Vor 10 Tagen haben wir in Bulgarien das Hoftor hinter uns zugezogen, unseren treuen Passat Hans in den Winterschlaf geschickt und sind nach einer Nacht in Sofia samt Weihnachtsmarkt in den Flieger nach Helsinki gestiegen. Bulgarien lag tief verschneit unter uns, es tat uns leid jetzt, da der wunderschöne, märchenhafte bulgarische Winter da war, weg zu fliegen. Doch wir wussten ja: in Finnland ist der Winter besser, weil kälter.

Es war wunderschön, über die weißen bulgarischen Gebirgszüge nach Istanbul zu fliegen und dann die bulgarische Winterlandschaft von Istanbul nach Helsinki gleich ein zweites Mal zu bewundern. In Helsinki angekommen war natürlich kein Winter. Genau wie vor fünf Jahren, als wir, dick eingepackt, mit den Motorrädern am 25.12. von der Fähre durch Helsinki rollten. Der damalige Start unserer EISREISE.

Doch die Woche zuvor hatte es knackig zweistellige Minusgrade gegeben, weswegen die Ostsee in der Bucht, an der wir unseren VW Bus Kittymobil im Oktober geparkt hatten, zugefroren war.

Unser Freund Mika holte uns vom Flughafen ab und brachte uns in das Hotel, in dem er arbeitet: sein Weihnachtsgeschenk an uns. Nach einem gemeinsamen Abendessen am Kamin kümmerten wir uns um unser Gepäckchaos. Weil wir alle Lebensmittel aus unserer bulgarischen Base mitgenommen hatten, um sie dort weder den Mäusen noch dem Frost zu überlassen, waren wir, die wir seit fast 2 Jahren nur mit Handgepäck reisen, mit tatsächlich 42kg angereist. Und das Glas Rotkraut war natürlich ausgelaufen und hatte blaue Spuren hinterlassen. Da ist es gut, ein gefliestes Hotelbad zu haben und nicht die blaurote Sauce im VW Bus verteilen zu müssen!

Nach dem gemeinsamen Frühstück mit Mika liefen wir zu Kittymobil. Nach unserer wilden Fahrt durch Russland hatten wir es im Oktober in Mikas Obhut auf dem Hotelparkplatz winterfest abgestellt: den Sommerdiesel mit Additiven wintertauglich gemacht, die Spikereifen aufgezogen, alle Flüssigkeiten entweder abgelassen oder mit Winterzusätzen versehen, alle Leitungen mit Winterdiesel und Frostschutz gespült und alle Batterien vollgeladen. Kittymobil hatte neun Wochen brav auf uns gewartet und sprang – natürlich – sofort an. Denn willst Du viel, fahr Kittymobil!

Noch einfacher als bei uns.

Kaum dass Kittymobil fröhlich in Erwartung neuer Abenteuer vor sich hinbrummelte, kam ein Mann angelaufen. Endlich sei jemand am VW Bus! Der sei so wunderschön und er wollte unbedingt einen Blick hineinwerfen und die Bewohner kennenlernen! Es stellte sich heraus, dass er selbst einen Van hat, den er uns gerne zeigen wollte. Seiner war noch einfacher (und unordentlicher) eingerichtet als Kittymobil, aber völlig ausreichend für sich, seine Frau und Katze 😊 Eigentlich wollten wir zum Verteilerzentrum von „Post Nord“ fahren, um dort persönlich nach unserem seit 10 Tagen angeblich verschollenen Paket mit dem neuen Motorschutz zu suchen, doch kaum trennten wir uns von der netten Parkplatzbekanntschaft, fuhr das Postauto vorbei und hatte tatsächlich unser Paket dabei!

Den Tag verbrachten wir mit Erledigungen (Wasser auffüllen, Vorräte einkaufen, Simkarten besorgen,…) und als wir nochmal zum Hotel zurückkamen, um uns von Mika zu verabschieden, stand Markus, der Vanlifer und Kittymobilfan, wieder für einen langen Schwatz da. Doch wir waren verabredet, der Rotkohl musste gegessen werden! Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt in Helsinki mit unserer Instagram-Bekanntschaft Michael und Sonja verabredet. Die beiden sind auch Vollzeitreisende, kamen gerade vom Nordkap und waren auf dem Weg in die Schweiz zur Saisonarbeit. Es wurde ein langer, gemütlicher Abend mit Rotkohl, Nürnberger Rostbratwürstchen und haus- ähm – vangemachtem Kartoffelbrei, Glögi und „Blobärsoppa“. Eigentlich mussten wir alle am nächsten Morgen früh raus, aber wann trifft man zu der Jahreszeit schon andere Reisende in diesem Teil der Erde?

