Nach exakt dreieinhalb Monaten „Norden“ ist es Zeit für eine Pause. Das ist quasi „Langzeitreise-Weisheit“: nach etwa drei Monaten brauchen die meisten Reisenden ein kurzes Anhalten, Innehalten, Pausieren. Wer bis dahin zu schnell gereist ist, hat da meist schon den ersten „Reise-Burnout“. Reisen in Europa ist extrem einfach, für uns auch etwas langweilig, aber trotzdem ist es Zeit für ein Päuschen. Was auf Bildern so toll aussieht, ist natürlich in Realität anders: hättet Ihr gedacht, dass wir heute fast zwei Stunden und 60km herumgefahren sind, um einen Übernachtungsplatz zu finden, der legal und „sozialverträglich“ ist, also nicht gerade bei Leuten vor der Haustür liegt und die Natur und Privatsphäre aller respektiert? Es ist nicht jeden Tag so, aber die Stellplatzsuche ist für Menschen wie uns, die respektvoll mit Gastgeberland und Natur umgehen, nicht immer einfach. Insbesondere in Europa. Nach über einem Vierteljahr nonstop Reise ist daher jetzt kurz Pause angesagt.

Wir hatten eine Woche frühlingshaftes estnisches Inselhopping hinter uns, als wir auf dem Festland von der Fähre rollten und waren zurück im Winter. Eisiger Wind wehte, im Schatten lag überall noch dick Schnee und Frau Holle war immer noch recht aktiv, wenn auch der Neuschnee nicht viel war. Das hatten wir nicht so erwartet und obwohl wir Winter ja wirklich lieben: das ist diese Art mitteleuropäischen Winters, den wir hassen – und der von Mitteleuropäern auch als „der Winter“ wahrgenommen wird – ohne den „echten Winter“ in all seiner Schönheit und mit all seinem Zauber zu kennen. Bei so einem Wetter kann man sich eigentlich nur vergraben! Und das taten wir dann auch: einen ganzen Tag lang für 15€ im Spa-Bereich eines Sternehotels mit drei Pools, sechs verschiedenen Saunen und viel Luxus.

Auf dem Weg dorthin schauten wir uns noch das „Ungru Manor“ an, eine Bauruine als trauriges Ende einer unerfüllten Liebesgeschichte: Es war einmal der Herr Baron von Ungern-Sternberg, der sich unsterblich in die Tochter des Kurfürsten aus Schloss Merseburg verliebte. Diese jedoch wollte nicht für ihn aus Schloss Merseburg ausziehen und um ihr Herz zu gewinnen, begann der Baron, eine Kopie ihres Schlosses zu bauen. Noch bevor seine Schloss-Kopie fertig gebaut war, wurde er krank und starb. Die „Bauruine“ steht bis heute traurig aber doch herrschaftlich in der Landschaft und erinnert an die unglückliche Liebesgeschichte…

Als wir aus dem Day Spa herauskamen, die Taschen voll nasser Handtücher und Badekleidung, versagte unsere Heizung den Dienst. Das war ja schon ewig nicht mehr passiert! Jan war zuversichtlich, das Problem „nach dem Essen“ schnell gelöst zu bekommen, also machten wir den „gönn-mir-Tag“ perfekt und aßen unglaublich ehrliche Hausmannkost in einer kleinen Bar. Eine Seltenheit in West- und Nordeuropa: da war weder Salatsauce noch Schnitzel aus der Packung, jeder Zwiebelring per Hand geschnitten und die Teller mit frischen Kräutern dekoriert. Zwei Abendessen mit Getränken für zusammen 16€.

Und das, obwohl wir im Kurort russischer Zaren waren: Haapsalu. Schon der Bahnhof zeigt, wie edel es hier früher zuging: statt an einem Bahnsteig stiegen die Herrschaften hier an einer 214m langen Kolonnade aus dem Zug, der damals längsten des Reiches. So waren die Kurgäste vor Sonne und Regen geschützt, bevor es weiter ging in die zahlreichen pompösen Kurhotels. Die Gebäude in Haapsalu sind allesamt mit hübscher „Holzklöppelspitze“ verziert. Je mehr „Spitzenkäntchen“ unter dem Dach, um die Fenster oder entlang der Kanten, desto edler. Der Kursaal, direkt am Meer, sieht aus wie ein edles Marzipantörtchen mit Papierspitzen.

