Wir haben in der vergangenen Woche viel gesehen, erlebt und vor allem: gelernt. Und was wir gelernt haben, hat unser Weltbild ein wenig neu geordnet: wir waren drei Nächte zu Besuch auf einer Palmölplantage.

Ja, man könnte uns „Ökos“ schimpfen: wir „fressen“ Biolebensmittel, nutzen Naturkosmetik, konsumieren kritisch, Silke hat im Biohandel gearbeitet und wir haben ein Haus in Lehmbauweise. Aber dennoch konsumieren wir wie Ihr jährlich Unsummen von Palmöl, weil man dem kaum entkommt. Es steckt in Biodiesel, in Seife, Kosmetika und vielen, vielen Lebensmitteln, die wir im Alltag konsumieren – nicht nur von Nestlé. „Jeder weiß“, wie schlimm Palmöl ist: Urang Utans verlieren ihren Lebensraum, Böden werden vergiftet, Menschen ausgebeutet und die Natur zerstört. Palmöl wurde zum Sinnbild des Bösen. Doch wir haben in unserer Zeit auf der Plantage gelernt: man muss differenzieren und darf nicht pauschalisieren. Eigentlich logisch, aber bei Palmöl ist der gesellschaftliche Konsens durch die einseitige, massive Berichterstattung so extrem negativ, dass das auch den objektivsten Menschen schwerfällt. Ein Erklärungsversuch.

Die Ölpalme, aus der Palmöl gewonnen wird, gehört botanisch nach Westafrika. Von hier kommt sie, hier ist ihr natürliches Verbreitungsgebiet, hier sind Flora und Fauna an sie angepasst – und umgekehrt. Palmöl ist in Westafrika ein fester Bestandteil der traditionellen Küche: jedes Gericht wird darin quasi ertränkt. Ohne Palmöl geht hier nichts. Auch europäische Gerichte wie „Spaghetti Bolognese“ werden mit einem guten Schuss Palmöl „verfeinert“. Für uns gewöhnungsbedürftig, aber ein Beweis dafür: Palmöl gehört nach Westafrika und war schon immer hier.

Auf anderen Kontinenten kommt die Ölpalme natürlicherweise nicht vor, sie wurde dort nur eingeführt, weil die klimatischen Bedingungen dort höheren Ertrag ermöglichen als in Westafrika. Eines der Probleme dadurch: die Natur ist in z.B. Asien nicht für die Ölpalme geeignet, denn die Insekten, die die Blüten der Palme bestäuben und die Früchte erst ermöglichen, fehlen dort gänzlich. Bis man die Insekten in Asien auch noch eingeführt hat, mussten die Blüten mühsam per Hand bestäubt werden. Und weil es in Asien und Lateinamerika nie Palmöl gab und deswegen auch keine Palmölplantagen, sind die dortigen Plantagen ein größerer Eingriff in die Natur als in Westafrika. Aber auch außerhalb von Westafrika ist es möglich, Palmöl nachhaltig und sozial anzubauen, sodass man auch da nicht pauschalisieren darf. Palmöl bedeutet also nicht zwangsläufig „tote Orang-Utans“.

Kein Orang-Utan, sondern grüne Meerkatze. Orang-Utans gibt’s in Afrika nicht.

Orang-Utans gibt es übrigens gar nicht in Westafrika und gab es auch nie. Palmöl aus Westafrika hat also keinen einzigen orangenen Menschenaffen auf dem Gewissen. Das und das alltägliche in Palmöl ertränkte Essen war unser Grundwissen, bevor wir die Einladung des General Managers annahmen, ihn auf der Plantage zu besuchen. Die erste Überraschung dort war: fast die gesamte Belegschaft bestand aus Motorradreisenden. Der Manager packte gerade seine Arica Twin und CRF450R in einen Container (er zieht nach Ghana um), wir sahen eine Enfield Himalayan, eine Triumph Tiger, eine CRF250L und zwei KTM EXC. Zu Besuch kam noch ein CRF300 Rallye Fahrer aus Freetown. Motorradreisende unter sich, die eine Palmölplantage betreiben.

