Unser letzter Beitrag ist zwei Wochen her. Es wird Zeit, nachzuholen, denn wir haben mittlerweile tatsächlich das Land und die Reiserichtung geändert! Der letzte Beitrag endete in Saarisälka in unserem Ferienapartment, in dem wir uns drei Tage komplett eingeigelt hatten, weil wir Pause von anderen Campingreisenden, Massentourismus und den Folgen beider Tourismusarten brauchten. Als wir den Schlüssel abgaben, beschlossen wir, noch eine weitere Nacht, allerdings in unserem VW Bus Kittymobil, in Saarisälkä zu bleiben und dort auf die Ankunft unserer Freundin Uljana aus Deutschland zu warten. Wir zogen auf den offiziellen Wohnmobilstellplatz der Stadt um.

Normalerweise sind wir keine „Zivilisationscamper“, aber da es stark geschneit und gestürmt hat, wussten wir von vor vier Wochen, dass bei solchem Wetter die nächste sichere Übernachtungsmöglichkeit der Supermarktparkplatz in Ivalo ist. Aber auf dem offiziellen Stellplatz in Saariselkä gibt es saubere Toiletten und bei starkem Schneefall die Sicherheit, am nächsten Morgen auf geräumten Straßen wieder weiter fahren zu können – ganz im Gegensatz zu Waldparkplätzen. Soweit die Theorie.

Wie bereits mehrfach zu Eurem Unmut erwähnt, ist die derzeitige Lage hier in Skandinavien aufgrund des Massentourismus und der Camper-Schwemme dank Corona etwas „angespannt“, um nicht „touristenfeindlich“ zu sagen. Wir haben ja selbst am eigenen Leib erfahren, wie rücksichtlos sich hier andere Wohnmobilisten, „Vanlifer“ und andere „Weltverbesserer“ namens „Systemaussteiger“ verhalten. Da wundert es nicht, dass die Einheimischen schlechte Laune haben, die auch uns trifft. Und an dem Morgen traf sie uns richtig: während des laufenden Bulgarisch-Unterrichts kam der Schneepflug und schob den Schnee des ansonsten absolut menschenleeren Parkplatzes direkt auf Kittymobil. Ich war sprachlos, Jan sprang aus der Schiebetür und machte dem Schneepflugfahrer wilde Zeichen. Der winkte zurück, holte aus – und schob noch mehr Schnee auf Kittymobil. Wir waren komplett eingegraben. Mit Absicht.

Ich lief zum Touristencenter und bat um Hilfe. Man wollte mir dort auch erst glauben, als ich Videos von der Aktion gezeigt habe. Und dann ging es schnell: der Schneepflugfahrer flüchtete, als er mich zusammen mit dem Mann des Touristenbüros sah und wir wurden von einem netten Touristenbüro-Mitarbeiter wieder ausgegraben. Als ich mich später bei der Touristeninformation schriftlich beschwerte, kam als Antwort, das könne nicht passiert sein, das sei sicherlich „nur etwas Wind“ gewesen, der „ein wenig Schnee ums Auto geweht hat“. Seitdem auch diese Dame das Video gesehen hat, herrscht Funkstille. Man entschuldigte sich nicht mal. Warum wir dann nicht einfach abgereist sind, wenn es uns „nicht gefällt“? Wir warteten doch auf Uljana, die an dem Tag mit dem Flieger aus Frankfurt angereist kam!

Es war „Runeberg Tag“ in Finnland und ein „Flaggentag“, also eine Art Feiertag. Johan Ludvig Runeberg war ein Dichter, dessen Frau die heute unter dem Namen „Runebergintorttu“ bekannten Törtchen erfunden und ihrem Liebsten zum Frühstück serviert hat. Jedes Jahr am 5. Februar essen Finnen dieses Törtchen, welches es auch nur in den beiden Wochen zuvor zu kaufen gibt. Wir schlemmten mit: Mandelmehl und Brösel aus übriggebliebenen Pfefferkuchen, gekrönt mit Himbeermarmelade. Saftig und lecker! Runeberg lebte bei Helsinki, aber mochte den Norden, wie er in seinem Gedicht „Norden“ schreibt:

„Was für ein Zauber

liegt auf dem Norden?