Doch zurück zu unserer Standheizung. Als wir, selig, nach langer Zeit mal wieder „ehrliches Essen“ gehabt zu haben, auf die Straße traten, war es natürlich dunkel (noch war Winterzeit), um die 0°C und nass. Wir brachten das Ding nicht zum Laufen. Die Fehlermeldungen hielten uns zum Narren: Ventilator klemmt, Strom fehlt, Zündkerze defekt. Nichts, was man abends im Dunkeln und im Matsch kniend noch lösen möchte. Wir buchten kurzentschlossen ein Zimmer, denn ich hatte am nächsten Tag zwei Zoom-Calls, die ich nicht von unter der Bettdecke mit Mütze machen konnte. Wir selbst haben kein Problem, im Winter ohne Heizung im Bus zu schlafen, aber morgens um 9 Uhr bei 1°C im Bus konzentriert zu „zoomen“ – unmöglich.

Das Hotelzimmer war purer Luxus: wir hatten Dusche und Badewanne, Sofa mit gemütlicher Sitzecke, ein riesiges Bett und Kaffee und Tee aus der Teeküche so viel wir wollten. 36€ für so viel Luxus! Im Gegensatz zu Skandinavien, wo man selbst im 4-Sterne-Hotel weder Duschkabine noch Vorhang kennt und den Gästen eine Gummilippe zum Bodenwischen in die Ecke stellt, haben wir das Bad richtig genossen. Wir trockneten die nassen Badesachen auf dem beheizten Handtuchhalter und die nassen Handtücher vor der Heizung, hatten endlich mal keine Internetprobleme dank bestem WiFi und genossen den „Urlaub“. Nur das Essen im Hotel war wieder Mal „westeuropäisch“. Wir bestellten Burger. Das Fleisch ein industrieller Patty, das Brötchen aus der Packung, die Sauce voll Konservierungsmittelgeschmack aus der Tube, der Karottensalat aus dem Eimer. Ob der Käse „Analogkäse“ war? Wahrscheinlich. 11€ pro Person in Industriefraß investiert. Mal wieder. Das ist in West-/Nordeuropa zwar völlig normal, aber wir sind es einfach nicht mehr gewohnt und es fällt uns daher so extrem auf.

Kurz vor dem Schlafengehen fiel mir ein, warum die Standheizung nicht mehr wollte: das Tauwetter hatte die unbefestigten Nebenstraßen in Schlammpisten verwandelt. Kittymobil kann das und sah auch dementsprechend aus: extrem schlammverkrustet. Genau dieser Schlamm hatte sich auch um die Luftansaugung herum angesammelt und war, während wir vor dem Schwimmbad parkten und saunierten, unter dem Auto schön getrocknet und ausgehärtet. Und so bekam die Heizung einfach keine Luft mehr. Am nächsten Morgen „entschlammte“ Jan das Ende des Ansaugrohrs und seitdem läuft die Heizung wieder – und wir haben jetzt nach jeder Schlammschlacht einen Blick darauf.

Wir verbachten den ganzen Samstag gemütlich im Kurort: liefen durch die Burg, erkundeten die Gassen bunter Holzhäuser, tranken Kaffee und teilten uns ein Stück Torte, liefen zum Meer und ließen uns durchpusten und genossen die malerische, wenn auch verschlafene Atmosphäre des Ortes. Haapsalu ist wirklich süß!

Unsere Zeit in Estland neigte sich dem Ende zu. Wir fuhren zurück nach Pärnu, legten unseren 14-tägigen Stopp im Waschsalon ein und fanden einen Stellplatz an der immer noch zugefrorenen Ostsee. Unsere letzte Nacht in Estland. Am nächsten Morgen fuhren wir nach exakt drei Wochen in dem kleinen Land über die Grenze nach Lettland. Estland ist winzig, nur wenig größer als Baden-Württemberg. Ihr wisst ja schon, dass wir langsam reisen, aber so langsam? Wir genießen es!

