pamukkale und Istanbul vorbei gefahren sind? Hier erfahrt Ihr es. 😊 Das mit Istanbul ist schnell und einfach erklärt: wir waren letzten Februar (2020) schon eine ganze Woche in Istanbul, als „Visarun“ mit kasachischer Pauschalreise last minute. Hier könnt Ihr das nachlesen: Visarun nach Istanbul. Und wir waren beide in der Vergangenheit schon mehrmals dort, sodass wir nun nicht nochmal hinmussten. Außerdem finden wir mittlerweile, dass uns Izmir viel besser gefällt!

Aus ursprünglich geplanten zwei Nächten in Izmir wurden drei, denn Izmir ist so entspannt untouristisch und unverbogen! Wir liefen durch den Bazar, in dem sich das Warenangebot nach dem Bedarf des türkischen Alltags richtet und nicht nach dem der Touristen. Souvenirs? Glaslampen? Tüttelkram und Kitsch? Fehlanzeige!

In Izmir wird der türkische Kaffee direkt in der Tasse gekocht: super heiß! Aber geschmacklich kein Unterschied, finden wir. Wir liefen durch das jüdische Viertel, kauften Obst auf dem Markt, schlenderten die Uferpromenade entlang und gönnten uns ein türkisches Frühstück. Wer das nicht kennt, sollte beim nächsten Türkeibesuch unbedingt zum Frühstück ausgehen: es ist eine kulinarische Tradition und wird zelebriert! Man braucht Zeit, viel Zeit. Und viel Platz im Bauch. Wir haben in Izmir nur ein Frühstück für eine Person bestellt und es trotzdem nicht geschafft, aufzuessen. So ist das immer. Probiert das mal!

Als wir uns von Izmir trennen konnten, war unser Passat Hans, den wir samt Schlüssel bei einem „Parkservice“ abgegeben hatten, natürlich weder geklaut noch ausgeräumt. Diese Ängste überlassen wir denen, die noch nicht gelernt haben, dass die Welt grundsätzlich gut ist und dass in Deutschland mehr geklaut wird als in den „gefährlichen“ Ländern. Aber Danke, dass Ihr Euch für uns Sorgen gemacht habt, nachdem wir so unseren letzten Blogpost “Versteckte Sehenswürdigkeiten der Türkei” beendet hatten! 😊

Wir waren anfangs etwas unschlüssig, ob wir an die türkische Küste fahren sollten oder nicht. Überall erzählte man uns, dort sei nur „Moloch“, Massentourismus, zugebaute Küste, vom Massentourismus „geldgierig“ gewordene, „unfreundliche“ Türken, schlechtes Essen und mehr Unheil. Und wir hatten auch diese Vorurteile. Aber wir wagten es trotzdem. Denn nur wer da war, kann mitreden. Und waren die, die das alles besser wussten auch wirklich da oder haben sie aufgrund dieser „Ratschläge“ die Region auch umfahren oder sich falsch informiert und sind deswegen in solche „Touristenfallen“ geraten?

Von Izmir aus fuhren wir nach Alacati, das unter Surfern bekannt ist, aber ansonsten eher nicht, denn es gibt keinen Strand im Dorf. Das Dörfchen ist autofrei, die engen Gassen sind gesäumt von kleinen Boutique Hotels, netten Cafés und Restaurants in Innenhöfen voller Blumen und schönen Lädchen mit Handwerkskunst und ein Publikum, das zu den hohen Übernachtungspreisen passt, gemischt mit ein paar Surfern aus der nächsten Bucht. Ganz unser Ding!

Unser Übernachtungsplatz war auch toll: ein kilometerlanger Strand, an dessen Ende ein paar Wohnmobile „Gruppenkuscheln“ betrieben, in der Mitte jedoch war niemand und so fanden wir unser eigenes kleines Paradies, schön schattig unterm Baum mit direktem Meerblick aus dem Bett samt Meeresrauschen zum Einschlafen. Herrlich!

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Ephesus. Wo früher rund 250.000 Menschen lebten, konnten wir fast ganz allein durch die Prachtstraßen schlendern, die Ruinen erkunden und ganz in Ruhe die „Terrassenhäuser“ bewundern: die kosten zwar extra Eintritt, sind es aber 10x wert!

