Während wir durch Europa jagten, konnten wir Euch nicht verraten, was wir tun, denn wenn man die Corona-Regeln aller Länder beachten möchte, geht das nur, wenn man manche Regeln etwas „uminterpretiert“. Und weil wir nicht wussten, ob wir das schaffen, haben wir lieber die Füße still gehalten und berichten Euch erst jetzt, wie wir mit unserem fast 30 Jahre alten Passat Hans in 3 Tagen durch 5 Länder gedüst sind. Und warum das alles? Es war kompliziert. Gerade hatten wir mit Edgar und Verena in Bulgarien im gemieteten Haus eine „Winter-WG“ gegründet und freuten uns nach über vier Monaten nonstop unterwegs etwas Ruhe einkehren zu lassen. Wir wollten endlich Bilder sortieren, Jan wollte Videos schneiden, ich die Reisekasse gründlich auffüllen. Wir hatten Glasfaser-Internet und beste Voraussetzungen, das Herbstwetter produktiv zu nutzen. Doch dann bekam Jan eine WhatsApp von der Visaagentur.

Wir hatten zum zweiten Mal versucht, ein Visum für Kasachstan zu bekommen. Dort steht ja seit Februar 2020 unser VW Bus Kittymobil und wegen der Pandemie konnten wir bisher nicht zurück nach Kasachstan. Der erste Visumantrag brachte das Angebot eines 5 Tage Transitvisums. Moment – kurzer Blick auf die Karte: wohin kann man von Kasachstan aus reisen? Nirgendwo. Alle Grenzen geschlossen. Das war damals so und ist es heute, Anfang 2021, immer noch. Geographiekenntnisse der Botschaft: mangelhaft. Kasachstan kündigte im Laufe des Jahres an, im November die Visapflicht aufzuheben. Also warteten wir ab. Doch die Infektionszahlen in Deutschland entwickelten sich nicht so erfreulich, die Visapflicht blieb.

Und wir hatten ein Problem. Kasachstan gehört zur eurasischen Zollunion. Man darf ein Fahrzeug für maximal ein Jahr in diese Zollunion zollfrei einführen. Dieses eine Jahr läuft für Kittymobil am 6.1.2021 ab. Man kann diese Zollpapiere, das „temporary import permit“ TIP um drei Monate verlängern. Diese Aufgabe hatte die deutsche Botschaft in Eriwan (Armenien gehört auch zur eurasischen Zollunion) bereits zwei Mal für Jans dort gestrandetes Motorrad (und alle anderen deutschen Fahrzeuge im Land) erledigt.

Die einfachste Lösung für die Zollpapiere von Kittymobil wäre also gewesen, dass die deutsche Botschaft in Kasachstan, beziehungsweise das Konsulat in Almaty, es ihren Kollegen in Armenien nachtut. Aber das wollten sie nicht, bzw. redeten sich heraus mit “kein Handlungsspielraum”. Es wurde von uns tatsächlich erwartet, dass wir für die 10 Minuten auf dem Amt nach Kasachstan fliegen.

Als am 1. November klar wurde, dass Kasachstan die Visapflicht für Deutsche doch nicht aufhebt, fragte Jan am 2. November explizit ein zweites Mal den Herrn des Konsulats in Almaty, ob es vielleicht eine unbürokratische Lösung gäbe, denn wir wussten von anderen Ländern, dass solche TIP pauschal verlängert wurden, wenn es aufgrund von Grenzschließungen unmöglich ist, das Fahrzeug außer Landes zu bringen.

Die Antwort war ausweichend. Man hatte keine Ahnung, wollte aber auch keine haben.

Die Antwort des von unseren Steuergeldern bezahlten Staatsdieners war vorauszusehen: unser Problem, man könne “nicht dienen” (also: das Telefon nicht be-dienen oder uns die Nummer des Zolls verraten) wir sollten einen Zoll-Broker bemühen. Immerhin gab’s die Kontaktdetails eines solchen Brokers. Leider meldete sich dort niemand und unsere Zeit tickte.

