Hier im Blog war lange Sendepause. Das hatte leider seine Gründe. In diesem Beitrag erfahrt Ihr, warum hier seit Mitte August Funkstille herrschte und dass Reisen nicht immer “Friede, Freude, Eierkuchen” ist. Wer nur Positives lesen möchte, wartet einfach auf den nächsten Beitrag in ein paar Tagen. Wer wissen möchte, wie es uns wirklich, abseits von fröhlichen bunten Bildern ging, der liest weiter. In den nächsten Tagen holen wir Blogpost für Blogpost auf, um Euch auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen. Es war leider nicht möglich, Euch öffentlich vorher auf dem Laufenden zu halten. Aber ab jetzt legen wir wieder los! Kocht Euch einen schönen Wintertee oder Kaffee und freut Euch auf insgesamt 6 neue Reiseberichte von uns! Wir hoffen, Ihr habt jetzt “zwischen den Jahren” etwas Zeit, um virtuell mit uns durch Bulgarien und Kasachstan zu reisen!

Ende August / Anfang September waren unser Passat Hans und ich (Silke) drei Wochen allein in Bulgarien unterwegs. Jan war ganz kurzfristig nach Deutschland geflogen, um einige wichtige Dinge „gerade zu rücken“. Wieso? Weshalb? Warum? Etwas kompliziert und auch der Grund, weswegen es hier im Blog seitdem keine Einträge mehr gab. Wir versprechen: wir holen alles nach und sind danach wieder up to date! Nur manchmal ist das einfach nicht möglich.

Jan war aus verschiedenen Gründen in Deutschland. Ausschlaggebend war die irrationale „Reisewarnerei“ Deutschlands. Das Auswärtige Amt schreibt zu Reisewarnungen: “Sie werden nur dann ausgesprochen, wenn aufgrund einer akuten Gefahr für Leib und Leben vor Reisen in ein Land oder in eine bestimmte Region eines Landes gewarnt werden muss.” Weil in Dobrich (Bulgarien) ein Altenheim zum Corona-Hotspot und in Varna eine Dialysestation ebenso zur „Virenhölle“ wurde, erklärte Deutschland Anfang August diese Regionen über Nacht zum Risikogebiet. Eine “Gefahr für Leib und Leben” für Deutsche in Bulgarien? Sicher nicht, aber die deutsche Regierung weiß es ja besser, die Reisewarnung machte für das Auswärtige Amt Sinn. Für uns nicht. Für die Bulgaren auch nicht.

Deutsche Reiseveranstalter sagten ihre Pauschalreisen ans Schwarze Meer ab, die Charterflüge wurden gestrichen, die Flughäfen Varna und Burgas bekamen EU-Hilfen in Milliardenhöhe (4,4 Millionen unserer Steuergelder, um genau zu sein! Quelle: aiffairesbruxelles), um ohne deutsche Charterflüge noch als Regionalflughafen betriebsbereit zu sein. Deutsche Reisewarnungen belasten dadurch finanziell alle in der EU.

Die Bulgaren hatten noch versucht, mit Deutschland zu reden (Quelle: the Sofia Globe), aber die Deutschen ließen nicht mit sich diskutieren, sie wussten es besser. Als nach zwei Wochen (!) die deutsche Reisewarnung wieder aufgehoben wurde, waren die EU-Gelder schon ausgegeben und die bulgarische Tourismusbranche am Ende: die Saison war mittlerweile für beendet erklärt, die großen All-inklusive-Resorts mangels Gäste geschlossen. Und unser Krankenversicherungsschutz erloschen.