Selbst der Wandputz mit bunten Fresken und der Mosaikboden der 6 Wohneinheiten ist noch original erhalten! Das Amphitheater wurde gerade restauriert, aber das macht nichts, auch ohne Amphitheater reiht sich Ephesus auf unserer persönlichen „Hitliste historischer Stätten“ direkt hinter Palmyra in Syrien auf Platz zwei ein.

Obwohl oder weil es geregnet hat, haben wir den Besuch von Ephesus voll ausgekostet: nicht zu heiß, keiner da. Außer nach dem Regen eine Reisegruppe aus Bulgarien und eine aus den USA. Das war’s. Wir haben den halben Tag in den Ruinen verbracht und es sehr genossen.

Als wir wieder im Auto saßen, kamen wir spontan auf die Idee, nach Bodrum zu fahren. Ja, genau: das Bodrum, bei dem alle an Massentourismus denken, dabei aber vergessen, dass die großen Hotelkomplexe von TUI, Neckermann & Co gar nicht in Bodrum sind, sondern auf der Bodrum Halbinsel. Die Stadt Bodrum selbst ist wirklich hübsch und hat steile, enge Gasen mit weißen Häusern und gleich zwei Yachthäfen. Und genau die bestimmen das Publikum und die Preise: selbst ein Sesamkringel vom Bäcker kostet in Bodrum 25 Cent statt 15 im Rest des Landes!

Das Volk, was auf der Promenade flaniert, zeigt auch deutlich, dass Geld keine Rolle spielt und man es am besten in den eigenen Körper investiert: wir haben noch nie so viele „Schönheits“-operierte Menschen gesehen wie dort! Extreme Stupsnasen, Katzenaugen, Gel-Wangen, Silikonbrüste, Schlauchbootlippen und Gelkissen-Popos in Hülle und Fülle! Wir taten uns mit der „exklusiven“ Preisgestaltung der Restaurants etwas schwer und endeten bei richtig schlechtem, viel zu teurem Essen von dem wir bis heute nicht wissen, ob es „echt“ und der Käse nicht „Analogkäse“ war und der Teig aus der Packung kam… Unser Hotel hatte Dachterrasse mit Blick über die Bucht und der war inklusive. Jetzt waren wir mal in Bodrum und kommen erst wieder, wenn wir unsere Körper „verschönert“ haben oder Maserati, Lamborghini, Bentley oder Rolls-Royce fahren…

Aber selbst auf der als „von Massentourismus verseucht“ verschrienen Bodrum Halbinsel fanden wir ein Örtchen, in dem wir uns vorstellen könnten, den „nächsten Lockdown“ auszusitzen, falls wir dann gerade in der Nähe sein sollten: Gümüslük! Eine kleine Bucht, die so schmal ist, dass die Cafés und Restaurants ihre Tische direkt ans Wasser in den Sand stellen. Bei steigender Tide bekommt man halt nasse Füße, aber genau das macht das Flair des Örtchens aus: bunt, entspannt, etwas Alt-Hippie und voll netter Ecken zum Kaffeetrinken oder Fischessen.

Statt China-Souvenirs gibt es dort einen kleinen Markt mit Handwerkskunst, auf dem ich mit einem kleinen Armband fündig wurde: mein erstes Souvenir seit Jahren! Gümüslük ist einfach goldig und wenn Jan nicht sein Telefon in Bodrum vergessen hätte, wären wir vielleicht geblieben. So fuhren wir dann doch weiter und fanden einen wirklich schönen Stellplatz in einer Bucht, in der auch einige Segelboote ankerten.

Leider wussten Einheimische natürlich auch von der Bucht und je später es wurde, desto mehr feierten sie mit Derwisch-Musik und Trommeln. Uns wurde das zu viel und wir suchten zu Sonnenuntergang einen besseren Stellplatz für die Nacht. Den fanden wir in der Nähe eines Funkmastes. Als wir im Bett lagen, sprang dort allerdings das Notstromaggregat an und wir beschlossen genervt, mit Ohrenstöpseln zu schlafen, statt zum dritten Mal an einem Abend einen Schlafplatz zu suchen… „Vanlife“ ist in Wirklichkeit nicht immer romantisch und toll, nur erzählt das keiner…

Wir fuhren recht früh weiter auf kleinsten weißen Sträßchen entlang der Steilküste in Richtung der Datca Halbinsel. Die Ausblicke von der Straße sind einfach spektakulär! Man darf nur keine großen Straßen nehmen, die führen geradeaus durchs Hinterland statt krummbucklig durch Dörfchen und an wilden, einsamen Buchten vorbei. Omas bieten an Straßenständen Tee vom Feuer an und alles wirkt verschlafen. In Akyaka (auch hübsch und entspannt) kauften wir auf dem Wochenmarkt ein und bogen dann auf die Datca Halbinsel ab.