Die beiden hatten für den nächsten Morgen Fährtickets, wir waren zum (2.) Frühstück bei Jani und Linnea eingeladen, die zusammen zehn (10!) VW T4 Busse besitzen. Zehn VW T4 wie Kittymobil und eine beheizte Garage, die sie uns angeboten hatten, um darin unseren Ausbau fertig zu machen. Wir hatten Kittymobil ja im Januar 2020 in Almaty, Kasachstan, komplett „nackig gemacht“, um innen und außen neu zu lackieren. Die Pandemie trennte uns leider von Kittymobil, sodass wir erst Ende letzten Jahres zurückkonnten. Als wir letzten November/Dezember in Kasachstan waren, waren es -20°C und die Bedingungen nicht gerade perfekt, um die leere gelbweiße Blechhülle wieder in unser Zuhause zu verwandeln: Klebebänder hafteten nicht in der Kälte, der Heißkleber härtete zu schnell aus, das Alubutyl war steinhart, das Linoleum wollte sich nicht ausrollen lassen und wir hatten nicht alles Werkzeug (z.B. eine Bohrmaschine) so funktionstüchtig, wie uns die Besitzer versprochen hatten. Während unserer Russlanddurchquerung im Herbst haben wir jeden Abend weiter gebastelt, um Kittymobil unterwegs Stück für Stück fertig zu bauen. Aber Manches, zum Beispiel das Regal in der Schiebetür, ließ sich unterwegs im ewig matschigen Sibirien nicht realisieren. Bei Jani in der warmen Garage aber schon!

Drei Tage bastelten wir zu dritt an und in Kittymobil: die Schiebetür lag weich gepolstert auf dem Fußboden, damit ich das Regal bauen konnte, Jan und Jani montierten zusammen den neuen Motorschutz, da der Originale leider beim letzten Ölwechsel von unserem kasachischen Fahrer in Kasachstan liegengelassen wurde, Jan verpasste Kittymobil für den skandinavischen Winter neue LED H4 Birnen, ich orangefarbene, EU-legale Blinkerbirnchen (statt der weißen kasachischen) und Jani hatte aus seinem unerschöpflichen Fundus an T4 Teilen noch so einige „Goodies“ parat, wie zum Beispiel ein paar Zentimeter neue Türdichtung oder eine neue Dichtung am Scheibenwischwasserbehälter.

Als es Sonntagabend war, hatten wir unser Zuhause wieder. Kittymobil sah innen wieder genauso aus wie vor der neuen Lackierung! Wir haben außer einer USB-Lichterkette (statt Batterien) nichts verändert. So, wie wir vor 4 Jahren Kittymobil gebaut haben, ist es immer noch perfekt für uns. Ohne Schnick, ohne Schnack, ohne 220V, ohne Isolierung, ohne Solar auf dem Dach, ohne Kühlschrank, ohne Duschbad, ohne Allrad, ohne Spezialfahrwerk oder andere teure, meist unnötige Zubehörteile. Einfach Kittymobil: ein original Postbus von 1997. Unser Zuhause. Wenn Ihr mehr wissen möchtet: vor 4 Jahren haben wir eine kleine Roomtour gedreht: VW T4 Camper Conversion Kittymobil

Jani und Linnea kannten wir überhaupt nicht, doch für sie war es völlig selbstverständlich, uns schon zwei Wochen im Voraus ihr Gartenhäuschen vorzubereiten, sich am Freitag frei zu nehmen und uns ein ganzes Wochenende zu beherbergen – inklusive zwei Mal Sauna. Mit Holzfeuer natürlich und danach raus in die Minusgrade zum Abdampfen. Herrlich! Wir vier, die wir über Facebook zusammengefunden haben, verstanden uns auf Anhieb super. Auch wenn wir uns gegenseitig ein wenig für verrückt halten. In einem T4 leben? Verrückt! Warum nur einer? Zehn! Zehn T4? Verrückt! Nein, weil jeder ja seine Aufgabe (und Namen) hat: „Lenzi“ ist das Alltagsauto, „Resporteri“ der Camper, „Küken“ dank zweier Schiebetüren für Transportaufgaben und all die anderen mit ihren Namen und Aufgaben sind auch nicht bloß „Gartendeko“! Nummer neun übrigens ist das Weihnachtsgeschenk von Jani an seinen Vater. Wie er das wohl verpackt?

Unser “Zweitwohnsitz” Hans zusätzlich zu Kittymobil.

