Der letzte Blogpost endete mit der Vorfreude auf ein allerletztes Highlight in Guinea, bevor wir nach Liberia weiterreisen. Nun ja. Guinea wäre nicht Guinea, wenn es uns nicht auch noch am letzten Tag geärgert hätte. Einfach nicht unser Land und nach 5 Wochen dort sind wir uns da auch ganz sicher.

Nach dem Erlebnis mit den Elefanten fuhren wir ganz beseelt zum Bossou Naturreservat, wo es Schimpansen gibt. Ich hatte im Vorfeld schon mit dem Direktor telefoniert und uns angemeldet. Wir wollten Schimpansen sehen. Zum dritten Mal in Westafrika (wo es ja angeblich keine Tiere gibt), deswegen wussten wir schon, was uns der Direktor am Telefon erklärte: am späten Nachmittag laufen sogenannte Spotter los, um zu sehen, wo genau sich die Schimpansen zum Schlafen in die Baumkronen verziehen. Kurz vor Sonnenaufgang läuft man dann am nächsten Morgen mit einem Ranger los, um zu beobachten, wie die Tiere aufwachen und von den Bäumen krabbeln.

Wir kamen in der Naturschutzstation an und bezogen ein ziemlich dreckiges Zimmer mit dreckiger Bettwäsche und für Westafrika durchschnittlich dreckigem Bad. Der Direktor begrüßte uns, stellte uns sein Team samt Köchin vor und musste dann leider in die Stadt zu einem Meeting. Aber alle wüssten Bescheid, es könne nichts schief gehen. Es fing damit an, dass die Köchin (wir befanden uns mitten im Dschungel) zunächst den Preis eines Sternerestaurants für unser Abendessen wollte. Wir hatten genau abgezähltes Geld in Landeswährung, weil wir am nächsten Tag ausreisen wollten und konnten ihr so klarmachen, dass wir ihren Utopiepreis ganz sicher nicht zahlen. Sie knickte ein und brachte trotzdem gutes Essen. Typisch Guinea: man versucht, zu bescheißen. Ist uns außer in Guinea nur im Senegal und in Ägypten passiert.

Während wir aßen, traf ein VW T5 ein und heraus purzelten drei Kinder und die dazugehörigen Eltern aus Frankreich. Auf Anhieb super sympathisch: wer mit einem VW-Bus bis Südafrika fährt und sich dafür kein Expeditionsmobil im Kriegs-Look aufbaut, zu fünft im und auf dem kleinen Bus schläft und lebt, liegt schonmal grundsätzlich auf einer Wellenlänge mit uns. Wir verbrachten einen schönen gemeinsamen Abend mit der Familie und freuten uns auf die Schimpansen. Doch schon abends beschlich uns ein komisches Gefühl…

Derzeit findet der Fußball Africa-Cup statt und an dem Nachmittag spielte Guinea und gewann. Das gesamte Team saß vor dem Fernseher und als es begann zu dämmern, sah ich keinen Spotter losziehen, um nach den Schimpansen zu sehen. Ich sprach mit dem Stellvertreter des Direktors, doch der wiegelte ab, er habe die Tiere „ganz in der Nähe der Station gehört“. Ich bin ja Tourist und dumm und deswegen habe ich keine Schimpansen gehört und deswegen gingen wir auch nicht zu Sonnenaufgang um sieben los, sondern erst um 8. Nachtigall, ich hör dir trapsen… Am nächsten Morgen trafen erst gegen 7:45 die Spotter ein, sie hatten am Vorabend gefeiert, nicht nach den Schimpansen geschaut und dann auch noch verschlafen. Unsere Interpretation, die natürlich sofort verneint wurde. Das sei nämlich immer so, wir in Guinea sind nämlich gut im Lügen! Während die Spotter sich müde und motivationslos gegen acht Uhr in den Wald schleppten, wurden wir um Vorkasse gebeten: 50€ pro Person. Gäbe es angeblich zurück, wenn wir keine Tiere sehen. Weder die Franzosen noch wir glaubten daran. Schon gar nicht als wir sahen, dass unsere Namen nicht wie sonst üblich in das große Gästeregister eingetragen wurden, sondern auf einen Fresszettel. Der Direktor wusste ja nichts von den fünf Franzosen… Am Ende der Diskussion gab der Lügner dann doch zu, dass ich recht hatte: es war abends niemand zu den Schimpansen unterwegs und acht Uhr ist natürlich auch zu spät. Ein Mann aus dem Dorf erzählte uns später, er habe die Tiere „weit weg vom Dorf“ gehört. Lüge über Lüge von den Naturschützern, aber so ist Guinea sehr oft für uns gewesen. Wir alle packten ein und verließen dieses Land. Die Franzosen Richtung Elfenbeinküste, wir Richtung Liberia.