Was viele (und bestimmt auch keiner in der deutschen Regierung) nicht wissen: viele Krankenversicherungen koppeln ihren Versicherungsschutz an deutsche Reisewarnungen. Das war eigentlich auch o.k., denn schließlich ist es verständlich, dass in Krisengebieten wie Afghanistan kein Versicherungsschutz besteht. Doch seit deutschem Beginn der Pandemie ist ja alles Risikogebiet und unter Reisewarnung gestellt, was nicht Deutschland heißt. Unsere Krankenversicherung (die Allianz/STA übrigens) gewährte eine Ausnahme: bleibt man in dem Land, in dem man am 16.3.2020 war, als eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen wurde oder reist man, sobald dies möglich wurde, in ein Land ohne Reisewarnung, bestand weiterhin Versicherungsschutz. So weit, so gut. Wenn man sich denn auch weiterhin in dem Land, in dem man am 16.3. war, aufhalten durfte. Denn das ist nicht überall der Fall. Noch nicht mal in der EU, wo einige EU Länder nicht zu Schengen gehören und man maximal 3 Monate bleiben darf. Bis Anfang August funktionierte das  prima für uns: Wir reisten im Juli aus „Risikoland“ Usbekistan nach Lettland und Bulgarien. Doch dann erfand Deutschland „regionale Reisewarnungen“. Und somit erlosch unser Versicherungsschutz über Nacht in zwei bulgarischen Regionen, in denen wir wahrscheinlich nie in Kontakt mit Altenheim oder Dialysestation gekommen wären. Trotzdem beurteilte Deutschland dies als “akute Gefahr für Leib und Leben”.

Und weil deutsche Reisewarnungen unberechenbar sind und sich nicht wirklich an der Situation vor Ort orientieren, begann für uns die tagtägliche Recherche: waren wir aus deutscher Sicht gerade in einem Risikogebiet aufgewacht? Hatten wir noch Versicherungsschutz? Sicherheitshalber schlossen wir in Bulgarien eine private Krankenversicherung ab, um auch dann noch versichert zu sein, wenn dem deutschen Staat plötzlich unser Schlafplatz zu riskant erschien und uns damit den Versicherungsschutz nahm. Wir zahlten also zwei Mal: an die bulgarische Versicherung und an die deutsche Allianz, jedoch ohne von letzterer Anspruch auf Leistung zu haben.

Was macht man da? Vertrag kündigen, statt jeden Monat zu zweit rund 85€ für ganz genau gar nix zu zahlen! Aber: um die Krankenversicherung zu kündigen, so die AGB, müssen wir das „Ende der Reise“ nachweisen. Easy! Melden wir halt Wohnsitz in Bulgarien an, dann sparen wir uns den Visa-Run nach Rumänien oder in die Türkei! (Bulgarien ist kein Schengen-Staat und so dürfen wir ohne Wohnsitz nicht länger als 3 Monate bleiben) Doch aus Deutschland kam eine überraschende Interpretation des „Reise-Endes“: ein Wohnsitz in Bulgarien bedeute kein Ende der Reise, es müsse schon ein Wohnsitz in Deutschland sein oder ein anderer stichhaltiger Nachweis, dass die Reise tatsächlich beendet sei. Anders kämen wir nicht aus dem Vertrag heraus. Tolle Wurst! Da waren wir von der Krankenversicherung schön geknebelt und von den Reisewarnungen der deutschen Regierung super gegeißelt…

Spontan flog Jan also nach Deutschland und meldete für uns beide bei seinen Eltern in Hamburg Wohnsitz an. Das ist laut Meldegesetz zwar seit 2015 verboten (und wird mit bis zu 50.000€ bestraft), aber der deutsche Staat zwang uns durch die Reisewarnung dazu. Und wenn man in Deutschland Wohnsitz hat, besteht Krankenversicherungspflicht. In Deutschland gilt unsere bulgarische Krankenversicherung jedoch nicht. Also hat Jan sich im Voraus arbeitslos gemeldet, um für die Zeit in Deutschland krankenversichert zu sein. Erste Baustelle bearbeitet: Allianz Versicherung gekündigt und trotz der Insolvenz des Vermittlers STA gab’s nach rund zwei Wochen die im Voraus bezahlten Beiträge (2500€) auch zurück. Endlich!

