Nach 6 Wochen Deutschland und 7888km sind wir endlich zurück im „Reisemodus“, in dem wir nicht so viele hektische Kilometer fahren, mehr schlafen, weniger stressen und trotzdem mehr arbeiten. Der „Reisemodus“ begann am 21.3. beim Stopover in Sofia, wo wir nicht nur bei unserer Zahnärztin zum jährlichen Check waren, sondern ordentlich Geld gespart haben. Unsere Rückreise nach Dubai inklusive Mietwagen und Übernachtung in Bulgarien kostete dank des Stopovers in Sofia nur 114€ pro Person, WizzAir sei Dank.

Dubai kennen wir fast schon auswendig, sodass es sich dort schon fast nach „Heimkommen“ anfühlte. Wir mussten unsere Drittpässe bei der deutschen Botschaft abholen und saßen dann ein paar Tage die horrend hohen Flugpreise zurück in den Iran aus, denn im Iran wurde persisches Neujahr gefeiert und da war es kurioserweise billiger, in Dubai Zeit tot zu schlagen, als mit dem überteuerten Flieger in den Iran zu hopsen.

Erholsam war die Zeit wirklich, denn das Wetter war grausam. Wir landeten in Sand- und Staubsturm, der später in Regen überging. Fast 2 ganze Tage regnete, blitzte und donnerte es ununterbrochen in den Emiraten. Und im Iran auch. In 12 Regionen des Landes kam es zu heftigen Überschwemmungen, Schlammfluten, zerstörten Brücken und Straßen, 4 evakuierten Städten, mindestens 11 evakuierten Dörfern, 120.000 Menschen in Notunterkünften und mindestens 75 Toten und heftigen Zerstörungen. Unsere ursprünglich geplante Route über Ahwaz, Shiraz und Isfahan nach Teheran wurde dadurch unmöglich.

Nach 6 erholsamen Nächten im AirBnb unserer französisch-emiratischen Gastfamilie und ihren zwei Hunden in Dubai flogen wir die 170km auf die andere Seite des Persischen Golfes zurück auf die Insel Qeshm, auf der wir unsere Motorräder stehen gelassen hatten. Der Flug dauerte 35 Minuten und es gab trotzdem 2 Getränke und etwas zu essen! Was ein Stress, nicht nur für die Crew, auch für die Passagiere, die mit den Resten des Sandwiches und einer angebissenen Orange in der Hand auf der Insel landeten. Service ist hier alles!

Auf dem klitzekleinen Flughafen gab es keine Wechselstube und so stiegen wir ohne Geld in ein Taxi. In Deutschland unvorstellbar, im Iran geht das, auch wenn der Taxifahrer keine Fremdsprachen kann und wir kein Persisch. Man vertraut sich und tatsächlich konnte uns am Ziel auch jemand das Taxigeld auslegen.

Im Guesthouse wurden wir überschwänglich begrüßt, beide Omas herzten mich, die ganze Familie kam zur Begrüßung aus allen „Löchern“ herbei, den anderen Gästen wurde stolz erzählt, wer wir sind. Am nächsten Tag packten wir unsere durch den Sturm ziemlich verstaubten Motorräder aus und bastelten ganz gemütlich an ihnen herum. Jeder an seinem Motorrad, bei angenehmen Temperaturen in entspannter Atmosphäre in einem Innenhof neben Hühnern und Ziegen. Pet bekam eine neue Zündkerze und einen neuen Bezinschlauch, Jan montierte an Oskar das neue 18“ Hinterrad und die hohe Sitzbank.

Unsere KFZ Versicherung war mittlerweile abgelaufen, also verbanden wir dies mit einer kleinen „Probefahrt“ zur 70km entfernten Inselhauptstadt. Versicherung gab es dort keine, weil die Dame hinter dem Schreibtisch wohl keine Lust hatte, aber ich wusste durch die Probefahrt, dass meine Batterie, mit der ich im Winter 2016/2017 am Nordkap war und die seit dem Winter 2017/2019 schon einen kleinen Knacks hatte, nun endgültig tot war. Dank Kickstarter läuft Pet ja immer, aber mein ganzes Zubehör (Zusatzscheinwerfer, Heizhandschuhe etc.) nicht mehr.

