Unser Abschied aus Usbekistan war stressig. Genau in der Nacht vom 1. auf den 2.7. gab es zum ersten Mal eine nächtliche Ausganssperre ab 22 Uhr, um illegale Partys etc. zu vermeiden. Das bedeutete: niemand ohne Sondergenehmigung außerhalb seiner Meldeadresse. Und das bedeutete auch: keine Taxis! Taxifahrer mussten eine Lizenz beantragen, um nach 22 Uhr solche Menschen noch fahren zu dürfen, die wie wir einen „triftigen Grund“ zum Verlassen der Meldeadresse haben. Doch da es die erste Nacht und erste nächtliche Ausgangssperre war, gab es keine Taxifahrer, die diese Sondergenehmigung schon hatten!

Unser Flug ging um 5:45 morgens, wir sollten daher spätestens um 3 Uhr früh am Flughafen sein. Doch wie, ohne Taxi? Wir konnten kein Taxi auftreiben, doch die bulgarische Familie, mit der wir zusammen reisen wollten, rief uns an: sie hätten ein Taxi gefunden, welches zunächst uns und dann sie zum Flughafen fahren würde. Wir gingen erleichtert früh ins Bett.

Es war exakt 22 Uhr, als Angelina, die Tochter der Familie, bei uns fast die Wohnungstür einschlug, weil wir zum Schlafen die Telefone ausgestellt hatten und sie uns (wir hatten keine Klingel) aus dem Bett trommeln musste um zu sagen: der Taxifahrer fährt doch nicht, er hatte doch keine Genehmigung und ihm wurde die Sache zu heiß. Aber auf der Straße seien noch ein paar Taxis unterwegs, wir sollten sofort los und ein Taxi zum Flughafen nehmen. Wir haben ja sowieso nur Handgepäck, also sprangen wir in unsere Klamotten und liefen los.

Ein wenig wehmütig waren wir schon, als wir die Wohnung abschlossen, die fast vier Monate unser Zuhause gewesen war. Noch einmal den Fußweg zwischen den Bäumen entlang, noch schnell im Lädchen uns verabschieden. „Wohin fahrt Ihr?“ „Nach Europa!“ Schwer zu erklären, dass wir erst nach Riga, dann über Wien nach Bulgarien fliegen, obwohl wir deutsche Pässe haben. Dass wir, obwohl unser Bus „Kittymobil“ in Kasachstan steht, nach Bulgarien fliegen, weil wir eigentlich nach Armenien müssen, ist eine so komplizierte Geschichte, dass wir es im letzten Blogpost ausführlich erklärt haben: „Wir verlassen Zentralasien“ Lest Euch das besser dort nochmal durch, genauso, wie ich keine Zeit hatte, das den lieben Leuten im Lädchen zu erklären, ist auch hier kein Platz dafür. Es ist kompliziert, aber irgendwie schaffen wir das!

So sprangen wir also sieben (7!) Stunden vor Abflug in eines der letzten Taxis und fuhren schnell zum Flughafen. Und der war natürlich um diese Uhrzeit quasi geschlossen, der nächste Flug ging ja erst in sieben Stunden, haha. Also saßen alle Passagiere einer Boeing 787 Dreamliner im dunklen Flughafen (immerhin ließ man uns hinein, aber das Licht blieb aus) und es entwickelte sich etwas Partystimmung: der Pizzaservice lieferte kartonweise Familienpizza, alle Anwesenden freuten sich auf den Flug. Und wir lernten die bulgarische Familie „face to face“ kennen, mit denen wir schon lange über Instagram in Kontakt waren: Angelina, die Tochter, arbeitet eigentlich in Bischkek (Kirgistan). Ihre Eltern kamen im März zu Besuch und zu dritt flogen sie ins Nachbarland Usbekistan, um dort gemeinsam entlang der Seidenstraße zu reisen. Tja. Sie kamen nur bis Bukhara und harrten dort knapp vier Monate zu dritt in einem Hotelzimmer aus…

