„Casamance“ ist nicht nur der Name des südlichen Teils Senegals, sondern auch der Name des Flusses, der einen Großteil der Landschaft dort bestimmt. Er verbindet die Hafenstadt Ziguinchor mit dem Meer und eine Fähre über den Fluss und Meer nach Dakar verbindet die beiden Landesteile, zwischen denen Gambia liegt. Wir folgten dem Fluss Richtung Westen, Richtung Meer.

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station am Wasser, Pointe Saint George, machten wir unterwegs Halt an einem zweistöckigen Lehmhaus, einer „Case à Etages“, dem nach dem runden Impluviumhaus zweiten Architekturstil, für den die Casamance bekannt ist. Ein sehr neuer Architekturstil, der wohl erst nach dem ersten Weltkrieg in den Süden Senegals kam, als die in Frankreich dienenden senegalesischen Soldaten heimkehrten und von mehrstöckigen, eckigen Gebäuden berichteten. Im Senegal waren bis dahin Häuser rund und einstöckig. Da keine anderen Baustoffe als die der Natur zur Verfügung standen, wurden die Häuser sehr massiv aus Lehm gebaut. Und sie stehen bis heute in der Casamance.

Über google maps fanden wir heraus, wo man ein solches Haus von innen sehen kann, denn unser ursprünglicher Plan, darin zu übernachten, war ja schon 2x gescheitert. Wir fanden ein solches Haus! Ein alter Mann führt Interessierte gerne durch das Haus, welches seine Familie während der Trockenzeit zwischen Oktober 1968 bis Juni 1969 mit eigenen Händen gebaut hat. Die dicken Wände bestehen nur aus Lehm und um das Obergeschoss tragen zu können, sind dicke Säulen nötig, die auch aus reinem Lehm bestehen. Jede ca. 0,5m Schicht der dicken Mauern und Säulen muss 15 Tage aushärten, bevor die nächste Schicht aufgetragen wird und das Haus so Schicht für Schicht nach oben wächst. Die Decken sind aus Palmenholz gebaut und mit Lehm verkleidet. Auch die nach oben führende Treppe ist nicht aus Holz, sondern aus Lehm mit Holz-Unterbau konstruiert. Das Haus wirkt dadurch sehr massiv und etwas klobig.

Um etwas Luft in den Bau zu bringen, gibt es zu beiden Seiten des Hauses Balkone, beziehungsweise schattige Galerien. Ursprünglich war das Dach mit Reis-Stroh gedeckt, doch mittlerweile wurde das durch Wellblech ersetzt. Vielleicht ist das der Grund, weswegen es uns deutlich wärmer und stickiger vorkam als ein Impluviumhaus, welches wir im letzten Blogbeitrag ausführlich beschrieben hatten.

Wir schafften ganze 29km an dem Tag, von denen 16km reinster Fahrspaß auf einer gut gepflegten Schotterpiste mit langgezogenen Kurven entlang von Cashewbäumen war. Wir flogen mit hoher Geschwindigkeit durch die Landschaft, über uns zogen Vögel über den blauen Himmel, vor uns rannten Vögel über die Piste, es waren angenehme 33 Grad (statt wie die Tage zuvor 41°C) und wir spürten das Leben. Am Flussufer angekommen, nahmen wir uns ein Zimmer mit Blick aufs Wasser und wie zur Begrüßung sprangen die Delfine vor unserem Fenster herum. Traumhaft!

Blick vom Fenster.

Eigentlich ist die Region dort bekannt für Seekühe / Manatis, die in den Mangroven fressen und dann auf das Südufer des Casamance Flusses schwimmen, um dort aus den Unterwasser-Süßwasserquellen zu trinken. Das Wasser des Flusses ist nämlich salziges Brackwasser, denn der Fluss ist durch seine große Mündung von der Tide des Atlantiks beeinflusst und das Meerwasser drückt ins Landesinnere. Wir liefen bei Niedrigwasser zu einer der Stellen mit Süßwasserquellen und saßen mucksmäuschenstill im Schatten, doch keine Seekuh zeigte sich. Wir sind ja nicht im Zoo…