Übrigens haben wir Anfang Dezember durch Zufall herausgefunden, dass auch unsere private Pflegeversicherung, in die wir schon einige Jahre brav eingezahlt hatten zwar weltweit gültig ist (das war uns wichtig bei Vertragsabschluss), aber auch nur dort leistet, wo keine deutsche Reisewarnung gilt. Wo wir morgen durch Unfall/Krankheit oder übermorgen durch Alter pflegebedürftig werden, wissen wir heute nicht, aber Deutschland ist da sehr unwahrscheinlich. Leider sind mittlerweile deutsche Reisewarnungen nicht mehr das, was sie waren, als wir die Versicherung abgeschlossen haben und diverse pflegebedürftige Rentner in Spanien, Südfrankreich oder anderen beliebten Alterswohnsitze sind wie wir nun ohne Deckung. Noch sone tolle deutsche Wurst! Das viele Geld gibt’s natürlich nicht zurück, alles für den Popo eingezahlt wegen irrationaler deutscher Reisewarnungen. Schaut vielleicht mal in Eure Versicherungsunterlagen, ob da auch sowas drinsteht, falls Ihr Euch vorstellen könnt, im Alter in wärmeren Gefilden zu leben…

Mein Geburtsname fängt mit “F” an, nicht mit “W”. Aber die richtige Nummer (XYZ 170576 F XYZ) wurde gelöscht. Samt Daten!

Wir hatten aber noch weitere Baustellen in Deutschland: die deutsche Rentenversicherung hatte mir, wer weiß warum, im Laufe meines Lebens vier  (4!) Rentenversicherungsnummern zugeteilt. Kann ja mal passieren, wenn man es nicht so hat mit der Digitalisierung in Neuland. Als wir vor fast 3 Jahren die Damen und Herren darauf aufmerksam machten, folgten monatelange Diskussionen darüber, dass ich beweisen müsse, dass ich ich sei etc. Wir kürzen den ganzen Stress ab: am Ende wurde genau die eine richtige Nummer gelöscht. Die, die als eine Kombination aus Geburtsdatum und Geburtsname eigentlich eindeutig ist. Und mit ihr wurden auch die ersten 11 Jahre meiner Beiträge gelöscht. Ich hatte in den vergangenen 3 Jahren schon längst aufgegeben, mit solchen Menschen zu kommunizieren, doch Jan ist ein Kämpfer und versuchte bei einem persönlichen Termin bei der Rentenversicherung mit der Vorlage meiner (Gott sei Dank gut aufbewahrten!) Lohnsteuerkarten aus den 1990ern alles wieder gerade zu rücken. Ihr ahnt es bereits: da ist immer noch nichts „gerade gerückt“. Digitalisierung. Neuland. Ihr wisst schon…

Die Baustelle Nummer drei betraf den Austauschmotor meines eigentlichen Weltreisefahrzeuges, meiner Suzuki DR350S „Pet“. Diese war ja im Juni 2019 in Teheran „kaputt geschraubt“ worden und ich brauchte dringend einen Ersatzmotor, um rechtzeitig „mit eigenem Fahrzeug“ an der chinesischen Grenze zu stehen, denn wir hatten die 7 Wochen China schon bezahlt und die Reiserücktrittsversicherung sah einen Motorschaden nicht als Grund, um uns von der Reise zurück treten zu lassen. Versicherung halt. Machen wir nie wieder, wir lernen dazu. Doch der in Deutschland beim Händler gekaufte Austauschmotor erwies sich ja leider als gar nicht zuverlässig (kippelnder Kolben, big bore kit, verschlissene Kupplung,…), sodass es im Juli 2019 zu einem Fahrzeugwechsel kam. Hier könnt Ihr das nochmal nachlesen: Motorschaden im Iran und dann der Fahrzeugwechsel. Seitdem sind wir mit dem VW T4 Bus „Kittymobil“ unterwegs.

Der Händler hatte uns damals schriftlich zugesichert, den Motor wieder zurückzunehmen, da er angab, vom big bore kit nichts gewusst zu haben, den er mir als 350ccm Motor verkauft hatte. Ihr ahnt es? An die Rücknahmevereinbarung wollte er sich nicht mehr halten. Wegen Corona und sonstigen Dingen. 1000 Dank an unsere Freundin und Lieblingsanwältin, die dem Händler mit einem kurzen Schreiben die rechtlichen Konsequenzen erklärte. Jan fuhr also mit seinem Motorrad mit dem Motor (der im September 2019 in mein Motorrad eingebaut vom ADAC nach Deutschland gebracht wurde) auf dem Soziussitz nach Süddeutschland (2×2 Tage Katzensprung von Hamburg aus, haha), um den Motor anzuliefern. Natürlich hatte der Händler trotz Ankündigung des Übergabetages gerade kein Geld und überhaupt… Drei Wochen später war dann doch der Nervenkrieg beendet und ich hatte den Kaufpreis wieder auf dem Konto.

