Nein, nicht unsere Hochzeit. Die würden wir sofort wieder feiern, aber erstmal war ein anderes Brautpaar dran. 😊 Als wir vor ein paar Wochen in Antalya waren, beobachteten wir durchs Fenster den Rezeptionisten unserer Unterkunft, wie er mit seiner Verlobten und deren Freundinnen durch ein leerstehendes Zimmer tanzte. Die beiden übten ihren Hochzeitstanz und schon waren wir im Gespräch. Wir haben auf unserer Hochzeit auch mit einem eigens einstudierten Hochzeitstanz die Tanzfläche eröffnet. Neugierig? Hier gibt’s eine (drittklassige) Aufnahme davon:

Wir hatten noch mehr gemeinsam: die Hochzeit sollte wie unsere outdoor stattfinden, in einem Garten und mit nicht zu vielen Gästen. Jedenfalls luden uns die beiden im Laufe des Gesprächs zu ihrer Hochzeit ein. Widersprach das nicht „nicht zu viele Gäste“? Wir waren skeptisch, ob die Einladung nicht nur so daher gesagt war. Doch zwei Tage später trudelte tatsächlich die Einladungskarte ein, samt QR Code zur Location per WhatsApp. Wir zögerten immer noch, ließen uns aber von zwei Freunden mit türkischen Wurzeln/Beziehungen beraten und sagten zu. Alle waren sich sicher: es werde ein riesiges Fest mit mehreren hundert Gästen und toll! Okay, dann brauchten wir noch was zum Anziehen!

Jan war schnell für 13€ fertig: ein neues weißes Oberhemd, darunter ein billiges weißes T-Shirt, dazu seine dunkle Jeans und die zufälligerweise schwarzen Schuhe aus unserem kleinen Handgepäck. Ich fand für 18€ ein Kleid (Größe 42 statt 34, aber egal, bei der Hitze lieber flatterig statt eng), dazu ein paar High Heels für 11€ und noch für 50cent eine weiße Unterhose 😊 Für 42€ waren wir hochzeitsfein eingekleidet. Wir reisen ja seit 1,5 Jahren mit Handgepäck. Anfangs nur durch Zufall, jetzt aus Überzeugung: man braucht nicht mehr. Und wenn man etwas braucht, was man nicht dabei hat, kann man es für klitzekleines Geld unterwegs kaufen.

Wir waren mittlerweile aber in Kappadokien, wo wir 4 Tage Reisepause zum Arbeiten eingelegt hatten, und die Hochzeit sollte in Antalya stattfinden. Da sind wir an einem Tag 550km zurückgefahren, für uns eine wahnsinnige Tageskilometerleistung, dafür hatten wir auf dem Hinweg ganze fünf Tage gebraucht! 😊 Wir hatten uns gedacht, im antiken Side an der kleinen Marina gemütlich zu frühstücken, denn dort waren wir vor zwei Jahren mal in unserem ersten Pauschalurlaub. Warum wir während unserer Weltreise manchmal Pauschalurlaub machen müssen, haben wir hier erklärt: Visarun nach Istanbul und Stress in Europa  Was wir allerdings bei unserem Frühstücksplan nicht bedacht hatten war die Tatsache, dass alle Touristen rund um Side eben mit solchen Pauschalreisen oder zumindest mit „Übernachtung mit Frühstück“ dort urlauben und es daher gar kein Frühstück im Café gibt! Wir fanden aber einen Bäcker und aßen sein Gebäck in dessen Garten. Auch schön!

Wir suchten uns in der Nähe der Hochzeitslocation eine schattige Zitrusplantage für die Nacht und schmissen uns in Schale. Wider Erwarten ging die Hochzeit pünktlich um 19 Uhr los. Eine kleine Zitterpartie in den Wochen zuvor, denn wegen Corona waren bis Ende Juni Hochzeiten verboten und ab 22 Uhr Ausgangssperre. Seit dem 1.7. darf wieder Hochzeit gefeiert werden. Outdoor und nur bis Mitternacht. Es war der 3.7. und alles lief nach Plan. Nur unsere Vorstellung einer „türkischen Großhochzeit“ lag völlig daneben.