Unser erster Halt in Lettland sollte das Kliff von Veczemju sein. Eine tolle Küste, aber für uns ungeeignet: der gesamte Küstenstreifen vollgepflastert mit Picknickbänken und Grillstellen, jeder Quadratmeter Wiese neben dem Weg mit Verbotsschildern zugepflastert: Parken 350€ Strafe! Wer parken will, muss auf den kostenpflichtigen Campingplatz, der aber zu dieser Jahreszeit geschlossen hat. Wie wir von zwei anderen Reisepärchen völlig unabhängig voneinander hörten: das gab’s vor der Pandemie dort nicht. Keiner der vier kann sich an 350€ Schilder, Picknickbänke und Grillstellen erinnern. Tja, da werden wohl ein paar Camper ihr Unwesen getrieben haben! Im Baltikum herrscht das Jedermannsrecht, aber wir wissen, dass das in den letzten beiden Jahren extrem überstrapaziert und fehlinterpretiert wurde. Wegen des Fehlverhaltens einer Gruppe müssen nun alle büßen: auch der lettische Familienvater kann jetzt nicht mehr mit seinem Kombi und seiner Familie zum Baden an den Strand fahren ohne Parkgebühr und Grillplatzmiete zu zahlen!

Wir entschieden, noch nach Riga reinzufahren. Wir waren mittlerweile das dritte Mal zusammen in Riga und haben dementsprechend schon alle Sehenswürdigkeiten „abgehakt“. Jetzt brauchten wir Simkarten und landeten danach in einer „Stolovaya“. Deutsche würden das vielleicht abfällig „Kantine“ nennen, doch die „Stolovaya“ ist eine russische Institution von einfachem, ehrlichen Essen. Meist stehen die Frauen (inklusive „Mitropa“ Hütchen!) hinter der Theke, die das Essen, was vor ihnen in Edelstahlbecken dampft, auch aus Grundzutaten (und nicht aus Tüten) gekocht haben. Bodenständig und gut. Da wird der Kartoffelbrei aus Kartoffeln gemacht und die Frikadellen („Kotleta“) krumm und schief per Hand geformt. „Convenience“ ist in Stolovayas unbekannt. Es wird nach Gewicht abgerechnet und ist nicht teuer. Zwei Personen mit Getränk und Nachtisch: 10€. Herrlich!

Dank der Sommerzeit konnten wir sogar nach dem Essen noch im Hellen einen Schlafplatz an einem See finden. Dort wachten wir am nächsten Morgen im Schnee wieder auf. Das war so angesagt, aber trotzdem sind wir jetzt wirklich reif für den Frühling. Unser Plan, für die an der Heckklappe durch das harte Eis der Heckstoßstange entstandenen Lackschäden bei VW in Riga Lackstifte zu kaufen, scheiterte an der Unwilligkeit des Mitarbeiters. Wir hatten die VAG Farbnummern zur Hand, aber da diese nicht zu unserer Fahrzeugidentifikationsnummer passen, verweigerte er uns den weiteren Blick in seinen Computer. Der „Freundliche“ ist in Lettland also genauso „freundlich“, wie er das sprichwörtlich in Deutschland ist. Westeuropa halt. Der „Freundliche“ in der Türkei hätte uns wahrscheinlich erstmal Tee serviert, bevor wir einkaufen durften. Naja, vielleicht haben wir nur etwas Fernweh – oder ist es Heimweh? Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sowie Kundenservice und Herzlichkeit sind nicht gerade die Eigenschaften, die man mit Nord- und Westeuropa so verbindet. Ist völlig normal, aber tut uns nicht gut, denn wir sind die letzten Jahre in der Ferne anders behandelt worden.

Google wusste, wo eine Autolackiererei ist, und da trafen wir auf einen Fan von VW T4 Bussen: der Chef hatte zwar nicht so die Ahnung von Farbcodes und Lacken, aber war unglaublich begeistert von Kittymobil. Er selbst hatte einige T4 Busse, denen er immer noch hinterhertrauert. Weil der örtliche „Freundliche“ auch zu ihm so „freundlich“ war, als er Probleme mit seinem T5 hatte, schloss er mit VW ab, hängt aber mit dem Herzen immer noch daran. Er ließ uns von seinen Lackierern zwei Töpfchen der richtigen Farben anmischen, schenkte uns noch das passende Schleifpapier, Tupfer und andere „Werkzeuge“ und konnte sich nur schwer von uns und Kittymobil trennen, obwohl wir draußen im Schneetreiben standen. Unsere Herzen waren wieder wärmer!