Sehnsucht aus Süden –

Sehnen ist’s nach den

Himmeln des Nordens.“

Ganz unser Typ, der Herr Runeberg: Törtchen und Gedichte! Wir empfingen Uljana am Flughafen mit diesem Törtchen und verbrachten die folgenden sechs Tage in Inari. Sie als Reiseleiterin mit der Gruppe und in jeder freien Minute mit uns. Mal trafen wir uns zum Kaffeeklatsch in der ihrem Hotel nahegelegenen Tankstelle, mal kochten wir Gourmetkaffee mit Gewürzen in Kittymobil, mal liefen wir zusammen zu einem See oder fanden auf allen Vieren neue Wege durch den Tiefschnee auf einen Berg, von dem es gar keine Aussicht gab. 😊 Während Uljana arbeitete, arbeiteten auch wir. Sie mit der Reisegruppe bei diversen völlig überteuerten Winteraktivitäten, wir im warmen, gemütlichen Kittymobil am PC.

Wir verbrachten eine wirklich schöne Zeit zusammen: Uljana schlief im Hotel, wir an immer wechselnden Stellplätzen rund um Inari, denn erstens bleiben wir aus Prinzip nicht länger als zwei Nächte hintereinander am selben Stellplatz und zweitens wurden wir immer und immer wieder durch uns völlig fremde „Kuschelcamper“ vertrieben, die jedes Mal abends nach uns an einen Stellplatz kamen und statt sich auf die andere Seite zu stellen, Tür an Tür, Fenster an Fenster oder Stoßstange an Stoßstange mit uns parkten. Nicht schön, nur mit geschlossenen Vorhängen zu leben, weil sonst wildfremde Camper einem das Essen vom Tisch glotzen! Unsere gerade in der Ferienwohnung wieder halbwegs besänftigten Nerven wurden wieder ganz schön blank gelegt. Warum das Wohnmobilisten und andere Camper machen, verstehen wir immer noch nicht. Wahrscheinlich sind wir einfach nur strunzdumm.

Zum wirklich ersten Mal auf der Skandinavienreise, abgesehen von Uljana, trafen wir Seelenbalsam-Menschen. Beziehungsweise: sie trafen uns. Ein Ehepaar aus Heiligenhaus (wo ich gewohnt habe, als Kittymobil deutsche Kennzeichen bekam) entdeckte auf einem Wanderparkplatz unser ME Kennzeichen und kam mit uns ins Gespräch. So angenehme, fröhliche Menschen, die uns gleich am nächsten Tag auf einem ganz anderen Wanderparkplatz durch Zufall wieder entdeckten. Wir hatten im Januar schon geplant, in dem Hotel, in dem Uljana untergebracht war, gemütlich und lecker zu frühstücken und so lag es nahe, dass wir an einem Morgen mit den beiden zusammen an einem Tisch landeten. Elisabeth und Manfred: wahrscheinlich haben wir Euch inspiriert, aber Ihr uns auch sehr! Absoluter Seelenbalsam, nach so langer Durststrecke wieder Zeit mit Menschen zu teilen, die nicht von „Systemausstieg“, „Plandemie“ und anderem Mist labern, sondern ihr Leben fröhlich, weltoffen und blitzgescheit genießen! „Wenn wir groß sind“, fahren wir auch mal nach Bora-Bora und zu all den anderen Destinationen, die Ihr uns wie Flöhe ins Ohr gesetzt habt!