Der Herr vom Konsulat meinte übrigens auch, das sei alles unsere Privatangelegenheit und er sowieso nicht zuständig, weil wir in keiner Notlage seien. Klar, NOCH nicht, aber wenn wir weiter alle 3 Monate zwischen Deutschland und Kasachstan hin und her fliegen müssen, weil man im Konsulat in Almaty nicht kann (will), was in Eriwan normal ist, dann geraten wir schon in eine (finanzielle) Notlage…

Wir stellten also zum zweiten Mal einen Visumsantrag. Diesmal über eine Visaagentur. 105€ pro Person. Und genau das war die WhatsApp, die Jan am zweiten Abend unserer frisch gegründeten WG erreichte: es hatte geklappt! Wir hatten Visa für Kasachstan! Allerdings gültig ab quasi sofort, maximal 4 Wochen („ab sofort“) und mit strengen Auflagen: wir brauchten einen negativen PCR Test, der bei Einreise maximal 72 Stunden alt sein durfte. Und: wir mussten mit einem Direktflug aus Deutschland einreisen. Wir saßen in Bulgarien, Deutschland war weit weg und die Zeit rannte. Schnell nach Deutschland fliegen und dann von einem anderen Flughafen nach Kasachstan? Keine gute Idee, denn…

Es gab Gerüchte, dass Bulgarien Ende November die Landesgrenzen schließen würde und dann nur Bulgaren oder Ausländer mit bulgarischem Wohnsitz nach Bulgarien einreisen dürften. Wir konnten bis dahin keinen Wohnsitz in Bulgarien anmelden, da wir ja wegen der bescheuerten Geschichte mit der Krankenversicherung und der deutschen Reisewarnungen zu der Zeit noch einen temporären Wohnsitz in Hamburg hatten. (Warum, das haben wir hier erklärt: Allein mit Hans) Mittlerweile besteht der deutsche Wohnsitz nicht mehr, aber er stand uns damals noch im Weg. Einfach nach Deutschland fliegen bedeutete zu riskieren, dass wir das dritte Fahrzeug (nämlich unseren Passat Hans) in einem dritten Land dieser Erde verstreut hätten: Hans in Bulgarien, Oskar in Armenien und Kittymobil in Kasachstan. Fliegen kam daher nicht in Frage. Wir mussten fahren! Und das gestaltete sich aufgrund geltender Corona-Regeln in den fünf Transitländern als schwierig.

In Bulgarien gab es keine Beschränkungen. In Rumänien war für Deutsche nur Transit erlaubt. In Ungarn bekamen alle Fahrzeuge gelbe Transit-Aufkleber, mit denen man als Transitreisender nur an den dafür gekennzeichneten Tankstellen anhalten durfte. In Österreich durften wir auch nur im Transit reisen, es galt Beherbergungsverbot und Ausgangssperre ab 20 Uhr. Für die Deutschen kamen wir aus einem Risikoland (für Deutschland ist ja  ungeachtet eigener extrem hoher Infektionszahlen alles Risikoland, was nicht Deutschland heißt) und wir durften uns daher dort auch nur 24 Stunden im Transit und ohne Übernachtung aufhalten oder mindestens 5 Tage in Quarantäne gehen, bevor wir einen Test machen durften. Soweit die Regeln. Und jetzt rechnet selbst: von der bulgarisch-rumänischen Grenze bis zur Einreise nach Kasachstan hätten wir nirgends übernachten dürfen. Das heißt: über 2000km Autofahrt und Weiterflug bis Almaty ohne Schlaf.

Wir brauchten außerdem zur Einreise in Kasachstan einen maximal 72 Stunden alten, negativen PCR Test. Da unser Flug zwar ein Direktflug nach Kasachstan war, aber mit zwei Mal umsteigen, waren wir im schlechtesten Fall 18 Stunden nach Abflug erst an der kasachischen Passkontrolle. Da der PCR Test (in Bulgarien) ca. 9 Stunden braucht, um ausgewertet zu sein, mussten wir auch das planen, denn das Testergebnis musste ausgedruckt und abgestempelt vorliegen.