Die ganze Aktion mit dem Motorschaden hat uns übrigens die ADAC Plus Mitgliedschaft gekostet. Wir hätten „zu viele Leistungen in Anspruch genommen“. In 28 Jahren ADAC Mitgliedschaft EIN Fahrzeug-Rücktransport aus dem Ausland. Und dabei hat der ADAC auch noch mein Motorrad (und das zweite, was im selben Transport reiste) beim Rücktransport beschädigt. Wirklich viel zu viel Leitung in Anspruch genommen, jaja. Weil es sich um die Partner-Mitgliedschaft handelte, waren wir beide betroffen: Gruppenhaft. Wir sind jetzt mit zwei getrennten Mitgliedschaften bei „Mobil in Deutschland“. Die Leistungen sind sogar einen Tick besser als beim ADAC (abgesehen davon, dass der ADAC auch LKW absichert, „Mobil in Deutschland“ nicht) und der Beitrag ist deutlich günstiger. Falls also jemand eine Alternative zum ADAC sucht: Mit dem Code 207015535 schenkt Ihr uns einen Amazon Gutschein, wenn Ihr selbst (ab 28,00€) Mitglied werdet! (auf der 2. Seite des Antrags “Mitglieder werben Mitglieder” wählen). Tipp an alle: niemals eine Partner-Mitgliedschat abschließen! Das spart zwar erstmal Geld, verdoppelt im Ernstfall aber den Ärger.

Jan war also ziemlich „busy“ in Deutschland, um alle Baustellen zu beseitigen. Als er nach drei Wochen wieder zurück nach Bulgarien flog, hatten wir einige tausend Euro mehr auf dem Konto (im Voraus bezahlte Beiträge der Krankenversicherung, Kaufpreis des Motors). Die drei Wochen Stress in Deutschland haben sich finanziell also gelohnt.

Warum Jan alleine fuhr? Nun, ich bin Risikopatient und für mich ist Deutschland ein Hochrisikoland. Auch, wenn Deutschland das anders propagiert und durch Reisewarnung für den Rest der Welt schön nach außen trägt. Die Zahlen im internationalen Vergleich (bitte nicht immer mit Italien, Frankreich, Brasilien oder USA vergleichen und die Zahlen immer ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen setzen!) sind leider weniger rosig. Dieser Artikel spricht es aus: “Der Corona Selbstbetrug in Deutschland

Ich hatte in Sofia eine Woche lang ein Apartment gemietet. Dort hatte ich Zeit, um die Reisekasse (ich arbeite seit 2014 (!) als freie Autorin) wieder schön zu füllen und mit meinem netten Gastgeber in die bulgarische Weinlese zu gehen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich in einer Weingegend aufgewachsen bin (Nahewein, ein Edelstein!) und dies nicht meine erste Weinlese war. Die Bulgaren wussten das natürlich nicht und waren ganz erstaunt, dass ich keine „neugierige Touristin“ bin, sondern ganz normal mit angepackt habe. Mit viel Spaß! In Bulgarien war es Anfang September tagsüber noch rund 40°C heiß, sodass die Lese in den frühen Morgenstunden stattfand: um 9:30 waren wir schon fertig. Herrlich, morgens mit dem ersten Vogelgezwitscher im Wingert zu stehen und die eine oder andere Traube im Mund verschwinden zu lassen. Bio versteht sich. Mein AirBnb Gastgeber hatte schon Streit mit den Winzern der angrenzenden Wingerte, weil bei ihm Gras zwischen den Reben wächst…

So ganz alleine war ich nicht in Sofia, denn Freunde aus Deutschland und Spanien/Iran waren da! Zu dritt zogen wir durch Bulgariens Hauptstadt und entdeckten bei einer gemeinsamen Stadtführung  so einige Ecken, die uns noch völlig unbekannt waren. Ja, “jeder” fährt an Sofia vorbei, “ist ja nur ne Ostblock-Stadt”. Wer aber Sofia kennt, der weiß, dass man, würde man vom Himmel fallen und müsste die Stadt raten, eher auf “Wien” tippen würde. Bis man zur Nevski Kathedrale kommt oder sich über die vielen Löwen (Wappentier Bulgariens) wundert. Traut Euch! Fahrt mal hin!