Einen Tag vor Uljanas Heimreise machten wir uns auf die Weiterfahrt. Inari ist landschaftlich wirklich schön, aber deswegen sind da auch einfach zu viele Menschen – insbesondere Kuschelcamper. Kittymobil scheint eine unglaubliche Anziehungskraft zu haben. Einmal sind wir sogar blöd angemotzt worden, weil wir wieder gefahren sind und nicht „über Nacht Gesellschaft leisten“ wollten und die Kuschelcamper „einfach alleine lassen“. Dabei waren wir nur wandern und wollten dort gar nicht übernachten…

Wir fuhren nochmal zu Jukkas kleiner Farm, auf der wir vor genau einem Monat übernachtet hatten (hier nachzulesen: Zu Besuch auf einer Rentierfarm). Jans Kaffeebecher und unsere VW Kaffeedose waren dort stehengeblieben und wir holten sie ab. Wir hatten kurz überlegt, dort auf einen gemütlichen Saunaabend mit Jukka zu bleiben, aber in der Küche waren „unpassende Gäste“, sodass wir es vorzogen, uns einen Stellplatz in der Einsamkeit der Natur zu suchen.

Und dort wartete Magie auf uns! Fast zwei Wochen war das Wetter grau, beziehungsweise schwarz-weiß: immer bedeckter Himmel und das bedeutet keine Sicht auf Nordlichter. Dieser Tag war der erste seit Langem, an dem die Sonne wieder alles zum Glitzern brachte, überall Feenstaub schimmerte und am Abend ein traumhaft klarer Sternenhimmel über uns funkelte. Wir standen im Wald in der Nähe einer nicht asphaltierten Straße ungefähr 50km in alle Richtungen entfernt von jeglicher Stadt. Ideale Bedingungen für den Zauber der Nordlichter!

Gegen Mitternacht ging es los: direkt über uns und Kittymobil gab der Himmel mal wieder sein Bestes und versöhnte uns mit den zurückliegenden Wochen der nervenaufreibenden Erlebnisse. Die Natur im Hohen Norden schafft es immer wieder uns genau dann zu verzaubern, wenn wir es ganz besonders nötig haben!

Weil die Nordlichter wieder so unglaublich lange dauerten, hatten wir wie vor gut drei Wochen in Norwegen viel Zeit, sie zu genießen. Für uns gehören zu Nordlichtern auch knackige Temperaturen unter -20°C und viel Schnee und auch damit konnte uns die Natur beglücken. Es war einfach perfekt! Finnland ist unser liebstes „Nordland“ und es hat sich nochmal richtig ins Zeug gelegt uns so zu verabschieden, dass wir vielleicht doch irgendwann länger wieder kommen und nicht nur kurz in Helsinki unsere eingelagerten Sommerreifen abholen…

Am nächsten Morgen erledigten wir noch, was in Finnland zu erledigen war (günstigen finnischen Diesel tanken, Wasser auffüllen, finnisches Roggenvollkornbrot bunkern, Pfandflaschen einlösen, …), dann fuhren wir nach Schweden. Zum zweiten Mal auf dieser Reise, zum dritten Mal eine Strecke, die wir vor fünf Jahren in dickstem Schneetreiben mit den Motorädern (unser Buch zur Reise: EIREISE), vor vier Wochen im Dunkeln und nun endlich bei goldenem Sonnenschein gefahren sind. Wir hatten eine für uns riesige Distanz von 300km zu überbrücken, denn wir wollten bei Kiruna unsere Reisefreunde Heike und Gerd (Leben pur) treffen. Kennengelernt haben wir uns dank Instagram an meinem 45. Geburtstag in Bulgarien, dann haben wir uns in der Türkei wieder getroffen, in Georgien zusammen Unmengen an Khinkhali vernichtet und nun, umgesattelt auf komfortable Winter-Reisefahrzeuge, trafen wir uns im Hohen Norden wieder!

Heike und Gerd warteten bereits in Jukkasärvi mit ihrem neuen Van „Felix“ auf „Kittymobil“ und uns und wir verbrachten das ganze Wochenende gemeinsam bei diversen Mahlzeiten, selbstgebackenem Kuchen und langen Gesprächen bis in die Nordlicht-Nacht bei -27°C. Dass Kittymobils Anziehungskraft auf Kuschelcamper außergewöhnlich hoch ist, durften unsere Freunde gleich zwei Nächte hintereinander beobachten: wir standen auf einem großen Wendehammer mit genug Platz für 10 Fahrzeuge, aber das einzige andere Fahrzeug, ein deutsches Wohnmobil, stellte sich im Dunkeln so eng an Kittymobil, dass es unmöglich war, an beiden Fahrzeugen gleichzeitig die Türen zu öffnen. Wir versuchen mittlerweile nicht mehr, das zu verstehen, nehmen aber auch keine Rücksicht mehr und wenn wir erst nach Mitternacht nach Hause kommen, dann darf unsere Schiebetür auch mit „Rumms“ einrasten.

