Der Plan

Silke und jan zusammenJan und ich sind in der Vergangenheit beide viel gereist, doch zu zweit waren wir bisher noch nicht richtig lange weg. Die EISREISE im Winter mit zwei Motorrädern ans Nordkap dauerte 3,5 Wochen, eine Tour durch viele Balkanländer ebenso lange. Doch die richtig langen Reisen haben wir immer ohne den anderen gemacht:
Jan war zwei Monate in Südeuropa/Nordafrika unterwegs, im Iran, Richtung Murmansk, einmal vier Monate und einmal fünf Wochen in Südamerika und 20 Monate auf Motorrad-Weltreise durch den mittleren Osten, Afrika, Latein- und Nordamerika.
Ich war 15 Monate in Lateinamerika unterwegs, zwei Monate zwischen China, Mongolei und Russland auf Achse, sechs Wochen mit der Trans-Sib durch Russland, zwei Monate in Südostasien, Praktika von je drei Monaten in Chile und Äthiopien, Job in Bolivien, Reiseleitung in Peru, Äthiopien, Venezuela und sechs Jahre auf den Kapverden.
Silke und Jan HochzeitZwei Zigeuner hatten sich gefunden. Der Wunsch, als Paar zusammen auf eine lange, sehr lange Motorradreise zu gehen, schlummerte schon immer in uns. Im Frühjahr 2017 fiel der Entschluss, 2020 oder 2021 los zu ziehen. Im Sommer 2017 fällte Jan aufgrund eines neuen Chefs im Job spontan die Entscheidung, zu kündigen. Ich war gerade in Bulgarien und schrieb am EISREISE Buch, als Jan mich anrief und noch vor der Begrüßung sagte „wir fahren los“. Er hatte beschlossen, Ende 2017 zu kündigen und schon im April 2018 abzureisen, doch er sollte sich irren.
Klammheimlich fingen wir also an, den Traum einer Weltreise zu verwirklichen. Schon wenige Wochen nach Jans Anruf flog ich mit 20kg Motorradteilen zurück nach Bulgarien, um dort heimlich unsere beiden Suzukis vorzubereiten, seit dem 1.12.2017 war es offiziell: Wir fahren mit „Pet“ (meine Suzuki DR350S) und „Oskar“ (Jans DR650RSE) um die Welt! Jan wurde im September freundlicherweise gekündigt und so konnten wir unsere Pläne mit noch mehr Freude voran treiben, denn Jan wurde ein zusätzliches Reisebudget dank der Kündigung zu Teil, sodass wir unsere Wohnung sofort gekündigt haben und schon Ende Februar 2018 los konnten.
Silke und Jan mit Brief
Und der Plan? Nun, der entwickelt sich unterwegs. Ganz grob denken wir über folgende Reiseroute nach:
2018: Deutschland-Abschiedstour, Südeuropa, Bulgarien, Griechenland, Fußball WM in Russland, Kaukasus (Georgien, Armenien, Aserbaidschan), Iran, VAE
2019: 6 Wochen Heimaturlaub ca. Jan-März (Goldene Hochzeit von Jans Eltern in Hamburg), Saudi Arabien? Irak? Pamir Highway, Mongolei? Backpacking in Südostasien?
2020: Nochmal auf den Pamir? Pakistan? Südostasien?
Langfristig möchten wir Ostafrika südwärts und Westafrika nordwärts erkunden. Oder umgekehrt? Irgendwann wird es uns auch sicher nach Lateinamerika verschlagen. Wahrscheinlich gegen Ende, um etwas entspannter zu reisen, denn wir sprechen beide Spanisch, ich auch Portugiesisch und wir waren beide schon oft und intensiv genug da, um auf unseren eigenen, ausgetretenen Pfaden reisen zu können. Aber das ist noch ganz, ganz ferne Zukunftsmusik!
Silke mit SchildkroteDer wichtigste Plan ist der der Langsamkeit und Spontanität. Wir haben beide auf unseren bisherigen Langzeitreisen gelernt, dass auch Reisen eine Art Arbeit ist und dass feste Reisepläne nur Stress bedeuten und jegliche Spontanität im Keim ersticken. Wir haben gelernt, dass man regelmäßig Urlaub vom Reisen braucht und dass je langsamer man reist, desto weniger Stress entsteht. Wir werden uns also langsam treiben lassen, uns Zeit nehmen, um Länder kennen zu lernen statt nur durch zu reisen, um Einheimische statt andere Reisende kennen zu lernen, um kleinste unbefestigte Straßen statt großer Transitrouten zu fahren, Zeit für uns und das Leben zu haben. Wie lange die Reise dauert ist genauso ungewiss wie die Reiseroute selbst. Wir machen keinen Urlaub und arbeiten auch keine Route ab. Wir leben einen neuen Lebensabschnitt, der einfach anders ist als der zuvor. Und irgendwann kommt ein neuer Lebensabschnitt. Wie der aussieht, wo er stattfindet und wann er beginnt, wissen wir noch nicht. Auch hier haben wir keinen Plan, um Raum für Spontanität zu lassen und uns treiben zu lassen…