Hans war derweil im „Spa“ und bekam nach zwei Monaten absolut zuverlässigem „Dienst“ einen Ölwechsel, neues Kühlwasser, neue Bremsflüssigkeit, einen neuen Zahnriemen und ein Teil an der Gasanlage ersetzt. Wir hatten beschlossen, aufgrund der aktuellen Lage Hans nicht nur als „Kurzzeit-Camper“ zu nutzen, sondern länger zu behalten und da machten dann ein paar Wartungsarbeiten Sinn. Eigentlich wollte ich die Gasanlage auf der Zulassungsstelle in Sofia in die Papiere eintragen lassen, da das aber rückwirkend nicht mehr mit der vorhandenen Anlage ging, fahren wir jetzt weiter als „Benziner“. Auch in Bulgarien gibt es Vorschriften… Hinter der Zulassungsstelle befindet sich übrigens das “Museum für sozialistische Kunst”. Der Skulpturengarten ist interessant und der im Museum gezeigte Film den Eintritt wert. Ein echter Zufallsfund mit den Papieren fürs Amt in der Hand 🙂

Mehr Gepäck haben (und brauchen?) wir nicht. Seit Februar 2020.

„Nach getaner Arbeit“ (im Wingert, in der Werkstatt und am Schreibtisch) packte ich meine wenigen Habseligkeiten (wir reisen ja seit Februar mit kleinem Handgepäck!) wieder zusammen und fuhr alleine los. Nicht wirklich alleine: Hans war ja dabei. Ich fuhr zunächst gen Norden und traf mich dort mit Jenni und Flo in ihrem „Katastrophenschutzbus“: den ersten Overlandern, die ich seit November 2019 in Ulan-Batar (Hallo Geri) überhaupt getroffen habe! Das tat gut! Hans und ich erkundeten die Region und zogen uns zum Schlafen jede Nacht auf über 1000m zurück, um der Hitze des Septembers zum Schlafen zu entkommen.

Wir fanden wunderschöne Stellplätze im touristisch völlig unentdeckten Nordwesten des Landes, inmitten duftender Wiesen voll Bergkräuter mit schönster Aussicht und Sonnenauf- und – untergängen, die mein Herz jeden Tag aufs Neue zum Schmelzen bringen… In einem klitzekleinen Sackgassen-Tal besuchte ich das „Kloster der sieben Altäre“, in dem sieben klitzekleine Räumchen mit kunstvoll geschnitzten Altären rund um ein kleines Kirchenschiff angeordnet sind. Sehr, sehr süß und abgeschieden!

Die Straße dorthin war ziemlich mit Brombeeren zugewachsen. Ich habe mir den Magen vollgeschlagen, eine Schüssel fürs Frühstück am nächsten Tag gesammelt und eine Müslischale voll Pflaumen geerntet. Paradies! Wo einem das Obst in den Mund wächst…

Nach einem Stopp zum Wäschewaschen in Sofia fuhr ich nach Süden in die „richtigen“ Berge des Pirin- und Rilagebirges. Mein Ziel war Bansko, ein kleiner Ort in den Bergen, der eigentlich nur im Winter als Skiresort bekannt ist. Mittlerweile ist Bansko jedoch zu einem „Digital Nomad Hub“ geworden: einem Ort, an dem sich sehr viele Menschen aufhalten, die wie ich online ihr Geld verdienen und Vollzeit reisen. Angefangen hat alles mit einem von Deutschen geleiteten Coworking Space. Mittlerweile gibt es drei solche „Büros“ im Ort und als ich dort war, arbeiteten in Bansko rund 100 Digitalnomaden, etwa 70 davon aus Deutschland. Ich traf mich mit einem deutschen Pärchen, das auch seit über zwei Jahren arbeitend durch die Welt reist und das Jan und ich im Juli in Sofia getroffen hatten.