Ein Anruf bei unserer Hausärztin ergab: in Deutschland ist es etwas langsamer als in Bulgarien. In Deutschland kann es schonmal bis zu drei Tage dauern, bis das Testergebnis vorliegt. Ach so. Bis zu drei Tage. Also völlig unnütz. Man kann in Deutschland also drei Tage hochinfektiös herumlaufen, weil das Testergebnis so lange dauert. Und drei Tage sind für die Einreise nach Kasachstan natürlich auch Mumpitz.

Wir googelten uns die Finger wund und fanden heraus: am Flughafen Frankfurt gibt es ein privates (und ein staatliches) Testzentrum. Im privaten Testzentrum gibt es Testergebnisse innerhalb maximal 24 Stunden, mit Preisaufschlag innerhalb von 12 oder gar nur sechs Stunden. Das war die Lösung, wenn auch illegal, denn 12 Stunden auf ein Testergebnis warten, 600km durch Deutschland fahren, nicht zu übernachten und im 24 Stunden Rahmen aus Deutschland wieder auszureisen war schlichtweg unmöglich. Deutschland hatte nämlich mittlerweile die „digitale Einreiseanmeldung“ verpflichtend gemacht, die jeder vor Einreise nach Deutschland machen muss, damit der Staat die Einhaltung der Regeln auch kontrollieren kann. Theoretisch.

Nur maximal 3 Tage vor Ankunft ausfüllbar

 

Wir fanden heraus: diese Einreiseanmeldung kann man maximal drei Tage vor Einreise ausfüllen. Da wir aber drei Tage unterwegs sein würden und unterwegs ja keinen Copyshop aufsuchen durften, für uns nicht machbar. Bei probeweisem Ausfüllen des online-Formulars stellten wir auch fest: Neuland. Man kann „Hänschen Klein“ in „Musterhausen“ zur Einreise anmelden.

Wahrscheinlich wegen Datenschutz werden die Angaben nicht zur Ausweisnummer (hier: Autokennzeichen) oder Meldeadresse passend überprüft. Deutschland steht sich wieder mal selbst mit Datenschutz und Digitalisierung im Weg.

Soweit die Fakten und Herausforderungen für unsere Anreise nach Kasachstan. Es war Samstagmittag, als wir Hans volltankten und starteten. Es fühlte sich nach einem Abschied von Bulgarien für längere Zeit an. Auf der Strecke Richtung Sofia kehrten wir nochmal in „unserer“ Truckerbude ein, genossen ein letztes Mal leckeres bulgarisches Klischee-Essen (Grillspezialitäten). Eigentlich wollten wir in Hans schlafen, aber rund um den Grenzort Vidin gab es nichts, wo man in einem „Schaufenster“ (Hans hat ja rundum Fenster und keine Gardinen) hätte übernachten können. Wir buchten uns in einem Truck Stop ein. Einfach, aber sauber. Hans war eindeutig das kleinste Fahrzeug auf dem Hof.

Mit Sonnenaufgang wollten wir über die Donau nach Rumänien einreisen. Doch wir hatten die Planung ohne die LKW Fahrer gemacht, die die PKW Spur blockierten. Warum auch immer. Die Polizei schaffte es nach 1,5 Stunden, alle LKW Fahrer zu wecken und die Fahrspur frei zu machen. Bei der Einreise wurden wir kontrolliert, die Pässe in ein Häuschen getragen und es wurde gefragt, wohin wir wollten. „Deutschland“ reichte. „O.k., Transit!“ Und so durchquerten wir im Schnelldurchgang Rumänen. Die Vignetten hatten wir schon im Voraus online gekauft.