In Jukkasjärvi ist das berühmte Eishotel, welches komplett aus Eis gebaut wird und in dem wir während der EISREISE unsere „offizielle Hochzeitsnacht“ zu Silvester 2016/17 verbracht haben. Eigentlich war die Idee, dort mit Heike und Gerd ein schönes Sonntagsfrühstück zu machen, aber das Hotel war komplett ausgebucht und man bat uns, am Montag zum Frühstück zu kommen. Weil Heike und Gerd aber montags und dienstags arbeiten, gingen wir ohne sie. Wie der Zufall es wollte, war Valentinstag und es hätte keinen besseren Ort für ein traumhaftes 4-Sterne Frühstück geben können als dort! Normalerweise ist bei uns täglich Valentinstag und das ganze Jahr über Hochzeitsreise, aber das war dann doch etwas Besonderes und wir haben es sehr, sehr genossen!

Eines der Künstlerzimmer von 2016/17: „1001 nights“

Mittlerweile gibt es auch für „Warmduscher“ Gelegenheit, das Eishotel im Sommer zu besichtigen. Das „echte“ Eishotel, in dem die Zimmer von internationalen Künstlern jedes Jahr neu aus Eis geschaffen werden, ist dann zwar geschmolzen, aber das „Eishotel 365“, eine Art solarbetriebene Tiefkühltruhe mit Hotelbetrieb, ist ganzjährig geöffnet. Der Eintritt von mittlerweile 30€ für die gesamte Anlage ist wirklich ein stolzer Preis, weswegen wir lieber in Erinnerungen schwelgten als die diesjährigen Künstlerzimmer zu bewundern.

So unspektakulär sieht das Eishotel außen aus!

Nachdem wir rund zwei Monate nördlich des Polarkreises verbracht hatten, wo es keine großen Städte gibt, war für uns Kiruna ein willkommener „Großstadtstop“. Es gibt dort zwar nur 23.000 Einwohner, aber für uns war es die erste Stadt seit Langem, in der wir ein paar Erledigungen machen konnten. Weil Kiruna eben doch nicht New York ist, haben wir immer noch keinen passenden Topfdeckel oder bezahlbaren Gürtel für Jan, gönnten uns dann aber am Ende des (Arbeits-)Tages mit Heike und Gerd eine Pizza. Die beiden hatten sich auf dem Campingplatz eingemietet, um Landstrom zu tanken, wir übernachteten außerhalb der Stadt.

Heike hatte auf dem Campingplatz das Waschhaus für zwei Stunden angemietet (wie man in der kurzen Zeit mit Waschen und Trocknen fertig werden kann, weiß nur der Campingplatzbetreiber) und unsere Unterwäsche mit in die Maschine geworfen. Mit frischer Wäsche und bei tollstem Sonnenschein machten wir uns mit Kittymobil zum zweiten Mal auf den Weg Richtung Schwedens höchstem Berg, dem Kebnekaise. Dort wollten wir vor vier Wochen schon hin, haben aber den Plan wegen Mistwetter nicht umgesetzt. Jetzt war das Wetter ideal und wir fuhren mit schönster Bergsicht ins Sackgassen-Tal.