Am Montag zogen wir endlich, endlich wieder zuhause ein und lagen uns voll Glück in den Armen. Natürlich haben wir gerne in Passat Hans gewohnt, natürlich waren wir auch gerne mit Hans unterwegs. Und weil Hans auch ein paar Vorteile gegenüber Kittymobil hat, gibt es sicherlich irgendwann auch nochmal ein Hans-Abenteuer. Aber zuhause haben wir uns in Hans nie richtig gefühlt, er war ja schließlich von Anfang an als Provisorium gedacht und nicht als Heim. Dass wir dann doch fast 1,5 Jahre in Hans unser Zuhause hatten, ist halt einfach so passiert…

Wir fuhren in Richtung Lahti und fanden auf Anhieb einen tollen Stellplatz an einem See, sogar etwa einen Kilometer entfernt von Menschen, die es hier in Skandinavien irgendwie überall gibt und woran wir uns nach den Jahren in Zentralasien, Russland, Kaukasus und dem Iran erstmal wieder gewöhnen müssen. Ja, wir wissen, in Skandinavien gibt es weniger Menschen als in Westeuropa, aber doch wesentlich mehr als in den Regionen, in denen wir sonst unterwegs waren und frei stehen.

In Lahti ist direkt neben den berühmten Sprungschanzen das Skimuseum. Dort kann man im Simulator selbst das Skispringen versuchen. Einfach hopsen reicht nicht, man muss Wind, Haltung, Landung und Absprung beachten. Im Simulator macht das wirklich Spaß, aber als wir dann Kittymobil neben den Schanzen parkten, dachten wir beide „niemals würden wir da runterspringen!“. Wir kennen aber einen, der das mehrmals gemacht hat und sich unglaublich über ein Foto von Kittymobil neben „seiner Lieblingsschanze“ gefreut hat: Andrej, unser kasachischer Lackierer, der Kittymobil von einem zerbeulten Hippiebus zu dem Schmuckstück gemacht hat, mit dem wir gerade durch Finnland fahren. Er war in der B-Jugend-Nationalmannschaft und zum Training in Lahti. Hier springt es sich angeblich besser als in Oberstdorf und meine Sprünge im Simulator seien nicht schlecht. Sagt der Fachmann für Skisprung und Kittymobil-Aufarbeitung.

Wir standen insgesamt drei Nächte auf unserem Stellplatz am See und nutzten die Zeit für PC und Haushalt. Lahti hat außer dem Skimuseum nicht viel für uns zu bieten: Das 40qm Motorradmuseum kostet 12€ Eintritt pro Person und hat im Winter sowieso geschlossen, ein Stück Kuchen (nur der Kuchen, ohne Kaffee oder Anteile des Cafés) kostet 5,30€ und auch sonst scheint es, als wiederhole sich unsere Erfahrung von der EISREISE, als wir auf unserer Hochzeitsreise auf zwei Motorrädern im Winter ans Nordkap sind: Skandinavien hat im Winter geschlossen. Campingplätze, Restaurants, Cafés, Museen, Sehenswürdigkeiten, Läden, ganze Dörfer: im Winter alles zu. Und wenn etwas geöffnet hat, dann zu Preisen, die sich nur Einheimische leisten.

Wir teilen uns den Goldbarren.

Das Skandinavien, das Ihr alle kennt, ist ein für Touristen hergerichtetes Erlebnis, was mit dem Leben außerhalb der Touristensaison nichts zu tun hat. Einige Ziele (wie z.B. der höchste Fahnenmast Finnlands) scheinen gar nur für Touristen gebaut worden zu sein, wenn ein Ort sonst nichts zu bieten hat. Selbst das (weltberühmte) Alvar Aalto Museum in Jyväskylä hat im Winter geschlossen. Wir wussten das alles vorher, aber die extremen Preissteigerungen haben wir erst eine Woche vor Abflug erfahren: die winzige Hütte am See, in der wir vor exakt fünft Jahren für 45€ inklusive Sauna übernachtet hatten, kostet nun 135€, Sauna 20€ extra. Sonderpreis auf Anfrage für uns „Stammgäste“: 115€. Die Finnen haben einfach alle Preise der touristischen Infrastruktur (mehr als) verdoppelt, denn die letzten beiden Sommer sind ja alle Mitteleuropäer wie die Lemminge über Skandinavien hergefallen. Die Kosten für Lebensmittel etc. sind nicht gestiegen, man knöpft es nur den Touristen, nicht den eigenen Leuten ab. Hätten wir als Finnen nicht anders gemacht…

Wir werden die Weihnachtsfeiertage bei zweistelligen Minusgraden mit im Kittymobil selbstgebackenem Christstollen und leckerem Weihnachtsessen vom heimischen Herd irgendwo im Schnee auf dem Weg gen Norden verbringen. Der Weihnachtsbaum liegt noch von Heiligabend 2019 in der Mongolei „im Keller“, die Weihnachtsdeko in Fahrerkabine, am Wohnzimmerfenster und auf dem Küchentisch ist schon aufgebaut, das Menü geplant. Wir freuen uns auf gemütliche Tage zuhause im Kittymobil mit ganz viel Schnee vorm Fenster, Kerzen und Weihnachtstee, Stollen und Kuscheldecke und ganz viel Zeit nur für uns. Wir wünschen Euch genauso zauberhafte Feiertage, wo und wie auch immer Ihr feiert!

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