Die Location war ein wunderschön mit Macramé und Lichterketten geschmückter Garten mit schönen Möbeln im Shabby Chic. Jan fiel mit seiner Jeans nicht negativ auf, aber wir wurden zum Tisch geleitet und unsere Tischgesellschaft sprach Englisch und war uns im Hotel schon über den Weg gelaufen. Das Hochzeitspaar hatte an alles gedacht und sich unglaublich gefreut, dass wir wirklich gekommen sind. Die Familie des Bräutigams sprach zwar nur Türkisch, war aber auch super sympathisch und wir erlebten einen wunderschönen Abend, an dem wir viel Schweiß auf der Tanzfläche vergossen haben. Unsere Tischnachbarn versuchten, uns alle Hochzeitsbräuche zu erklären und das meiste haben wir verstanden und mitgemacht: die Geldgeschenke, das Henna-Tattoo (für die Gäste gab’s Henna als Gastgeschenk) etc., aber manches blieb mysteriös: warum zum Beispiel hat die Braut einen Krug, den ihr eine Freundin nach einer Zeremonie reichte, auf dem Boden zerschmettert? Pünktlich um 23:30 packte die Band ein und alle (nur 150!) Gäste wurden mit Masken auf den Heimweg geschickt, denn um Mitternacht war Ausgangssperre. Wir hatten einen so unglaublich schönen Abend, haben viel getanzt und gelernt, dass eine türkische Hochzeit eben nicht immer so abläuft, wie man das von Deutschland kennt: Massenveranstaltungen mit viel Glitzer und Kitsch in riesigen Festhallen. Diese Hochzeit war so, wie wir sie selbst gefeiert hätten: klein, outdoor, ein bisschen hippie und mit viel Tanz. Nur die Hochzeitstorte, die hätten wir anders gemacht. Das war übrigens das Einzige an der Hochzeit, was genau so ausfiel, wie wir es erwartet hatten 😊

Wir fuhren zurück in die Zitrusplantage und schliefen beseelt ein. Am nächsten Morgen waren wir mit Franzi und Robert von „Bike Free“ verabredet, die eigentlich etwa zwei Wochen zeitversetzt „hinter“ uns gen Osten reisen und mit denen wir uns schon in Bulgarien zwei Mal getroffen hatten. Dadurch, dass wir wegen der Hochzeit quasi „rückwärts“ gefahren sind, konnten wir uns wieder treffen und 7 ½ Stunden lang „frühstücken“. Die beiden lieben wie wir die türkische Küche und die türkische Frühstückstradition und als wir uns trennten, rollten wir quasi auf vier kugelrunden Bäuchen weiter. 😊

Wir fuhren noch eine Tagesetappe „rückwärts“, denn noch ein anderes Reisepärchen war durch unseren „Rückwärtsgang“ in der Nähe: Heike und Gerd von „Leben pur“, mit denen wir in Bulgarien schon meinen Geburtstag gefeiert hatten. Die beiden waren gerade im „Urlaub von der Langzeitreise“ und hatten eine nette Hütte in Cirali gemietet. Das Dörfchen mit dem „Schildkrötenstrand“ und dem „brennenden Berg“, falls Ihr Euch erinnert? Da waren wir ja auch vor ein paar Wochen zwei Tage und machten jetzt einfach noch einen dritten „Cirali-Tag“ mit den beiden. Dort ist es aber auch einfach wunderschön!

Wir schliefen wieder an unserem Lieblingsplatz, dem „Paradiesfluss“, der schattig mit Oleander „dekoriert“ vom Gebirge gen Meer fließt und zum Baden einlädt. Herrlich, dort nach einem heißen Tag hineinzuspringen! Am nächsten Tag haben wir dann den „Vorwärtsgang“ wieder eingelegt und sind die Küste entlang gen Osten gefahren. Zwischen Antalya und Alanya ist die Küste wirklich scheußlich und wir fragen uns immer wieder, warum die Leute dort Urlaub machen. Die 4-spurige Schnellstraße trennt die Hotelbunker vom Strand und wer „Zimmer mit Meerblick“ bucht, sieht nicht nur das Meer vom Balkon, sondern sieht (und hört) halt auch immer die „Autobahn“. Und um vom Hotel zum Strand zu kommen, muss die riesige Straße mit Tunneln oder Brücken überquert werden. Dann liegt man am Strand und hinter dem Badelaken braust der Verkehr… Aber wir müssen nicht alles verstehen, es scheint ja genug Leute zu geben, die das toll finden.

Nach Alanya wird die Küste wieder schön: raue Steilküste mit kleinen Dörfchen und kleinen Hotels für türkische Urlauber an kleinen Strandbuchten. Wir hielten an einem Obststand mit tollem Blick und mussten bleiben: geschenktes Obst probieren, die Einladung zum Tee annehmen und den geschenkten Maiskolben knabbern. Der Obstverkäufer, bei dem wir eigentlich nur lokale zuckersüße Bananen kaufen wollten, mochte deutsche Automarken und fand Hans toll.