Die vorherigen Male, die wir in Riga waren, kamen wir eigentlich immer nur, um von dort aus weg zu fliegen. So wie jetzt. Genau: wir sind auch diesmal nur nach Riga gefahren, um Kittymobil zu parken und in einen Flieger zu steigen. Aber diesmal hatte ich mir geschworen: wir kommen so rechtzeitig an, dass ich endlich Mal auf einem der größten Märkte Europas, der zudem auch unter UNESCO Weltkulturerbe Schutz steht, einkaufen kann! Und das taten wir dann: frische Milch, bestes Roggenvollkornbrot mit Brotgewürz, Honig von der Imkersfrau und eine dicke geräucherte „Rolle“ Lachsforelle. Ein Festmahl zum Abendbrot! Lange nicht mehr so simpel und gut gegessen!

Auf dem Markt wird nur Russisch gesprochen (warum eigentlich?) und es gibt so viele Lebensmittel aus Russland und den „Stans“! Die Bäckerei „Registan“ verkauft das runde usbekische Brot (das aber mit lettischem Roggenvollkorn null mithalten kann), ein anderer Laden verkauft russische „Baikal“ Limo mit Waldgeschmack, es gibt Plov und andere Gerichte der Seidenstraße und wir hätten uns mit Tüten voll „Seelenfutter“ behängen können, so verlockend war das Angebot! Aber auch diesmal ist es ja so: wir fliegen von Riga weg und können keine Vorräte gebrauchen.

Wir fliegen nach Bulgarien. Einerseits, weil wir dort ein paar Dinge regeln möchten, die nur mühsam oder gar nicht aus der Ferne zu erledigen sind (wie zum Beispiel unsere EU-Krankenkassenkärtchen abzuholen), andererseits haben wir wahrscheinlich ein wenig Heimweh. Oder ist es Sehnsucht? Wir vermissen zum Beispiel gutes Essen. In ein Restaurant gehen und etwas zu essen zu bekommen, was nicht aus Tüte, Tube, Dose oder Tiefkühlruhe kommt, ist in West- und Nordeuropa fast unmöglich. Man zahlt im Restaurant viel Geld für das Aufwärmen von Industriefraß. Wir vermissen die Qualität von Obst und Gemüse auf dem Markt. Überhaupt: Märkte! Außer in Riga existiert das weder in Skandinavien noch im Baltikum. Und wenn, dann sind die Stände gefüllt mit importierter Ware. Ich will keine chilenischen Äpfel, holländischen Salat und französische Kartoffeln auf dem Wochenmarkt Zentral- und Nordeuropas kaufen! In anderen Ländern dieser Erde gibt es auf dem Markt das, was es gerade so gibt. Regional und saisonal. Aus Omas Garten und Opas Kartoffelkeller. Sonnengereift und nicht aus dem Treibhaus. Aromatisch und lecker. So ein großer Unterschied! Als ich (vor nur 10 Jahren!) noch nicht wusste, wie Obst und Gemüse schmecken können, fand ich es immer komisch, wenn unser bulgarischer Freund Kiril den halben Garten seiner Mutter im Kofferraum nach Deutschland schleifte. Ich weiß noch, wie irritiert ich war, als ich mit ihm in einer Düsseldorfer Gartenhütte saß und er sagte „Silke, das Zeug hier kann doch keiner essen!“. Und nach nun vier Jahren nonstop „echtem Essen“, vermissen wir das eben. Wir haben schon keine Lust mehr, einzukaufen oder Geld im Restaurant auszugeben. Es ist alles doch nur derselbe Industriekram und geschmackloses Zeug. Und wie wir von unserem Freund Mika wissen: ja, auch in der 4-Sterne Gastronomie ist das mittlerweile ganz normal. Sogar Pfannkuchen werden dort (im 4 Sterne Restaurant!) nur noch zum Aufwärmen in Butter geschwenkt und das Ei aus dem Tetrapack mit billigem Kräuter-Fischkäse „verfeinert“, damit der Gast den Schwindel nicht so schnell merkt. Ich hatte die Abneigung gegen Essen schon vor einigen Jahren in den USA – und da war ich noch westeuropäische Lebensmittel gewöhnt. Jetzt leiden wir beide darunter – in West-/Nordeuropa. Wer das nicht glaubt (80-90% der Restaurants in Deutschland machen das so!), sollte diesen Beitrag anschauen: Frisch auf den Tisch? – Die Wahrheit über Restaurants