Wir brachen also nicht nur ohne Versicherung zum Fährhafen auf, sondern auch ohne „free trade zone driving permit“, ein Zettel, den man für sein KFZ bekommt, wenn man mit der KFZ Fähre auf die Insel fährt. Da wir aber mit der Passagierfähre gekommen waren, hatten wir das Papier nicht, kamen aber trotzdem auf die Fähre. Dort wurden wir sofort von den immer freundlichen Iranern „überfallen“ und bekamen Nüsse und Blaubeeren geschenkt, mussten für Selfies Modell stehen und alle Fragen beantworten und dann auch leider eine Einladung zum Frühstück absagen, denn wir mussten ins Versicherungsbüro nach Bandar Abbas.

Dort war alles überhaupt kein Problem, obwohl niemand Englisch sprach, denn ein fremdsprachenkundiger Kunde sprang nicht nur als Übersetzer ein, sondern legte für uns das Geld auch mit seiner iranischen Zahlkarte aus. Für 5€ pro Monat haben wir gleich prophylaktisch 3 Monate Versicherung abgeschlossen. Man weiß ja nie, wie lange wir bleiben!

Und dann entwickelte sich der Tag zum doofsten Fahrtag der gesamten Reise: uns war klar, dass es nass werden würde, denn durch die Unwetter war das Wetter eigentlich überall im Iran außer am Persischen Golf nass, sodass wir beschlossen hatten, die Katastrophenregionen grob zu umfahren und auf kürzestem Weg nach Teheran zu fahren. Es ging nur darum, möglichst schnell möglichst weit weg von der Unwetterzone zu kommen und so rissen wir an diesem Tag 370km ab. Inklusive Fähre und Versicherungsbüro.

Und inklusive sintflutartigem Regen und heftigem Gegenwind. Wir sind nicht aus Zucker, aber Pets Motörchen ist etwas zart und klein, sodass ich Pet einen großen Teil der Strecke auf der Autobahn mit Kinn auf dem Tank vollgas mit 82km/h Höchstgeschwindigkeit durch den Regen und Sturm zwingen musste. Wir gönnten uns ein 4* Hotel mit Tiefgarage und Heizung, um die Stiefel, Handschuhe und Regensachen wieder trocken und uns warm zu bekommen. Ein 4* Hotel kostet Gott sei Dank im Iran nicht viel…

Wir brachen früh wieder auf und fuhren weiter gen Norden. Der Regen hatte aufgehört, aber der Sturm kam jetzt von der Seite, oft mit Sand vermischt, der ein Prasselgeräusch auf dem Helm verursachte oder mit Staub, der Sichtverhältnisse wie in dicker Nebelsuppe schuf. Keine angenehme Fahrt aber ein ganz toller Tag, denn an einer Tankstelle tankte ein VW Bus. Wir kamen unter „T4 Bewohnern“ ins Gespräch und beschlossen, gemeinsam bis zu einer 85km entfernten Karawanserei zu fahren.

Dort trafen wir uns mit Freunden der VW Bus Besatzung und kletterten zusammen auf das Dach der einzigen noch intakten runden Karawanserei. Alle anderen Karawansereien sind rechteckig. Der Sturm pustete uns fast vom Dach und beim gemeinsamen Tee beschlossen die VW Busfahrer und ihre Freunde, dass wir einen windgeschützten Platz zum Grillen suchen würden. Es dauerte bis zum Stadtpark in Yazd, bis wir fündig wurden und es wurde aufgefahren, was Laden und VW Bus-Küche hergaben.