Der Grenzer war supernett und kannte sich aus und wir hatten das warme Gefühl im Herzen, zum Schluss doch noch einen ehrlichen, netten Menschen in Guinea getroffen zu haben, denn natürlich gibt es davon ja auch einige, die wir in den fünf Wochen dort kennenlernen durften. Der Abschied fiel dann doch kurz schwer, denn Guinea hat wirklich die bisher spektakulärste Natur und Landschaft Westafrikas für uns gehabt: Canyons, Felslandschaften, Berge, Wasserfälle, Urwald, tolle Wanderungen und sogar Elefanten. Beschwingt fuhren wir die letzten Meter durch Guinea bis zum Schnürchen, das den Schlagbaum darstellt. Es ist üblich an Grenzen, dass dort nochmal alle Papiere kontrolliert werden, damit man zur Not nochmal zurückkann, falls ein Stempel fehlt. Die Herren dort lagen auf Feldbetten im Schatten und richteten sich nur halb auf, als wir kamen. Der nette Grenzer hatte den Ausreisestempel von Guinea auf die gegenüberliegende Seite eines Russlandvisums gesetzt. Der Kontrolleur fand den Stempel, nickte zufrieden und schaute mich gelangweilt an: Du bist Russin? Ich verstand erst nicht, wie man darauf kommen kann, wenn man gerade einen deutschen Pass in der Hand hat. Aber die Menschen in Guinea… nun… viele sind etwas unterbelichtet. Es dauerte eine Weile, bis der Typ verstand, was ich erklärte: der schiefe Aufkleber ist nicht die Seite des Passes mit meinen Personalien, sondern nur ein Visum! „Aber da steht doch „Russia“ drauf!“ Zu allem Überfluss wurden wir dann auch noch ganz offen nach Geld gefragt, was wir grundsätzlich nie und nirgends zahlen, und stiegen dann leider mit einem Gefühl der Erleichterung, endlich Guinea zu verlassen, auf die Motorräder. Endlich raus aus dem Land voll dummer Lügner! Auf nach Liberia, das 100. Land für Jan und Nummer 97 für mich.