Zurück in der Unterkunft erfuhren wir, dass es in der nächstgelegenen Siedlung eine Art „Erntedank Fest“ gäbe, an dem Ringkämpfe abgehalten würden. Ob wir mitwollten? Blöde Frage! Schon sprangen wir hinten auf den Pickup und düsten durch die Cashewbäume. Wir waren etwas zu früh, sodass wir noch zu Freunden unserer Gastgeber fuhren, wo für uns aufgetischt wurde: eine riesige Schüssel voll Reis in der Mitte von allen, darauf ein halber gekochter Schweinekopf. Alle aßen aus der Schüssel und dazu gab es hausgemachten Palmwein aus dem Plastikeimer für die Männer (die alle nacheinander aus einer handgeschnitzten Schöpfkelle tranken) und Boabab-Saft für die Frauen. Herrlich.

Als die riesige Schüssel fast leer war, ging es zum Fest. Der große Platz etwas außerhalb der Ortschaft war die Arena, drumherum saßen die Zuschauer. In der aus Plastikstühlen und Gartenpavillons improvisierten „VIP Tribüne“ saß der König des Königreichs der Diola, der vorherrschenden Ethnie in der Casamance. Bevor die Kämpfe begannen, schritt er in langem rotem Satinumhang und mit riesiger hoher „Mütze“ einmal um den Platz. Seine Entourage lief dahinter und als er seine „Platzrunde“ gedreht hatte, war die „Arena“ für die Kämpfe freigegeben.

Die „lutte libre“ ist eine traditionelle Kampfsportart aus dem Senegal und Gambia. Sie gleicht dem europäischen Ringen, aber alle Griffe sind erlaubt. Es gibt keine Verbote, aber den Appell an den Respekt seines Kontrahenten, sodass unfaire Griffe nicht stattfinden. Tatsächlich konnten wir keine brutalen oder schmerzhaften Über-Griffe sehen. Der Kampf ist beendet, wenn einer der beiden Kämpfer am Boden liegt oder ein Schiedsrichter entscheidet, dass es zu keinem Ergebnis kommen wird, weil die Gegner gleich stark sind.

Männer und Jungs von schätzungsweise 5 bis 40 Jahren marschierten auf, alle mit Glücksbringern, hier „Jujus“ genannt, behängt. Die meisten hatten eine lange Wolltrottel am Po hängen, aber auch Federn im Haar, Ketten um den Hals oder Bänder um die Handgelenke oder Knöchel. Manchen half das aber wenig, denn es kam schon vor, dass ein Kampf schon nach zwei Sekunden beendet war, weil einer der beiden in den Sand flog.

Um die Stimmung anzuheizen, liefen die Zuschauer mit flachen Holzschlegeln auf den Platz, um in den Sand zu schlagen, dass es staubte. Dazu wurde getanzt und getrommelt, gesungen und angefeuert. Es fanden ständig mehrere Kämpfe gleichzeitig statt, sodass uns nicht ganz klar war, wann welche Rufe des Publikums wem galten. Wir saßen einfach im Schatten unterm Mangobaum und genossen alles, sogen die Atmosphäre in uns auf.

Als die Sonne unterging entschieden wir, wieder zurückzufahren. Der Himmel färbte sich orangerot, wir saßen auf der Ladefläche des Pickups und fuhren durch die Cashewbäume. Und in uns ein Gefühl des gelebten Lebens. Warmer Fahrtwind voll Staub umschmeichelte uns, die letzten Vögel auf dem Weg zu ihren Schlafbäumen flatterten vorbei, wir genossen den Moment und das Glück unseres Lebens. Auch, wenn wir später aussahen wie gepudert und mitsamt Klamotten unter der kalten Dusche verschwanden, um „abzustauben“. Spät gab es noch ein zweites Abendessen: am Morgen frisch gefangene Shrimps, wie fast jeden Abend seit Wochen. Auch an Tagen wie diesem, wo wir keinen Einfluss darauf haben, was es zu essen gibt, freuen wir uns daran, denn hier kommt auf den Tisch, was vor der Tür aus dem Wasser gefischt wird. Und das sind seit Wochen Shrimps. Wir lieben sie immer noch!