Ich hatte eine Route herausgesucht, die auf so engen und kleinen Straßen und über so spitze und steile Serpentinen führte, dass wir froh waren, kein größeres Fahrzeug zu haben. In solchen Situationen lächeln wir immer über alle die meinen, uns erklären zu müssen, wir kämen mit unseren Fahrzeugen „nirgendwo“ hin. Nun, Ihr Lieben, wir kommen im Gegensatz zu Euch da hin, wo es richtig schön ist und schon 7m Wohnmobile kapitulieren müssen und wie Lemminge alle auf ausgetretenen Pfaden Ihresgleichen hinterher rollen! Uns kam auf der tollsten Straße nur ein einziges Auto entgegen. An einem ganzen Nachmittag. Ein Audi. 😊 Die Natur der Datca Halbinsel ist rau und wild, felsig und einsam, wildromantisch und ganz nach unserem Geschmack. Nur der „Hauptort“ Marmaris ist wie eine in sich geschlossene „Kapsel“ des Massentourismus mit riesigen Hotelanlagen entlang einer in unseren Augen wenig attraktiven Bucht.

Zum warmen Abendlicht und Abendessen trudelten wir in Eski Datca ein, einem Dörfchen, wie wir es lieben: autofrei, alte Häuser mit Charme, Handwerkskunst, kleine Cafés mit hausgemachten Spezialitäten und regionale Küche in hübschen Restaurants. Die Datca Halbinsel ist bekannt für Mandeln und so probierten wir die lokale „Limo“nade aus Mandeln. Ziemlich süß!

Weil wir zu lange durch das Dörfchen geschlendert sind und zu ausgiebig geschlemmt hatten, war es schon fast dunkel, als wir aus dem Örtchen herausfuhren. Nicht die besten Voraussetzungen zur Schlafplatzsuche! Wir wurden aber akzeptabel fündig und machten uns „bettfertig“. Beim Zähneputzen schaute ich bergauf und – oh – was war das? Rauch und lodernde Flammen! Über uns im Militärgebiet brannte der Wald! Hastig packten wir zusammen und fuhren 20km gen Festland, um einen vor dem Waldbrand sicheren Schlafplatz zu finden. Puh! Die zweite Nacht, in der wir umziehen mussten!

Wir verließen morgens die Datca Halbinsel wieder und freuten uns auf ein Bad. Nicht wie Ihr denkt, ganz anders. Ein Schlammbad! Am Köycegiz See gibt es heiße Quellen und heißen Schlamm. Für 1€ Eintritt kann man dort in diversen Becken baden und eins davon ist mit heißem Schlamm gefüllt. Angeblich hilft er gegen fettige Haut und andere Gesundheitsprobleme.

Da wir keine Gesundheitsprobleme haben, hatten wir einfach nur Spaß mit der Matsche und taten es den Einheimischen gleich, die sich komplett damit einrieben und dann am Seeufer solange in der Sonne lagen, bis der Schlamm angetrocknet war und man sich wie eine Echse fühlt. Dann springt man in den See und wäscht alles wieder ab. Geduscht wird mit warmem Wasser aus den Thermalquellen und so traten wir nach diesem Spa-Aufenthalt porentief rein die Weiterfahrt an.

Die Lykischen Felsengäber waren zwar geschlossen, aber für uns mit unserem kleinen Fahrzeug bedeutete das keinen Umweg: es gibt eine klitzekleine Fähre über den Fluss, auf die Hans gerade noch so passte! Klein sein muss fein sein!

Auf der Fähre schipperten wir an Ausflugsbötchen vorbei, die Ausflügler in das riesige Flussdelta brachten, welches Dalyan vorgelagert ist und von einer Art Haff, dem Iztuzu Strand, zum Meer hin abgeriegelt ist. Dalyan hat sich auf diese Art von Ökotourismus spezialisiert. Es gibt dort nur kleine Pensionen, Fahrradwege und kleine Restaurants und Cafés, obwohl der Strand spektakulär schön ist. So gefällt uns das!