Kaum auf der anderen Seite des Schnürchens hörte der allgegenwärtige Müll auf. Es ist immer erstaunlich, wie sehr so eine Schnur in der Landschaft alles verändert. Von Sierra Leone nach Guinea kommend war die Schnur eine klare Trennung zwischen sauberer Wiese und vermülltem Dorf, von Guinea-Bissau nach Guinea kommend fuhren wir komplett durch eine Müllhalde von Immigration zu Zoll und nun auch hier. Liberia ist ein christliches Land, der Unterschied ist in Afrika so unglaublich frappierend, dass Reisende unter sich offen staunen , aber Angst haben, das daheim laut auszusprechen. Geht uns auch so, haha… Auf liberianischer Seite war das große Problem die Verständigung. Wie in Sierra Leone ist in Liberia Englisch Amtssprache. Wir sprechen beide fließend Englisch, aber verstanden kein Wort der Zöllnerin. Sie gab irgendwann auf und holte ihren Kollegen. Das klappte besser, aber nicht wirklich gut. So geht es seitdem den ganzen Tag: man versichert sich gegenseitig, Englisch zu sprechen und doch versteht man sich nicht. Wir haben gegoogelt: in Liberia gibt es vier verschiedene Englisch und wir verstehen keins davon. Für uns total kurios: überall läuft BBC in bestem britischem Englisch (obwohl Liberia eigentlich amerikanische Wurzeln hat), doch keiner spricht es mit uns. Trotzdem sind alle lieb, wir lachen viel und jeder hilft. Belogen hat uns in dieser ersten Woche auch noch niemand. Und wir können endlich wieder schlafen, denn anders als in Guinea, wo bis zu drei Moscheen oder/und Koranschulen pro Dorfstraße stehen, die alle hintereinander (!) zum Gebet rufen, stört in Liberia niemand die Nachtruhe all derer, die nicht 5x täglich beten müssen, um sich ihrer “Hilfe von oben” sicher zu sein.

Unsere erste Unterkunft irgendwo im Norden des Landes war extrem sauber und voll Weihnachtsdeko. Wir fühlten uns wohl und genossen saubere Bettwäsche, gewischte Fußböden und ein Bad, in dem die Farbe der Keramik nicht nur zu erahnen war, sondern alles in gepflegtem Zustand strahlte. Zum Frühstück gab es sogar Porridge: Liberia fing super an. Geld gab es wie schon in Sierra Leone aus keinem Geldautomaten, aber da hier liberianische Dollar im festen Wechselkurs zum US-Dollar genutzt werden, war das nicht schlimm, da wir genug cash Dollar dabeihaben. Hier gibt es 1000 Dollar Scheine (die aber nur 5,30€ wert sind), sehr lustig, wie wir Dollar-Millionäre wurden – Wechselgeld gibt’s nämlich frei Schnauze in beiden Währungen.

Keine Tomaten weit und breit.

Der nächste Tag war ein reiner Fahrtag Richtung Küste, den uns die Honda wieder „versüßte“: das ABS schaltete sich während der Fahrt selbstständig aus und das sorgte für ein Feuerwerk an Warnlampen im Cockpit. Der Fehler war die vorherigen Tage schon ab und zu aufgetreten, ließ sich durch „Zündung aus“ aber immer „beruhigen“, an dem Tag jedoch nicht. Das wilde Geblinke machte mich wahnsinnig. Die von uns angepeilte Unterkunft war leider ausgebucht, aber die Leute dort so unglaublich bemüht um uns, dass schon bald ein Motorrad kam, um uns zu einem anderen Guesthouse zu geleiten. Weil es dort kein Essen gab, wurden wir in der ursprünglichen Unterkunft unglaublich liebevoll versorgt: mit einer Karaffe frischem Obstsaft als Geschenk, per Hand geröstetem und frisch gemahlenem lokalen Kaffee zu Frühstück und ganz vielen lieben Extras. Liberia: Du gefällst uns!

Wir nahmen die Honda wieder auseinander. Wie alle paar Tage. Sind ja nur 19 Schrauben, bis das ganze Plastik weg ist und man irgendwo drankommt. Wir hatten gegoogelt: der ABS-Fehler ist wohl ein bekanntes „Feature“, an dem sich Honda-Werkstätten in der Garantiezeit der Motorräder die Zähne ausbeißen. Was der Grund ist, weiß keiner, am Ende ist alles ausgetauscht und keiner weiß, was es war. Das Internet ist voll mit Berichten frustrierter CRF300 Fahrer auf der Suche nach der Ursache. Auch wir suchten: Batteriepole fest, Sicherungen in Ordnung, keine Stecker lose, die Sensoren sauber, keine Kabelbrüche, die ABS-Ringe sauber: nichts. Mir fiel auf, dass der vordere ABS-Ring nicht 100% plan war und drückte das Metall vorsichtig mit dem Schraubenzieher einen halben Millimeter nach außen. Ob es das war? Die letzten zwei Fahrtage hat die Warnlampe nicht geblinkt, aber das war vorher auch schon so: ein paar Tage Ruhe, ein paar Tage Terror.