Wir zogen ins Gästehaus ein und genossen erstmal den Luxus einer heißen Dusche, bis es zum BBQ ins „Clubhaus“ ging, zu dem sich die auf der 12.000 ha großen Plantage wohnende Belegschaft jeden Freitag trifft: ein kunterbunter Haufen Fachkräfte aus diversen Ländern: Zimbabwe, Liberia, Frankreich, Tschechei, Mexiko, Belgien, Kongo und sicherlich noch mehr. Es tat uns sehr gut, einen Abend unter hellen Köpfen zu verbringen. Als Langzeitreisende trifft man im Alltag selten hochqualifizierte Menschen und wenn, dann nicht so viele an einem Tisch. Das tat unseren Hirnen echt gut!

Am nächsten Morgen bekamen wir die Plantage gezeigt: Vor 11 Jahren wurde dort von einer luxemburgischen Holding eine schon bestehende, traditionelle Palmölplantage gekauft und Stück für Stück erweitert. Das lief nicht immer problemlos, da dazu Land aus Privatbesitz abgekauft werden musste, aber das würde in Europa auch nicht konfliktfrei passieren, wenn ein Großbauer Kleinbauern Land abkaufen möchte. Fakt ist jedenfalls: die Plantage wurde nicht „in den Urwald geschlagen“, sondern auf schon bestehendes Farmland oder Buschland gepflanzt. Schaut Euch das Foto an: das ist die umgebene Vegetation. Und nun vergleicht das mit einer Plantage: wo ist die Kohlendioxid-Speicherkapazität wohl höher?

Eine nachhaltig bewirtschaftete Palmölplantage kann 70% des Kohlendioxids speichern, die ein Primär-Regenwald (ein absolut unberührter Dschungel) speichern kann. Da es solche Primärwälder kaum noch gibt (in Europa sind das nur noch 0,2%!), ist eine solche Palmölplantage immer ein klimatischer Gewinn. Das war uns auch neu.

Bild von JackieLou DL auf Pixabay

Worüber wir auch nie nachgedacht haben: was sind Alternativen zu Palmöl? Sonnenblumen- oder Rapsöl kommen einem sofort in den Sinn, aber dann muss man sich eingestehen: beide Pflanzen können nur ein Mal im Jahr geerntet werden, die dafür landwirtschaftlich genutzte Fläche nimmt nach der Ernte kein CO2 mehr auf und produziert vergleichsweise wenig Öl. Eine Ölpalme wird alle 14 Tage abgeerntet und liefert das ganze Jahr über 40 Jahre lang Früchte, ohne nach der Ernte Brachfläche zu produzieren. Ein Hektar Ölpalmen kann pro Jahr 3,8 Tonnen Öl produzieren, die gleiche Fläche Raps oder Sonnenblumen ergibt lächerliche 0,8 Tonnen Öl. Ölpalmen produzieren auf gleicher Fläche also rund 5x so viel Öl wie Raps oder Sonnenblumen. Möchte man den weltweiten Bedarf an pflanzlichem Öl nicht mehr aus Palmöl decken, müssten immense Flächen für Sonnenblumen, Raps oder Soja gerodet werden. Was das für das Klima bedeutet (nur eine Ernte, geringe CO2 Speicherkapazität etc.) könnt Ihr Euch jetzt selbst denken. Ohne Palmöl geht es also nicht und es ist auch schwer, einen palmölfreien Lebenswandel zu führen: Waschmittel, Kosmetik, Biodiesel, Fertiggerichte, Müslis, Kekse, auch Milchpulver und andere eher „unverdächtige“ Produkte enthalten es. Und Palmöl ist nicht grundsätzlich „böse“. Es kommt nur darauf an, wo es herkommt und wie es produziert wird.