Wir fielen glücklich ins Bett. Der Tag, der so unspektakulär mit letzten Erledigungen am PC begonnen hatte, wurde zu einem dieser Tage, an denen man mehr erlebt als manch andere in einem Jahr: ein alter Mann zeigte uns sein besonderes Haus, wir sahen Delfine, wurden von Einheimischen in ihrem Zuhause zum Essen eingeladen, erlebten ein Fest und sahen traditionellen Kampfsport, düsten zu Sonnenuntergang auf der Ladefläche durch afrikanische Landschaft und schlemmten Shrimps, während die Sterne im spiegelglatten Wasser des Flusses funkeln… Pures Glück!

Quasi direkt vor unserem Fenster lag ein 150 Jahre altes Schiff vor Anker. Der Eigentümer, ein 80-jähriger Amerikaner, lud uns zu sich an Bord ein und gab uns eine Bootsführung. Er ist seit über 60 Jahren unterwegs, seit 40 Jahren lebt er auf dem Wasser. Vor 15 Jahren hat er von einer schwedischen Segelschule sein jetziges Zuhause gekauft, mit dem er derzeit Afrikas Küsten bereist.

An Bord hat er eine riesige Bibliothek, ein Musikstudio mit Schlagzeug und vielen anderen Instrumenten, diverse Hobbyräume mit Tischlerwerkzeug, Nähmaschinen, Werkstatt und drei Harley-Davidson Motorrädern. Die nutzt er allerdings schon lange nicht mehr, denn der Straßenverkehr in Afrika sei ihm zu gefährlich und eine Harley für die Straßen hier sowieso untauglich.

Um das Schiff zu fahren, braucht er mindestens einen zweiten Mann und das ist derzeit ein junger italienischer Herumtreiber, der von Technik keine Ahnung hat und ihm gleich mal den neuen, 15.000€ teuren Generator mit 13l Öl geflutet und dadurch beim nächsten Anlassen zerstört hat. Außerdem an Bord: ein junger deutsch-schweizer „Smutje“, der eigentlich nur vier Monate mit dem Fahrrad in Westafrika reisen wollte und jetzt an Bord verlottert und ein dritter junger Mann, der noch nicht so lange an Bord zu sein schien, denn er trug saubere Klamotten und hatte noch einen Haarschnitt. Der Amerikaner hatte schon von uns gehört und uns mit „ich habe gehört, Ihr seid auch schon ein paar Jahre unterwegs“ angesprochen. Uns schien, er war ein wenig einsam trotz seiner „illustren“ Gesellschaft.

Er sprach mit uns über tiefere Dinge wie „das Leben leben“, über Menschen voll Neid und das Wissen, welches man sich beim Reisen unaufhörlich aneignet und was einen weise macht, unabhängig vom Alter. Wir sprachen mit jemandem, der sein Leben lang auf Reisen war und eine Lebenserfahrung hat, die nur wenige Menschen erreichen können. Ein heller Kopf, der trotz seiner 80 Jahre noch gelenkig die Stiegen seines schwimmenden Zuhauses hoch und runter klettert, der langfristige Zukunftspläne schmiedet und Hobbies wie Tauchen, Angeln, Schreinern, Musik und Nähen frönt. Wie oft hören wir von (meist viel jüngeren!) Menschen, dass sie dieses oder jenes nicht machen können (in Wahrheit: wollen!), weil sie behaupten, zu alt zu sein. Diese Gedankengänge kennt der „Kapitän“ nicht. Ja, er war mal halbseitig gelähmt, er hat seit ein paar Jahren Probleme mit den Zähnen, aber wenn man sich davon nicht aufhalten lasse, weil man den Gedanken „ich kann nicht“ gar nicht erst fasst, dann geht es immer weiter. Jammern kennt er persönlich nicht und Menschen mit dem falschen Mindset will er nicht um sich haben, solche Menschen seien nur Höflichkeitsfloskeln wert, sonst beschweren sie einem das eigene Leben und das dürfe nicht sein. Was in der Vergangenheit war, ist vergangen. Sich davon bremsen oder vom Leben abhalten zu lassen, verhindere die Zukunft. Also warum zurückschauen, statt vorwärtszugehen? Wir hätten noch ewig solche Lebensweisheiten mit ihm austauschen können, doch unser Bootsführer, mit dem wir vom Ufer aus zum Schiff herausgefahren waren, musste zurück an Land. Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen mit seinem Mindset! Die elendige Frage nach der Finanzierung stellten wir nicht. Wir wissen, wie unendlich nervig das ist und wie viel vorwurfsvoller Neid oft mitschwingt. Jeder findet einen Weg, sein Leben zu finanzieren. Egal ob sesshaft oder nomadisch. Er hat mit Shrimps gehandelt (und deswegen 5 Kühltruhen an Bord!), verkauft seine Kunst über Ausstellungen und Galerien und hat sicherlich noch weitere Einkommensquellen, wie wir zwischen den Zeilen lasen. Wer will, der kann! Wie immer…