Wir fuhren nach Robertsport, einem klitzekleinen Örtchen am Atlantik am Ende einer 40km langen Piste. Es gibt dort nur zwei Unterkünfte: eine Hütte am Strand für 200$ oder eine Surferbude für 60$. Mit geteiltem Bad, ohne WiFi, ohne eigene Stromversorgung, ohne Klimaanlage, ohne Warmwasser, aber immerhin mit Frühstück: 3 Scheiben Baguette mit Omelette. Seit Monaten jeden Morgen gleich. Liberia ist teuer und wir fragen uns, wie das für die Einheimischen ist, die nicht in Europa Geld verdienen wie wir. Doch der Strand von Robertsport ist jeden Dollar wert: Kilometer lang und paradiesisch schön! Kein Müll, kein Mensch, kein Nerv. Paradies!

Wir lernten eine Truppe heller Köpfe kennen: ein kubanischer Arzt mit einer CRF300, ein britischer Architekt mit Surfbrett (!) auf einer Enfield Himalayan, ein amerikanischer Ingenieur auf einer KLR650 und ein wortkarger Holländer mit Fahrrad. Der Kubaner machte Witze, dass seine Honda CRF300L in Anwesenheit einer Enfield endlich nicht mehr „der größte Mist auf dem Haufen“ sei und ich war überrascht. Bisher bekomme ich, insbesondere von Lesern dieses Blogs mit gleichem Motorrad, viel Schelte über das „in den Dreck Zerren eines tollen Motorrades“. Deutsche Sofareisende ohne Motorport-Background, die sich aus irgendeinem Grund persönlich beleidigt fühlen, wenn mein Motorrad zickt. Der Kubaner hat in seiner spanischen Wahlheimat auch eine WR250F und war so schlau, sie nicht wie ich in Zahlung gegeben zu haben. Er ist begeisterter Endurofahrer (also mit der WR250-F) und hat sich wie ich vom guten Ruf des Vorgängermodells CRF250L für die 300L entschieden und bereut es zutiefst. Er hat wie ich schon überlegt, das Miststück zurück nach Europa zu schicken und gegen eine KTM EXC auszutauschen. Seine ABS-Lampe spinnt genauso wie meine, er ist wie ich bei exakt gleichem Kilometerstand von 15.000km schon beim dritten Benzinfilter, der zweiten Zündkerze, der zweiten Benzinpumpe und auch schon der zweiten Einspritzdüse, für die er sogar nach Spanien zurückgeflogen ist, weil die Kiste nicht mehr vernünftig lief. Ich hoffe ja noch, das mit Injection Cleaner irgendwie in den Griff zu bekommen, dass die Kiste nicht mehr stinkt und wieder vernünftig läuft…

Wir wussten, dass Liberia ein Geheimtipp unter Surfern ist, aber haben natürlich keine Ahnung, warum genau, weil wir keine Surfer sind. Der Brite mit Motorrad und Surfbrett erklärte uns, dass es in Robertsport „die beste Welle Afrikas“ gäbe, weil hier „swell“, Küstenlinie und Windrichtung perfekt seien – besser als in Marokko oder Portugal, wo „sich die Surfer in den Wellen stapeln wie auf Bali“. Er war völlig verständnislos, warum keiner seiner Surfkumpane nach Liberia kommen möchte und warum er seit über einer Woche einsam und alleine die Traumwellen reitet. Zwischen dem Bürgerkrieg und Ebola gab es eine kurze Zeit, zu der ein paar Surfer kamen, aber seit 2014, dem Ende der Ebola-Epidemie, ist niemand zurückgekommen und wir durchstreiften einen lost place, der mal eine Surfer-Unterkunft war. Traurig für Liberia, aber auch traurig für die Surfer, die sich wo anders stapeln, denn das allmorgendliche Strahlen im Gesicht des Briten nach der „besten Welle der Welt“ sprach für sich.