Das meiste Palmöl wird immer noch „konservativ“ also alles andere als ressourcenschonend angebaut. Es gibt aber auch nachhaltig produziertes Palmöl, das u.a. vom WWF (RSPO) oder von Bioverbänden zertifiziert ist. Auf solch einer Plantage waren wir zu Gast und konnten sehen, wie dort gewirtschaftet wird. Anders, als gedacht! Als Bodendecker wächst zwischen den Palmen eine Leguminose. Leguminosen sind Pflanzen, die in ihren Wurzelknöllchen Stickstoff aus der Luft speichern und damit den Boden düngen. So braucht man weniger synthetische Düngemittel. Der komplett bodenbedeckende Unterwuchs verhindert auch eine übermäßige Verdunstung, die eine Bewässerung in großen Stil unnötig macht. Wenn bewässert werden muss, dann wird dazu auch der in der Ölproduktion anfallende Saft genutzt, der ebenfalls Nährstoffe in den Boden trägt. Die nach der Ernte leeren Fruchtstände werden auch als Dünger aus der Ölpresse zurück in die Plantage gebracht. Ein Kreislauf, der die Böden mit Humus und Nährstoffen anreichert und sie auflockert, wodurch Wasser wieder besser gespeichert werden kann.

Um Schädlinge zu bekämpfen, dürfen auch bei zertifiziertem Palmöl Pestizide eingesetzt werden, aber nur in Maßen. Wir bekamen erklärt, dass synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel in Lateinamerika und Asien hergestellt und dort sehr billig auf Plantagen gekippt werden können, die Fracht nach Westafrika ist allerdings sehr teuer (etwa 12x so teuer wie für Plantagen in Asien oder Südamerika) und daher ist es wenig erstrebenswert, davon viel einzusetzen. Stattdessen wird für die Düngung mit natürlichen Kreisläufen und Leguminosen gearbeitet, zur Minimierung der Pestizide mit Nützlingen, die die Schädlinge fressen. Dazu werden in einer Gärtnerei auf der Plantage Pflanzen herangezogen, die von Nützlingen gemocht werden. Pflanzt man diese Pflanzen um die Ölpalmen als „Barriere“ herum, zieht dies die Nützlinge an, die dann die Schädlinge von den Palmen fernalten – oder auffressen.

In derselben Gärtnerei werden auch Bäume für Wiederaufforstungsprojekte herangezogen. Bis zu 20.000 Setzlinge pro Jahr werden dort von Gärtnern bis zu ihrer „Auswilderung“ produziert. Das Ziel ist, das die Plantage umgebende durch Menschenhand verursachte Buschland wieder aufzuforsten und in Wald zu verwandeln.

Zwischen den einzelnen Abschnitten der Plantage befinden sich immer wieder Korridore, in denen keine Ölpalmen angebaut werden und in denen die Biodiversität und Tierwelt erweitert und erhalten werden kann. Die Plantage ist kein „naturferner Raum“, in den Zweigen zwitschert und zirpt es den ganzen Tag, es gibt Affen und auf den Freiflächen quaken Frösche in den Gewässern. Dass diese derzeit während der Trockenzeit nicht trocken sind, zeigt, dass die Plantage kein Grundwasser abpumpt, sondern das wenige benötigte Wasser für Dampf in der Mühle und für die sporadische Bewässerung während der Trockenzeit (wir haben es in drei Tagen nur 1x in einem einzigen „Planquadrat“ gesehen) wird aus dem durch die Plantage fließenden Fluss gewonnen oder durch den aus der Ölproduktion abfallenden Saft im natürlichen Kreislauf ermöglicht.

Die Plantage beschäftigt über 5000 Saloner (Einwohner Sierra Leones), die entweder direkt auf dem Gebiet der Plantage (teilweise in von der Plantage gestellten Wohneinheiten) wohnen oder in der direkten Umgebung dessen. Für die über 7000 Kinder im Einzugsgebiet gibt es Schulen, die teilweise extra gebaut wurden und für deren besonders gute Schüler Förderprogramme und Stipendien von der Plantage finanziert werden. Alle Beschäftigten bekommen durch ihren Arbeitsvertrag freie medizinische Versorgung im regionalen Gesundheitszentrum und die Plantage betreibt zwei vollständig ausgestattete Krankenwagen, um Beschäftigte in das 80km entfernte Krankenhaus zu bringen, wenn die Versorgung im lokalen Gesundheitszentrum nicht ausreicht. Das lokale Gesundheitszentrum wird übrigens von drei fröhlichen, partytauglichen italienischen Krankenschwestern unterstützt.