Und um uns herum die ganze Zeit Delfine. Ganz nah! Und noch viel näher kamen wir dann endlich an die Seekühe. Die Manatis zeigten sich uns am zweiten Nachmittag ganze 1,5 Stunden lang, wie sie um die unterwasser-Süßwasserquellen spielten. Riesige, aber so sanfte Tiere, die bis zu 500kg wiegen! Wir sahen leider ihre knuffigen Gesichter nicht, weil sie immer so schnell wegtauchten, aber ihre riesigen, grauen Körper und charakteristischen Schwanzflossen ragten lange und oft aus dem Wasser. Wir konnten der Versuchung, zu ihnen ins Wasser zu springen, kaum widerstehen, doch wollten wir die Tiere beim Süßwassertrinken nicht stören, da wir wussten, dass sie scheu sind und wegschwimmen, wenn Menschen zu nah kommen. Wir saßen etwa 15m nah an ihnen am Strand und genossen die Zeit mit den seltenen Tieren, ohne uns das Erlebnis dadurch zu nehmen, andauernd durch den Sucher der Kamera zu schauen, um das perfekte Bild zu machen. Wir haben kein einziges Foto, trotz Kamera. Manchmal ist es einfach besser, man behält die Bilder im Herzen und nicht auf der Festplatte…

Abends gab es „etwas größere Krabben“: Giant Tiger Prawns (selbst Wikipedia kennt da keinen deutschen Namen für). Wir essen seit einigen Wochen fast jeden Abend Shrimps und bekommen trotzdem nicht genug davon, denn sie sind frisch aus der Natur statt aus dem Kühlregel von der Antibiotika-Shrimps Farm. Gut daran zu erkennen, dass im Supermarkt alle Tiere einer Packung gleich groß sind, weil sie auf der Farm zeitgleich gefischt werden und hier sind große und kleine Shrimps zusammen auf dem Teller. Und an dem Tag entschieden wir uns, jeder eine riesige Tiger-Prawn zu essen, denn am Morgen sind vier solche „Monsterkrabben“ ins Netz gegangen. Wir teilten uns das Tellergericht, denn auch hier sind die nicht ganz so billig (10€ das Gericht) und etwas Besonderes. Um ehrlich zu sein: Shrimps und Krabben sind uns lieber. Mehr Sauce drumrum. 😊

In unserer Unterkunft mit nur drei Zimmern war auch ein deutscher Reisender, mit dem wir uns gut verstanden. Ein Backpacker und helles Köpfchen ganz ohne Vorurteile und frei von rassistischen Sprüchen. Das tat gut! Zusammen beschlossen wir, ein Boot zu chartern, um auf die Insel Carabane zu fahren. Am nächsten Morgen tauchte ein französischer Overlander auf, der spontan entschied, mit an Bord zu gehen. Auch er absolut erfrischend angenehm – ganz im Gegensatz zu den anderen Overlandern, die wir in den letzten Monaten getroffen haben. Wir lagen alle auf gleicher Wellenlänge und gleichem geistigen Horizont und schipperten morgens zwischen all den Delfinen über den Casamance Fluss. Obwohl wir schon unzählige Male Delfine gesehen haben, wärmt jeder weitere Delfin unsere Herzen, wie es nur wenige andere Tiere können. Wale zum Beispiel.

Die Insel Carabane war früher französische Regionalhauptstadt der Casamance, bis Frankreich 1888 die Stadt Ziguinchor von den Portugiesen übernehmen konnte. Carabane hatte damals rund 3000 Einwohner, heute sind es nur noch zwischen 3-400 Menschen auf der Insel, die einstigen Kolonialbauten verfallen oder werden anders genutzt.