Wir fünf wurden ein super Team, wir hatten alle den gleichen Plan: mit Uzbekistan Airlines nach Riga fliegen, dann ein erholsames Wochenende in der Stadt verbringen, bis Sonntag der billigste Flug der Woche von Riga weiter nach Sofia ging. Was wir aber allesamt bei keiner Behörde oder Botschaft in Erfahrung bringen konnten: würde unser Plan klappen? Würde man uns in Lettland 14 Tage in Quarantäne schicken, weil die EU ihre „Einreisegesetzte“ politisch statt nach Zahlen macht oder würden die Letten das tun, was sie auf der Webseite ihres Außenministeriums schrieben: uns ohne Quarantäne einreisen lassen, da Usbekistan aufgrund sehr niedriger Infektionszahlen für die Letten als sicheres Herkunftsland gilt? Zur Sicherheit hatten wir alle ein AirBnb gebucht, um dort in Quarantäne gehen zu können, wenn das von uns verlangt werden würde.

Nach einer halben Nacht auf dem Flughafen begann der Check-in. Vor uns stand ein Deutscher, der uns Sonderbares berichtete: er sei mit 50 deutschen Kollegen zum Aufbau eines Betonwerks nach Taschkent gekommen. Alle 50 Deutschen säßen seit Mitte März in Usbekistan fest und auf Nachfrage bei der deutschen Botschaft Taschkent, ob es eine Chance auf Heimreise gäbe, hätte der Botschafter ihnen „toi, toi, toi“ gewünscht. Er könne nichts tun. Naja. Wir haben ja auch über Facebook von den Flügen erfahren. Die Botschaft selbst wusste scheinbar noch nicht einmal von der neuen nächtlichen Ausgangssperre. Da sitzen 50 fleißige deutsche Steuerzahler fest und keiner sagt ihnen, dass sie heimfliegen können! Wie wir später in Riga sahen: mit im Flieger saßen mindestens drei deutsche Diplomatenpässe. Dass es Flüge gibt, war der Botschaft also sehr wohl bewusst, sie behielt diese Info aber für sich.

Die Stewardessen trugen weiße Einweganzüge, „Taucherbrillen“ und Schutzmasken, die Passagiere mussten auch Masken tragen. Da wir das ja seit Mitte März alle gewohnt sind (Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum), war das nur normal und überhaupt nicht komisch. Asiaten sind nämlich überlebensfähig, wenn sie ein Stück Stoff im Gesicht tragen! Als es zum Frühstück Formfleisch mit Kartoffeln gab, war ich echt froh, nach neun Monaten Zentralasien in eine Region dieser Welt zu kommen, wo das Essen genießbar ist.

In Riga wurde automatisch kontrolliert, ob alle Passagiere Masken tragen und ob vielleicht jemand erhöhte Temperatur hat. In der EU gilt auf allen Flughäfen und in allen Flugzeugen Maskenpflicht. Zur Passkontrolle muss man die Maske abnehmen. Und dann? Nichts! Keine Fragen, keine Quarantäne. Usbekistan ist für die Letten ein sicheres Herkunftsland und da gibt’s keinen Grund zur Sorge! Unser Plan ging auf! Hinter der Passkontrolle stand Angelina mit Tränen in den Augen: sie hatte es geschafft, ihre Eltern zurück in die EU zu bringen! Wir alle hatten es geschafft! Die großen Sorgen, dass man uns als „verpestete Ausländer“ (als die uns andere EU Länder, zum Beispiel Deutschland, sehen) 14 Tage einsperrt und wir nicht nach Sofia können, waren umsonst!

Wir stiegen in den Flughafenbus zur Innenstadt und waren die einzigen, die Maske trugen. Lettland hatte während unseres gesamten, 4-tägigen Aufenthaltes dort nur vier Neuinfektionen. Doch wir, für die ja Masketragen im öffentlichen Raum seit 4 Monaten normal war, dachten nicht daran, sie abzusetzen. Es kam uns einfach nicht in den Sinn. Obwohl wir sie seit dem Vorabend um 22 Uhr nonstop trugen. Als wir in der Stadt ankamen, war es noch zwei Stunden zu früh, um in unser AirBnb (bis zu 34€ Rabatt für Neukunden mit dem Link: AirBnb) einzuchecken und so nahmen uns die Bulgaren einfach mit in ihre Wohnung: ein Loft hoch über der Altstadt mit herrlichem Blick. Nach 4 Monaten zusammen in einem Hotelzimmer musste das sein. 😊 Typisch Bulgarisch gab’s sofort Nüsse, Trockenfrüchte, Tee und Schokolade und wir saßen bei geöffneten Fenstern, hörten die Möven und fühlten uns wie im Urlaub. Und das sollte es auch sein: vier Tage Riga.