  • Wir vermissen außerdem gastfreundliche, herzliche Menschen um uns herum, die Hilfe anbieten, bevor man weiß, dass man überhaupt Hilfe braucht. Menschen, wie der Chef der Lackiererei, die in uns die Menschen sehen und nicht den wandelnden Geldbeutel, den respektlosen Camper, den nervigen Touristen oder ignoranten Ausländer, der die Gepflogenheiten des Gastlandes mit den Füßen tritt.
  • Wir vermissen Gleichgesinnte, mit denen wir auf Augenhöhe reden können. Da wir antizyklisch reisen, treffen wir selten gleichgesinnte andere Reisende. In Bulgarien sind unsere Freunde Verena und Edgar gerade von ihrer langen Reise zurück und wir freuen uns darauf, die beiden zu sehen, bevor sie nach langer Reisezeit zurück nach Österreich ins geregelte Arbeitsleben gehen.
  • Wir freuen uns, wieder bekannte Gesichter um uns zu haben, unseren mittlerweile 31 Jahre alten VW Passat „Overlander Hans“ wieder ein paar Kilometer zu fahren, ein wenig „Nestwärme“ zu tanken (Wärme natürlich auch, schließlich ist in Bulgarien schon oft die „2“ bei den zweistelligen Tagestemperaturen vorne) und Dinge abzuarbeiten. Naja. Und uns von bulgarischen Freunden auslachen zu lassen, weil wir als Deutsche seit vielen Jahren in Bulgarien zum Zahnarzt (und anderen Vorsorgeuntersuchungen) gehen. So wie jeder Bulgare das eben auch macht, weil es im Ausland einfach nicht so gut ist wie dort. Müsst Ihr uns genauso wenig glauben wie das mit dem Essen und den Lebensmitteln. Ging uns jahrelang genauso.

Geburtstagsfoto von Hans hinter unserem jetzigen Haus, damals im Januar 🙂

Wie lange wir „Reisepause“ machen? Wir haben noch keinen Rückflug gebucht. Vielleicht 10 Tage? Zwei Wochen? Wir haben im April 2020 in der Nähe von Veliko Tarnovo unsere „Base“ gekauft. Für genau solche Situationen: eine „Base“ für Reisepausen. Ein Grundstück mit zwei Häusern darauf. Und mit Glasfaser-Internet. Luxus, nach dem „Internet-Debakel“ in Schweden, Norwegen, Estland und Lettland. Zeit zum Arbeiten haben wir aber wahrscheinlich nicht, denn auch an der „Base“ könnten wir dies oder das machen… Wenn wir unsere Herzen wieder etwas aufgewärmt und genug Seelenfutter getankt haben, sind wir wieder zurück in Lettland bei Kittymobil und reisen weiter. Auch für diese Zeit gibt es schon ein paar Eckdaten. Und wenn dann der Sommer da ist, aus Kittymobil ein Neufahrzeug geworden ist und wir abschätzen können, wie die Welt nun „tickt“, dann werden ganz große Reisepläne gemacht. Aber die behalten wir bis dahin noch für uns.

Ein kleines Fazit noch von uns zu den letzten Monaten: wir lieben den „echten Winter“. Immer noch. Obwohl er in Europa doch anders ist, als in Zentralasien / Sibirien. Der europäische Polarwinter ist wesentlich nasser und wärmer als wir das erwartet hätten (obwohl wir ja schon mit den Motorrädern im Winter ans Nordkap sind). Die Tage unter -30°C waren leider sehr selten, sodass wir einen Teil unserer Klamotten gar nicht erst ausgepackt haben. Die hohe Feuchtigkeit (trotz der Kälte) hat uns zu schaffen gemacht, weil uns beispielsweise die Luftansaugung der Standheizung vereist ist. In Sibirien ist der Schnee nicht „klebrig“ und macht keine Probleme. Uns ist dort nie die Heckklappe zugefroren oder die Luftansaugung. Das Phänomen eines Eisregens, der alle Türen zu „schweißt“ gab es dort auch nicht. Der Winter in Skandinavien war für uns etwas „lästig warm“ im Vergleich zu den letzten beiden Winter-Erfahrungen in der Mongolei, Sibirien und Kasachstan.