Ungarn. Die Frisur sitzt. 🙂

An der Grenze zu Ungarn wählten wir einen kleinen Grenzübergang, um den LKW-Stau zu umgehen. Eine mürrische Zöllnerin klebte uns den großen, grellgelben „Transit“ Aufkleber auf die Windschutzscheibe. „Only Transit!“ bellte sie. Danke, wussten wir. Was wir nicht wussten: das mürrische Gesicht war nur Fassade. Die Zöllnerin hatte den Aufkleber nur zart aufgelegt, statt ihn richtig aufzukleben. Und so flog er schon von der Windschutzscheibe, bevor wir zurück auf der Autobahn waren. Sie hatte uns damit „unsichtbar“ gemacht. Soweit man mit bulgarischem Kennzeichen in Ungarn unsichtbar sein kann. Wir verließen tatsächlich einmal die Autobahn, um zu tanken. Grundsätzlich ist das in Ungarn aber gut geregelt. Die für Transit-Fahrzeuge erlaubten Parkplätze und Tankstellen sind gut ausgeschildert, an zweien gibt es sogar Hotels.

Bei der Einreise nach Österreich gab es Stau. Die Österreicher, ordentlich mit richtig sitzenden Masken ausgestattet, befragen alle Fahrzeuge persönlich. Transit nach Deutschland war okay, allerdings war fünf Minuten nach Einreise Beginn der Ausgangssperre und Beherbergungsverbot war auch. Österreich war das vierte Land des Tages und wir brauchten dringend Schlaf. Aber wir haben ja Hans! Irgendwo im Wienerwald fanden wir einen Platz für die Nacht an einem Bach und wachten mit Sonnenaufgang herrlich gut erholt im eigenen Bett wieder auf. Wir hatten damit aber gegen das Übernachtungsverbot und die Ausgangssperre verstoßen.

Es war zu früh für Frühstück vom Bäcker, also lebten wir von Keksen, wie schon den Tag zuvor. Bei Wels verließen wir die Autobahn, es war mittlerweile 10 Uhr und wir gingen davon aus, bei Mc Donald’s Kaffee und Toilette zu bekommen und bei einem Bäcker etwas anderes als Kekse. Bei Mc Donald’s hätten wir Kaffee bekommen, aber die Toilette war für Kunden verboten. Im Einkaufszentrum nebenan gab es eine geöffnete Toilette und einen Bäcker mit Käsebrötchen. Muss man nicht verstehen. Die Frage nach dem Sinn halbherziger Corona-Maßnahmen stellen wir uns in Westeuropa nicht mehr.

Wir fuhren weiter nach Deutschland. Ohne Einreiseanmeldung. Und ohne Grenzkontrollen. Es war einfach niemand da. Niemand, der diesen Zettel hätte kontrollieren können. Das einzige Land von fünf unserer Reise durch Europa, das keinerlei Kontrolle macht. Keine. Aber alle Deutschen glauben, dass kontrolliert wird. Dass bei der Einreise nach Deutschland nicht kontrolliert wird, glaubt uns “keiner”. Da läuft etwas ganz schön schief. Gut für uns, aber schlecht für die Bekämpfung der Pandemie in Deutschland. Westeuropa. Muss man nicht verstehen. Kennen wir aus anderen Ländern anders.

Theoretisch hätten wir also ab Einreise nur 24 Stunden Zeit gehabt, um ohne Schlafen zum Flughafen zu kommen und einen abgestempelten PCR Test in den Fingern zu halten. Weil aber niemand in Deutschland wusste, dass wir da waren und wir ja auch diese Einreiseanmeldung nicht gemacht hatten (weil nicht langfristig ausfüllbar), waren wir fein aus dem Schneider. Jetzt mussten wir es nur schaffen, mit dem bulgarischen Kennzeichen nicht aufzufallen. Wir durchquerten Deutschland und gönnten Hans 20km vor dem Ziel eine Autowäsche: unser fast 30 Jahre alter und absolut treuer „Partner in Crime“ war mal eben spontan mit uns einmal quer durch Europa gedüst!