Der Iztunzu Strand ist, wäre der Sand weiß, sicherlich einer der schönsten Strände, die wir je gesehen haben. Aber auch mit gelbgrauem Sand ist er schön: 4,5km lang und einsam, denn hier nisten Schildkröten und Menschen dürfen nur zu festgelegten Uhrzeiten an den Strand! Am Strand gibt es eine Schildkrötenschutzstation, die von Schiffschrauben, Netzen oder Menschen mutwillig verletzte Schildkröten wieder aufpäppelt und dafür sorgt, dass die Nester am Strand nicht ge-/zerstört werden. Jede Nacht wird Patrouille gelaufen. So, wie ich (Silke) es selbst als Volunteer 2013 auf den Kapverden bei der Turtle Foundation gemacht habe! Schildkröten sind daher meine besonderen Freunde und ich habe mich gefreut zu erfahren, dass die vom Aussterben bedrohte „green turtle“ hier vorkommt. Diese Schildkrötenart heißt auf Deutsch schlicht „Suppenschildkröte“ und das ist einer der Gründe dafür, dass es nur noch so wenige davon gibt…

Nach zwei ziemlich durchwachsenen Nächten fanden wir einen traumhaften Stellplatz: 500m oberhalb des Strandes mit atemberaubendem Blick über die gesamte Bucht! Hans war auch ganz atemlos, als wir dort oben ankamen, es war ziemlich steil und der Schotter teilweise recht lose. Das Glück war perfekt: die ganze Naht störte uns nichts und niemand und wir konnten einen Abend oberhalb des Schildkröten-Paradieses genießen. An der Aussicht konnten wir uns nicht satt sehen! Traumhaft! Und wieder wurde uns bewusst, wie wenig wir doch vor dieser Reise von der türkischen Küste wussten und wie blöd wir waren, denjenigen Glauben zu schenken, die uns rieten, nur im Inland zu bleiben, die Küste sei „vom Tourismus verseucht“. Die türkische Küste ist an so vielen Ecken so viel mehr „Öko“ und „Natur“ als jedes x-beliebige Nord- oder Ostseedorf!

Nun wäre der Zeitpunkt gewesen, gen Norden, nach Pamukkale abzubiegen. Aber wir fuhren weiter die angeblich so touristische Küste entlang und haben bis heute nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wir hatten gelesen, dass Pamukkale nicht das ist, was man auf Bildern sieht. Und wir hatten von anderen Reisenden erfahren, dass zurzeit kein Wasser in den Becken ist. Andere Quellen berichteten, es gäbe einige wenige mit Wasser gefüllte Becken, das seien aber die, die künstlich aus Beton errichtet worden waren, um die ehemalige Straße, die durch die Kalksinterterrassen führte, nachträglich wieder „zu verstecken“ und um Becken zu haben, in denen man Touristen plantschen lassen kann. Fazit: wenn man Wasserbecken sieht, sind sie Fake und für Touristen gebaut. Solche Terrassen gibt es nicht nur in Pamukkale (zum Beispiel auch im Iran und das viel farbenfroher!) und so müssen wir uns das nicht geben.

Das Amphitheater oberhalb der Sinterterrassen soll noch beeindruckend sein, aber wir fanden das in Pergamon schon außergewöhnlich und haben in unserem Leben schon so viele tolle Amphitheater gesehen, zum Beispiel erst im März in Tunesien, dass wir nicht deswegen bis Pamukkale fahren müssen. Vielleicht fahren wir irgendwann dort hin, wenn das Thermalwasser, welches die Sinterterrassen gebildet hat und sie früher füllte, nicht mehr in die Hotelpools fließt, sondern Pamukkale wieder zu dem macht, für das es bekannt ist.

Wir fuhren nach Xanthos. Auf dem Weg nach Xanthos kommt man am Saklikent Canyon vorbei. Schon viele Kilometer vor der Schlucht war klar, dass das ein Ziel der Spaßgesellschaft aus all-inclusive Resorts aus Antalya und Fetiye ist: Souvenirgeschäfte, Restaurants groß genug für ganze Busladungen, Werbeplakate für Rafting, Gummiboote, „off road“ Fahrten und „Canyoning-Abenteuer“. Alle paar Kilometer überholten uns in rasanter Fahrt Fahrzeuge, bei denen die Touristen auf der offenen Ladefläche von umgebauten Kleintransportern oder Geländewagen im Fahrtwind saßen. Krass! Das ist das, was diejenigen wohl im Kopf hatten, als sie uns rieten, uns von der türkischen Küste fernzuhalten! Der Canyon selbst muss wirklich schön sein, aber wir können uns nicht vorstellen, die Natur dort wirklich zu genießen. Also fuhren wir am „Touristenzirkus“ vorbei, 19km weiter nach Xanthos.