Außer für „die beste Welle“ ist Robertsport seit 2016 für ein Schiffswrack bekannt: ein Geisterschiff, die Tamaya 1, wurde im Mai 2016 an einen der endlosen Strände ein paar Kilometer südlich angespült. Weder Mannschaft noch Rettungsboote waren an Bord, doch der Eigner schnell gefunden: der Tanker gehörte einer nigerianischen Firma, dessen Chef schnell anreiste, um sein Schiff zu sehen. Die Tamaya war in Seenot geraten, die Crew hatte das Schiff mit einem Rettungsboot verlassen und wurde von Fischern aufgegriffen. Das Schiff wurde ein paar Tage später angespült und liegt seitdem wie ein Deko-Objekt am Traumstrand und verrostet. Und das erstaunlich schnell: in nur acht Jahren hat das Salzwasser schon eine Seite des Schiffes komplett zerfressen und jede Welle der Brandung nagt weiter am Metall.

Das Wrack ist ein schönes Fotomotiv und Ausflugsziel und eine lokale Initiative hat sogar Wegweiser aufgestellt und an Stellen, an denen der Strand durch Felsen unpassierbar ist, richtig Wanderwege im Wald angelegt, Stufen über Felsen gebaut, an rutschigen Auf- und Abstiegen Geländer aufgestellt und an matschigen Stellen mit Steinen gepflastert. Nur: es kommt keiner, Touristen oder Wanderfreunde kommen genauso wenig nach Liberia wie Surfer. Wer nach Liberia kommt, der will es wirklich: das Visum kostet 100$ pro Person, das Land ist ziemlich teuer und liegt fernab der unter Overlandern so beliebten schnellsten Strecke durch Westafrika. Kostet Zeit, kostet Geld, man muss sich kümmern.

Auch ohne Schiffswrack als Ziel war der Weg entlang der Traumstrände über einsame Buchten mit malerischen Felsen und üppiger, grüner Vegetation ein Highlight. Ein paar Bäche plätschern aus dem Wald ins Meer, Vögel zwitschern überall, man läuft zwischen flatternden Schmetterlingen und durch das dichteste Grün des Dschungels. Einziger Nachteil: Liberia ist das Land mit der höchsten Luftfeuchtigkeit Afrikas und in den weltweiten Top 10. Wir sind morgens früh los, bevor die Sonne über den Wald krabbelte und waren trotzdem in Schweiß gebadet. Nicht, weil der Weg anspruchsvoll wäre, sondern einfach, weil die Luftfeuchtigkeit sich in dicken Schweißtropfen um den Körper hüllt, die Klamotten durchtränkt und in die Augen tropft. Auch vor Sonnenaufgang beim Nichtstun im Bett. Jetzt ist Trockenzeit und es herrscht die geringste Luftfeuchtigkeit des Jahres. Gut, dass wir jetzt da sind!

Im Schatten des Waldes gibt es sogar eine Bank mit Sicht auf das Schiffswrack, um entspannt bei bester Aussicht vor sich hin zu schwitzen. So viel Infrastruktur für Touristen und keiner kommt! Wir waren da und hatten einen tollen Tag, den wir abends in unserer illustren Runde bei Grillfisch am Strand ausklingen ließen. Wir hatten entschieden, in Monrovia das Ghana Visum zu beantragen. Ursprünglich dachten wir, diese Trockenzeit nur bis zur Elfenbeinküste zu kommen, doch die Benzinkrise in Guinea hatte unsere Reiseroute verändert und unsere Erfahrungen mit den Menschen in Guinea unseren Aufenthalt dort deutlich verkürzt. Wahrscheinlich kommen wir nun doch noch weiter als gedacht!