„Party“ war überhaupt das Motto eines jeden Abends: erst BBQ, dann am nächsten Abend große Abschiedsparty für unseren Gastgeber Philip, der nach Ghana umzog. Es gab Spanferkel, geliefert von einem CRF300 Rallye Fahrer aus Freetown, ein DJ legte bis nach Mitternacht auf, die Küchencrew zauberte sogar Speiseeis hervor, es gab Zigarren und das „Clubhaus“ voll feiernder Menschen, die aus ganz Sierra Leone angereist waren, um teils sehr emotional vom langjährigen Manager Abschied zu nehmen. Wir feierten viel zu lange, sodass wir morgens um 7:30 ziemlich müde zum letzten Mal mit Philip frühstückten, bevor er abreiste und wir zur Ölmühle abgeholt wurden.

Die Palmölplantage betreibt eine eigene Ölmühle, die nahezu autark ohne fossile Brennstoffe betrieben wird. Der Strom der gesamten Plantage wird übrigens hauptsächlich mit Solarpanelen gewonnen, nur zur Unterstützung, z.B. während der Regenzeit, stehen Dieselgeneratoren bereit. Der Verantwortliche, Pavel aus der Tschechei, zeigte uns jeden Schritt der Anlage, damit wir genau sehen konnten, wie Palmöl gewonnen wird.

Die Fruchtstände der Ölpalme werden per Hand (mit Sicheln an Stangen) das ganze Jahr über durchgehend (außer an Feiertagen) geerntet und zur Ölmühle geliefert.

Um die Früchte aus den Fruchtständen zu lösen, werden diese 90 Minuten lang bedampft. Das dazu benötigte Wasser wird in großen Druckkesseln erhitzt, befeuert von den Rückständen der Ölproduktion: der trockenen Fruchtfaser und den Schalen der Palmölkerne. Auch ein Kreislauf.

Die bedampften Fruchtstände werden dann in einer Trommel durchgeschüttelt, bis sich die Früchte alle gelöst haben und die nun leeren Fruchtstände als Dünger zurück in die Plantage gefahren werden.

Die noch warmen Früchte werden dann gepresst, wobei ein sehr ölhaltiger Saft entsteht.

Die trockene Fruchtfaser wandert direkt in den Ofen.

Die Kerne werden in einer Art Windkanal von der Fruchtfaser getrennt und in großen Trommeln „geknackt“, sodass nur noch der Palmkern ohne Schale übrigbleibt. Die Schale wandert auch in den Ofen und befeuert die Dampfdruckkessel, die Palmkerne werden in Säcke gefüllt und zur Weiterverwendung als Grundstoff für die Kosmetikindustrie verkauft.

Der Saft wird in riesige Tanks geleitet, auf denen sich oben ein etwa 1m dicker Ölfilm absetzt, der dann mechanisch mit einem Ölabscheider vom Saft getrennt wird. Der übrige Saft durchläuft den Kreislauf nochmals und wird dann in großen Becken aufgefangen, wo er abkühlt.

Das sich dann dort an der Oberfläche sammelnde Öl wird nochmals abgeschöpft, die zu Boden sinkenden Feststoffe des Saftes ausgebaggert und als Dünger für die Palmen aufgebracht und die nährstoffhaltige Flüssigkeit zur Bewässerung genutzt.

Das gewonnene Palmöl wird dann in großen Silos zwischengelagert, wo es allerdings konstant auf über 50°C gehalten werden muss, da es sich sonst in zwei verschiedene Ölkomponenten (Stearin und Palmitin) trennt. Deswegen fährt eine konstante Kette von Öllastern vor und liefert das „Rohöl“ nach Freetown, wo die größten beiden Kunden der Plantage sitzen: die einzigen beiden Palmöl-Raffinerien des Landes. Dort wird das Öl für die industrielle Speiseölproduktion raffiniert. Nur 5% des Ertrages werden nach Europa geliefert.