Die katholische Kirche ist riesig im Vergleich zur Bevölkerung, die ehemalige katholische Missionsstation ist nun ein Hotel, der französische Friedhof nun ein Palmenhain und die „Spezialschule“ Ecole Spéciale, bröckelt in Ruinen vor sich hin. In dem Gebäude wurden Widerstandskämpfer gegen die Kolonialmacht gefangen gehalten. „Unbelehrbare“ in die „Spezialschule“…

Unser Bootsmann verbrachte den ganzen Tag mit uns, streifte mit uns durch die Ortschaft mit Schule und kleiner Markthalle und zu fünft saßen wir am weißen Sandstrand unter Palmen und futterten leckeren frischen Fisch mit Reis (was sonst, außer Shrimps?) und genossen die verschlafene Insel.

Auf der Rückfahrt steuerte er das Boot mitten in eine Delfinschule hinein und wir bekamen von den Tieren eine richtige Show geliefert. Sie schwammen so dicht neben dem Boot, dass man sie hätte streicheln können, wenn sie nicht so flink herumwuseln würden. Sie sprangen synchron zu dritt, tauchten frech vor oder neben uns auf und beglückten uns mit ihrer Anmut und magischen Aura, die sie umgibt. In der Ferne sahen wir andere Delfine mehrere Meter hochspringen und plantschen. Ein wunderschöner Tag! Glück ist schwer in Worte zu fassen…

Zu Sonnenuntergang saßen wir am Wasser, warteten auf den Teller frische Shrimps und schauten weiter den Delfinen zu. Der Abend war schön und uns tat es richtig gut, mit dem ortsansässigen Belgier, dem Franzosen und dem Deutschen zusammen zu essen und Spaß zu haben. Endlich wieder unter Gleichgesinnten und entspannten, positiven Menschen ohne Rassismus! Eigentlich wollten wir nur zwei Nächte bleiben und auch an Tag vier konnten wir uns nur schwer losreißen. Wenn man morgens vor Sonnenaufgang im Nachthemd am Ufer steht und die Delfine vorbeispringen sieht, kann man sich kaum trennen… Es ist einfach magisch, Teil dieses Naturzaubers zu sein, jeden Morgen zu hören, wie die Natur langsam aufwacht und die vielen, vielen Vögel den neuen Tag begrüßen, wie die Sonne langsam hervorkommt, die Krebse geschäftig über den Sand rennen, Wasservögel am Wassersaum entlangstolzieren und ihr Frühstück fangen, die Fischer ihre Netze sortieren und die Delfine ihren Spaß haben. Diese Magie ist schwer zu beschreiben. Sie ergreift Seele und Herz und rührt fast zu Tränen…

Wie muss es sein, wenn man inmitten dieses Zaubers aufwächst, als Teil der Natur Tag für Tag diese Schönheit erlebt und dann in die Stadt kommt? Wir fragten unseren Bootsführer. Furchtbar sei das. Nicht auszuhalten. Ein Tagesausflug in die nächste Stadt sei etwas, was er hasse. Er würde sterben, müsste er in der Stadt leben. Wir können das so gut nachvollziehen! Die Menschen im Dorf dort sind arm, wenn man ihre Lebensverhältnisse mit westlichen Maßstäben bewertet: kein Strom, kein fließendes Wasser, kaum Handynetz, keine Asphaltstraße im 20km Umkreis. Und doch sind sie so reich, wie die Menschen, die über „arm“ und „reich“ urteilen nie sein werden: reich, ein Teil des Zaubers der Natur zu sein. Ein Grund, warum wir unser Schlafzimmer in Bulgarien extrem selten nutzen: aufwachen, ohne den Sonnenaufgang zu sehen und die Natur beim Aufwachen erleben zu können, ein Morgen ohne Teil des Zaubers zu sein, ist ein denkbar schlechter Start in den Tag. Und einschlafen, ohne aus dem Bett heraus Sternschnuppen zählen zu können, ist ein trauriges Ende eines Tages. Wir haben uns dort am Fluss wieder geerdet und mit der Natur verbunden gefühlt. Es war einfach zauberhaft.

Leider gibt’s in der schönsten Natur meist kein brauchbares Internet und wir sind darauf angewiesen, um diese Reise zu finanzieren. Also können wir nicht ewig offline bleiben und müssen uns irgendwann von solchen Naturparadiesen mit schwerem Herzen trennen. Wir dachten, wir würden einen anderen schönen Ort finden: die Küste zwischen Cap Skirring und Kabrousse, schließlich ist dort extra für den „Club Méd“ ein Flughafen errichtet worden, über den die Pauschaltouristen zu genau dem Strand eingeflogen werden.