So mussten wir uns am dritten Tag im Paradies von den anderen Reisenden verabschieden, verließen den Traumstrand und fuhren nach Monrovia. Wir hatten viel gehört und gelesen. Angeblich eine der gefährlichsten Hauptstädte Afrikas. Als wir am späten Nachmittag unsere Unterkunft verließen, schärfte uns der Mitarbeiter zweifach ein, unbedingt aufzupassen und vorsichtig zu sein. Wir versprachen, vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein, was den Mann etwas beruhigte, bevor er die beiden Türen hinter uns wieder fest verriegelte. Wir waren am Rand der Altstadt untergekommen, die schon etwas „hart“ wirkte. Vom Gefühl ein wenig wie Addis Abeba vor 25 Jahren. Wir fühlten uns aber nicht unwohl und gönnten uns ein lang ersehntes Abendessen im libanesischen Restaurant. Unsere Ernährung besteht nämlich seit Monaten aus abends Huhn mit Reis oder Pommes und morgens Omelette mit Weißbrot. Wenn hier Gewürze verwendet werden, dann nur Chili. Die Küche der Levante ist da anders und ein Feuerwerk an Aromen im Mund. In Taschkent habe ich mal nach dem ersten Biss im libanesischen Restaurant geweint vor Gaumenfeude – nach Monaten Hammelfleisch in Zentralasien. So schlimm ist es mit dem Huhn hier nicht, aber es tut trotzdem richtig gut.

Wir hielten unser Versprechen, kamen zu Sonnenuntergang wieder zurück in die Unterkunft und verbrachten den ganzen Abend damit, die Anträge für das Visum für Ghana zu bearbeiten. Es ist immer ein riesiger Aufwand, alle geforderten Dokumente in richtiger Auflösung in das System hochzuladen: Covid Impfzertifikat, Gelbfieber-Impfzertifikat, Hotelbuchung, Reiseroute auf einer Karte gezeichnet, persönliches Anschreiben mit Begründung, Kopie des liberianischen Visums samt Einreisestempel, Passkopie, Fotos, und, und, und. Und am nächsten Morgen muss natürlich alles im Copyshop ausgedruckt werden, um unterschreiben zu können. Es gab keinen Strom in der Stadt und so dauerte es, bis der Generator lief und der Copyshop unsere 23 Seiten Unterlagen ausdrucken konnte. Gut, dass unser Termin erst um 11 Uhr war!

Der Mann auf der Botschaft war supernett. Das System hatte uns einen Termin zur Abholung der Visa am Montag gegeben, aber er meinte, das könne auch vor dem Wochenende klappen. Wir gönnten uns noch einen richtigen Kaffee (seit Monaten gibt es nur Nescafé) für über 6$ den Becher, aber das ist in Hauptstädten unser Ritual: Abendessen ohne Huhn und echter Kaffee. Unser „Gönndrian“. Nach vielen erfolglosen Versuchen fanden wir dann auch endlich einen Geldautomaten, der Geld ausspuckte – für 7,50$ pro Transaktion von 250$. Liberia muss man wollen. Wir wollten und mögen es.

Endlich traf dann auch mein Injection Cleaner ein! Ein bestes Beispiel für Social Media! Ein Litauer verfolgt uns seit langer Zeit über Facebook und weil er selbst hinter uns auf ähnlicher Route ist (und auch zur Regenzeit das Auto stehen lässt wie wir), waren wir schon länger in Kontakt, weil er diverse Infos von uns brauchte. Und nun brauchte ich ihn: er flog von Zürich nach Conakry zu seinem Auto und konnte mir eine Flasche Injection Cleaner mitbringen! In Monrovia trafen wir uns nun und ich bin gespannt, ob das Zeug der Honda zu einem normalen Verhalten verhilft. Internationale CRF300L Fahrer empfehlen, es etwa alle 12.000km zu verwenden. Ich bin bei 15.000km und hoffe, es ist noch nicht zu spät und die Einspritzdüse noch nicht zu sehr verkrustet. Drückt die Daumen!