Alle vier waren Eiskletterer, die VW Busfahrerin Vize Weltmeisterin im Speed Eisklettern, der Rest der Truppe entweder im Nationalteam oder mit Trainerschein. Wir verstanden uns so super, dass uns nach stundenlangem Grillgelage im Park nur neu aufkommender Regen trennte, denn die Freunde wollten noch 400km weiter und wir nicht völlig durchnässt im Guesthouse ankommen. Ja, ich habe Kittymobil sehr vermisst, denn die beiden T4 Besitzer waren auf dem Parkplatz des Stadtparks in ihrem Zuhause sofort vor Sturm und Regen geschützt.

Es waren immer noch Neujahrsfeiertage, das persische Neujahrsfest Nowruz dauert 13 Tage. Zu den Feierlichkeiten besorgt sich jede Familie 7 wichtige Symbole, die alle mit „S“ anfangen und dekoriert diese auf einer Art Altar: Knoblauch, Münzen, Apfel, Gewürz, Essig, ein Getränk und Weizensprossen. Dazu kommen noch andere Dinge wie ein Spiegel oder Kerzen, der Koran oder ein Gedichtband von Hafez und – Goldfische! Die Fische schwimmen traurig in zweckentfremdeten Salatschüsseln, Blumenvasen oder Töpfen herum und werden eigentlich am 13. Tag als Symbol für Neuanfang in die Natur ausgesetzt.

Wir hatten gehofft, dass wir bei der „free Willy“ Aktion dabei sein könnten, aber dazu kam es nicht. Naturschützer und die Regierung hatten dazu aufgerufen, diesen Brauch zu unterlassen, denn die Goldfische würden heimische Arten in den Gewässern verdrängen und unter Umständen Krankheiten in den Fischbestand einschleppen. Doch wohin dann mit den Goldfischen? Nächstes Jahr kommt es bestimmt zur Diskussion mit Tierschützern, denn viele Goldfische wurden zwangsläufig in der Toilette entsorgt oder in Wasserbecken ausgesetzt.

In Yazd wollten wir eigentlich nicht so lange bleiben, aber weil es dort nur nachts regnete und im Norden auch tagsüber, beschlossen wir, einfach länger zu bleiben, um ein paar Dinge zu erledigen und auf besseres Wetter zu warten. Reisen ist ja kein Urlaub und so fallen immer wieder Dinge an, die erledigt werden müssen: eine neue Batterie für Pet, einen abgebrochenen Stecker ersetzen (und erstmal finden!), Geld tauschen, Wäsche waschen, Hose und Tasche zum Schneider zum Flicken bringen, Reifen für die Weiterfahrt Ende Mai organisieren (übrigens: 36€ für 2 komplette Satz iranische Reifen, dank 18“ an beiden Motorrädern kein Problem), alle Hotels für die kommenden 2 Wochen „Besuchsurlaub“ rückbestätigen, Überlandfahrten reservieren, Visum verlängern, den überschüssigen 17“ Reifen verschenken und zum neuen Besitzer per Busfracht verschicken, einen Kissenbezug für Jans neues Campingkissen nähen lassen…

Und für manche Dinge braucht man einfach mehrere Anläufe. Wie das mit dem Visum. Erst waren Neujahrsferien. Das wussten wir. Am ersten Tag nach den Neujahrsfeierlichkeiten machten wir uns also auf den Weg in eine Vorstadt zum Amt. Doch da hing ein Zettel, dass Feiertag sei. Unserem Fahrer (übrigens kein Taxifahrer, sondern ein Privatmann, der uns auf ein Taxi wartend am Straßenrand einfach mitgenommen hatte) fiel das dann auch ein: irgendein Märtyrer oder Mohammed. Auf jeden Fall standen die Leute vor der Moschee Schlange, aber alle Geschäfte außer den Ämtern hatten geöffnet. Als wir am nächsten Tag die Reise zum Amt wieder antraten, war es überfüllt mit Leuten, deren Visum an dem Tag auslief, denn auch sie konnten ja wegen den wochenlangen Feiertagen ihre Papiere nicht regeln. Wir wurden abgewiesen, da unsere Visa noch länger gültig sind und man überarbeitet war. Auf zu einem dritten Versuch!