Die beiden Tage, die ich in Bansko verbrachte, waren unglaublich entspannend: wenn am Tisch keiner Fragen stellt, wie man das Reisen finanziert; wenn keiner bezweifelt, dass so etwas überhaupt möglich ist; wenn keiner einem den Lebensstil neidet; wenn es total normal ist, trotz Pandemie nicht „zurück zu Mutti“ gefahren zu sein; wenn selbstverständlich zwischen zig Fremdsprachen hin- und her gewechselt wird. Wenn man plötzlich unter 20 Kollegen am Tisch sitzt, ohne sie jemals vorher getroffen zu haben. Das macht das Herz wirklich leicht: unter Menschen zu sein, denen man das eigene Leben nicht ständig erklären muss und die auch ihren Traum leben, statt andere zu beneiden, die es tun…

Ich verließ die Berge und fuhr nach Plovdiv, wo ein Markt für Handwerkskunst stattfand und mein Freund Kiril aus Sofia einen Stand hatte. Ich weiß nicht, wie oft ich mittlerweile schon in Plovdiv war, aber es ist immer wieder schön. Die Altstadt, das Künstlerviertel Kapana, die süßen kleinen alternativen Läden und Cafés, das studentische Flair, die reiche Geschichte und das ewig gute Wetter, was auch im September noch zu heiß war für eine ruhige Nacht unterm Dach meiner Unterkunft.

Nach einem Wochenende in der Stadt fuhr ich in die thrakische Tiefebene. Die heißt so, weil sich dort besonders viele Siedlungen und Gräber der Thraker befinden. Als wir 2016 mit der Balkan Offroad Rallye dort waren, fuhren wir immer wieder an Hinweisschildern zu Sehenswürdigkeiten vorbei. Jetzt wollte ich mir ein paar davon anschauen. Ich fuhr nach Hisarja.

Hisarja ist seit römischen Zeiten ein Kurort, da dort eine Heilquelle mit heißem Wasser entspringt. Die Einheimischen füllen das Wasser im Kurpark in Kanistern ab, die Kurgäste baden darin ihre müden Knochen und trinken es gegen Nierenleiden. Natürlich habe ich es auch probiert. Nicht lecker, aber soll ja gesund sein!

Die Innenstadt ist bis heute von einer bis zu 11m hohen Stadtmauer umgeben, die bestens erhalten (und nicht rekonstruiert!) ist. Man kann römische Bäder und eine römische Villa besichtigen, im Kurpark flanieren, in zahlreichen Cafés einkehren und den Kurgästen und ihren Kurschatten zusehen. Meine Anwesenheit im Ort hat den Altersdurchschnitt der Gäste um Jahrzehnte gesenkt. 😊

Für mich ein Highlight war das römische Grab. Mangels Touristen war ich der einzige Besucher im Hügelgrab und der Museumswärter hatte Freude daran, mir eine Führung zu geben. Vor der Tür brannte die Hitze, im Grab war es angenehm kühl. Überhaupt: die Hitze. Nach drei Nächten in der Stadt hatte ich eigentlich vor, wieder in der Natur in Hans, „zuhause“ zu schlafen. Doch als ich ins Auto stieg, setzte ich mich in einen Backofen. Die thrakische Tiefebene ist die heißeste Region Bulgariens und auch im September ist ein schwarzes Auto dort keine gute Idee. Hans hat zwar Klimaanlage, aber zum Schlafen konnte ich die natürlich nicht laufen lassen. Ich suchte nach Wind, doch fand nicht mal ein laues Lüftchen. Ich griff zum Handy und fand bei Booking.com ein Fremdenzimmer „bei Oma“ für 11€. Das Zimmer war im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses und Oma herzte mich sofort. Sie sprach zwar nur Bulgarisch, aber meins wird täglich besser. Was eine herrliche Gastfreundschaft!