Zum Nachdenken auf einer Toilette in Monrovia.

Obwohl Monrovia einen wirklich schlechten Ruf hat, gefällt es uns. Nach Bürgerkriegen und Ebola hatten wir eine Stadt erwartet, die maximal so entwickelt ist wie das chaotische, dreckige und unterentwickelte Conakry. Umso überraschter waren wir, als wir zu zweit auf der Honda durch diverse Stadtviertel Monrovias düsten. So anders als Conakry! Das „Botschafterviertel“ in Conakry (dort sind es eher zwei Viertel) ist zwar etwas besser als der restliche Moloch, aber nicht deutlich entwickelt. Internationale Luxusmarken fehlen in Guinea-Conakry gänzlich. In Guinea gab es kein Ebola und keinen Bürgerkrieg, weswegen wir dachten, Monrovia müsse deswegen wesentlich unterentwickelter sein als Conakry. Da haben wir uns so geirrt! Es gibt alles: große Supermärkte, Bau- und Möbelmärkte, internationale Modemarken, unzählige internationale Gastronomie-Angebote, Luxushotels, edle Boutiquen, Cafés und Restaurants und so viele teure Toyota Landcruiser neuester Baujahre und Sondereditionen, wie wir das wahrscheinlich zuletzt im Irak oder den Emiraten gesehen haben. Liberia war früher das Land mit dem nach Japan höchsten Wirtschaftswachstum der Welt und eines der fortschrittlichsten Länder des Kontinents. Heute ist es eines der allerärmsten Länder der Welt und man liest nur Schlimmes, was auch unsere Erwartungen an die Stadt geformt hat. Doch wahrscheinlich ist es die Erfahrung der Bevölkerung, dass das, war mal war, wieder möglich sein muss, das die Menschen hier vorwärts treibt und Monrovia ein ganz anderes Stadtbild hat als Conakry in Guinea, wo die Menschen ohne Bürgerkrieg und Ebola vor sich hindümpeln. Liberia ist historisch bedingt das „kleine Amerika in Afrika“ als ehemalige amerikanische Kolonie und vielleicht ist auch das ein Unterschied zu Guinea: die amerikanische Mentalität, dass es jeder Tellerwäscher zum Millionär schaffen kann, wenn er nur will. Wir waren überrascht zu sehen, dass allabendlich die offenen Abwasserkanäle der Stadt ausgefegt werden und Müll auf ordentlichen Haufen für die Müllabfuhr gestapelt wird. Davon kann man im Nachbarland Guinea nur träumen. Ja, in Monrovia gibt es auch wirklich schlimme dunkle Ecken, aber die Stimmung ist aufstrebend positiv. Vielleicht sind wir von diesen „schlimmen Ecken“ der Stadt nicht so sehr geschockt wie andere Reisende, weil wir einfach schon in Afrika unterwegs waren, als das keine „schlimme Ecke“, sondern „normal“ war. In Äthiopien zu Beginn der 2000er Jahre zum Beispiel. Ja, es gibt kaum Elektrizität, viele Straßen sind nicht befestigt, es ist teilweise chaotisch-fröhlich afrikanisch, aber trotzdem wirkt es zivilisiert. Monrovia ist eine der Überraschungen, die man als Reisende erlebt, wenn man eigene Erfahrungen macht, statt Medien Glauben zu schenken.

Weil wir letztes Wochenende noch in Guinea waren, wo das Internet staatlich reglementiert ist, konnte ich Euch nicht den Link zum neuesten Video an den letzten Blogbeitrag “hängen”. Deswegen gibt es heute gleich zwei Videos für Euch. Zunächst der Motorradunfall in Sierra Leone. An Weihnachten, na toll:

Und dann die Geschichte mit der Palmölplantage und den Affen: Schaut Euch an, wie Palmöl produziert wird und wie viele, viele Affen wir gesehen haben!

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