Hans bezog sein Versteck in Papas Garage, ab dann waren wir mit lokalen Kennzeichen inkognito unterwegs. Wir schliefen erstmal (verboten, verboten!) und fuhren dann, getarnt als Einheimische, zum privaten Testcenter am Frankfurter Flughafen. Nach schon sechs Stunden hatten wir unsere Ergebnisse: negativ natürlich. Wo hätten wir uns auch anstecken sollen? Wir verbrachten noch eine verbotene Nacht in Deutschland, bevor wir morgens den Flieger nach Kasachstan bestiegen. Der Flughafen Frankfurt war übrigens kaum leerer als sonst. Wo die Bilder im TV herstammen, auf denen leere Flughäfen gezeigt werden, wissen wir nicht. Wir haben dieses Jahr seit unserem „Daueraufenthalt“ in Usbekistan 9 (neun!) Flughäfen von innen gesehen und bis auf Taschkent war es nirgendwo leer.

Unsere Flugverbindung war alles andere als komfortabel. Da die Zeit auf unserem Visum schon lief und jeder Tag Verzögerung ein Tag kürzer in Kasachstan bedeutete, hatten wir trotzdem gebucht. Es ging zunächst nach Uralsk. Der Flughafen dort ist ein kleines Holzhaus und man war mit einem Flieger aus Deutschland sichtlich überfordert. Denn da stiegen doch tatsächlich auch zwei Deutsche aus! Aufgrund der strengen Visaregularien schien das wohl schon lange nicht mehr vorgekommen zu sein, sodass das Personal etwas überrascht wirkte. Nach Fieberkontrolle, eingehendem Studium unserer (in weiser Voraussicht auf Russisch ausgedruckten) PCR Testergebnissen und Visapapiere durften wir einreisen! Geschafft!

Die meisten Passagiere verließen dann zu Fuß über das Rollfeld das Flughafengelände. Das Gebäude hatte keinen richtigen Ausgang, kein richtiges Gepäckband, keine richtigen Schalter. Es wirkte alles ziemlich improvisiert, aber wir sahen: ein Flughafengebäude aus Stein wird gebaut! Obwohl an unseren „Türkenkoffern“ voll Christstollen, Landjägern, deutschem Bier und weiteren Mitbringseln dicke gelbe „Transit“ Zettel flatterten, wurde unser Gepäck doch ausgeladen. Wir mussten es abholen und wieder neu abgeben. Naja, man übt noch „Flughafen“ in Uralsk. Für uns war wichtig: wir hatten es nach zwei Visaanträgen und fünf Tagen Reise geschafft, nach Kasachstan einzureisen!

Wir flogen weiter von Uralsk nach Nur Sultan. Eigentlich saßen wir nebeneinander, aber die Kärtchen mit den Sicherheitshinweisen waren da anderer Meinung: Jan saß in einem anderen Flugzeugmodell als ich. 😊 In Astana (Nur Sultan) hatten wir vier Stunden Aufenthalt. Es war saukalt dort, -14°C und alle unsere Winterklamotten lagen ja in Almaty! Zähne zusammenbeißen und bibbern! Nach vier Stunden ging es im warmen Flieger auf die letzte Etappe. Wir kamen in Almaty an und es war alles exakt so, wie es war, als wir im Februar dort abreisten: eisig kalt und tief verschneit. Als wären wir nie weg gewesen!

Wir zahlten Aufpreis im Hotel, um nach 18 Stunden Fliegerei gleich aufs Zimmer zu dürfen. Ein paar Stunden Schlaf taten gut. Zum ersten Mal in 5 Tagen Reise legal schlafen. Dann begann die Rennerei. Um des besseren Verständnisses Willen ziehe ich nun ein Ereignis vor: die Verlängerung der Zollpapiere. Nur deswegen waren wir ja extra nach Kasachstan geflogen. Nur deswegen hatten wir das teure Visum beantragt, waren über 2000km durch Europa gerast, hatten die PCR Tests bezahlt und teure Flugtickets gekauft. Weil das deutsche Konsulat ja meinte, wir müssten das tun: persönlich aufs Amt gehen oder einen Broker schicken, der sich ja nicht gemeldet hat. (Er hat sich irgendwann doch gemeldet, aber da waren wir schon in Kasachstan).