Unser AirBnb war auch süß, auch mitten in der Altstadt eine Art WG mit nur drei Zimmern und maximal sechs Gästen, die sich Bad und Küche teilen. Weil wir uns nicht in Schlafsälen oder Massenduschen von Europäern infizieren lassen möchten, wählen wir ab jetzt kleine Unterkünfte mit wenigen Gästen und wenig „Völkeraustausch“. Das kostet zwar etwas mehr, aber bald, so der Plan, sind wir wieder mobil mit eigenem Bett an Bord und können uns von allen und allem fernhalten. Die ersten Tage in Europa fühlten sich für uns komisch an: keine Maskenpflicht in Lettland und überall da, wo wir aus Usbekistan Dauer-Desinfektion gewohnt waren (Türgriffe, Geldautomaten, Geschäfte,…) passierte einfach gar nichts. Die Zahlen von Lettland erlauben das auch, aber wir wissen, dass es in dem Land unserer Pässe mit deutlich anderen Zahlen auch nicht groß anders zugeht. Aber schon nachmittags hatten wir uns wieder an „maskenfrei vor die Tür“ gewöhnt.

Nach 9 Monaten Essens-Qual in Zentralasien (unserer Erfahrung nach gibt es weltweit keine Region, in der das Essen so (bl)öde ist wie dort), hatten wir Heißhunger auf „Zivilisationsessen“: Burger! Wir fragten einen Einheimischen und er schickte uns zur genau richtigen Adresse für unser erstes Essen in Europa. Es hat sich gelohnt!

Riga selbst ist in der Altstadt nur für Touristen. Jedes Haus ist entweder Restaurant oder Kneipe oder Souvenirgeschäft. Wenn man wie wir sonst in Regionen reist, in denen das anders ist (außer Usbekistan, da ist es genau so und hat uns daher nicht gefallen), ist das schon ein wenig Kulturschock. Aber unser Glück ist, dass aufgrund der Pandemie jetzt wenige Touristen in der Stadt waren und wir die Sehenswürdigkeiten entspannt besuchen konnten.

Da wir unseren „Hunger nach Zivilisationsfraß“ am ersten Abend gestillt hatten und in der Altstadt nur der ewig gleiche “Touristenfraß” angeboten wird, kauften wir uns ein „nordisches Abendbrot“ im Supermarkt zusammen und tischten in unserer Küche auf: Schwarzbrot aus Vollkorn, Hering, Lachs, Kwass und Butter. Nicht gerade billig (Willkommen in Nordeuropa!), aber nachdem wir uns in Kasachstan/Usbekistan Fisch selbst verboten hatten (wegen der verseuchten Gewässer), ein richtiges Festessen!

Wir besuchten das Okkupationsmuseum und das KGB Haus und flitzten zu zweit auf einem E-Scooter herum. Die kann man überall in Riga mit dem Handy mieten. Man fährt damit auf dem Gehsteig und im Gegensatz zu den endlosen Diskussionen, die wir aus Deutschland zu E-Scootern verfolgt haben, sind die Letten da völlig gelassen. In zwei Tagen hat sich niemand aufgeregt, alle Menschen geben aufeinander acht, der Bürgersteig wird friedlich geteilt. Wir konnten keines der Probleme entdecken, vor denen in Deutschland ewig und lautstark gewarnt wurde. Es macht einfach nur Spaß, spart ein Auto, Taxi oder Motorrad, ist leise und in Lettland bis zu 25km/h schnell. Wären wir sesshaft, wir würden uns sowas kaufen.