Überhaupt: Unser Passat Hans ist jetzt seit genau einem Jahr bei uns und wir lieben ihn für seine absolute Zuverlässigkeit und Treue. Zur Feier des Tages gab’s für Hans ein 23€ teures Autoradio, damit wir jetzt unterwegs Musik und Podcasts vom Handy hören können. Mit Fernbedienung, damit wir dazu nicht aus dem Bett krabbeln müssen 😊  Hans‘ Vorbesitzer, mit dem wir immer noch in Kontakt sind, schrieb vor ein paar Wochen: „Very glad that you and he like each other.“ Ich glaube, das ist es: wir mögen Hans und er uns.  Wir sind ja schon immer der Meinung, dass ein kleines Reisefahrzeug besser ist als ein Großes, aber wir dachten dabei eigentlich immer an einen kurzen, flachen VW T4 Bus wie unser Kittymobil und nicht an einen PKW. Sicher, Kittymobil passt in viele Parkhäuser und Parkplätze, quetscht sich auch durch enge Altstädte und in Innenhöfe, passt in einen Übersee-Container und wird meist als PKW berechnet, wenn es um Fähre oder Maut geht. Aber Kittymobil ist halt auch einfach ein „Haus auf Rädern“. Ziemlich deutlich sichtbar. Auch, wenn wir mit Trennwand und ohne Seitenfenster und Solarpaneele bewusst „stealth“ (unsichtbar) geblieben sind. Doch Hans ist einfach noch unauffälliger und kleiner. Da parkt dann halt kein „Van“ = Campingauto, sondern ein 30 Jahre alter oller PKW irgendwo. Dass da drin zwei Leute wohnen, da kommt keiner drauf.

Und Hans rollt auch einfach in jedes Parkhaus, auch die mit 1,85m Höhenbegrenzung. Hans fällt nicht auf, er schwimmt einfach als alter PKW im Strom aller anderen alten PKW des Reiselandes mit. Und in manchen Gegenden (Taras in Kasachstan) ginge er in der Masse der 30 Jahre alten VW Passat einfach unter.

Das ist nicht Hans. Das ist “Knödlomobil” vor 12 Jahren an gleicher Stelle.

In Kappadokien waren wir ja beide schonmal. Jan mit dem Motorrad, ich mit einem… VW Passat, Baujahr 1987, dem Vorgängermodell von Hans! Es scheint, als sei ein Passat also wirklich das perfekte Overlanding-Fahrzeug! Damals war der Passat „Knödlomobil“ auf dem Weg nach Jordanien, heute fährt Hans uns ins Nachbarland. Hans ist so unscheinbar, dass wir trotzdem gut schlafen, wenn er irgendwo in der Stadt parkt (mit unserem Zeug drin) und wir ihn ein paar Tage nicht sehen. Dass der Schlüssel für die Heckklappe verloren und die immer offen ist und wir die Alarmanlage haben deaktivieren lassen, weiß ja keiner. Und wer hätte Interesse an einem solchen Fahrzeug oder käme auf die Idee, dass darin „was zu holen“ sei? Falls überhaupt jemand auf die Idee käme, „was zu wollen“. Unsere Erfahrungen in fast 30 Jahren „on the road“ sind nämlich ganz anders…

Bei Adana trennten wir uns von der Küste, das nächste Meer, was wir wieder sehen werden, ist das Schwarze Meer. Aber bis dahin sind es noch ein paar Kilometer! Und an was denkt Ihr, wenn Ihr „Adana“ hört? Richtig: Adana Kebab! Wir sind extra in die Innenstadt gefahren, um den Kebab dort zu probieren, wo er herkommt. So, wie wir den Iskender Kebab in seiner Ursprungsstadt Bursa gegessen haben. „Adana Kebab“ ist nicht nur der Fleischspieß, sondern „viel drumrum“: das am Spieß gegrillte, mit frischen, gehackten Chilischoten scharf gewürzte Hackfleisch wird mit einem speziellen Zwiebelsalat und anderem „Grünzeug“ und gegrillten Tomaten in einen Brotfladen gewickelt und als „Wrap“ gegessen und ist eine so riesige Mahlzeit, dass wir an dem Tag kein Abendessen mehr brauchten!

Mittlerweile sind wir in Sichtweite von Syrien und haben mit Blick über das fruchtbare Mesopotamien heute gefrühstückt. Doch davon erzählen wir im nächsten Beitrag!

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