Obwohl UNESCO Weltkulturerbe, war nur eine russische und eine türkische Familie vor Ort. Xanthos war zur Zeit des Lykischen Bundes Hauptstadt und bis heute sind die „üblichen Strukturen“ einer Stadt der Antike erhalten: Amphitheater und Marktplatz (Agora). Fast hätten wir den spektakulären Teil der Anlage übersehen! Bei 1,50€ Eintritt sind Wegweiser einfach nicht inklusive. Im Reiseführer stand, welchen Pfad man einschlagen muss, um zur Nekropole von Xanthos zu kommen. Und dort gibt es nicht nur die Felsengräber, für die die Lyker bekannt, sind, sondern auch Pfeilergräber mit reich verzierten Sarkophagen! Sehr „anders“ und interessant!

In Tlos, einer weiteren Stadt der Lyker, waren wir jedoch enttäuscht. Für den einen Euro Eintritt durfte man fast nichts sehen, alles war hinter Zäunen abgesperrt und das Felsrelief, das Pegasus (das fliegende Pferd) zeigt, haben wir auch nicht gefunden, obwohl ich 2x alles abgelaufen bin. Nun ja, wir beschlossen einfach, es sein zu lassen und nach Kayaköy zu fahren, um dort das Abendlicht zu genießen.

Kayaköy ist ein sogenanntes „Geisterdorf“, in dem etwa 500 Häuser stehen, die 1923 nach dem Vertrag von Lausanne verlassen wurden, weil die dort lebenden Griechen alle vertrieben wurden. Heute ist das Dorf, das malerisch am Hang liegt, ein von der UNESCO als „friendship and peace village“ geschützter Ort, um den herum es Ökotourismus auf Biohöfen gibt, mini Ökocampingplätze und kleine Restaurants, in denen „Oma“ auf dem Boden hockt und den Teig für Gözleme (riesige herzhafte, über Feuer auf Eisenplatte gebratene Pfannkuchen) dünn walzt. Seit Tagen essen wir übrigens Gözleme in allen Variationen: mit Portulak, Petersilie, Käse, Kartoffeln, Auberginen, Spinat, Pilzen und mehr gefüllt. Jeden Tag anders, aber immer 1,50€ pro vollem Bauch 🙂

Wir streunerten entspannt durch das Dorf, fanden in den zwei Kirchen und 14 Kapellchen noch Wandfresken, entdeckten Toiletten, Zisternen und Kaminöfen und stellten uns vor, wie toll das Dorf früher ausgesehen haben muss: weiß verputzt mit blauen Fensterumrahmungen. Griechisch eben! Noch so ein Ort in direkter Nähe zum vom Tourismus überrollten Fethiye, der ganz entspannt und „öko“ ist! Durch Fethiye sind wir auch gerollt, aber das Partyvolk dort ist nicht ganz unser Geschmack. Wir fanden einen Nachtplatz mitten im Kieferwald und schliefen zu Kiefernduft und Zikadengezirpe ein.

Von dort aus musste Hans ziemlich hart ran: wir fuhren auf den kleinsten weißen Sträßchen die Küste entlang. Und das bedeutet: 10% Steigung und mehr in engen Serpentinen bergauf, dann zur nächsten Bucht wieder hinab und sofort wieder hinauf. Hoch und runter. Erster Gang, zweiter Gang. Und so traumhafte Ausblicke auf die Küste, dass wir nicht wussten: fahren oder gucken?

Die Straße endet in Kabak, einem autofreien Ökodorf um eine traumhafte Bucht herum gelegen. Hier kann man Holzhütten oder „Bubbles“ mieten und tagelang in aller Ruhe und Abgeschiedenheit aufs Meer gucken. Ein paar Urlauber, ein paar Backpacker, viel Natur und Entspannung pur. Ein herrlicher Ort am Ende einer Sackgasse, auf der wegen der Enge der Straße sowieso kaum jemand fährt. Wir bestellten Kaffee und bekamen ihn mit Blüten dekoriert serviert. Dieser Ort wirkt so liebevoll!