Aber Manches ist hier auch effektiver im Iran: um unsere Reifen an der turkmenischen Grenze kaufen zu können, musste unser Facebook Kontaktmann dort von uns das Geld bekommen. Das schickt man hier per Handy in Echtzeit: Mohsen in Yazd nahm unser Bargeld in die Hand, tippte die Summe in sein Handy ein und ein anderer Mohsen in Bodschnurd konnte damit sofort beim Reifenhändler 1000km weiter nördlich bezahlen. Da Jan ja jetzt 18“ fährt, ist der angefahrene 17“ Reifen samt Schlauch und Felgenband übrig und wir haben ihn als Dankeschön unserem Reifenkäufer geschenkt, damit er den Kram dann wieder an den nächsten Motorradfahrer verkaufen kann, der aus Turkmenistan in den Iran einreist und irgendetwas davon braucht. Der Reifen samt Zubehör reiste für 1,50€ die 1000km per Expressbus in kürzester Zeit alleine durch den Iran. Super praktisch, dass hier die Fernbusse auch Fracht transportieren!

Außerdem haben wir ein neues T-Shirt Design erstellen lassen, was unser (noch sehr überschaubares) Angebot in unserem Spreadshirt Shop ergänzt. Pro verkauftem Shirt mit einem unserer Designs erhalten wir rund 5€ in die Reisekasse. Die Shirts sind zusätzlich zu den Affiliate Links zu Amazon oder Booking ein weiterer Versuch von uns, unsere beiden Websites kostenneutral zu betreiben. Denkt also daran, immer über unsere Webseite bei Amazon zu shoppen oder Unterkünfte bei Booking über unseren Link zu buchen 😊

Mittlerweile ist im Iran die Hauptsaison herangebrochen, sodass es mit der Quartiersuche nicht mehr ganz so einfach ist. Wir haben aber immer „Plan B“ in der Tasche und so verbrachten wir in Yazd die letzten Nächte einfach auf dem Dach in unserem Zelt, denn es gab keine Betten mehr für uns. Auf dem Dach schlafen ist viel schöner als im Zimmer!

Von Yazd fuhren wir in 385 Kilometern Gegenwind nach Kashan, wo wir endlich wieder Mal einen Motorradreisenden trafen! Berthold und wir verstanden uns auf Anhieb, sodass das Sightseeing für ihn etwas zur Nebensache wurde, weil wir die ganze Zeit quatschend im Hof saßen. Es tut so gut, unter Gleichgesinnten zu sein!

Die restlichen 250km bis Teheran verliefen zum allerersten Mal seit unserer Rückkehr in den Iran ohne Sturm oder Regen, die Zeit und Region der Unwetter hatten wir endlich hinter uns gelassen! In Teheran beantragten wir sofort das Transitvisum für Turkmenistan und sind nun gespannt, ob wir zu den 50% der Antragsteller gehören, die das Visum dann auch bekommen.

Heute Nachmittag stehen wir dann in Teheran am Flughafen und holen unseren Besuch ab. Wir waren ja zur Goldhochzeit von Jans Eltern in Deutschland und unser Geschenk an sie ist diese „goldene Hochzeitsreise in 1001 Nacht“, die wir für sie hier im Iran organisiert haben: 2,5 Wochen werden wir gemeinsam unterwegs sein, mit Bus, Bahn und 4×4 reisen und ihnen Wüste, Kultur und Gastfreundschaft zu zeigen. Wir haben für sie die schönsten traditionellen Hotels herausgesucht und unsere persönlichen Highlights zu einem „Honeymoon“ zusammengebastelt. Die Einladung zu dieser Reise gab’s dann per Video, was wir Euch nicht vorenthalten möchten. Klickt oben auf das Foto von uns!

Unsere Motorräder warten auf uns in Teheran, wo wir nach dem Familienurlaub hoffen, unsere Turkmenistan Visa abholen zu können. Und dann klärt sich auch hoffentlich die Weiterreise…