Das Wetter war typisch Nordeuropa: mit Glück am ersten Tag Sonne, ansonsten nur kalt, windig und nass. Trotzdem fuhren wir nach Jurmala, dem Badeort Rigas. Ich wollte am Strand entlang laufen und die Füße in die Ostsee hängen. Das letzte Meer, an dem wir waren, war das Südchinesische Meer letzten September mit Kittymobil. Naja. Wie erwartet ist Strand im Regen nicht so toll und außer „1x Ostsee anfassen“ haben wir nichts gemacht. Ein wenig die Fußgängerzone entlang schlendern und die netten Holzvillen in den Seitenstraßen bewundern, schon fuhren wir wieder zurück nach Riga.

Dort trafen wir uns mit Dagmar und Bruno von Luckyways. Wir „kannten“ uns von Instagram. Die beiden haben wie wir in Deutschland alles zurückgelassen, um zu reisen. Ihr Reisetempo ist noch viel langsamer als unseres: sie wohnen sich quasi durch die Welt, um die Länder nicht als Tourist, sondern als „Fast-Einheimischer“ kennenzulernen! Gegen die zwei sind wir, die wir schon als „Rekord-Reiseschnecken“ gelten, richtige „Raser“! 😊 Wir schlemmten zunächst beim Italiener (was ein Seelenfutter!) und wechselten dann in eine voll besetzte Kneipe, in der wir bis zur Sperrstunde blieben. Was für ein Abend! Nach Monaten ohne Gleichgesinnte verflog die Zeit viel zu schnell und für uns, die wir nur „outdoor dining“ aus Usbekistan kannten, war eine übervolle Kneipe wirklich gewöhnungsbedürftig.

An unserem letzten Tag in Riga schlenderten wir über den Markt und das war mein persönliches Highlight von Riga. Um den Markt beneide ich Dagmar und Bruno, denn dort hätte ich auch sehr gerne eingekauft. Zum Mittagessen trafen wir uns dann mit dem nächsten Gleichgesinnten: Marcus ist mit Hündin Mika seit ein paar Monaten in seinem Van unterwegs. Eigentlich wollte er nach Magadan (ganz im Osten von Russland), aber daraus wird wohl erstmal nichts. Wir „kannten“ uns nur von Facebook. Wie das halt so ist: man reist virtuell mit Gleichgesinnten mit und wenn man Glück hat, trifft man sich sogar unterwegs! Uns tat es mehr als gut, mit Dagmar, Bruno, Marcus (und Mika) wieder unter „Unsresgleichen“ zu sein!

Und dann flog die „Bulgarien Gang“ nach Sofia. Blöderweise waren seit unserer Buchung des Fluges vor mittlerweile fast zwei Wochen die Infektionszahlen in Bulgarien ziemlich gestiegen, sodass unsere Idee, in einem Nachbarland von Georgien mit geringen Infektionszahlen auf die Grenzöffnung zu warten, nicht mehr ganz so aufgeht. Im Vergleich zu anderen Ländern steht Bulgarien immer noch top da, aber einfach nicht mehr so gut wie bis Mitte Juni. In bulgarischen Medien werden die Zahlen der Infektionen in Zusammenhang zur Anzahl der Tests genannt, sodass es eigentlich weiterhin um die 5% positiv Getestete gibt, aber weil mehr getestet wird, sieht es natürlich jetzt in Zahlen schlimmer aus als vorher. Trotzdem fühlte sich der Flug nach Sofia wie ein Heimflug an.

In Wien mussten wir umsteigen und gönnten uns für 3,50€ einen Almdudler (einer reicht bei so Preisen für zwei!) und die Mutter der bulgarischen Familie als Kaffeeliebhaberin einen Melange. Und schon waren wir da, wo vor 2,5 Jahren die Reise „richtig“ begonnen hatte: in Bulgarien. Nur einreisen lassen wollte man uns fünf erstmal nicht. Also schon, aber nur mit 14 Tage Quarantäne. Die Bulgaren gehören zwar zur EU, spielen aber nicht alle Corona-Lockerungs-Spiele mit: wer aus Ländern mit Zahlen kommt, die den Bulgaren nicht gefallen, muss trotz EU 14 Tage in Quarantäne. Richtig so! Unser Flug war der letzte des Tages, die Damen bei der Einreisekontrolle etwas ermüdet. Ein Herr half ihnen beim Denken: wir fünf kommen aus Lettland, einem der EU Länder, die zu Zeit so gut wie keine Infektionen zählen! Große Entschuldigung: wir durften ohne Auflagen einreisen.