Es meldete sich bei mir per WhatsApp eine Zollbeamtin. Sie habe meine Nummer vom Konsulat. Das Konsulat habe ein Schreiben ans Außenministerium aufgesetzt, wegen dem sie sich bei mir melde. Zollpapiere verlängern? Wir redeten irgendwie aneinander vorbei, glaubte ich. Irgendwie kamen wir nicht miteinander klar. Das Konsulat wollte keine Aussage zum Inhalt dieses Schreibens machen, wir drehten uns im Kreis. Drei Mal Nachfragen ergab immer noch keine Auskunft vom deutschen Herrn Staatsdiener. Es löste sich dann schnell auf, als wir auf dem Amt persönlich mit einer Beamtin sprachen: es war genau die Dame, die sich per WhatsApp gemeldet hatte. Sie verstand nicht, warum wir da waren: die Zollpapiere für ausländische Fahrzeuge seien bereits zwei Mal pauschal verlängert worden! Kein Ausländer müsse deswegen nach Kasachstan kommen! Was bitte wollten wir bei ihr?

Wir waren uns nicht sicher, ob wir das jetzt richtig verstanden hatten: die Papiere wurden pauschal verlängert? Bereits zwei Mal? Niemand musste persönlich dazu aufs Amt? Jan lief los auf der Suche nach jemandem, der uns dolmetschen konnte. Ich rief einen kasachischen Facebookbekannten an, der mit der Zollbeamtin telefonierte und dann bestätigte: wir hätten niemals wegen der Zollpapiere nach Kasachstan kommen müssen. Der Facebookbekannte fand einen entsprechenden Link (mit Übersetzungssoftware hier zu lesen: Link zum Artikel), die Zollbeamtin gab es uns schriftlich: alle TIP wurden zunächst im April (exakt 4 Tage nachdem das deutsche Konsulat in Almaty von unserer Situation erfahren hatte, siehe Screenshot) pauschal für alle Fahrzeuge verlängert, dann ein zweites Mal im September. Wir konnten es nicht fassen!

Der ganze Aufriss, um persönlich auf dem Amt zu erscheinen war völlig umsonst! Das ganze Geld, was wir dafür ausgegeben hatten, unnötig zum Fenster herausgeworfen! Die vielen Tage Reise bis zu dieser Information vergeudete Arbeitszeit, in der ich unsere Reisekasse prall füllen wollte! Das Risiko, im Winter mit einem 30 Jahre alten Auto nun 2x quer durch Europa zu düsen, das Risiko, uns auf der Reise zu infizieren, alles für nichts und wieder nichts! Weil die deutsche Auslandsvertretung vor Ort nicht informiert ist, sich nicht informiert, wenn man explizit fragt und dann folgenschwer um den heißen Brei herumredet!

Mittlerweile war Bulgarien, wie längst befürchtet, in den Lockdown gegangen und hatte seine Landesgrenzen geschlossen. Wir konnten also nicht zurück in unser Haus. Wir konnten aber auch nicht in Deutschland bleiben, denn Deutschland verlangt für Einreisende aus Kasachstan Quarantäne, obwohl die Infektionszahlen in Kasachstan im Vergleich zu Deutschland völlig lächerlich sind (800 Neuinfektionen täglich in Kasachstan, 800 Tote täglich in Deutschland) und es für uns ein echtes Gesundheitsrisiko darstellt, in Deutschland zu sein. Während unseres kurzen Aufenthaltes in Deutschland wurde uns auch klar, wie die Zahlen dort zustande kommen…

(Kasachstan hat 18 Millionen Einwohner)

Dank des deutschen Konsulats waren wir nun ohne Möglichkeit, irgendwo in Europa ohne Quarantäne legal länger als 24 Stunden zu bleiben. Wir hätten so produktiv den Lockdown in Bulgarien aussitzen können, statt dumm durch die Weltgeschichte zu fliegen! Wir waren aus dem gemieteten Haus in Bulgarien ausgesperrt. Wir wussten nicht, was tun, wussten nicht, wohin, waren völlig umsonst in Kasachstan und völlig unnötig in diese Situation geraten. Unglaublich!