In den zwei Monaten hier im Norden hatten wir bisher nur einen Elch gesehen, allerdings in Schneetreiben in der Dämmerung. Jetzt, auf den 70km bis Nikkaluokta, sahen wir insgesamt sechs Elche bei hellstem Sonnenschein! Zwei Elche marschierten mit ihren Elchkindern durch den tiefen Schnee, zwei andere Elche waren Einzelgänger und knabberten Kiefernnadeln. Übrigens haben um diese Jahreszeit auch die männlichen Elche kein Geweih, sodass wir nicht sagen können, was genau wir da gesehen haben. Nikkaluokta, im Sommer ein absoluter Hotspot für Wanderer und Bergsteiger, ist im Winter ein Dorf, in dem buchstäblich der Hund begraben ist. Auch im Sommer wird das Dorf ja nur von einer einzigen Familie beherrscht und im Winter schien es, als sei auch von dieser Familie kaum jemand vor Ort. Das einzige Lebenszeichen waren die Hubschrauber, die dort starten und zahlungskräftige Touristen zum Fotografieren des Kebnekaise fliegen. Und es gibt einige solcher Touristen…

Die ersten Versuche mit handelsüblichem Pustefix

Wir fanden einen Stellplatz in der Nähe und weil die Wetterbedingungen mit windstillen, sonnigen -26°C ideal waren, packte ich zum wiederholten Mal die „Seifenblasenkiste“ aus. Eigentlich wollten Uljana und ich gemeinsam Seifenblasen machen, die dann gefrieren und wunderschöne Fotomotive ergeben. Leider hat es nicht richtig geklappt, wie auch meine Versuche davor und danach recht erfolglos blieben. Aber mit jedem Versuch wurde ich „kluch“ und nun hatte ich gelernt: handelsübliche „Pustefix“ Lösung kristallisiert nicht attraktiv aus.

Man muss für kleine Glitzerkristalle Zucker darin auflösen, für federähnliche Kristalle Sirup. Ich hatte drei verschiedene Seifenlösungen am Start. Man darf auch nicht mit dem Mund pusten, denn bei -26°C ist die Luft aus der Lunge über 60 Grad wärmer als die Umgebungstemperatur. Das führt dazu, dass die Blasen sich beim blitzartigen Abkühlen zusammenziehen und die Hülle in hauchdünne Scherben zerbricht, noch bevor die Seifenblase landet. Also muss man mit einem dicken Strohhalm (von Uljana am Flughafen Frankfurt organisiert) aus einer großen PET Flasche Luft pusten, die genauso kalt ist wie die Umgebung.

Weil die Schneekristalle hier sehr spitz sind und die Seifenblase bei der geringsten Berührung zum Platzen (besser: zersplittern) bringen, muss man die Blase mit dem Strohhalm auf einer glatten Oberfläche aufpusten. Kittymobils Windschutzscheibe zum Beispiel oder ein umgedreht im Schnee vergrabenes Teelichtglas. Dann muss man schnell arbeiten: die Flüssigkeit darf nicht zu warm sein (sonst platzt die Blase, bevor sie durchgefroren ist), aber auch nicht gefroren. Der Strohhalm muss frei von Eiskristallen oder Schnee sein, sonst entstehen keine Blasen. Und die Seifenlösung muss schnell aufgepustet werden, bevor sie auf dem -26°C kalten Glasboden festfriert.

Irgendwann im Laufe der zwei Stunden, die ich im Schnee kniete, hatte ich es perfektioniert. Die Sonne ging gerade unter und die Bilder und Videos, die entstanden, zeigen den Zauber, den so einfache Dinge wie Seifenblasen können, wenn richtig Winter ist. Wir sind dankbar für jeden Tag, an dem wir solche kleinen Wunder erleben dürfen! Als die Sonne untergegangen war, saß ich mit den Tränen kämpfend unter der Kuscheldecke im Kittymobil. Weil meine Finger schmerzhaft auftauten und meine im -26°C kalten Schnee tiefgekühlten Knie wie Eisblöcke den Körper von innen kühlten. Aber es hat sich absolut gelohnt!