Im hauseigenen Labor werden kontinuierlich diverse Parameter des Öls untersucht, um die Qualität zu kontrollieren. Insbesondere um Feiertage herum (wie Weihnachten und Neujahr), an denen nicht geerntet wird, können überreife, weil etwas zu spät geerntete Früchte zu viel Säure enthalten. Um den Qualitätsstandards weiterhin zu entsprechen, muss dann geschickt gemischt und unter anderen Bedingungen (Druck, Temperatur etc.) gepresst werden.

Süßkartoffelblatt-Eintopf, getränkt in rotem Palmöl

Die weiße Ölkomponente ist übrigens das in Kerzen verwendete Stearin, das bekanntlich bei Raumtemperatur fest ist. Deswegen wird Palmöl raffiniert. Während des Prozesses verliert das Öl auch seine charakteristische, knallrote Farbe, durch die in Westafrika einfach jedes Gericht eine rote Lache auf dem Geschirr hinterlässt. Diese rote Farbe sind gesunde sekundäre Pflanzenstoffe (Carotinoide), die in raffiniertem Öl nicht mehr erhalten sind. Die traditionelle Palmölherstellung funktioniert im Prinzip genauso, nur auf offenem Feuer in großen Töpfen.

Wir haben in unserer Zeit auf der Plantage einen ganz anderen Blickwinkel für Palmöl bekommen. Und das sehen wir nicht deshalb so, weil es leckeres Spanferkel und eine coole Party gab, sondern weil ich als Dipl. Geograph die Zusammenhänge sehe, die nichts mit Marketing und Greenwashing zu tun haben. Ja, eine Palmölplantage ist eine Monokultur, aber das sind die Sonnenblumen- und Rapsfelder auch – bei wesentlich geringerem Ertrag und lächerlicher CO2-Speicherkapazität. Ja, Palmöl kann nachhaltig angebaut werden, aber wird, insbesondere in Asien und Lateinamerika, überwiegend konventionell und umweltschädlich angebaut. Palmöl pauschal zu verteufeln ist nicht die richtige Lösung, wie Euch nun in Hinblick auf weltweiten Ölbedarf, Anbauflächen, Auswirkungen auf das Klima und die Böden klargeworden sein dürfte. Leider bedeutet „Palmöl“ mittlerweile in der öffentlichen Wahrnehmung so sehr „Mord an Orang-Utans“ oder „Abholzung von Regenwald“, dass auch nachhaltige oder bio-Projekte von europäischen Banken oder Regierungen keine Kredite oder Fördermittel bekommen. Diese Engstirnigkeit und globale verallgemeinernde Verteufelung eines in Westafrika traditionellen Lebensmittels führt dazu, dass Bemühungen, Palmöl sinnvoll anzubauen, im Keim erstickt werden und Großkonzerne, die anders wirtschaften, immer mehr Macht bekommen. Traditionelle oder umweltschonend, sozial oder nachhaltig produzierende kleinere und finanzschwache Plantagen werden benachteiligt und durch teure (aber sinnvolle!) und komplizierte Zertifizierungsprozesse vom internationalen Handel quasi ausgeschlossen. Die von uns besuchte Plantage gehört zu einer internationalen, großen Holding, wo die Finanzierung von nachhaltigen Projekten und Zertifizierungen oder Investitionen kein Problem darstellt. Aber es gibt so viel mehr nachhaltige Palmölproduzenten weltweit, die durch eine pauschale Dämonisierung keine Chance haben.

Es ist unmöglich, im Alltag auf Palmöl zu verzichten. Aber Ihr als Konsumenten könnt darauf achten, wo das Palmöl in Euren Lebensmitteln und Verbrauchsgütern herkommt. Es ist leider kaum möglich, sich auf nachhaltiges westafrikanisches Palmöl zu beschränken, aber wenn Ihr Produkte mit Biosiegel konsumiert, dann könnt Ihr damit Euren Beitrag dazu leisten, eine nachhaltige Palmölproduktion zu unterstützen. Denn wie Ihr nun wisst: ohne Palmöl geht es nicht. Es kommt nur darauf an, wo es herkommt und wie es angebaut und gewonnen wurde.