Unser VW Bus Kittymobil hat alles klaglos weggesteckt. Wir waren gut vorbereitet und sind auch im tiefsten Winter komplett autark, müssen auch bei „Heizungs-Dauerfeuer“ und eiskalten Batterien nie an Landstrom und können komplett auf Campingplätze etc. verzichten. Kittymobil ist winterfest (nein, immer noch nicht isoliert) und wir sind dank unserer Spikereifen nie in brenzliche Situationen gekommen. Wir kamen mit den „snow cross“ Reifen auch ohne 4×4 durch Schnee, der so tief ist, dass unser neuer Motorschutz ihn „glattgebügelt“ hat. Trotz der paar Aussetzer (vereiste Luftansaugung) hatten wir es dank unserer „Elektro-Russenrakete“ (ein mini-Heizlüfter) immer muckelig warm in unseren „4 Wänden“ und auch der Motor durfte dank der Motorheizung immer bei 80°C starten. Überlebenswichtig bei Temperaturen unter -31°C, wenn das Motoröl nicht mehr pumpfähig ist. Mehr technische Details haben wir vor zwei Jahren hier zusammengefasst: Im Winter mit dem Diesel durch Sibirien

Ob wir es nochmal machen würden? Winter: sofort wieder! Skandinavien: klares Nein! Die Landschaften im europäischen hohen Norden sind im Winter absolut zauberhaft und magisch. Weil eben der Schnee so klebrig ist, türmt er sich wunderschön auf den Bäumen auf und sorgt für echtes Winterwunderland. Postkartenkitsch nonstop! Und die Polarnacht ist so wunderschön, das Farbspiel so besonders, die Nordlichter so magisch und die Rentiere und Elche überall so unglaublich herzerwärmend. Könnten wir Skandinavien auf die Natur reduzieren, wir würden immer und immer wieder kommen. So, wie wir es unser Leben lang gemacht haben. Wir wissen wirklich nicht, wie oft wir schon dort waren. Jan hat sogar in Schweden studiert!

 

Wir kannten aus „vor-Pandemie-Zeiten“ allerdings ein anderes Skandinavien. Aufgrund der Camper- und Touristenmassen, die die letzten beiden Jahre über die Region hergefallen sind, hat es sich für uns so sehr zum Negativen verändert, dass wir das manchmal nur schwer ertragen haben. Preise für touristische Infrastruktur (wir wollten identische Hütten/Zimmer/Campingplätze mieten) haben sich im Vergleich zu 2017 bis zu verdreifacht, die Stimmung der Einheimischen gegenüber Touristen, insbesondere mit Campingfahrzeug, ist ins Tiefnegative gerutscht. Wir haben den Grund dafür leider viel zu oft selbst erlebt: wenn andere Camper sich absolut rücksichtslos verhalten, weder die Natur noch Menschen respektieren, dann ist die Reaktion der Einheimischen nur nachvollziehbar. Wir wissen, die Deutschen „leiden“ am „Bullerbü Syndrom“ (eine verklärte und idealisierte Vorstellung Skandinaviens) und vielleicht waren wir dem bis zu diesem Winter auch aufgesessen. Solange die Situation mit den Campermassen (ja, auch im Winter, ab Februar waren sie alle da!) unerträglich ist, möchten wir nicht dazu bei-tragen und es auch nicht mehr er-tragen müssen. Deswegen, so schade es auch ist, bleibt Skandinavien für uns erstmal eine „no-go-Region“. Aber die Welt ist riesig und Winter gibt’s wo anders auch!

Wir hatten, trotz den unerwartet negativen Erfahrungen mit Menschen, eine schöne Zeit, haben es sehr genossen, wieder mit Kittymobil unterwegs zu sein. Nach 15 Monaten im VW Passat ist so ein Haus auf Rädern mit Küche und fließend Wasser ein echter Luxusurlaub! Wir haben uns tagtäglich vom Winter verzaubern lassen und es gab Momente, in denen wir uns vor Glück in den Armen lagen und den Winterzauber tief in unsere Herzen aufgenommen haben. So wunder-, wunderschön! Wir haben einen Naturzauber erlebt, den nur die erleben dürfen, die dem „echten Winter“ eine Chance geben und ihn nicht mit dem grauen Matschwetter verwechseln, den man in Mitteleuropa so „Winter“ nennt. Wir sind dankbar und glücklich, diese schöne Zeit erlebt zu haben!

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