Als wir, von den Stunden draußen in der Kälte müde geworden, bei -29°C ins Bett kabbelten, zog die Natur noch einen letzten Zauber für uns aus dem Hut: ein „22° Halo“: ein kreisrunder, regenbogenfarbener riesiger bunt schimmernder Rand um den Vollmond. Wie beim Zirkumzenitalbogen vor ein paar Wochen tritt dieses Lichtphänomen besonders in Polarregionen auf, wenn Licht in bestimmtem Winkel auf Polareis in der Luft trifft. Für die Spiegelreflexkamera war der Kreis zu groß, wir werden ihn daher in unserer inneren Schatzkiste voll Zauberbilder bewahren. Noch etwas, von dem wir nichts wussten und was alle Sofareisenden und Winterhasser (die ja nicht wissen, was echter Winter ist) niemals erleben…

Auf der Rückfahrt am nächsten Morgen gen Kiruna trafen wir auf zwei Kleinbusse vollgestopft mit Touristen in den typischen Leih-Overalls (in Schweden grün, in Finnland blau-schwarz). Sie waren auf „Elch Safari“. Wir sahen an dem Morgen fünf Elche, die meisten ganz nah! Wir mussten sehr an unseren Besuch auf der Elch-Schutzstation in Russland denken, auf der wir im September mit einem Ranger gerettete Elchkinder kuscheln durften und sehr viel über diese majestätisch-federnd laufenden Tiere erfahren konnten.

In Kiruna trafen wir uns zu einem allerletzten Kaffee mit Heike und Gerd, dann fuhren wir in unterschiedliche Richtungen davon: die beiden Richtung Norwegen, wir Richtung Süden. Wir sind gespannt, in welchem Land wir uns wiedersehen! Wir fuhren noch bis Gällivare auf der Suche nach einem Friseur, der endlich dafür sorgt, dass mein Zopf nicht immer im Reißverschluss des Wintermantels „eingearbeitet“ wird, aber wie auch in Kiruna: Laufkundschaft unerwünscht. Statt Friseur gab’s dann China-Restaurant. Das erste Mal „chinesisch“ essen, nachdem wir mit Kittymobil in China waren!

In Jokkmokk hatte der zweite Campingplatz endlich eine Dusche für uns. Für 3,30€ gab’s zwar Wasser ohne Ende (Luxus, den nur richtig nachvollziehen kann, wer im Fahrzeug wohnt), allerdings war das Wasser nicht warm und es hat uns ein paar Nerven abverlangt, gründlich zu duschen. Wir waschen uns sonst ja nur und nutzen Duschen nur zum Haarewaschen. Zumindest, solange unsere Außendusche temperaturbedingt sinnlos ist. Also Zähne zusammenbeißen, bibbern und durch! Immerhin war der Duschraum geheizt… Solche Erlebnisse sind alle paar Wochen nötig, um uns wieder und wieder davon zu überzeugen, dass Campingplätze für uns nicht taugen. 6,60€ für kalte Dusche im Winter. Naja!

Frisch geduscht und duftend überquerten wir dann den Polarkreis. Uns wurde richtig weh ums Herz. Richtig. Die Augen wurden wässrig und wir ganz still: das ist das letzte Mal, ab jetzt geht es nur noch gen Süden. Wir verlassen die Arktis. Wir verlassen die Zauberlichter, den Feenstaub, die knackige Kälte, die raue Landschaft, die Eistraßen, den echten Winter, den wir so lieben. Wir schließen dieses Kapitel mit ganz viel Wehmut, aber auch dankbar für das, was wir alles erlebt und gesehen haben: unendlich viele Nordlichter, unzählige Rentiere, Elche, Schneehasen, Polarfüchse, Schneehühner, einen Zirkumzenitalbogen und ein 22° Halo. Wir haben aus kochendem Wasser Schnee gemacht und mit Seifenblasen glitzernde Juwelen geschaffen. Wir haben den Winter in der Arktis voll ausgekostet. Jetzt geht es langsam, aber unaufhaltsam Richtung Süden.

Übrigens: Jan hat das nächste Video fertig. Es zeigt, wie wir Ende August über Georgien nach Armenien gereist sind, um sein seit 2019 dort eingelagertes Motorrad abzuholen. Wieso, weshalb, warum, können alle „Neueinsteiger“ im Beitrag von damals nachlesen: Fahrzeugwechsel. Und hier das neueste Video:

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