Wir fanden ein mit 15€ günstiges sauberes Zimmer direkt am Strand, es gab gutes W-Lan und die Motorräder parkten sicher vor unserer Tür. Doch leider ist der Strand voll toter Fische. Es stinkt und man muss beim Strandspaziergang aufpassen, wo man hintritt. Wir setzten uns in eine Strandbar mit leider unfreundlicher Bedienung und recherchierten: das Problem besteht seit Jahren: nachts kommen die großen Fischfabriken vor die Küste und verklappen ihren unerwünschten Beifang. Dass diese Fischfabriken hauptsächlich aus der EU und nicht China stammen, weil die EU den westafrikanischen Staaten die Fischereirechte unfair abgekauft hat, haben wir bereits mehrmals erzählt und Ihr könnt Euch hier einlesen: Europa kauft die Meere leer Die Fische sind also nicht an einer Krankheit, Alge oder einem Umweltgift verendet, sondern schlicht und einfach „unerwünschter Müll“.

Der Strand, der noch vom Fenster der Unterkunft traumhaft aussah, verdarb uns die Laune. Geier pickten an den Fischen herum, aber der Gestank nach faulem Fisch vertrieb selbst die Strandhunde und streunenden Katzen unter die Tische der Strandbars, um dort nach Essen zu betteln. Und wir ließen uns auch vertreiben. Morgens beim Frühstück konnten wir beobachten, wie der Strand von toten Fischen gereinigt wurde. Der Gestank nach Tod wehte vom Müllwagen zu uns über den Frühstückstisch, den wir fluchtartig verließen. Und nachmittags liegen die nächsten Fische wieder am Strand und stinken vor sich hin…

Für uns, die wir gerade mitten aus dem Naturzauber kamen, eine ziemlich harte Landung auf dem Boden der Realität. Und dabei dürften wir uns als Europäer gar nicht beschweren, denn schließlich haben wir (theoretisch) die „Volksvertreter“ gewählt, die für diese Situation hier verantwortlich sind. Theoretisch deshalb, weil es uns trotz Wahlrecht seit Jahren nicht möglich ist, an Wahlen in Deutschland oder der EU teilzunehmen. Ein schöner Artikel im Spiegel zu dem Thema, wie Auslandsdeutsche um ihr Wahlrecht gebracht werden, ist der hier: Herr Thiemann will wählen – doch Deutschland lässt ihn nicht Alles nicht so einfach. Eine Reise durch Westafrika hingegen ist für uns einfacher. Während Ihr das hier lest, wechseln wir wieder das Land. Es geht weiter gen Süden, nach Guinea Bissau. Wir sind gespannt! Die Wartezeit könnt Ihr mit dem neuesten YouTube Video überbrücken. Es zeigt, was es in Gambia noch so gibt, außer Strand. Nämlich Schimpansen, Nilpferde, Paviane und mehr…

P.S.: wir verstehen Eure Aufregung über das, was wir hier berichten. Hühnermüll aus der EU, Zwiebelexport zu Dumpingpreisen, Abkauf der Fischereirechte, EU Milchpulver voll Palmöl, Altkleidermüll aus Europa, Autoimporte etc. Das ist nicht schön, aber wir denken uns das nicht aus. Wir durften 2020, als wir in Usbekistan waren lernen, wie empfindlich unsere Blogleser auf Dinge reagieren können, die ihnen unglaubwürdig scheinen, weil sie das eigene Weltbild zum Bröckeln bringen. Seitdem sind in unseren Beiträgen alle “wilden Behauptungen” grundsätzlich durch seriöse Quellen hinterlegt. Immer. Ihr müsst einfach nur die im Text blau markierten Links klicken und selbst lesen. Manchmal (wie heute mit den toten Fischen oder der Architektur) sind diese Quellen nicht auf Deutsch, weil die deutsche Medienlandschaft zu manchen Themen auch gerne schweigt. Dann müsst Ihr google translate bemühen. Urteilt dann selbst, wie “wild” die “Geschichten” sind, die wir uns “ausdenken”…

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