So nett informiert die Deutsche Botschaft Sofia.

Ohne Kittymobil in Sofia zu sein ist für uns komisch. Sonst, wenn wir über Nacht in Sofia bleiben müssen, schlafen wir immer auf dem Jumbo Parkplatz. Doch jetzt, ohne Kittymobil, mussten wir in ein Hotel. Und trotzdem fühlte es sich an, als seien wir Zuhause. Am nächsten Morgen stand einiges an. Zunächst holten wir unsere neu ausgestellten Führerscheine und Kreditkarten auf der deutschen Botschaft ab. Wieso, weshalb, warum, haben wir hier erklärt: Wir verlassen Zentralasien. Nach unseren extremst schlechten Erfahrungen mit der Deutschen Botschaft in Taschkent tat es so unglaublich gut, dass es dort so prima, nett und hilfsbereit klappte! Auch an dieser Stelle ein dickes DANKE! Übrigens veröffentlicht die Deutsche Botschaft Sofia jede Neuerung rund um Corona über ihre Seite, die Deutsche Botschaft Taschkent bis heute nichts. Und dann kam der Termin beim Notar…

Seit neun Jahren komme ich mit Kittymobil jedes Jahr mehrmals oder mehrere Wochen nach Bulgarien. Wir hatten dort auch zwei Jahre unsere Motorräder stehen, weil es sich in Bulgarien besser fahren lässt als rund um Krefeld, wo wir zuletzt gewohnt haben. In diesen neun Jahren sind natürlich auch viele Freundschaften entstanden und viele davon rund um den Volkswagen Club. Als ich von Taschkent aus vorsichtig meine Fühler nach einem potentiellen neuen Reisefahrzeug austreckte, kam vom Club sofort ein Angebot. Wir überlegten keine 20 Minuten und kauften vom Sofa in Taschkent aus unser neues „Micro-Haus auf vier Rädern“: einen Volkswagen Passat aus 3. Hand, Baujahr 1991 mit LPG Umbau und mehr Schnickschack, als wir es gewohnt sind: Klimaanlage, Sonnendach, Alarmanlage, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbare Außenspiegel, automatisches Fahrtlicht, Sitzheizung, Xenon, vierfach bereift und mit 1000 Ersatzteilen. Iavor, der Vorbesitzer, wollte sein Schätzchen nur in liebevolle Hände geben. Wir kannten uns nicht, haben aber einen gemeinsamen Club-Freund. Als Iavor mit einem dicken Notizbuch ankam, in dem alles, was er zu dem Auto wusste und was er in den letzten 11 Jahren gemacht hatte notiert war, wussten wir: das passt!

Als die 900€ beim Notar den Besitzer wechselten, wurde es der Frau von Iavor ziemlich schwer ums Herz. Während Iavor mir das Auto erklärte, merkte ich: der Verkauf fällt auch ihm sehr schwer, aber der Familien-Opel Omega ist die Vernunftentscheidung der beiden. Zum Abschied drückte sie mir ein kleines rotes Modellauto in die Hand. Da bekam auch ich feuchte Augen! Sie hatte so Angst, der Passat käme in schlechte Hände, aber sie sei sich nun sicher, wir passen gut auf ihn auf. Der Passat soll uns, sobald die Grenzen sich öffnen, bis nach Armenien bringen, wo Jans Motorrad und unser gesamtes Motorrad-Reisegepäck lagert. Das Gepäck kommt dann in den Kofferraum und Jan fährt mir mit seinem Motorrad vorneweg aus Armenien raus. (Warum: hier erklärt)