Am nächsten Morgen fuhr ich früh los, um vor der großen Mittagshitze zwei weitere thrakische Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Insbesondere das Grab bei Starosel lockte mich, hatten wir doch vor vier Jahren mit der Rallye drei Nächte am Fuße des Hügels übernachtet, auf dem das Grab gefunden wurde.

Der thrakische Palast, den ich danach besichtigte, war unter einem Dach aus Plexiglas, sodass ich spontan entschied, der Hitze zu entfliehen und so hoch wie möglich in die Berge zu gehen. Ich verbrachte die Nacht ganz alleine (mit Hans natürlich) auf rund 1600m neben dem Freiheitsbogen auf dem Troyan-Pass. Der Name passte zum Gefühl: hoch oben ganz allein zu stehen, vom Wind durchgeschüttelt zu werden und den Sonnenuntergang aus allen Himmelsrichtungen bei freier Sicht über die Berge genießen zu können.

Und am nächsten Morgen den Sonnenaufgang aus dem Bett im 360 Grad Rundumblick in mich aufzusaugen. Nur Hans, die Berge, die Sonne und ich. Und der Wind, der Hans die ganze Nacht durchschaukelte. Solche Momente, solche Übernachtungsplätze, solche Stunden sind unbezahlbar und voller Magie… Die Natur schafft es immer und immer wieder, mich zu verzaubern und die Tränen vor Glück in die Augen zu treiben.

Meine drei Wochen allein mit Hans neigten sich dem Ende zu. Die Nacht unter dem Freiheitsbogen war jedoch die Krönung dieser Wochen. Ich fuhr für eine Nacht zurück nach Sofia zum Wäschewaschen. In „meinem“ AirBnb war ein zweiter Gast: ein tiefbrauner Rassist aus Algerien, der mir nach dem ersten „Hallo“ meinte erklären zu müssen, wie das mit den Juden so sei und dass die Deutschen von Ausländern verunreinigt seien und nur Araber reines Blut hätten, Bulgaren eigentlich dreckige Mongolen seien und COVID-19 natürlich auch von Juden erfunden sei… Ich flüchtete früh morgens in ein Café, um dort mit Bulgaren das typische Fettgebäck „Mekitzi“ zu frühstücken und holte dann Jan vom Flughafen ab. Seit dem 18. September reisen wir wieder zu dritt: Jan, Hans und ich.

Und wohin die Reise ging, erfahrt Ihr in Kürze im nächsten Beitrag! Und das wird dann ein 100% positiver Beitrag.

Euch gefällt unser Blog? Schön! Dann unterstützt uns und sagt Danke! Das geht ganz einfach aus fremden Taschen:

  • Abonniert unseren YouTube channel: unser YouTube Kanal
  • Kauft über unseren Amazon Affiliate Link ein: Amazon.de
  • Bucht Reisen und Unterkünfte über unser Booking Affiliate: Booking.com
  • Lest oder verschenkt unser EISREISE Buch (und hinterlasst eine Bewertung): unser EISREISE Buch
  • Designt über diesen Link T-Shirts und mehr für Euch oder als Geschenk: https://shop.spreadshirt.de/traveLove/
  • Oder zückt Euer eigenes Portemonnaie und ladet uns virtuell zum Kafee ein. Paypal Spende: https://www.paypal.me/travelove4u
  • Möchtest Du uns regelmäßig auf ein Käffchen einladen, schau mal hier: Steady
  • Überweisung: Jan-Hendrik Neumann, IBAN: LT44 3500 0100 111 0300 BIC: EVIULT2VXXX (Bank: Paysera LT, UAB)
  • Wir gehen mit der Zeit und akzeptieren auch Bitcoins. 🙂 Unser Wallet: 3PVxaabSZGwfWwzFykxLJqTwV7rYrpqjK8

Als Dankeschön für die Spende gibt’s ein Foto von uns mit Deinem Namen und dem “Investitionsgut”. Du findest Dich dann in dieser Galerie wieder.

Danke, dass Ihr nicht nur unsere Inhalte konsumiert, sondern uns auch dabei unterstützt, die Kosten für Website & Co zu decken.