Um aus der Sackgasse wieder herauszukommen, musste Hans wieder schuften, so steil und eng ging es, der Küstenlinie folgend, auf kleinsten Sträßchen bergauf und bergab. Die Blicke waren paradiesisch und wieder Mal waren wir froh, Hans zu fahren und kein größeres, längeres oder breiteres Fahrzeug, denn damit wäre es wirklich schwierig bis unmöglich. Irgendwie erinnerte uns die Küste mit den vorgelagerten Inseln, den tiefen „Fjorden“, schmalen „Schären“ und steilen Klippen an Norwegen. Bloß ohne „Weißware“ (Wohnmobile), ohne Touristen, mit besserem Wetter, leckererem Essen, erschwinglichen Preisen, mückenfrei und mit angenehmen Temperaturen. Wir genießen die türkische Küste sehr!

A propos „Norwegen“ und „Skandinavien“: in Finnland haben wir ja bei unserer EISREISE (Unser Buch: Eiskalte Hochzeitsreise. Auf zwei Motorrädern im Winter zum Nordkap) den Weihnachtsmann besucht, hier konnten wir den Nikolaus besuchen! Der kommt nämlich aus Myra und ist eine historische Person. Nicht dass wir glauben, der Weihnachtsmann sei fiktiv (nein, den gibt es wirklich, davon sind wir fest überzeugt!), aber auch den Heiligen Nikolaus kennenzulernen, beziehungsweise den Ort, wo er herkommt, erschien uns reizvoll.

Was wir nicht erwartet hatten: weil die Kirche des Heiligen Nikolaus von Myra ein Wallfahrtsort der russisch-orthodoxen Kirche ist, war erstens alles auf Russisch ausgeschrieben (das können wir sogar besser als Türkisch) und zweitens auch das Eintrittsgeld so gestaltet, dass ein weit angereister russischer Pilger zwar mit der Wimper zuckt, es aber trotzdem zahlt, weil er ja nun endlich da ist. Für uns war der Nikolaus nicht so wichtig, das Eintrittsgeld entsprach 10 Gözleme, um das mal zu den Lebenshaltungskosten hier ins Verhältnis zu setzen.

Wir investierten unser Geld lieber in die lykischen Ruinen von Myra und bestaunten dort, wie schon zuvor in Tlos, die lykischen Felsengräber und ein allerbestens erhaltenes Amphitheater. Der Unterschied zu den bisherigen Amphitheatern besteht in den perfekt erhaltenen Steinfriesen mit Theatermasken.

Wir reisen ja mit bulgarischem Kennzeichen und merken, wie anders man damit wahrgenommen wird im Vergleich zu deutschen Kennzeichen. Bisher haben wir in der Türkei nur bulgarische Kulturreisende getroffen. Die Bulgaren haben ja selbst tolle Strände und fahren höchstens nach Griechenland in Strandurlaub, nicht in die Türkei, das machen die Deutschen. Und die Türken fahren seit Generationen nach Deutschland, aber nicht nach Bulgarien. So sind wir hier als „Bulgaren“ völlig unbehelligt, keiner spricht Bulgarisch, also spricht uns auch niemand mit Hans an. Außer einer, der hatte sogar auf uns auf dem Parkplatz gewartet, weil er unser Kennzeichen gesehen hat: ein Bulgare, der in der Türkei arbeitet und sich so gefreut hat, endlich Landsleute zu treffen! Dass wir gar keine Bulgaren sind, störte ihn dann wenig in seinem Redefluss. Er freute sich so, Bulgarisch zu reden!

Eigentlich wäre es nun an der Zeit gewesen, uns irgendwo am Strand eine Essensbude zu suchen, den Sonnenuntergang zu gucken und dann einen Schlafplatz zu finden. Doch wir hatten noch eine Nachtwanderung vor: auf den Chimaera, den „brennenden Berg“, der seit über 2000 Jahren aus natürlichen Gasquellen brennt und in der Antike Seefahrern den Weg gewiesen haben soll. Heute sind die Flammen maximal 60-70cm hoch und von Wald umgeben, also nicht mehr als „Leuchtfeuer“ zu gebrauchen.