Nach einem gemütlichen Silvesterabend reisten wir von der Plantage ab und machten einen organisatorischen Zwischenstopp in der Stadt Bo, denn auf der Palmölplantage war das Internet nicht stabil genug und da wir immer nur lokale Daten-Simkarten kaufen, mit denen wir nur über Internet telefonieren können, muss das Internet für Telefonate eben stabil sein. Da hier in Westafrika wenige Touristen unterwegs sind, muss quasi jeder Schritt gut geplant sein – sonst sind selbst Nationalparks völlig überrumpelt und es gibt nicht genug zu essen für die Gäste.

Wir wollten ins Wildschutzgebiet Tiwai Island, das eine der höchsten Bevölkerungsdichten an Primaten weltweit hat. Affen überall! Die Insel liegt im Fluss Moa und ist 12 Quadratkilometer „groß“. Nur bei absolutem Niedrigwasser zum Ende der Trockenzeit können Affen über Steine und Felsen die Insel verlassen, was aber selten vorkommt. Deswegen können sich die 11 dort vorkommenden Arten auch schön vermehren.

Wir konnten die Motorräder auf dem „Festland“ in einem Dorf parken, wollten aber nicht das gesamte Gepäck dort lassen und mussten dementsprechend alle Taschen abmontieren (okay: Jammern auf hohem Niveau, unser Gepäck ist wirklich vergleichsweise spartanisch) und zum Bootsanleger schleppen. Dachten wir, doch kaum hatten die gefühlt tausend Kinder des Dorfes unsere Herausforderung erkannt, packten sie mit an, schleppten Gepäck für Taschengeld (10 Cent pro Kind) und leisteten uns noch lange Gesellschaft, bis das Boot uns abholte.

Schon die Fahrt zur Insel war ein Augenschmaus. Da hatten sich die Landschaftsarchitekten wieder Mühe gegeben! Dschungel zu beiden Ufern, ein sanft fließender Fluss und malerische, vom Wasser rund gespülte Felsen „zu Dekozwecken“ hier und da hübsch platziert. Dazu eine tolle Geräuschkulisse wie im Kino und wir mittendrin. Manchmal gibt es auf Reisen einfach solche Momente, in denen der Körper im Glücksrausch ist und man wieder weiß, warum man in Motorradklamotten im tropisch heißen Klima in Cross-Stiefeln einen steinigen Pfad zu einem Bootsanleger stolpert, um nassgeschwitzt das Gepäck zu sortieren. Ja, Reisen kann anstrengend sein, aber solche Momente sind jeden Tropfen Schweiß wert!

Auf der Insel angekommen, waren natürlich die vielen kleinen helfenden Hände nicht da und wir schleppten uns ab, um ins Camp zu kommen, aber ohne Schweiß (und davon viel) kein Preis. Oder so war das doch. Der einzige andere Gast war ein deutscher Rentner, der gerade reisend seine Rente unters Volk bringt und den „Sunset Boat Trip“ machen wollte. Wir entschieden, mitzukommen und uns die Kosten zu teilen.

Erwartet hatten wir eine Bootsfahrt wie im Gambia River National Park, wo man vom Boot aus Schimpansen beobachten kann, die neugierig ans Ufer der Insel kommen, um zu sehen, was die „nackten weißen Affen“ da so auf dem Wasser treiben. Doch die Affen waren nicht an uns interessiert, sodass der Guide sich auf Vögel beschränken musste. Zugegeben: Vögel sind nicht ganz unter Interessensgebiet und für uns war die Bootsfahrt einfach nur ein herrlich romantischer Ausflug.