Arroganz hoch drei. Bitte sorgfältig reinzoomen und lesen.

Es schlug mir buchstäblich auf den Magen. Mir wurde schlecht, ich musste mich hinlegen. Die darauffolgende Nacht schlief ich kaum vor lauter Hass auf deutsche Sesselpupser, die hier ein großzügiges Gehalt von unseren Steuern bekommen (ja, wir sind in Deutschland steuerpflichtig!), aber ihren Job nicht tun und uns unnötige und unglaubliche Kosten verursachen und uns wissentlich gesundheitlichen Risiken aussetzen. Ich wachte weinend auf. Keine Chance, diesen Menschen zu entkommen. Keine Chance, das viele Geld zurück zu bekommen. Keine Chance auf Kommunikation mit der deutschen Auslandsvertretung. Gefangen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Und keine Chance, das zu ändern. Wir erfuhren (natürlich hinterher), dass z.B. die Niederländer ihre Bürger mit Fahrzeugen vor Ort über diese Pauschalverlängerung der Papiere rechtzeitig informiert haben. Man kann also durchaus in einer Auslandsvertretung Fragen derer richtig beantworten (oder diese aus Eigeninitiative klären, bevor die Fragen überhaupt gestellt werden), die einem das Gehalt zahlen! Nur die Deutschen können (wollen?) das hier nicht. Wir haben nichts Außergewöhnliches gewollt. Es ging nur darum, eine einfache Frage zu eventuellen, Pandemie-bedingten Änderungen der uns als deutsche Staatsbürger betreffenden kasachischen Gesetze zu beantworten. Einen Anruf beim Amt oder auch nur bei den Kollegen anderer Länder für uns zu tätigen oder uns Kontakte zu vermitteln. Einfach nur fünf Minuten ihrer Zeit für diejenigen zu investieren, die ihr Gehalt zahlen. Nein, das war unmöglich für den Herrn, lieber ließ er uns nach Kasachstan reisen.

Nun lag es an uns, die verbleibende Zeit in Kasachstan mit positiven Dingen zu füllen, damit sich das viele Geld, der immense Aufwand und das Risiko sich doch noch irgendwie gelohnt haben. Ob uns das gelang, lest Ihr demnächst.

Weil wir wissen, dass einige von Euch uns (mal wieder) nicht glauben, dass eine deutsche Auslandsvertretung so reagiert, hier nochmal Auszüge aus der sich seit April hinziehenden Kommunikation:

 

 

Mehr Hohn geht nicht. Ist ja nicht sein Geld, nur unseres. Und das gleich doppelt: das Gehalt des werten Herrn in seiner Diplomatenblase zahlen wir nämlich auch. Wir wissen, dass es durchaus deutsche Auslandsvertretungen gibt, die menschlich und hilfsbereit sind: Eriwan, Dubai, Sofia und Teheran sind uns aus den letzten drei Jahren Reise bekannte, sehr engagierte Vertretungen. Usbekistan und Kasachstan dagegen… Ihr erinnert Euch? Jan hat in Taschkent sieben (7!) Wochen um einen neuen Reisepass betteln müssen, weil gleich zwei seiner Pässe ungültig wurden. Zur Erklärung: sind deutsche Bundesbürger aus Deutschland abgemeldet, so ist die deutsche Auslandsvertretung ohne Ausnahme für solche Angelegenheiten zuständig. Man “fühlt sich nur nicht danach” in manchen Ländern…

Mit was wir die Zeit in Kasachstan noch so prall gefüllt haben und wie wir aus unserer Situation der unmöglichen Rückkehr in unser Haus in Bulgarien wieder herausgekommen sind, lest Ihr in ein paar Tagen! 🙂

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