Und wie können wir nun in Bulgarien ein Auto kaufen, obwohl wir nirgends auf dieser Welt einen Wohnsitz haben? Ganz einfach: unser gemeinsamer Freund Niki meldet den Passat auf sich an und wir haben beim Notar eine Vollmacht aufsetzen lassen, die uns alle Freiheiten mit dem VW gibt: wir handeln rund um dieses Auto in Nikis Namen. Und so fahren wir nun inkognito mit Kennzeichen aus Sofia weiter! Natürlich muss bei uns ein Auto mehr können, als uns mit einem ultra billigen LPG Verbrauch durch die Gegend zu kutschieren (1l Gas kostet 40cent und der Verbrauch liegt bei 7,5l/100km). Ein Auto, das bei uns Daseinsberechtigung bekommt, muss auch Haus sein können! Wir brauchten knapp zwei Tage, um bei IKEA, Decathlon und Jumbo alles zu kaufen, was man so braucht: Bett, Stühle, Tisch, ein paar Haushaltsgegenstände, Küche und Stauraum.

Zusätzlich waren wir noch bei unserer Zahnärztin. Mir war an Weihnachten ein Stück Zahn oder Füllung abgebrochen und die Zahnärztin in Kasachstan konnte nichts finden. Ich wollte aber sicher gehen und tatsächlich konnte unsere Zahnärztin in Sofia mit Fotos vergleichen und fand die Stelle. Leider fand sie bei Jan auch noch Parodontose. Da diese in Bulgarien viel früher als in Deutschland behandelt wird, ergänzten wir unsere Aufenthalte in Baumarkt, IKEA und Co mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen. Um ehrlich zu sein: Zahnarzt in Bulgarien macht sogar ein kleines bisschen Spaß. Besonders, wenn man das Resultat sieht.

Die ganze Woche über düsten wir mit langen „to-do-Listen durch Sofia und genossen Abend für Abend das bulgarische Essen: frische Zutaten, frische Kräuter, wenig Fleisch und so unendlich lecker! Nach 9 Monaten Zentralasien ein wahnsinniger Genuss! Und nach 2,5 Jahren on the road auch sehr entspannt, wieder in einem Land zu sein, das sich nach „Heimat“ anfühlt, weil man weiß, wie der Hase läuft, in welchen Geschäften man was und wo bekommt. Wir mussten ja nicht nur den Passat zum Micro-Camper upgraden, auch wir brauchten ein kleines Upgrade: seit Februar sind wir mit Handgepäck unterwegs, in dem sich viele Winterklamotten befinden: Fleecepullover, Daunenweste, Daunenjacke, Strumpfhose, dicke Socken… Es wurde Zeit für Flipflops, kurze Sachen und Badehose! In Sofia gibt es viele Outlets, sodass auch das schnell erledigt war.

Und damit es noch schneller ging, flitzten wir wie in Riga mit E-Scootern durch die Stadt. Auch in Sofia kann man die ganz einfach mit dem Handy an wirklich jeder Straßenecke mieten und darf damit sogar auf der Straße fahren, wenn es keinen Fahrradweg gibt! Auch hier keine Spur von Ressentiments wie in Deutschland, alle flitzen damit munter durch die Gegend und keiner regt sich auf. Viel besser als Auto, verseuchter ÖPNV oder Fahrradverleih, der zeitintensiv und nicht an jeder Ecke verfügbar ist! Wir sind Fans von den Flitzedingern!

Am Wochenende machen wir nun Pause von Sofia und sind in „unserem Dorf“, wo wir uns mit vielen Freunden und Bekannten treffen. Nachdem wir auch in Sofia abends „aus“ waren und dort alle lieben Menschen wiedergesehen und getroffen haben, wird es höchste Zeit, in die Natur zu ziehen: in die Berge, in die Wälder Bulgariens. Nach mittlerweile fünf Monaten in Hauptstädten und ohne Zugang zur Natur sehnen wir uns danach, Sonnenauf- und -untergang zu sehen. Im Bett zu liegen und aus der Heckklappe heraus den Sternenhimmel, die Natur zu sehen, die frische Luft zu atmen, den Wald zu riechen und zu hören. Auf diesen Moment freuen wir uns seit dem Augenblick, an dem wir unsere Flugtickets in der Hand hielten: endlich wieder draußen schlafen!

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