Tiwai Island ist auch eines der wenigen Habitate des vom Aussterben bedrohten Zwerg-Flusspferdes, von denen es weltweit nur noch maximal 3000 Tiere gibt. Sie sind so selten, dass sich unter „kritischen“ (wir nennen es eher: diskriminierend-gehässigen) Reisenden das Gerücht hält, die Flusspferde seien „ein Märchen, was man dummen Touristen auftischt“. Wir gehen davon aus, dass die Guides, Ranger und anderen Einheimischen wissen, was die Gerüchteküche kolportiert, jedenfalls schipperten wir ans Flussufer ins Dickicht hinein, wo uns der Guide ungefragt Fußstapfen im Schlamm zeigte. Von Zwergflusspferden. Da sie nachtaktiv sind und wir keine Nachtwanderung ohne große Aussicht auf Erfolg machen wollten, war das mehr, als wir erwartet hatten.

Wir schliefen zu den (zugegeben: ziemlich lauten) Dschungelgeräuschen ein und liefen am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück kurz nach Sonnenaufgang los. Dem Guide hinterher über kleine Pfade durch den Wald. Die ganze Insel ist von einem Netz aus schachbrettartig angelegten Trampelpfaden durchzogen, die Forscher vor dem Bürgerkrieg angelegt haben, um Schimpansen zu erforschen.

Tiwai Island ist nämlich der Ort, an dem Wissenschaftler in den 1980er Jahren zum ersten Mal beobachteten, dass Schimpansen Werkzeuge nutzen. Ihre Fertigkeiten sind im weltweiten Vergleich auf Tiwai Island angeblich besonders fortgeschritten. Wir sahen keine Schimpansen, aber der Guide machte uns auf halbierte Nussschalen aufmerksam, die zusammen mit Steinen im Unterholz lagen. Die Schimpansen knacken mit den Steinen die Nüsse.

Auf dem Foto hocken 6 müde Affen und wachen auf. Seht Ihr sie?

In unserem zweistündigen „morning walk“ sahen wir sehr sehr viele Affen (drei verschiedene Arten), aber weil es morgens im Regenwald sehr neblig ist und die Affen zum Schlafen in den Baumkronen der Urwaldriesen sitzen, sahen für uns im Gegenlicht auf 50m Höhe alle Affen fast gleich aus. Wie schon die Schimpansen in Guinea-Bissau sahen wir die Tiere beim Aufwachen, ersten Klettereien in den Baumkronen und dann beim Abstieg, um in tieferen Etagen des Waldes Frühstück zu suchen.

Außer den Affen gab es – natürlich – sehr viele Vögel. Besonders beeindruckend waren die diversen Arten Nashornvögel und Tukane, die mit den Affen in den Baumkronen saßen und beim Fliegen extrem laute Flügelschläge machen. Aber auch die sahen wir nur im Gegenlicht im Dunst des Morgennebels. Trotzdem war es eine schöne Wanderung, denn den Urwald beim Aufwachen zu hören, Affen um sich herum springen zu sehen und die Sonne dabei zu beobachten, wie sie sich über dem Meer aus Grün versucht, durch den Nebel zu kämpfen, ist auch wunderschön.

Während des anschließenden Frühstücks kam noch überraschend eine Affenbande im Camp vorbei und schaute nach uns, dann packten wir zusammen und schleiften unser Gepäck wieder zurück zum Boot, zurück zu den Motorrädern. In solchen schweißtreibenden Momenten wäre natürlich eine Reise mit dem Auto weniger anstrengend, aber diese Gedanken verschwinden in der Regel nach den ersten Metern Fahrt wieder. Die Piste zum Dorf des Bootsanlegers ist mit einem Auto sehr unkomfortabel, nur langsam und beschwerlich zu fahren. Mit dem Motorrad folgt man einfach dem Trampelpfad, der sich auf der Piste durch all die Auswaschungen, Rillen, Gräben und Steine gebahnt hat und kommt (entsprechendes Fahrkönnen vorausgesetzt) zügig und entspannt durch.

Wir hatten eigentlich eine andere Route geplant, doch die Honda CRF300L machte mal wieder Zicken, sodass wir die kürzere (aber nicht minder schöne) Strecke wählten. Was sich die Honda-Ingenieurs-Praktikanten tolles ausgedacht haben, das lest Ihr nächste Woche. Wir basteln nämlich noch daran!

Jan hat das letzte Video aus der traumhaft schönen Landschaft Fouta Djallon in Guinea fertiggestellt. Schaut mal:

 

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