Wir stellten uns vor, wie wir romantisch im Dunkeln um ein Feuerchen sitzen und einen lauen Abend verbringen würden, doch daraus wurde nichts: eine Gruppe aufgeregter russischer Grundschulkinder mit Taschenlampen (und ihren Eltern) arbeitete sich durch den Wald den Berg hoch. Alle plapperten vor Aufregung durcheinander, kicherten im Dunkeln und waren völlig aus dem Häuschen, als sie die Feuerchen entdeckten. Sehr süß! Nur mit dem romantischen Abend am Feuer war es vorbei und wir machten uns lachend an den Abstieg.

Unser Schlafplatz war an einem kleinen Fluss, in dem wir morgens badeten. Es fühlte sich wieder wie im Paradies an: morgens von Vogelgezwitscher in der Natur geweckt werden, in einem tropisch anmutenden, bilderbuchhaften Fluss baden und dann an einen Strand fahren, der von Felsen umgeben an die Copacabana erinnert. Bloß ohne Stadt drumrum.

Der Strand ist auch ein Nistgebiet für Meeresschildkröten und der WWF unterstützt das kleine Dörfchen Cirali, in dem Ökotourismus geboten wird. Die Urlauber wohnen in Holzhüttchen oder kleinen Pensionen und sobald es dunkel wird, werden die Lichter im Örtchen gedimmt und die Musik ausgeschaltet, um die Schildkröten nicht zu stören.

Wir gönnten uns ein richtiges, türkisches Sonntagsfrühstück in einem Restaurant, in dem es einen ZEIT Artikel von 2009 zu lesen gab. Damals wurde unter dem Titel „Türkei, all exclusive“ über Cirali berichtet und heute, 12 Jahre später, hat sich nichts verändert: mitten im Ort wachsen Orangen (aus denen Opa an der Straße Saft presst) und Einheimische und Gäste leben in Rücksicht auf Natur und Schildkröten. Und das keine 80km von Antalya entfernt! Hättet Ihr gedacht, dass es so viel wilde Natur, Ökotourismus und alternative Urlaubsangebote an der türkischen Küste gibt? Wir nicht!

Also, gelesen hatten wir davon, aber Papier ist ja geduldig. Dass es wirklich sehr viele solche ganz anderen Ecken gibt und wir sicherlich nicht an allen „Öko-Ecken“ waren, hat uns dann auch sehr positiv überrascht! Antalya als Synonym für Massentourismus ist nun unser „Zuhause“ für die nächsten 4 Nächte. Mitten in der wunderschönen Altstadt (genau, die gibt es!) sitzen wir nun in einem Boutiquehotel mit schnellem Internet und „schaffen was weg“, denn die 36 Cent pro Liter LPG für Hans müssen schließlich auch bezahlt werden! Und so ganz nebenbei lassen wir den Dreckwäscheberg waschen, denn zusätzlich zu unserem Handgepäck haben wir ja auch noch „Haushaltswäsche“ wie Bettwäsche und Küchenhandtücher zu waschen. Und Bettlaken waschen wir nun wirklich nicht im Waschbecken per Hand selbst! Kleine Reisepause also. Und dann geht es weiter. Ob wir weiterhin so viel „öko“ finden?

Bis dahin könnt Ihr ein weiteres “neues” Video anschauen: Ende Oktober waren wir zu sechst mit drei Fahrzeugen in Bulgarien unterwegs. Und Hans als kleinster der Truppe hat sich wie ein echter “Overlander” aufgeführt und mit Sand um sich geworfen. 🙂 Schaut hier:

Nochmal als Zusammenfassung die ganzen Örtchen für Euch:

  • Alacati: Örtchen bei Izmir ohne Strand, mit Surferbucht und netten Boutiquehotels
  • Gümüslük: enge Bucht mit Restaurants am Meeressaum, Alt-Hippie und lecker Fisch
  • Eski Datca: autofreie Altstadt von Datca mit Mandel-Limo
  • Sultaniye: Matschbad
  • Dalyan: Ökotourismus im Flussdelta
  • Iztuzu Beach: Traumstrand als Schildkröten-Schutzgebiet
  • Kayaköy: Geisterdorf
  • Kabak: Ökodorf in Steilküste am Ende der Sackgasse
  • Cirali: Ökodorf mit Schildkrötenstrand und “brennendem Berg”

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